Archive for Juli, 2012

Rewe Drive vs. Kaiser’s Bringmeister (1): Welcher Online-Supermarkt ist besser?

Erst jeder zehnte Deutsche hat schon mal Lebensmittel im Internet gekauft, haben irgendwelche Marktforscher neulich hochgerechnet, und dass es nicht mal die Hälfte danach ein zweites Mal probiert, könnte natürlich auch daran liegen, dass ständig das Telefon klingelt und irgendein marktforscher dämliche Fragen stellt. Denn eigentlich hört sich das doch irre bequem an: die Sachen bequem an den Kühlschrank geliefert zu kriegen. In Frankreich und England funktioniert’s schon. Die deutschen Märkte testen noch, welches das richtige Konzept sein könnte. Das Supermarktblog hilft gerne und bittet zur Lieferschlacht. Wer ist besser: Rewes Abholservice oder Kaiser’s Bringdienst?

I. Abholung vs. Lieferung

“Wir sind alle über 40″, drohen Brunner & Brunner im Party-Remix aus den Lautsprechern, die der Alleinunterhalter vor dem Berliner Rewe-Markt aufgebaut hat, um bei der Kundschaft für den neuen Drive-Service zu werben. Für Leute, die schon was bestellt haben und jetzt abholen wollen, ist das ein bisschen unpraktisch: Weil man nämlich den zuständigen Mitarbeiter herbeischellen muss und kaum versteht, was der einem über die Fernsprechanlage mitteilen will: Er. Kommt. Alle über 40. Gleich.

Es regnet in Strömen, nach einer Minute ist der Mitarbeiter da, und als sich die Schiebetüren zur Abholstation wieder schließen, ist drinnen gespenstische Stille. Ziemlich komisch, wenn man beim Einkaufen sonst an Scannerkassenfiepen, Angebotsdurchsagen in der Dauerschleife und rumpelnde Wareneinräumer gewöhnt ist.

Weiterlesen

Eigenmarken bei Penny: Abschied von Knabsi, Puda und Happyend

Über die neuen Eigenmarken bei Penny, die schlicht “Penny” heißen, stand an dieser Stelle ja schon einiges. Hübsch sehen sie aus, und Supermarktblog-Leserin Christina W. ahnt auch, woher das kommt: die Verpackungen erinnern nicht unwesentlich an das Produktdesign des neuseeländischen Markts Pams (hier geht’s zur Website, hier gibt es Beispiele). Die düstere Seite des bunten Neuanfangs bei Penny wird jedoch oft vergessen: Haufenweise Eigenmarken müssen vorzeitig in Ruhestand gehen. Weil sie altmodisch sind, überflüssig, einfach nicht mehr gebraucht werden. Glaubt zumindest der Rewe-Discounter. Auf viele Produkte mag das zutreffen. Aber ein paar werden wir dann doch vermissen. Drei Abschiedsbriefe.

Weiterlesen

Süßigkeiten-Bescherung: Brandnooz verschickt neue Lebensmittel per Abo-Box

Als die ersten Tester Anfang Mai ihre Urteile veröffentlichten, war der kleine Milchreis-Eklat nicht mehr aufzuhalten: “Sieht aus wie Milchreis, schmeckt nach nichts”, schrieb einer. Ein anderer bemängelte “ekligen Geruch”. “Nicht cremig genug” und “geschmacksneutral” kritisierten die nächsten. Weniger höfliche Bewertungen lauteten: “muffig”, “pappig” und “abartig”. Am Ende aber waren sich die meisten Kommentatoren einig: “Kaufen würd’ ich mir das nicht.” Spätestens da muss den Marketingleuten von Reis Fit klar geworden sein, dass ihr neuer Milchreis für die Mikrowelle im Supermarkt kein besonders großer Hit werden würde.

Die Entwickler bedankten sich höflich bei den Testern für ihre Einschätzung und erklärten, diese ernst nehmen zu wollen:

“Daher arbeiten wir aktuell mit Hochdruck an einer verbesserten Rezeptur, um den Milchreis so zu gestalten wir ihr es euch gewünscht habt.”

Mit einer derart brutalen Ehrlichkeit der Konsumenten haben Danielle Fontaniello und Johannes Nielsen vielleicht nicht gerechnet, als sie vor drei Jahren ihr Start-up Brandnooz für so genanntes “Empfehlungsmarketing” gründeten. (“Brand” steht für Marke, “nooz” ist die hippe Schreibweise für “News”.) Aber zumindest zeigt der kleine Milchreis-Eklat, dass ihre Idee funktioniert. In manchen Fällen halt nur anders als gedacht.

Weiterlesen

Warum wir im Supermarkt (manchmal) lieber mehr kriegen als weniger ausgeben

Denken Sie mal nicht lange nach, sondern sagen bloß: Welches dieser beiden Angebote würden Sie eher kaufen?

