Archive for November, 2011

Wie ein Tiefkühlsupermarkt aus Versehen zum Eigenmarken-Pionier wurde

Wenn Erdbeeren denken könnten: Würden sie sich, wenn sie nach der Ernte ein paar Tage faul rumgelegen haben, einfrieren lassen, um in einer fernen Zukunft für immer existieren zu können?

In einem guten Zukunftsfilm (der erst noch gedreht werden muss) bestimmt.

Zusammen mit all dem anderen Tiefkühlobst und seinen Gemüsekumpels, den grünen Bohnen, den Karotten, dem leicht lädierten (weil bereits zu Röschen zerpflückten) Blumenkohl, ein paar hellsichtigen Hummern, die ihr alternatives Kochtopfschicksal geahnt haben, und den Törtchen, denen ihre Vorherbestimmung als Dessert widerstrebt, würden die Erdbeeren ein Kryoniklabor gründen, sich in flüssigem Stickstoff ertränken und darauf warten, dass sie eines fernen Tages aufgetaut werden. Und dieses Labor, es würde so aussehen:

Wobei das natürlich der Stoff ist, aus dem Alpträume sind: dass auch nur im Entferntesten die Möglichkeit besteht, der zum Filet verarbeitete Lachs könne, mit Spinat ummantelt und in einer zu Fischform gekneteten Blätterteighülle verbacken, irgendwann wieder auferstehen und die Menschheit wegen ihrer Tiefkühlverbrechen heimsuchen.

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Kleine Ewigkeiten in der Kassenschlange – und was sich dagegen unternehmen lässt

Sehen Sie beim Warten in der Kassenschlange vor sich öfter mal ein kleines Mädchen mit lockigen Haaren, das ein bisschen schlafmützig guckt, lumpig gekleidet ist und eine Schildkröte auf dem Arm hat, die in die Zukunft schauen kann? Dann will Ihr Unterbewusstsein Ihnen womöglich mitteilen, dass Ihr Terminkalender zu voll ist. Oder Sie lesen beim Schlafengehen zu viele Kinderbuchklassiker vor. Oder Sie sind eine Romanfigur und irgendwann aus Versehen mal in die Wirklichkeit abgebogen. (Tut mir leid, dass Sie’s auf diesem Weg erfahren mussten.)

Dabei ist die Assoziation ja eigentlich richtig. Nirgendwo sonst haben wir so viel Zeit für uns wie beim Anstehen im Supermarkt, wobei die Minuten, die wir aufs Bezahlenmüssen warten, gefühlt eher Stunden sind, die uns niemand mehr zurückgibt.

Dafür braucht es nicht einmal graue Herren, die unsere Zeit in der Pfeife rauchen. Es reicht auch das Kassenpersonal im weißen Kittel. Vor dem sind alle Menschen gleich – vor allem aber: gleich gelangweilt. Deshalb lassen sich die Supermärkte immer neue Ideen einfallen, um der Kundschaft die kleinen Ewigkeiten in der Kassenschlange wenigstens ein bisschen zu erleichtern. Drei aktuelle Beispiele zeigen, wohin das führt.

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Die Rabattfalle: Wie Preisaktionen ganz schnell schief gehen können

Angenommen, mit der folgenden Frage ließe sich bei Günther Jauch die Million gewinnen. Wahrscheinlich wüsste jeder Kandidat schon vor Einblendung der Antwortmöglichkeiten, dass es gleich was zu feiern gibt:


Foto [M]: RTL / Supermarktblog

Die richtige Antwort ist natürlich D: Tiernahrung.

Sie wissen das vermutlich, weil es vor den Werbespots der Baumarktkette Praktiker eine Zeit lang fast kein Entrinnen gab. Vor allem, nachdem sich herausgestellt hatte, dass Praktiker an Aktionstagen zum Teil ein Umsatzplus von 300 Prozent eines normalen Tages machen konnte.

Inzwischen ist das Geschichte (siehe FAZ.NET) – und Praktiker steckt trotz des zwischenzeitlichen Erfolgs in der Krise. Vor drei Wochen wurden die neusten Zahlen bekannt gegeben. Die Umsätze sind massiv eingebrochen, eine Jahresprognose traut sich die Geschäftsführung derzeit nicht zu. In den Meldungen wird unter anderem eine “verfehlte Marketingstrategie” als Grund für die Misere angegeben.

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Überall Sonderangebote: Lidls “Super-Samstag” und die Folgen

Mit seinem “Super-Samstag” hat Lidl im vergangenen Jahr einen furchtbaren Trend gesetzt: die Mediamarktisierung der Discounterwerbung. Während sich die großen Elektronikketten gerade von der Sonderangebotsbrüllerei verabschieden (siehe FAZ.NET), schreien nun also die Discounter ihre Kunden an, dass sie gefälligst in den Laden kommen sollen, um ausgewählte Schnäppchen abzugreifen – aber nur an ganz bestimmten Aktionstagen, solange der Vorrat reicht, wenn sie sich ganz arg beeilen und beim Einkaufen gelbe Socken tragen.

Bei Lidl hat das so gut funktioniert, dass auch die Konkurrenz sich dazu animiert fühlte, solche Aktionen zu erfinden.

Weil dabei schnell die Übersicht verloren geht, erklärt das Supermarktblog, woran Sie erkennen, welcher Aktionswochentag gerade ist. Am Ende stehen noch ein paar Vorschläge, wie auch der bisher vernachlässigte Dienstag, der Mittwoch und der Donnerstag zu etwas Sonderangebotsruhm kommen könnten.

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Die kleinen Preise müssen fetter werden

Als Edeka 2007 den Discounter Plus vom Konkurrenten Tengelmann übernahm, war das ein harter Schlag für die Population der kleinen Preise, die Plus bis dahin als Maskottchen dienlich waren (und die es eine Zeitlang sogar als Plüschversion zu kaufen gab, weil alle sie so niedlich fanden).

Mit dem Umbau der Märkte in Netto-(ohne Hund)-Filialen wurde auch das Habitat der orangefarbenen Sympathieträger stark eingeschränkt. Aus der Fernsehwerbung verschwanden sie sofort. In den Läden waren sie noch eine Zeitlang geduldet, aber lediglich, um für gestellt wirkende Bilder ihren gelb eingefärbten und mit Netto-Logo entstellten Kompagnons die Hand zu schütteln und eine Symbiose zu suggerieren, die es nicht mehr lange geben sollte.

Heute haben sich die wenigen noch existierenden kleinen Preise auf die Website des Plus-Onlineshops zurückgezogen, wo lediglich zum Download angebotene Bildschirmschoner noch an frühere Glanzzeiten als sympathisches Einzelhandelsmaskottchen erinnern.

Immerhin können sie dort ungestört ihrem Lebensabend entgegenkieksen.

Den Überläufern ist es nicht ganz so gut ergangen. Jedenfalls ist ein Teil der Kleinpreisgemeinschaft, womöglich gelockt durch falsche Versprechungen, beim neuen Filialherrn Netto (ohne Hund) verblieben, in den vergangenen Monaten aber durch fehlende Pflege und Mangelernährung ganz schwarz, klein und runzelig geworden. In den unteren Ecken der Preisschilder an Regalen und Kühltruhen fristen sie ihr Dasein und sind, gänzlich ihrer Fröhlichkeit beraubt, kaum noch wiederzuerkennen.

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