Archive for Oktober, 2011

Eigenmarken-Vergleich: Rewe reißt Mandarinen – und Tengelmann schweigt

Vorhang auf für den “Superstar am Markenhimmel”, der sämtliche Eigenschaften besitzt, die es für eine langfristige Karriere im Supermarktregal benötigt: ein “Mehr an Genuss”, ein “Mehr an Qualität”, “den besonderen Geschmack” und ein geheimnisvolles Logo, das aus drei Albinomuffins besteht.

(Alternative Interpretationsvorschläge für dieses Signet schreiben Sie bitte in die Kommentare.)

Zur Erinnerung: Es geht – ein letztes Mal – um Produkte, die von den Supermärkten unter eigenem Namen angeboten werden, einmal als Billigmarke, und einmal als etwas teurere Mittelmarke. Die Frage an die Unternehmen lautet: Wo ist eigentlich der Unterschied? Mal abgesehen von den fantastischen Werbeformulierungen, wie sie sich natürlich auch Kaiser’s Tengelmann für seine “Star Marke” ausgedacht hat, den bereits erwähnten “Superstar am Markenhimmel”. Immerhin gibt es in den Läden der Unternehmensgruppe viele Produkte auch unter dem Namen “A&P” (“attraktiv & preiswert”) zu kaufen, und der einzige Unterschied, der auf den ersten Blick erkennbar ist, ist (außer der Verpackung) einmal mehr der Preis.

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Jetzt noch schokoladiger! Real erklärt die Preisunterschiede seiner Eigenmarken

Was nehmen Sie alles mit, wenn Sie einkaufen gehen? Die EC-Karte natürlich. Eine Tasche vielleicht? Und den Einkaufszettel. Richtig. Die meisten Menschen sind allerdings so leichtsinnig, etwas ganz Entscheidendes zuhause zu lassen, nämlich: Verständnis. Dabei braucht es das im Supermarkt gleich haufenweise. Gerade hat Edeka an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass Kunden “Verständnis” benötigen, um zu verstehen, dass das Unternehmen die Unterschiede seiner Eigenmarken lieber nicht erklären möchte.

Und jetzt sagt Real-Unternehmenssprecher Markus Jablonski:

“Wir bitten um Verständnis, dass wir zu einzelnen Eigenmarken grundsätzlich keine Erläuterungen machen, die über die bereits sehr ausführlichen Kennzeichnungen auf den Verpackungen hinausgehen.”

Die Frage, die dieser Antwort vorausging, war dieselbe wie bei Edeka: Was rechtfertigt den Preisunterschied bei Produkten der Mittelmarke (in diesem Fall: “Real Quality”) zu denen der Billigmarke (in diesem Fall: “Tip”). Glücklicherweise ist die Verständnisportion, die Real seinen Kunden abverlangt, kleiner als bei der Konkurrenz. Denn im Gegensatz zu Edeka bemüht sich Sprecher Jablonski dann doch, einige generelle Unterschiede zu erläutern.

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Edeka, die “Extraklasse”-Eigenmarken und ein wertloses Liebesgeständnis

In einer grundsympathischen Werbekampagne erklärt Edeka seit einiger Zeit, dass auch Supermärkte Gefühle haben. “Wir lieben Lebensmittel”, heißt es in den Fernsehspots von Deutschlands größter Handelskette. Ganz besonders groß ist diese Zuneigung offensichtlich gegenüber der Eigenmarke “Edeka”, die gerade erst aufgehübscht wurde und sogar eine eigene Hochglanzbroschüre spendiert bekommen hat, mit der die ganze Welt von der Supermarktromanze erfahren soll. Gleich auf der ersten Seite räumt das “Edeka-Team” ein für alle Mal mit dem Vorurteil auf, es ginge im Lebensmittelhandel bloß um betriebswirtschaftliche Ziele:

“Aus Liebe entstehen oft die tollsten Sachen, bei uns z.B. eigene Produkte, die sowohl in ihrer Qualität als auch ihrem Preis einfach Extraklasse sind und die den Anspruch haben, sich in ihrer Warengruppe durch echte Vorteile abzuhaben – etwa durch innovative Rezepturen oder eine besondere Herstellung.”

