Archive for November, 2012

Albert Heijn to Go und das deutsche Supermarkt-Snack-Elend

Es folgt ein Memo an deutsche Supermärkte, die sich daran versuchen, ihren Kunden Sofortessen für den Unterwegsappetit anzubieten:

  • Pressschinken mit Käse, der zwischen zwei Brotscheiben mit Remoulade verklebt wird und anderthalb Wochen haltbar sein soll, ist kein frisches Sandwich.
  • Ein durch den Häcksler gezogener Mischsalat, auf dem zwei dürre Tomatenscheiben und drei Mini-Mozzarella-Kugeln liegen, ist keine “Salatschale Manhattan”.
  • Bloß weil morgens ein Mitarbeiter zwei Dosen Kidneybohnen und Mais aufmacht und deren Inhalt auf ein bisschen Grünzeug kippt, kommt dabei kein “Mexiko-Salat” heraus.

Anders formuliert: Was hiesige Supermärkte ihren Kunden zur schnellen Hungerbekämpfung anbieten, ist oftmals eine Zumutung. Einfallslos kombiniert, traurig angerichtet, mit Klebeetiketten aus dem Thermodrucker zugepappt.

Insofern können die Ketten froh sein, dass der niederländische Konzern Ahold seine Albert-Heijn-to-Go-Filialen aus logistischen Gründen zunächst bloß in Nordrhein-Westfalen eröffnet. (Die nächste übrigens am 5. Dezember 2012 in Düsseldorf, Graf-Adolf-Platz 6.) Weil sonst gleich das ganze Land für ihr langweiliges Kühltruhenessen verloren wäre.

Das liegt weniger daran, dass die Niederländer tausend neue Ideen mitgebracht haben. Mit dem Sortiment in den bisher eröffneten Läden bilden sie lediglich den Standard ab, der für Supermärkte in anderen europäischen Ländern seit Jahren selbstverständlich ist. Und dem sich die deutschen Läden bisher beharrlich verweigern. Ungewöhnliche Salatkombinationen, Gemüse-Snacks und Sandwichs, die nicht immer mit denselben drei Zutaten belegt sind, gehören in deutschen Supermärkten zu den Ausnahmen. Bei Albert Heijn to Go sind sie das Konzept.

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“Die Marktlücke ist da”: Albert Heijn to Go exportiert sein Snackkonzept nach NRW

Vor anderthalb Jahren eröffnete Rewe in Köln seine erste Filiale speziell für Snacks – mit Sandwiches, geschnittenem Obst, Getränken und Fertigmahlzeiten. “Convenience” heißt das in der Supermarktbranchensprache. Oder, wie hier im Blog: Sofortessen. Inzwischen sind drei weitere Rewe-to-Go-Filialen hinzugekommen, zuletzt am Kölner Hauptbahnhof. Vor allem gibt es einen neuen Konkurrenten: Im September holte der niederländische Konzern Ahold sein Ladenkonzept “Albert Heijn to Go” nach Deutschland. Los ging’s in Aachen. In dieser Woche öffnete im Ruhrgebiet die zweite Filiale ihre Türen.

Das Supermarktblog hat sich vorm Sandwichregal mit Deutschland-Chef Jürgen Hotz unterhalten – über unterschiedliche Snackkulturen, nächtliche Eigenmarkenlieferungen und die Konkurrenz durch Backketten und Schnellrestaurants.

* * *

Herr Hotz, hier in Essen hat gerade die zweite deutsche Filiale von Albert Heijn to Go eröffnet. Schauen Sie sich jetzt erstmal an, ob die Deutschen Ihre Sandwiches mögen – oder geht’s gleich weiter?

Jürgen Hotz: Wir haben uns fürs erste Jahr insgesamt etwa zehn bis zwölf Filialeröffnungen vorgenommen. Das schaffen wir auch. Ich gehe davon aus, dass in jedem Monat eine neue Filiale hinzukommt. In zwei Wochen ist Düsseldorf dran, Anfang 2013 folgt Laden Nummer vier. Wir haben festgelegt, zunächst in Nordrhein-Westfalen zu bleiben. Daran halten wir uns auch.

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Brandnooz verteidigt die “Coolbox”: “97,3 Prozent sind pünktlich angekommen”

Das Supermarktblog hat Leserpost von Brandnooz bekommen. Dort ist man nicht ganz einverstanden mit der Kritik an der “Coolbox” aus der vergangenen Woche. Sprecherin Kerstin Altmann schreibt:

“Kommt sie heut nicht, kommt sie morgen? Nachdem 97,3 % der 5.000 gekühlten Brandnooz-Boxen pünktlich bei den Abonnenten ankamen, fand [am Freitag] der Nachversand der nicht zustellbaren Boxen statt. Das nehmen wir gern zum Anlass, Ihnen einen exklusiven Einblick in unsere Kennzahlen zu geben:

Die letzten drei Brandnooz-Boxen erreichten eine Kundenzufriedenheit von 94 % und nur rund 3 % der Abonnenten verzichten jeden Monat auf die weitere Zustellung. Wenn Ihnen der Inhalt also mal nicht gefällt, dann sind Sie in guter Gesellschaft, aber deutlich in der Minderheit.

