Das Nervige am Einkaufen ist ja die fürchterliche Zweckgebundenheit. Anders formuliert: Es macht einfach keinen Spaß, seinen Einkaufswagen durch lange hässliche Regalreihen zu schieben, um dort das herauszusuchen, was zuhause im Kühlschrank fehlt. Am Ende muss auch noch dafür bezahlt werden und in langen Schlangen darauf gewartet, dass es soweit ist. Anschließend wird man augenblicklich aus dem Laden bugsiert.
Der Kunde hat seine Schuldigkeit getan, der Kunde kann gehen.
Das ist in Großbritannien auch nicht anders – aller Innovationslust zum Trotz. Wer in London durch einen durchschnittlich überdimensionierten Tesco oder Sainsbury’s läuft, staunt zwar über die Vielfalt der Produkte, ein besonders ästhetisches Erlebnis ist so ein Einkauf allerdings nicht.

Braucht ja auch kein Mensch, sagen Sie jetzt. Jedenfalls bis Sie zum ersten Mal in einem Laden gestanden haben, bei dem es selbstverständlich ist, sich auch – wohlzufühlen. Mir ist das neulich im Whole Foods Market in Kensington so gegangen, weil dort alles genau andersherum funktioniert wie im normalen Supermarkt. Statt möglichst schnell wieder rausgeschmissen zu werden, suggeriert einem alles: Bleib doch noch ein bisschen – und nimm dir Zeit!
Das beginnt bei der hellen, freundlichen Ladengestaltung: Regalreihen und Wände sind unaufdringlich erdfarben, selbst im Kellergeschoss gibt es absolutes Neonlichtverbot, trotzdem leuchtet der komplette Laden taghell und ermöglicht sofort einen Überblick, weil die Regale nicht bis unter die Decke hochgezogen sind. Die integrierte Bäckerei ist das Gegenteil des Brötchenknasts der großen Ketten: alles ist luftig-offen, unter den frisch gebackenen Broten stapeln sich die Mehlsäcke.











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