Mehr als 30 Seiten umfasst die Liebeserklärung an Laktosefreie H-Milch, Thunfisch-Filets und Mini-Schnitzel, auf die das Logo des Unternehmens gedruckt ist. Und die Liebe geht sogar noch einen Schritt weiter. Denn dass die Eigenmarke “gleichzeitig auch noch günstig” angeboten würde, sei “übrigens eine kleine Liebeserklärung an Sie. Deshalb müssen Sie jetzt aber nicht rot werden – genießen Sie es einfach!” Machen wir! Wer könnte einem solchen Angebot auch widerstehen? Nur eine Frage noch: Was sind das denn jetzt für Vorteile, in deren Genuss Kunden kommen, die sich für die Produkte der Edeka-Eigenmarke “Edeka” entscheiden und nicht etwa für die Produkte der Edeka-Eigenmarke “Gut und günstig”?

Oder – um’s mal konkret zu machen: Warum ist die Nudel- und Dosenbevorratung im selben Edeka-Markt in diesem Fall exakt 2 Euro teurer?

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Lidl als Vermieter: Ein Pfund Zucker, zehn Scheiben Wurst – und die Wohnung im Obergeschoss bitte

Die Bornholmer Straße 71 im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg ist eine – sagen wir: seltsame Wohnadresse. Weil die künftigen Mieter dort auf einem Fleckchen Erde ihre Wäsche waschen, Kaffee trinken und die Kinder zu Bett bringen werden, wo die DDR bis vor 22 Jahren eine ihrer Grenzabfertigungsanlagen aufgebaut hatte. (Nicht daneben, sondern direkt darauf.)

Als die Mauer fiel, war die dahinter liegende Bösebrücke der erste Übergang in den Westen, an dem die Passkontrollen eingestellt wurden. Es ist also nicht übertrieben zu behaupten, dass es sich um einen historischen Ort handelt. Nach der Wende lag das Grundstück lange brach. Auch heute kommen Touristen dort selten hin, trotz des potenziellen Fotomotivs: einem relativ gut erhaltenen Stück Mauer. Ende des vergangenen Jahres wurde auf dem schmalen Streifen im nördlichen Teil der früheren Grenzanlage der “Platz des 9. November 1989″ eröffnet. Als Gedenkstätte “repräsentativer wäre der Platz gegenüber gewesen”, schrieb das Blog@inBerlin damals. Und: “Meines Wissens gehört dieser Platz einem privaten Investor, mal schauen was passiert.”

Anfang Oktober, einen Tag nach dem Tag der Deutschen Einheit, ist was passiert: Lidl hat eine neugebaute Filiale mit riesigem Parkplatz eröffnet.

Dort, wo früher die Barrikaden und Wachtürme standen, parken jetzt die Lidl-Kunden, wenn sie ihren Großeinkauf erledigen wollen. Manche brauchen dafür künftig nicht mal mehr ein Auto – sie müssen einfach die Treppe runterlaufen. Denn direkt auf den Markt (und daneben) baut Lidl derzeit ganz normale Wohnungen, die Anfang des nächsten Jahres bezugsfertig sein sollen.

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Ein Sternekoch kauft ein: Björn Freitags Erfahrungen als “Vorkoster”

Die Supermarktentfremdung ist oft ein schleichender Prozess. Und Sterneköche bilden die größte Risikogruppe: weil sie Gemüse ausschließlich erntefrisch vom Großmarkt beziehen; weil der Händler ihres Vertrauens ihnen immer nur die beste Ware anbietet; weil sie auf einen Blick wissen, ob der Fisch so frisch ist wie behauptet; und weil es, um ausgezeichnetes Essen zuzubereiten, nunmal nötig ist, auch ausgezeichnet einzukaufen. Das geschieht relativ selten in neonbestrahlten Discountern, wo man sich sein Futter selbst von der Palette zieht, hat nichts mit den Fertigtütenverbrechen zu tun, die massenweise in den Regalen der Supermärkte lagern oder mit Zusatzstoffen vollgepumpt in der Tiefkühltheke versenkt wurden.

Kurz und gut: So ein Spitzenkoch ahnt oft gar nicht, was für eine Herausforderung so ein ganz normaler Einkauf sein kann!

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