Superhasel-Nuss-Nougat-Creme – 35 Prozent billiger!
Superhasel-Nuss-Nougat-Creme – 50 Prozent mehr Inhalt!

Wenn Sie sich fürs zweite entschieden haben, ist es gut möglich, dass sie an BVN leiden. Macht aber nichts, Sie werden’s überleben. Die meisten Menschen erfahren sogar nie, dass sie zu den Betroffenen gehören. Es sei denn, sie stoßen durch Zufall auf die Ergebnisse einer Studie, die eine amerikanische Forschergruppe gerade veröffentlich hat.

Für ein Experiment wurde im Supermarkt eines amerikanischen Vororts eine spezielle Handlotion mit 35 Prozent Preisreduktion angeboten (“Price Discount”), aber nur in ungeraden Wochen; in geraden Wochen gab es die gleiche Lotion mit 50 Prozent mehr Inhalt (“Bonus Pack”). Nach vier Monaten haben die Forscher die Verkaufszahlen verglichen und herausgefunden, dass sich in sechs von acht Wochenvergleichen jeweils das “Bonus Pack” besser verkauft hatte. (Während es bei anderen Produkten im Laden keinen vergleichbaren Effekt gab.) Das Erstaunliche daran ist: Eigentlich war der Preisnachlass der bessere Deal, wenn auch nur geringfügig.

Anders formuliert: 50 Prozent mehr Inhalt entsprechen ungefähr einer Preisreduktion von 33,33 Prozent. (Echt!) Demnach sind die 35 Prozent Preisreduktion ein kleiner Vorteil gegenüber den 50 Prozent mehr Inhalt. Viele Leute kommen da nur nicht drauf.

Weiterlesen

Von Mumbai bis New York: Wo in Städten Gemüsegärten wachsen

Weltweit werden brachliegende Flächen in Großstädten begärtnert und bepflanzt. “Urban Farming” heißt der Trend zur Lebensmittelprdouktion in der Metropole. (Und was in Berlin passiert, steht hier im Blog.) Manche Stadtfarmen sind aus Zufall entstanden, andere aus gestalterischer Ambition, und einige, um daraus ein funktionierendes Geschäftsmodell zu machen. Das Supermarktblog stellt vier ganz unterschiedliche Projekte vor.

Mumbai: Kantinenfutter mal ganz anders

Das Wichtigste für Preeti Patil war eigentlich, den enormen Berg an Küchenabfällen loszuwerden, der täglich in der Kantine für die 2000 Arbeiter im Hafen von Mumbai anfiel. Denn die Entsorgung war teuer. Mit ein wenig philosophischer Inspiration machte die Kantinen-Chefin aus dem Problem einen Vorteil – und aus dem Abfall: Dünger.

So entstand auf dem Dach der Hafenkantine ein Gemüsekarten. Das dort wachsende Obst und Gemüse wird verwendet, um Mahlzeiten für die Arbeiter herzustellen. Und das Kantinenteam zeigt auf denaktuellen Fotos im Internet stolz, was in den vergangenen Jahren alles in ihrem Dachgarten gedeihen konnte – über 150 verschiedene Pflanzen und Früchte. Preeti Patil engagiert sich inzwischen in der Organisation “Urban Leaves”, die Leuten hilft, ihre eigenen Stadtfarmen zu gründen. Vielleicht schickt sie mal einen ihrer Kollegen nach Deutschland, damit der sich hier eine zeitlang als Mensa-Berater engagiert.

New York, St. Paul, Minneapolis: Geschmack statt Transport

“The most important ingredient in a food is love” – die wichtigste Zutat eines Lebensmittels ist Liebe. Man muss Paul Lightfood den leichten Pathosüberschuss bei seinem Vortrag auf der Zukunftskonferenz TEDxManhatten Anfang des Jahres vermutlich verzeihen – er ist Amerikaner; schlimmer noch: amerikanischer Unternehmer mit frisch gewonnenem Umweltbewusstsein. Jahrelang hat er für die Industrie gearbeitet, jetzt denkt er um – und bringt ziemlich gut auf den Punkt, was das Problem an unserer Lebensmittelproduktion ist: “We grow products for travel, not eating.” Unser Obst, das Gemüse und der Salat werden so gezüchtet, dass sie die langen Transportwege zu den Konsumenten möglichst gut überstehen. Das geht fast immer auf Kosten des Geschmacks.

Muss es aber nicht, findet Lightfoot, der mit seiner 2011 entstandenen Firma Brightfarms Gewächshäuser auf Dächer in Städten bauen will, um dort mit Hdyroponik (Pflanzenzucht ohne Erde) wieder Tomaten zu züchten, die schmecken. Das Spannende daran ist, dass eine Gesellschaft namens Emil Capital Partners zu den Investoren gehört, einer US-Tochter von Tengelmann.

Weiterlesen