Archive for Februar, 2012

Anderswo im Angebot – die Supermarktblog-Medienschau

Da sitzt Lars Schlecker “zum ersten Mal für ein Interview im deutschen Fernsehen” – und keiner merkt’s. Irre, oder? Für seine TV-Premiere hat sich der Sohn des Firmengründers, der seit einiger Zeit auch Mitglied der Geschäftsführung und (gemeinsam mit seiner Schwester) offizielles Maskottchen ist, kein geringeres Prestigemagazin ausgesucht als das ARD-”Moma”, freitagmorgens um 6.44 Uhr. (Wahrscheinlich waren bei “News & Stories” im Sat.1-Nachtprogramm schon alle Plätze belegt.)

Und tatsächlich wirkt es gleich viel sympathischer, wenn sich der Chef einer deutschlandweit in Verruf geratenen Drogeriekette kurz nach der Insolvenzankündigung mit einer lustig-modischen Brille in ein Studio setzt, um dann mal ganz locker darüber zu plaudern, warum bei Schlecker jetzt alles besser wird. (Interview bei Youtube ansehen.)

Dass die Mitarbeiter der Kette, die vor einiger Zeit wegen der Arbeitsbedingungen noch gegen Schlecker schimpften, sich jetzt für das Unternehmen engagieren (Spiegel Online hat nochmal an der Filialbasis nachgefragt: warum?), fand Lars Schlecker im Ersten “klasse”, “superklasse” und “total klasse”.

Er hat referiert, was falsch gelaufen ist: “Das mit der Zeitarbeit war ganz klar ein Fehler.” Und: “Wir haben vielleicht zu langsam reagiert.” Mit der Zeitungsinterview-Erfahrung der vergangenen Monate, konnte er fehlerfrei die Stichworte der Schlecker’schen Kehrtwende vortragen: “Kulturwandel im Unternehmen”, “Führungsgrundsätze”, “komplett andere Unternehmenskultur” – Sie wissen schon.

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“Ab 1. März ist Frische rot”: Penny kündigt den Neustart an

Seit einigen Wochen werden die ersten Läden umgebaut, Schilderaufhängtrupps montieren das neue Logo an die Parkplatzränder – und jetzt traut sich Penny in Berlin endlich auch, seinen Kunden mal zu erklären, was der ganze Spaß überhaupt soll.

Wer im Umkreis einer wiedereröffneten Filiale wohnt, weiß schon länger Bescheid, weil die wöchentlichen Postwurf-Angebote in einen Erklärprospekt eingehüllt sind, der Fotos aus den umgestalteten Märkten zeigt. Für bisherige Penny-Kunden muss das ein Riesenschock sein: Auf den Bildern sieht alles so aufgeräumt aus. Sogar die Regale sind alle gut gefüllt. In den Unterzeilen steht was von “entspanntem Einkaufserlebnis”, “6-Tage-Frische-Garantie” und täglicher Belieferung mit frischem Obst und Gemüse.

Von der Realität vieler Penny-Märkte war das bisher so weit entfernt wie Darth Vader von einem entspannten Verhältnis zu seinem Sohn.

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Teguts Minimarkt-Idee fürs Land: ein “Lädchen für alles”

Machen wir einen Ausflug? Gut. Endlich mal raus aus der Stadt.

Die 1300 Einwohner des nordhessischen Gieselwerder an der Weser haben allen Grund, stolz auf ihren Ort zu sein. Sie engagieren sich im Wettbewerb “Unser Dorf soll schöner werden”, haben Gieselwerder offiziell zum “Schneewittchendorf” an der Deutschen Märchenstraße taufen lassen und reichlich Touristenbesuch.

Es gibt einen eigenen Campingplatz (“Am beheizten Freibad”), ein Fachwerk-Rathaus, das auf dem Grund der früheren Wasserburg gebaut wurde, ein griechisches Restaurant in der Ortsmitte, eine Sparkassenzweigstelle.

Und ein Problem: das Einkaufen.

Mit Rewe City ist hier nix. Der Lebensmittelladen am Rathausplatz hat vor anderthalb Jahren zugemacht. Seit dem vergangenen Jahr ist auch die Schlecker-Filiale dicht. Die nächste Einkaufsmöglichkeit liegt drei Kilometer entfernt, aber ohne für ältere Leute ist der Bundesstraßen-Discounter schon mal kaum zu erreichen. Der Bus fährt nur ein paar Mal am Tag: morgens zur Schule, nachmittags zurück, und dazwischen ist viel Platz für Notizen auf dem Fahrplan. Und jetzt? Verhungern?

