Archive for August, 2012

Goodbye Deutschland, Gemüse? “Rewe Regional” und die Konsequenzen

[Haben Sie schon den ersten Text zu regionalen Lebensmitteln im Supermarkt gelesen?]

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Mal angenommen, wir kaufen alle nur noch Obst und Gemüse aus der Region im Supermarkt: Wäre das nicht hervorragend für die hiesige Landwirtschaft? Oder, anders gefragt: Könnten die Supermärkte dann nicht weniger Obst und Gemüse aus dem Ausland importieren?

Leider: nein. Also, sie könnten schon, aber die Wahrscheinlichkeit ist erstmal gering, dass plötzlich weniger Tomaten aus den Niederlanden im Regal landen oder keine Paprika mehr aus Spanien. Denn die werden weiter für den Massenmarkt gebraucht. Julian Voss, Professor für Agribusiness-Management in Göttingen, erklärt:

“Regionale Lebensmittel sind für die Handelskonzerne eine Sortimentsergänzung, mit der gezielt eine Käuferschicht angesprochen wird, die auch eine entsprechende Zahlungsbereitschaft mitbringt. Ich bezweifle, dass der Handel Obst und Gemüse, das bisher aus dem Ausland kommt, substituiert. Weil einfach viele Verbraucher beim Kauf auf den Preis achten – und dabei Regionalität vernachlässigen. Zudem sind auch Erdbeeren zu Weihnachten gefragt, und die können schlichtweg nicht aus Deutschland kommen.”

Die Supermärkte kämpfen untereinander deshalb vor allem um die Kunden, für die auch andere Kriterien als der preis ausschlaggebend sind, zum Beispiel Bio-Qualität, Bequemlichkeit (geschnittenes Obst, Fertigsalate) oder eben Regionalität.

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Edekas bauernschlaue Werbung – oder: Wie regional soll unser Obst und Gemüse sein?

High Noon in Musterhausen. Zwei Supermarktbetreiber stehen vor ihren Läden und warten auf die Lieferung. Ein LKW fährt vor, der fies guckende “Abkauf”-Chef im weißen Kittel klettert rein und präsentiert voller Stolz: “Preisschilder! Druckfrisch!” Ein paar Meter daneben lässt sich der legere Edeka-Kollege nicht aus der Ruhe bringen, läuft zum Bauern, der mit seinem Traktor direkt hinter dem LKW geparkt hat. Vom Anhänger, der randvoll mit frischem Obst und Gemüse ist, nimmt er eine Kiste herunter, stellt fest: “Heidelbeeren. Erntefrisch” – und sortiert sie in seine Auslage ein. Im nächsten Bild erscheint das Edeka-Motto “Wir ♥ Lebensmittel”. Aus dem Off heißt es: “Deshalb kommt Frische bei uns nicht von ungefähr. Sondern am liebsten aus der Region.”

So wirbt Edeka (mit neuer Agentur) seit Anfang August für “die regionale Lebensmittel-Kompetenz der Kaufleute” seiner Genossenschaft. Und zwar nicht nur im Fernsehen.

Auf zahlreichen Websites erscheinen Banner, die fragen:

“Wo kommen Obst und Gemüse aus Ihrem Edeka her? Schauen Sie einfach mal aus dem Fenster. Wir bringen Ihnen Frische näher. Edeka.”

Keine Ahnung, was Sie sehen, wenn Sie zum Fenster rausschauen – bei mir ist’s immer noch die Dauerbaustelle der Wasserwerke vorm Büro. Wahrscheinlich ließe sich sogar behaupten, dass allenfalls ein sehr kleiner Prozentsatz der Edeka-Kunden direkt auf eine Apfelbaumplantage oder ein Feld mit Tomatentsträuchern blickt. (Sonst bräuchten die ja nicht im Laden einzukaufen.) Aber so ist sie halt, die Werbung: übertreibt immer ein bisschen.

