Archive for Mai, 2011

Netto verpasst seiner Eigenmarke “BioBio” schon wieder ein neues Design

Es ist gut möglich, dass man beim Edeka-Discounter Netto am Anfang gar nicht verstanden hat, was dem Unternehmen da für ein Schatz in den Schoß gefallen ist. Als das Bundeskartellamt Ende 2008 die Übernahme des Tengelmann-Discounters Plus genehmigte und mit der Umgestaltung der Filialen in Netto-Märkte begonnen wurde, verschwanden nach und nach nicht nur die “kleinen Preise”, sondern auch zahlreiche Plus-Eigenmarken aus den Läden, um durch die von Netto ersetzt zu werden.

Das war zunächst einmal relativ undramatisch, weil den meisten Discounter-Kunden egal ist, was genau auf ihrer Butter steht.

Mit einer Ausnahme: Im März 2002 hatte Plus als erster Discounter Deutschlands Produkte mit offiziellem Biosiegel ins Angebot genommen und lag damit goldrichtig. Die Kunden wollten günstig einkaufen, waren aber bereit, für Bio-Lebensmittel mehr Geld auszugeben.

Mit “BioBio – Bio-Produkte für alle” hat sich im Laufe der Jahre eine Eigenmarke etabliert, die in der Wahrnehmung der Verbraucher fast mit “echten” Marken mithalten konnte. Auf diese Weise hob sich Plus von Wettbewerbern wie Aldi und Lidl ab, die lange Zeit ausschließlich auf niedrigste Preise setzten, und versöhnte die Günstigkäufer mit denen, die Wert auf ökologisch hergestellte Lebensmittel legten. Kurz gesagt: “BioBio” wäre für Netto das ideale Werkzeug gewesen, um den früheren Plus-Kunden die Umstellung “ihrer” Märkte leicht zu machen. Aber Kommunikation ist nicht gerade die Stärke deutscher Discounter.

Und in der Umbauphase blieben zunächst einmal viele der Regalplätze leer, wo zuvor “BioBio”-Produkte zu finden waren. Netto ließ seine Kundschaft ratlos zurück: War’s das jetzt?

Einige Kunden schimpften ins Internet hinein, dass ihnen ihr Lieblingskäse, die Tofubratlinge und die Milch weggenommen worden sei. Dabei hätte sich Netto diesen Image-Ärger ersparen können: wenn die Information weitergegeben worden wäre, dass “BioBio” seinen festen Platz im Sortiment behält – auch wenn es in den Läden erst einmal nicht danach aussah. Dass einige Produkte zeitweise nicht mehr verfügbar waren, könnte damit zusammenhängen, dass Netto zum Teil mit anderen Herstellern als Plus zusammenarbeitet und der Übergang nicht ohne kurzfristige Ausfälle zu managen war. Dazu mag sich Netto auf Anfrage aber nicht äußern.

Heute jedenfalls gehört die Eigenmarke wieder ganz selbstverständlich zum Angebot dazu. 150 bis 170 Produkte mit dem grünen Logo werden in den Märkten angeboten, je nach Saison. Außer Obst und Gemüse, Molkereiprodukten und Aufschnitt würden vor allem Nudeln und Reis besonders oft gekauft, sagt Netto-Sprecherin Christina Stylianou. “Ökotest” hat einer Auswahl gerade das Siegel “sehr gut” verliehen.

Das mag für Inhaltsstoffe und Geschmack gelten. Aber beim Packungsdesign hat sich Netto zuletzt größte Mühe gegeben, die Marke zu verhunzen.

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Chef, das Fleisch funkt – Ein Testeinkauf im Real Future Store

(aktualisierte Version vom 30. Mai mit Real-Statements)

Wenn die Logos noch ein bisschen größer geraten wären, könnte man sie vermutlich auch vom Mond aus sehen und wüsste: Ach, da unten kaufen die Menschen gerade fürs Wochenende ein. Wobei das als Werbebotschaft für potenzielle Kunden, die sich gerade in zirka 380.000 Kilometer Entfernung aufhalten, natürlich nur bedingt geeignet ist. Aber der Metro-Konzern ist nunmal ziemlich stolz auf den riesigen Markt, den er da ins niederrheinische Tönisvorst nahe Krefeld gebaut hat.

Und deshalb leuchten auf dem Dach riesige Buchstaben in Rot und Blau, die außer von Mondreisenden auch von vorbeifahrenden Pendlern gesehen werden können, denen es etwas leichter fällt, ihr Gefährt auf den überdachten Parkplatz des Real Future Store zu lenken.

“Das SB-Warenhaus der Zukunft” verspricht Metro seinen Kunden – auch wenn die Zukunft des Einkaufens vielleicht nicht ganz so spektakulär ist, wie Sie sich das jetzt vorstellen.

Na gut: Es gibt die Richtungsroboter Ally und Robert, die einem den Weg zu den gesuchten Produkten weisen könnten – wenn auf ihren Displays nicht gerade “macht Pause” stünde. Wer sich vorher gegen Altersnachweis eine Chipkarte freischalten lässt, kann an der Wein-Probierstation testen, welche Sorte sich am besten fürs Geburtstagsdinner eignet – jedenfalls wenn man riskieren mag, sich nachher aus dem Industriegebiet mit dem Taxi abholen zu lassen. Und bezahlt werden kann nachher in so vielen Varianten, dass die Kassenzone einem metallenen Irrgarten gleicht.

