Archive for Mai, 2012

Mehrgenerationen-Wohnen im Supermarktregal mit Großväterchen Günstig und Neffe Nutzwert

Wenn die Tochter Eigenmarke irgendwann zur Mutter Eigenmarke kommt und wissen will: “Du, Mama, wie war der Opa früher so?”, wird die Antwort höchstwahrscheinlich lauten: billig. Und das wäre gar nicht böse gemeint, sondern bloß wahr.

Selbst wenn es Ihnen beim Einkaufen nicht sofort auffällt: In den Supermarktregalen stehen tatsächlich Eigenmarken verschiedener Generationen. Manche sind noch an ihrem altmodischen Aussehen zu erkennen, bei anderen lässt sich ihr Alter wegen der vielen Facelifts kaum noch erahnen, und wieder andere fallen sofort als Frischlinge auf.

Erste Generation: Die Günstigen

Sie hatten ja damals nichts, die ersten eigenen Produkte der Supermärkte: keine besonders schöne Verpackung, keine fantasiereichen Namen, nicht mal einen ordentlichen Preis. Und zwar mit voller Absicht. Großväterchen Günstig wurde förmlich aus dem Nichts erschaffen, sozusagen unbefleckte Regalempfängnis. Dafür besaß die erste Eigenmarkengeneration einen eindeutigen Auftrag: die Verteidigung des Supermarktgeschäfts gegen die aggressiven Discounter mit sichtbar billigen Grundnahrungsmitteln wie Milch, Butter und Doppelkeksen.

Zweite Generation: Die Selbstverwirklicher

Mit ihren Eltern wollten die Eigenmarken der zweiten Generation nicht mehr so viel zu tun haben. Das Sparsamkeitsdiktat war ihnen suspekt, plötzlich zählten Werte wie Vielfalt und Geschmack. Einige Eigenmarken imitierten ihre Vorbilder, die Marken, indem sie deren Verpackungen nacheiferten. Im Laufe der Jahre gründete sich eine Öko-Bewegung, die strikt auf ihre biologische Herstellung besteht und geradezu fanatisch Zertifikate sammelt. In den vergangenen Jahren sind vereinzelt Neureiche hinzugekommen, die offen damit kokettieren, wie edel ihre Zutaten und wie modisch ihre Hüllen sind. (Eine gewisse Arroganz lässt sich bereits an der Selbstbezeichnung als “Premiummarke” ablesen.)

Weiterlesen

Aldi gibt seinen Kunden einen Korb – zumindest im Ausland

In Deutschland gibt’s für Discount-Marktführer Aldi selten Notwendigkeit, sich oder seine Geschäftspraktiken zu erklären. (Ausnahmen gelten vielleicht nach “Spiegel”-Titelgeschichten und “Günther Jauch”-Themensendungen.) In Großbritannien, wo Aldi gerade dabei ist, kräftig Kunden dazu zu gewinnen, sieht das ein bisschen anders aus – selbst wenn nicht alle Stellungnahmen besonders ausgefeilt oder gut begründet sind. Auf einer FAQ-Seite erklärte Aldi UK zum Beispiel, warum es in den Läden Einkaufswägen gibt, aber keine Körbe:

“Einkaufswägen sind einfacher zu benutzen.”

Na klar, das weiß doch jeder, der schon einmal einen dieser nur schwer zu bedienenden Apparate in der Hand hatte: Sie müssen höchst umständlich an Griffen gehalten werden und durch den ganzen Markt getragen (!). Sie lassen sich auch nicht einfach mit dem Bauch vorwärts schubsen, um links und rechts an den Regalen seinen Einkaufszettel freihändig abzuarbeiten. Ein echter Fluch, diese Körbe.

