Archive for April, 2011

Wie “The People’s Supermarket” in London seine Kunden zu Mitarbeitern macht

Es soll tatsächlich Menschen geben, die bei ihrem Einkauf im Supermarkt außer dem hastig geschriebenen Einkaufszettel und einem Einkaufskorb auch noch ein klitzekleines schlechtes Gewissen mit sich herumtragen – weil sie wissen, dass die Mitarbeiter, die am Morgen die Regale füllen, an der Käsetheke den Gouda schneiden und bis spätabends abkassieren, dafür nicht gerade fürstlich entlohnt werden. Gut, die meisten deutschen Verbraucher achten eher darauf, dass sie für möglichst wenig Geld möglichst viele Lebensmittel nachhause schleppen können.

Aber bloß mal angenommen, Sie gehörten zu den wenigen, denen es nicht egal ist, dass die geringen Preise im Discounter auch mit den Lohnkosten fürs Personal zu tun haben: Es gibt eine Alternative dazu, den Arbeitskräften wenig Geld zu zahlen.

Und die lautet: Man zahlt ihnen gar nichts.

Das mag zunächst wie der Alptraum jedes Kapitalismusverächters klingen, ist aber zum Beispiel in Großbritannien längst Wirklichkeit – und das, ohne dass die Gewerkschaften dagegen auf die Straße gingen. Denn im “The People’s Supermarket” im Londoner Stadtteil Holborn arbeiten Menschen nicht nur freiwillig, sie zahlen absurderweise auch noch Geld dafür.

Was sich nach einer besonders perfiden Art der Ausbeutung anhört, geht in Wirklichkeit auf die Initiative des Berufskochs Arthur Potts Dawson zurück und wird die etablierten Supermarktketten zwar nicht unbedingt das Fürchten lehren, soll aber aufzeigen, dass es eine Alternative gibt zum national gesteuerten Lebensmittelhandel, der in Großbritannien zu 75 Prozent von vier großen Ketten beherrscht wird (Tesco, Sainsbury’s, Asda und Morrisons).

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Erster Besuch am Sandwich-Regal: Hält der neue Rewe to go sein Versprechen?

Wenn Sie in der Kölner Fußgängerzone bald Leute sehen, die ein dampfendes Hacksteak mit Zwiebelsoße vor sich hertragen und es dabei ein kleines bisschen eilig haben, wundern Sie sich nicht! Lesen Sie lieber diesen Text. Danach wissen Sie, wieso.

Am Dienstag jedenfalls hat Rewe in der Kölner Innenstadt seinen ersten so genannten “Convenience-Shop” eröffnet – einen Laden für alle, die es bei der Nahrungsaufnahme etwas eiliger haben. Das Supermarktblog erklärt, wie der neue Laden funktioniert und ob sich der Einkauf lohnt.

Die Idee
Der deutsche Lebensmittelhandel ist (anders als zum Beispiel ein Ponyhof) kein Ponyhof, weil die etablierten Handelsketten den Markt längst unter sich aufgeteilt haben und Discounter wie Aldi die Kunden dazu erzogen, dass sie auch für wenig Geld mit einem vollen Einkaufswagen aus dem Laden gehen können. Also müssen sich die Unternehmen neue Konzepte ausdenken, um den Umsatz zu steigern – zum Beispiel mit Minimärkten, in denen es vor allem Lebensmittel gibt, die aus der Verpackung unmittelbar in den Magen ihrer Käufer landen sollen.

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Jedes. Produkt. Einzeln. In die. Tüte: Was Real über Selbstbedienkassen gelernt hat

“Geben Sie. Die Anzahl. Für. Die Gurken. Ein. Berühren Sie. Anschließend. Eingabe. Eins. Legen Sie. Die Gurke. In die. Einkaufstüte. Neunund. Dreißig. Cent”, sagt die Stimme, zu der es kein Gesicht gibt, die ich mir aber immer als große Schwester der Frau vorstelle, die in der Berliner U-Bahn die Ersatzverkehrsdrohungen ausspricht. Sie wohnt in den Automaten, die die Handelskette Real in ihren Märkten aufgestellt hat, um den Kassiervorgang im Lebensmittelhandel zu modernisieren.

Wenn eine laute Frauenstimme über mehrere Meter Entfernung gut hörbar bekannt gibt, was es bei Ihnen nachher alles zum Abendbrot geben soll, ist das vielleicht modern. Vor allem aber gewöhnungsbedürftig.

Die so genannten SB-Kassen (“SB” für Selbstbedienung) von Real wirken monströs. Auf zwei Metern Breite ist an der Seite ein großer Bildschirm montiert, auf dem Bedienanweisungen erscheinen; vorne und unten gibt es Strichcode-Lesefenster, dazu ein schnurgebundenes Lesegerät; an der Seite sind Plastiktüten an metallenen Wäscheleinen in Armhöhe aufgespannt, und von einer separaten Kiste wird Kleingeld entgegen genommen, direkt neben dem Einzug für Geldscheine.

Ungefähr so stellt man sich als Laie die Steuerkonsole im Todesstern vor.

Jedes eingelesene Produkt muss erst einzeln in eine vorbereitete Tüte gelegt werden muss, damit der Bezahlvorgang vorgesetzt werden kann (“scan ‘n bag” heißt das im Fachsprech). Gut möglich, dass die Kinder den Papa nicht mehr erkennen, wenn er nach dem Joghurteinkauf für die Großfamilie aus dem Markt zurückkehrt.

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Aufgepasst, Mittagesser! Rewe versucht sich in Köln als Imbiss-Alternative

Und wo gehen Sie mittags essen? In der Kantine, wenn’s sein muss? Beim Schnellchinesen um die Ecke, einmal schön Ente mit extra Glutamat obendrauf? Doch nicht etwa beim Burgerladen? Deutschlands zweitgrößte Handelskette Rewe hätte da ab sofort noch eine Alternative zu bieten: Für Berufstätige, die als Selbststullenschmierer bisher gnadenlos versagt haben, hat am Dienstagmorgen in Köln die erste Filiale “Rewe to Go” eröffnet, eine Mischung aus Mini-Supermarkt und Selbstversorgeranlaufstelle, die sich als Fastfood- und Imbiss-Alternative etablieren soll.

Neu ist das Konzept nicht – zumindest nicht für Großbritannien-Urlauber, die es gewohnt sind, sich in den Filialen von Tesco Express oder Sainsbury’s Local selbst mit frisch zubereiteten Häppchen einzudecken.

Für deutsche Verhältnisse ist die Neueröffnung allerdings wegweisend, weil Rewe, wenn sich das Experiment in Köln durchsetzt, auch in anderen Großstädten solche “Convenience”-Läden eröffnen will. In Frage kämen “hoch frequentierte Standorte wie Einkaufs- und Geschäftsstraßen, Bahnhöfe, U-Bahn-Stationen, Einkaufszentren oder Flughäfen”.

Das Konzept ist denkbar einfach: Statt der gewohnten Produktvielfalt im normalen Supermarkt, beschränkt sich “Rewe to Go” auf Produkte, die gar nicht erst den heimischen Kühlschrank erreichen sollen. Sondern von den Käufern am besten sofort gefuttert werden.

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