Archive for März, 2012

Penny verstehen – in nur 3 Minuten

“Ab sofort ist Frische rot”? Echt jetzt?

So steht es zumindest auf den Werbeplakaten, mit denen Penny in Berlin und Köln die komplette Stadt tapeziert hat, als dort die ersten Filialen umgebaut waren.

Das ist dieser Umbau, von dem hier schon äußerst erschöpfend berichtet wurde, oder?

Bitte mal kurz nach oben scrollen: Steht da “Supermarktblog” über dem Text? Ja? Dann spricht diesbezüglich doch wohl nichts gegen eine erschöpfende Begleitberichterstattung.

Ist ja schon gut, bloß nicht aufregen. Ich hab auch gehört, Penny hätte seinen Kunden einen Korb gegeben.

Völlig richtig. Manche haben sogar zwei oder drei Körbe bekommen. Das war symboltechnisch natürlich ein bisschen unglücklich, aber als Gag für den so genannten “City Bang” gedacht. Entgegen aller Erstassoziationen bezeichnet der bloß das ganz große Werbebohei in einer Stadt, mit dem Penny sein Aufmerksamkeitsdefizit überwinden und die Leute in die Läden locken will. Anfang März bekamen Fußgänger (unter anderem) am Berliner Alexanderplatz und am Kölner Rudolfplatz rote Einkaufskörbe geschenkt. Rote, leere Einkaufskörbe. Unnützer geht’s wirklich nicht.

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Ilse Aigner erklärt das Mindesthaltbarkeitsdatum zu Tode

Eins kann der Journalist und Filmemacher Valentin Thurn schon mal von sich behaupten: seine Arbeit zeigt Wirkung. Zumindest ist es ihm gelungen, mit seinem Film “Taste the Waste”, der im vergangenen Jahr ins Kino kam (Trailer ansehen), bei vielen Leuten ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass (nicht nur) in Deutschland zu viele Lebensmittel weggeschmissen werden, obwohl sie noch verwertet werden könnten.

Die Resonanzen waren so gewaltig, dass sie sogar zur Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz durchgedrungen sind. Um sich nicht nachsagen zu lassen, sie sei untätig geblieben, hat Ilse Aigner in dieser Woche eine “Informationskampagne” unter dem Motto “Teller oder Tonne?” gestartet.

Aigner hat bei der Uni Stuttgart eine Studie in Auftrag gegeben, um rauszukriegen, wieviele Lebensmittel in Deutschland tatsächlich weggeworfen werden. (Hat aber nicht viel gebracht, weil die Forscher nur bisher existente Ergebnisse ausgewertet und Supermarktblog gelesen haben.)

Sie hat Forsa meinungsumfragen lassen, dass viele Leute von dem Problem schon gehört und ihre Einkaufsgewohnheiten angepasst hätten.

Sie hat den Supermärkten das unglaubliche Opfer abgerungen, Infobroschüren in den Läden auszulegen.

Sie hat sich bei einem Presstermin mit eingeschweißtem Hack vor einem offenen Kühlschrank fotografieren lassen und dazu gelächelt.

Und sie hat dafür gesorgt, dass die Website ihres Ministeriums mit Erklärsätzen, schlechten Wortspielen (“Jedes Mahl wertvoll”) und Gute-Laune-Verbrauchertipps geflutet wird, obwohl sie am Ende doch eigentlich nur eines kommunizieren möchte: Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Wegwerfdatum – bevor man zuhause was wegwirft, sollte man mal nachsehen, ob es nicht noch in Ordnung ist.

Und Thurn ist immer noch nicht zufrieden. Wie kommt das?

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Der Messereport: Transformers-Kassen übernehmen die Macht

Ende Februar trafen sich in Düsseldorf Hersteller und Profibenutzer von Supermarkttechnik, um sich darüber auszutauschen, was es für tolle neue Pfandflaschenautomaten, Kassenbelegdrucker und Bargeldverwaltungssysteme gibt. Die EuroCIS ist eine Art Mischung aus Star-Trek-Convention und Heizdeckenverkaufsveranstaltung, nur viel professioneller und mit langweiligeren Kostümen. In Gesprächen fallen dort sehr nerdige (und völlig ernst gemeinte) Sätze wie “Das SB-Wiegen im Handel erfährt gerade eine Renaissance”. Das meiste ist aber tatsächlich nur für Leute interessant, die auf der – von uns aus gesehen – falschen Seite der Kasse stehen (bzw. sitzen).

An manchen technischen Entwicklungen lässt sich allerdings prima ablesen, mit welchen Apparaturen Sie und ich künftig beim Einkaufen konfrontiert werden könnten. Deshalb folgt jetzt: der Supermarktblog-Messereport!

Preisschilder

Das Praktische an elektronischen Preisschildern ist, dass die Mitarbeiter im Markt nicht mehr ständig abgelaufene Papierpreise aus den Regalleisten rausfitzeln müssen, um die neuen reinzufitzeln, sondern alles schön am Computer geändert werden kann.

Das Unpraktische an elektronischen Preisschildern ist, dass sie völlig unlesbar sind.