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Backtheken im Discounter: Lidl macht den eigenen Partnern Konkurrenz

Manfred Z. ist Besitzer einer Bäckerei in Bayern, heißt eigentlich gar nicht so, möchte aber seinen Namen lieber nicht im Internet lesen. Trotzdem ärgert er sich: Der Bäcker betreibt im Umkreis seines Ladens mehrere Filialen, drei davon in Anbauten von Lidl-Märkten, die er für fünf Jahre angemietet hat, um die Kunden des Discounters mit frischen Brötchen, Brot und Gebäck zu versorgen.

Im vergangenen Jahr hat Lidl damit begonnen, Backstationen in diese Filialen einzubauen – keine Automaten, wie sie Aldi nutzt, sondern Theken mit Auslageflächen, die von den Mitarbeitern der Märkte nach dem Aufbacken befüllt werden. Damit gelten die aufgebackenen Brote und Brötchen als SB-Ware, und die darf laut Vertrag mit den Bäckern jederzeit angeboten werden. Und zwar sehr viel günstiger als die Produkte, die Z. ein paar Meter daneben in seiner Filiale verkauft. Z. sagt:

“Wir haben Einbußen bis zu 35 Prozent, das ist ziemlich happig. Beim Discounter wird das Croissant für 29 Cent verkauft – so viel kostet bei uns eine einfache Semmel. Da ist’s ja logisch, dass der Kunde uns fragt: Was soll das?”

Und was sagt er seinen Kunden dann?

“Ich sag, dass wir kalkulieren müssen. Wie Lidl das macht, weiß ich nicht.”

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Brötchen aus dem Automaten: Wie Aldi mit seinen “Backöfen” die Bäcker ärgert

Dass bei Aldi keineswegs nur die Leute einkaufen, die aufs Geld schauen müssen, sondern auch viele von denen, die das nicht zu tun bräuchten, ist bekannt. Aber dass Richter jetzt auch schon ihre Arbeit im Discounter erledigen – das ist neu.

Als sich vor einigen Wochen die Anwälte von Aldi Süd mit denen des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks vor dem Landgericht Duisburg trafen, um die Klage des Verbands gegen die neuen Backautomaten des Discounters zu erörtern, erklärte der zuständige Richter kurzerhand, die Beweisaufnahme in den nächstgelegenen Aldi-Markt verlagern zu wollen. Er habe das im Internet recherchiert. In einer halben Stunde treffe man sich dort.

Also stand der Richter nachher in der Aldi-Filiale in Duisburg-Neudorf und verlangte, die Teigprodukte sehen zu können, die von den Mitarbeitern in den Automaten geschoben werden. Aldi lehnte ab.


“Backofen”-Automat in einer Aldi-Süd-Filiale: sieht aus wie ein Fahrscheinautomat für Riesen

So erzählt es zumindest Amin Werner, Hauptgeschäftsführer des Bäckerhandwerkverbands in Berlin. Dieser will verhindern, dass Aldi die riesigen Backautomaten, die seit einiger Zeit in die Süd-Filialen des Konzerns eingebaut werden, weiterhin “Backofen” nennt. “Das setzt nämlich voraus, dass ein Backvorgang stattfindet. Das bezweifeln wir – und das kann auch in der Kürze der Zeit gar nicht passieren. Es geht um Sekunden, mitunter auch mal eine Minute. Um ein ordentliches Brot mit 750 Gramm zu backen, brauchen Sie aber anderthalb Stunden”, sagt Werner.

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Hereinspaziert! Die Abschaffung der Personen-Vereinzelungsanlage

Wer heute neue Bekanntschaften schließen möchte, geht dafür einfach ins Internet – und nicht mehr, wie früher, in den Supermarkt. Das hat gleich zwei Vorteile: Erstens kann man sich im Netz aussuchen, mit wem man ins Gespräch kommen mag. Und zweitens geschieht das Kennenlernen freiwillig, ohne dass man sich mit anhaltendem Entschuldigungsmurmeln an der Kassenschlange entlang zum Ausgang drängeln muss, wenn das Obst zu teuer, kein Kaffee mehr da war oder man nicht zu den Leuten gehört, die durch lautstarkes Motzen das Öffnen einer weiteren Kassenschlange zu erzwingen versuchen, an die sich sogleich alle übrigen Wartenden umverteilen (vorzugsweise, indem sie ihren Konkurrenten den Einkaufswagen in die Hacken rammen).

Ohne Drängeln kam noch vor einigen Jahren keiner mehr aus dem Markt raus. Die geschlossenen Kassen waren durch Sperren verriegelt und der Weg zurück durch die Eingangstür nicht nur mit roten Verbotsschildern untersagt, sondern auch durch silbern schimmernde “Personenvereinzelungsanlagen” gesichert.

Oder wie normale Menschen sagen: Drehkreuz.

Die Botschaft der Märkte lautete: Wenn du schon da bist, kaufst du gefälligst auch was ein! Und wenn nicht, gestalten wir dir den Weg nach draußen so unangenehm wie möglich.

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