Ach was. Anfang des vergangenen Jahres hat sich der Ortsbeirat mit der Baunataler Diakonie Kassel, einer von der Kirche getragenen Hilfsorganisation, und der Supermarktkette Tegut zusammengesetzt, damit in Gieselwerder wieder eingekauft werden kann. Am 8. Februar 2011 eröffnete in der Ortsmitte das “Tegut Lädchen für alles”. Seitdem hat der Ort seinen ersten Mini-Supermarkt mit Bio-Schwerpunkt.

Zwölf solcher “Lädchen” haben bisher in kleinen Gemeinden eröffnet, und wenn es nach Tegut-Geschäftsführer Thomas Gutberlet geht, sollen bis Ende des Jahres nochmal so viele hinzukommen. “Wir glauben, dass es Regionen gibt, in denen der Handel wieder lernen muss, mit kleineren Flächen zu arbeiten”, sagt er. Das gelte vor allem für Orte mit weniger als 5000 Einwohnern. “Dort gibt es alle paar Kilometer vielleicht mal einen Discounter – aber keine Alternative für die Leute, die nicht mit dem Auto einkaufen können oder wollen. Denen fehlt die Versorgung. Da wollen wir ansetzen.”

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Auf Wiedersehen, Grüne Wiese: Der Trend geht zum “City”-Markt

Es geht eine Erkenntnis um unter europäischen Supermarktbetreibern: Viele Kunden lehnen es ab, samstagmorgens mit dem Geländewagen an den Stadtrand zu fahren und dort in einem Supermarkt einzukaufen, der so riesig ist, dass man Brotkrumen hinter sich ausstreuen muss, um den Weg zurück zu finden.

Oder, anders gesagt: Die Grüne Wiese ist out. Willkommen in der Grauen Stadt!

Da ist meistens kein Platz, um Einkaufscenter hinzubauen. Aus diesem Grund haben die Ketten das “urban convenience store concept” erfunden. Oder wie wir einfacher gestrickten Leute sagen: den Stadtmarkt. Das Supermarktblog erklärt, was hinter den einzelnen Konzepten steckt.

Rewe City, Deutschland
Kennen Sie das? Gleich ist Feierabend, Sie wollen zuhause noch was kochen, doch – pardauz! – im Kühlschrank ist Ebbe und der nächste Wochenendeinkauf ist noch ein paar Tage hin. Was tun? Rewe hat da eine Spitzenidee: ein “Vertriebskonzept, das den aktuellen gesellschaftlichen Trends optimal gerecht wird”!

Oder wie wir Profis sagen: ein “urban convenience store concept”.

Seit 2009 nennt Rewe kleine Läden in großen Städten “Rewe City”, weil irgendjemand im Unternehmen entdeckt hat, dass die Leute gerne dort einkaufen wollen, wo sie wohnen. (Diese Teufelsmarktforscher wieder!) Das eigentlich Spannende am City-Konzept ist, dass Rewe dafür ganz bewusst auch neue Läden mitten in der Stadt sucht. Im vergangenen Jahr eröffnete eine Filiale direkt am Berliner S-Bahnhof Friedrichstraße. Ansonsten halten sich konzeptionellen Besonderheiten aber in Grenzen.

Rewe sagt: Die City-Märkte haben besonders lange Öffnungszeiten. Aber das haben die normalen Märkte inzwischen auch.
Rewe sagt: In den City-Märkten gibt es ganz viel Frisches zu kaufen: Obst und Gemüse, Käse, Fleisch. Ja, genau wie in den normalen Märkten.
Rewe sagt: Die City-Märkte haben “nur” 8000 Artikel im Sortiment. Gut, das ist natürlich fatal, auf dem Heimweg nicht schnell noch ein paar aus Nicaragua importierte mandelbesplitterte Einleggurken mitnehmen zu können.

Unterschied zum normalen Rewe: minimal.

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Edeka verstehen – in nur 3 Minuten

Edeka, ist das nicht der Laden mit der sympathischen Werbung?

Richtiges Tempus wäre das Präteritum. Nochmal im ganzen Satz: Edeka war der Laden mit der sympathischen Werbung. Die Aussage gründet sich auf die Kampagne “Wir lieben Lebensmittel”, mit der seit 2005 in verschiedenen Fernsehspots ungewöhnlich originell und liebenswert kommuniziert werden sollte, dass Edeka-Kaufleute wandelnde Lebensmittel-Wikis sind und echt was von ihrem Job verstehen. Unvergessen sind die Spots mit dem Überraschungsei-Kind und der vergesslichen Metzgerin.

Mit dem Start der Fernsehwerbung für seine Billigmarke “Gut & Günstig” hat Edeka aber nicht nur seine Kernkompetenz in die Tonne getreten (warum liebt man Lebensmittel, wenn’s bloß um den Preis geht?), sondern – passend dazu – auch furchtbar schlechte Spots durchgewunken, die nur noch nerven. (Bitte überzeugen Sie sich selbst davon.) Das ist Edeka.

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