Es sei denn, man stellt sich genau so davor, dass das Deckenlicht in einem ganz bestimmten Winkel gebrochen wird, auf die Plastikverpackung im Regal daneben reflektiert und von dort zurückgespiegelt wird, um einen kurzen Lesbarkeitsmoment zu erzeugen. Ein finnischer Hersteller hat nun das Unmögliche möglich gemacht: elektronische Preisschilder, die gleichzeitig lesbar sind und so dünn wie Papier (Bild 2). Nimm das, superneues Ipad!

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Berlin? Viel zu weit weg! Tegut erklärt seinen Expansionsradius

Wie qualifiziert man sich am besten für die Geschäftsführung eines Unternehmens, das in seinen Läden großen Wert auf Bio-Produkte legt und Eigenmarken ohne Geschmacksverstärker verkauft?

Thomas Gutberlet hat gedacht, es ist eine gute Idee, erstmal Dosen-Ravioli zu verkaufen.

Nicht im Kittel an der Kasse oder beim Regaleinräumen. (Das kannte er schon vom Ferienjobben während der Schulzeit in der örtlichen Tegut-Filiale.) Sondern nach dem Studium, als Gutberlet beim Nahrungsmittelriesen Nestlé anfing, erst im Vertrieb für Maggi-Fertiggerichte und später als Produktmanager. Wie passt so ein Job denn bitte schön zu Tegut, das seinen Kunden permanent die Vorteile von biologisch hergestellten Lebensmitteln erklärt und sie ständig zum Selberkochen auffordert? Kleiner Karriere-Irrtum?

Nein, sagt Gutberlet, im Gegenteil: “Ich hab in dieser Zeit sehr viel über Marketing gelernt und über die Art und Weise, wie man professionell Marken in Szene setzt. Von diesem Wissen hab ich profitiert, als wir die Tegut-Eigenmarke gegründet haben.”

2002 ist der heute 42-Jährige nach Fulda gekommen, um ins Unternehmen einzusteigen, das von seinem Großvater Theo gegründet (deshalb auch der Name: The-Gut, später Tegut) und zu dieser Zeit noch von seinem Vater geführt wurde.

“Dass ich irgendwann bei Tegut arbeiten wollte, war mir immer klar”, sagt Gutberlet. “Für mich war aber wichtig, dann die Qualifikation zu haben, tatsächlich eine verantwortungsvolle Position übernehmen zu können. Wenn man dasselbe macht wie der eigene Vater, stellt man sich auch dem Vergleich – und möchte dabei natürlich nicht zu schlecht abschneiden.” Deshalb der Ausflug in die Welt der Tüten und Dosen. Und das vorherige BA-Studium beim Drogerie-Unternehmen dm.

Bei Tegut startete der Enkel des Gründers dann passenderweise mit der Zuständigkeit für Sortiment und Marketing. Die Position war gerade frei geworden und der Einstiegszeitpunkt ideal, weil das dann nicht so aussah, als dränge sich der Junior in die Firma. Im September 2009 übergab ihm der Vater schließlich die Geschäftsführung, genau so wie es schon eine Generation zuvor gelaufen ist. Klingt fast nach einer klassischen Familienbetriebsgeschichte. Bloß dass es die heute eigentlich kaum mehr gibt. Thomas Gutberlet vermittelt aber nicht den Eindruck als habe man ihn breitschlagen müssen, um von Fulda aus den großen Handelsketten Konkurrenz zu machen.

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Tegut-Chef Thomas Gutberlet: “Im Mainstream können wir nur verlieren”

Der Bus vom Fuldaer Stadtschloss ins Industriegebiet fährt jede halbe Stunde, und nach ein paar Minuten steht man auf dem schmalen Gehweg der Kreisstraße an der Haltestelle. Auf der einen Seite lotsen Zufahrtsschilder für die LKWs zur firmeneigenen Großbäckerei und der Fleischproduktion. Gegenüber lässt sich über die Felder auf entfernte Hochhaussiedlungen schauen. Davor steht ein kleiner Bauernhof mit zugeschneiten Heurollen und einem Kreuzdenkmal. Ziemlich katholisch.

Von diesem beschaulichen Örtchen aus versucht Tegut also, den deutschen Lebensmittelhandel in eine neue Richtung zu schubsen. Die Straße weiter runter wehen die bunten Fahnen der Unternehmenszentrale. Im obersten Stock sitzt Geschäftsführer Thomas Gutberlet, 42 Jahre alt, am Ende des Großraumbüros, wo man ihn fast übersehen könnte, und hat Zeit für ein Gespräch übers Einkaufen. Macht man aber eh nicht mehr selbst, wenn man Chef einer eigenen Supermarktkette ist, oder?

Doch, doch, sagt Gutberlet: “Ich kann dabei nur nicht den professionellen Blick abschalten. Mit den Kindern im Einkaufswagen am Samstag in den Laden zu gehen – das ist die beste Marktforschung. Ich sehe dann sofort, was funktioniert und wo es hapert.”

Dann können wir ja loslegen.

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