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Brandenburg liegt in Köln: Was im Supermarkt alles “regional” sein kann

Viele Leute wollen im Supermarkt am liebsten Lebensmittel aus der Region kaufen, weil die bestenfalls frischer sind und keine langen Transportwege hinter sich haben. Dabei gibt es keine übergreifende Definition, ab wann Obst und Gemüse als “regional” gelten darf. Viele Händler interpretieren die Regionalität deshalb so, wie sie ihnen am besten ins Regal passt.

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Lidl: “Heimat” ist überall
Unter dem wohlklingenden Namen “Ein gutes Stück Heimat” bietet der Discounter Produkte an, die sich mit ihren Versprechen förmlich überschlagen. Von “Nähe und Geborgenheit” ist die Rede, von einem “sicheren Gefühl bei Ihrem täglichen Einkauf” und “frischer Vielfalt”. “Ein gutes Stück Heimat”-Produkte kommen Lidl zufolge “ausschließlich aus Ihrer Region”, also zumindest: “bei einer Auswahl” der angebotenen Lebensmittel. Auf der Website sind sieben Kategorien gelistet. “Bayerische Bauernmilch” aus – nun ja: Bayern, Kartoffeln fürs Fertigpüree aus Mecklenburg, Äpfel “ausschließlich aus deutschem Anbau”, Gemüse im Glas aus Düren. Die “Heimat”, von der Lidl “ein gutes Stück” verkaufen will, ist der Definition des Discounters zufolge also schlicht und einfach – Deutschland.

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Ferien am Radieschen River: Ein Reisebericht aus Schweizer Supermärkten

Hohe Berge, tiefe Täler, tanzende DJs – Touristen hat die Schweiz so einiges zu bieten. Leider weigert sich die Fremdenverkehrswerbung bis heute, die zahlreichen Sehenswürdigkeiten des Lebensmittelhandels in ihren Empfehlungskatalog aufzunehmen. Das Supermarktblog ist extra nach Zürich gereist, um Migros und Coop einen Besuch abzustatten und das Versäumnis nachzuholen. (Bevor Sie auch die Reiselust packt: bitte das Kleingedruckte lesen.*)

*Wechselkursbedingt eignet sich der Einkauf in Schweizer Supermärkten ausschließlich für mehrfache Lottogewinner, die gerade geerbt haben. Sollten Sie nicht zu dieser Gruppe gehören, seien Sie vorsichtig! Ihr Portemonnaie wird es Ihnen danken.

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Lebensmittel online kaufen? Das wird nix, sagt der Tengelmann-Chef

Wenn der Chef eines Unternehmens nicht an die eigene Strategie glaubt, dann muss in seinem Laden irgendwas Grundlegendes falsch laufen. Aber wahrscheinlich war die “Süddeutsche Zeitung” in der vergangenen Woche zu beschäftigt damit, Karl-Erivan Haub zu seinen Laufrekorden, seinem Sozialengagment im Obdachlosencafé und seiner “Gospel-Leidenschaft” zu befragen, um zu bemerken, was der Tengelmann-Geschäftsführer da Kurioses ausplauderte. Auf die Frage, ob er dem Online-Handel mit Lebensmitteln in Deutschland eine Chance gebe, sagte Haub:

“Keine große jedenfalls.”

Das ist schon deshalb ein ganz beachtliches Zitat, weil Tengelmann seinen Lieferdienst erst vor zwei Monaten als “Die Bringmeister” aufgepeppt und auch nach Düsseldorf gebracht hat – offensichtlich aber ohne Haub Bescheid zu sagen. Der lieferte in der “SZ” auch gleich eine Erklärung dafür, warum das mit den Online-Lebensmitteln nicht klappt:

“Wir sind mit einem Lieferservice seit vielen Jahren in Berlin und München tätig. Das ist ein ganz schwieriges Geschäft. Joghurts, Milch, Butter – viele Produkte müssen gekühlt werden. Und was machen Sie damit, wenn der Besteller nicht zu Hause ist?”

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