Die etwas ausführlichere Erklärung für den Korbverzicht lautet: In den Filialen Einkaufswägen und Einkaufskörbe anzubieten, würde die Kosten in die Höhe treiben und der eigenen Preispoltik widersprechen; außerdem würden Wägen nicht so leicht geklaut. Das ist ein bisschen dürftig. Macht aber nix, seit kurzem gelten die Ausreden Gründe eh nicht mehr. Denn in den britischen Aldi-Filialen gibt es inzwischen – tataa! – Einkaufskörbe. Und zwar, weil Aldi dazu auf Facebook mit Anfragen seiner Kunden bombardiert wurde, die einfach nicht locker lassen wollten. Ende April schrieb der Konzern auf seiner Seite:

“After listening to the feedback from all of our fans on Facebook, we’re delighted to announce that baskets have been introduced into all our stores throughout the UK.”

Weiterlesen

Fühl dich wohl und komm wieder: Ladendesigner Wolfgang Gruschwitz über Supermarkt-Styling

Wolfgang Gruschwitz ist einer der bekanntesten deutschen Ladendesigner. Zu seinen Kunden zählen Red Bull, Mango und Zara, außerdem hat er die “Markenwelt” in der Münchner Allianz Arena entworfen und arbeitet derzeit für Edeka. Im Supermarktblog-Gespräch erklärt Gruschwitz, wie eine gute Ladeneinrichtung uns beim Einkaufen hilft, ob Regale besser längs oder quer stehen und wie man Butter spontan zum Verkaufsschlager macht.

* * *

Supermarktblog: Herr Gruschwitz, in meinem Rewe ist vor ein paar Wochen eine grasgrüne Zwischendecke mit Licht-Spots in der Obst- und Gemüseabteilung aufgehängt worden. Am Angebot hat sich nichts verändert – aber ich bin fest davon überzeugt, dass jetzt alles frischer aussieht. Ist das normal?

Wolfgang Gruschwitz: Auf jeden Fall. Je beschäftigter Sie sind und je intensiver Sie sich – zum Beispiel im Job – mit anderen Dingen auseinandersetzen, desto leichter lässt sich Ihr Gehirn von solchen Veränderungen beeinflussen, weil es gar nicht darauf trainiert ist, das bewusst wahrzunehmen.

Die Supermärkte machen sich mein Beschäftigtsein zunutze!

Es ist typisch deutsch, den Unternehmen – oder auch uns Ladengestaltern – zu unterstellen, wir wollten die Kunden betrügen. Darum geht es gar nicht. Den Händlern ist es wichtig, sich im Verdrängungswettbewerb von Konkurrenten abzuheben. Die Kunden sollen sich in ihrem Laden wohlfühlen, das abspeichern und wiederkommen.

Sie sagen, beim Ladendesign folgt die Funktion der Emotion. Was ist denn bitteschön an ein paar Regelreihen und einer Kühltheke emotional?

In jeder Branche wird über Emotion verkauft. Alleine der Preis ist ja eine hochemotionale Angelegenheit. Bei Starbucks kostet der Kaffee 3 Euro, anderswo nur ein paar Cent. Irgendwie muss dieser Unterschied gerechtfertigt werden. Das geht zum Beispiel über eine entsprechende Inszenierung: Geruch, Farbe, Licht. Im Lebensmittelhandel ist das so genannte “Uptrading” seit ein paar Jahren ein großes Thema: Märkte, die großen Wert aufs Ambiente legen und Vertrauen anbieten. Wegen der vielen Probleme, die aus den Nachrichten auf uns niederprasseln, ist Sicherheit für viele wieder ganz wichtig. Die Leute wollen gesund bleiben. Und sie wollen nach all den Lebensmittelskandalen Transparenz. Das kostet aber Geld. Und je weiter es im Einzelhandel nach unten geht, desto geringer werden die Margen, um das zu finanzieren.

Weiterlesen

Wenigstens “kein Sanierungsfall”: Der neue Metro-Chef fremdelt mit Real

Seit viereinhalb Monaten ist Olaf Koch neuer Vorstandsvorsitzender von Metro. Ein besonders spaßiger Job kann das nicht sein: Koch muss dafür sorgen, dass das Geschäftsmodell von Media Markt und Saturn nicht endgültig in sich zusammenfällt; er muss entscheiden, wie es mit Kaufhof weitergeht; und Strategien entwickeln, damit das so genannte “Cash & Carry”-Geschäft (die Märkte für Großkunden) wieder in Gang kommt.

In der vergangenen Woche hat Koch der F.A.Z. ein Interview gegeben, in dem es um all diese Probleme ging – und, ganz am Rande, auch mal kurz um Real, das ebenfalls zu Metro gehört (nachlesbar nebenan in Carsten Knops Blog “Ad hoc”):

“Die internationalen Erfolge zeigen, dass das Geschäftsmodell Potential hat. In Deutschland haben wir in Summe noch nicht überall den angestrebten Fortschritt erreicht, auch wenn viele Einzelprojekte sehr erfolgreich umgesetzt wurden. Das können Sie im Sortiment und auf der Fläche an vielen Standorten sehen, aber eben noch nicht durchgängig genug. Fest steht, dass wir uns mit diesem 8 Milliarden Euro Umsatz repräsentierenden Geschäft weiter profilieren müssen. Immerhin ist eine Stabilisierung erreicht. Der Cash-flow steigt. Und im ersten Quartal ist das Geschäft in Deutschland auf vergleichbarer Fläche gewachsen. Anders als 2007 ist Real heute kein Sanierungsfall mehr.”

Abgesehen davon, dass man sich wohl immer erst die Empathie rausoperieren lassen muss, um Vorstandsvorsitzender zu werden: Als glühender Real-Verfechter outet sich Koch mit diesen eher technisch formulierten Sätzen nicht gerade.

Weiterlesen

Die wichtigsten Supermarkttypen – und wie Sie sich darin zurechtfinden

Supermärkte sehen alle gleich aus? Stimmt nicht. Viele Händler versuchen Ihrer Kundschaft den Aufenthalt durch kreativen Regalreihenbau, besondere Hürdenstellung und überraschende Wegeführung zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen. Das Supermarktblog erklärt die wichtigsten Typen. Damit Sie sich beim nächsten Einkauf nicht verletzen verlaufen.

Die Turnhalle
Erdacht von einem ehemaligen Neckarsulmer Flickflack-Turner, wird bei diesem (vor allem von der Handelskette Kaufland praktizierten) Konzept großer Wert auf Bewegungsfreiheit gelegt. Das ist von Vorteil, wenn man Wert darauf legt, sich den wöchentlichen Lebensmittelerwerb mit Ipod-Stöpseln im Ohr zu ertanzen, hat aber den unpraktischen Nebeneffekt, dass desorientierte Kunden auf der Großfläche leicht verloren gehen. Zum Zwecke der Familienzusammenführung wurden in den Läden schwarze Bretter angebracht, an die (unter Angabe einer Kontaktnummer) Fotos verloren gegangener Verwandter gepinnt werden können.

Der Doppeldecker
Supermärkte, die auf schlanke Linien achten, breiten sich oft mehrgeschossig aus und lotsen ihre Kundschaft in einen zweiten Verkaufsraum, der direkt über dem ersten liegt (z.B in Einkaufszentren). Oftmals wird dieser aber lediglich als Vorwand benötigt, um Einkäufer auf die Rollbänder zu locken, die beide Geschosse miteinander verbinden.

Deren Seitenverkleidung besteht nämlich aus riesigen Grabbelcontainern, in die haufenweise Schokolade, überteuerte Hygieneprodukte oder unnützer Haushaltskram gekippt wurden, den sonst keiner kaufen würde. An diesem speziellen Platz entfalten die Waren aus bisher ungeklärtem Grund jedoch eine ungeheure Anziehungskraft und werden während der Rollbandbenutzung von den Kunden haufenweise in den Einkaufswagen geschaufelt. Mit der Rollbandware macht allein die Metro-Tochter Real geschätzte 73 Prozent ihres Umsatzes.

Weiterlesen