In Deutschland darf eine Produktneueinführung sechs Monate lang als ‘neu’ bezeichnet werden. Knapp 90 % aller bisherigen Brandnooz-Box-Produkte fielen zum Zeitpunkt der Zustellung in diese Kategorie. Das ist aber nicht der einzige Entscheidungsfaktor beim Aboabschluss für unsere Kunden: 85 % schätzen den monatlichen Überraschungseffekt und 84 % probieren gern Produkte, die sie sonst nicht gekauft hätten.”

100 Prozent aller Supermarktblog-Autoren finden das zwar sehr interessant, würden aber trotzdem bei ihrer sachten Skepsis bleiben, was die bisherige Fortentwicklung des Konzepts angeht. Vielleicht ändert sich das ja mit den nächsten Boxen.

Strategieschwenk: Kaiser’s Tengelmann schrumpft A&P für “Jeden Tag”

Es gibt Firmen, die Markenprodukte herstellen. Und Supermärkte, die Produkte herstellen lassen, um ihren Namen draufzupappen. Aber haben Sie auch schon mal was von Unternehmen gehört, die Produkte herstellen, mit denen die Supermärkte dann so tun können als seien es ihre eigenen?

Falls nicht, hilft Kaiser’s Tengelmann gerne beim Kennenlernen. Dort werden die Regale seit einigen Wochen mit signalrot verpackten Drogerieartikeln vollgepackt, auf denen steht: “Jeden Tag”. Das Gerücht, Tengelmann habe dem Konkurrenten Rewe dessen gerade eingemotteten Werbespruch “Jeden Tag ein bisschen besser” zur Hälfte abgekauft, weil das Geld für den ganzen nicht gereicht hat, ist natürlich Quatsch. Vielmehr handelt es sich um ein komplett unabhängiges “Jeden Tag”. Die neue Eigenmarke von Kaiser’s Tengelmann ist genau genommen nicht mal eine Eigenmarke. Sondern sozusagen eine Kommunenmarke: Jeder darf sie haben. Jeder, der sich dem Einkaufsverbund Markant angeschlossen hat.

Das sind zum Beispiel Supermärkte, die nicht zu Edeka oder Rewe gehören. Wenn nämlich jeder kleine Markt für sich genommen Waren einkaufen müsste, wäre das nicht bloß mühsam, sondern teuer. Markant bündelt den Bedarf und sorgt dafür, dass die Masse der unterschiedlichen Händler bei den Lieferanten ordentliche Konditionen kriegt. Außerdem stellt Markant Eigenmarken zum Discount-Preis her, die dann von kleinen Händlern verkauft werden können, um mit den großen mitzuhalten (auch in Österreich).

Eine dieser Marken ist “Jeden Tag”. Von der gibt’s zwar auch Schokolade und Scheibenkäse. Kaiser’s Tengelmann verkauft aber (zunächst einmal) nur Drogerieartikel, derzeit ungefähr 35 verschiedene, “tendenziell weiter steigend”, heißt es aus der Zentrale.

Mit diesem Strategieschwenk killt Kaiser’s Tengelmann zum einen die bisherigen Drogerie-Eigenmarken “Royal Comfort” und “Riva”. (Was nicht weiter schlimm ist.) Zum anderen fallen durch “Jeden Tag” einige Produkte der Tengelmann-Eigenmarke A&P weg:

“Auch die Artikel der Marke ‘A&P’ werden gegen die Artikel der Marke ‘Jeden Tag’ im Near-Food- und Non-Food-Bereich sukzessive getauscht.”

(“Near Food” und “Non Food” sind, nun ja: Nichtlebensmittel.)

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Papiersparen für Drogeriekunden: dm verzettelt sich ins Internet

Die Drogeriekette dm bietet seit kurzem an, beim Einkauf statt eines klassischen Kassenzettels einen so genannten “E-Bon” zugestellt zu bekommen, der gleichzeitig “innovativ” und “nachhaltig” sein soll, weil für den keine Thermopapierwälder abgeholzt werden müssen. Und weil dafür dieses brandneue elektronische Postsystem genutzt wird, na, wie heißt das noch gleich? Genau: Email. Die Teilnahme an der Aktion verbessert Ihr kosmisches Karma freilich nur dann, wenn Sie keinen Atomstrom benutzen, um den Rechner oder das Smartphone aufzuladen, mit dem Sie den “E-Bon” kurz nach dem Bezahlen im Posteingang abrufen können. (Was tatsächlich ziemlich gut klappt.)

Das digitale Zettelchen spart natürlich nicht nur Papier, sondern vor allem dm die Kosten für den Drucker. Aber da wollen wir mal nicht so sein, sondern eben: “innovativ” und “nachhaltig”.

Ist auch ganz einfach.

Um Papiersparer zu werden, benötigen Sie lediglich eine Payback-Karte. Haben Sie nicht? Dann müssten Sie sich erstmal bei Payback anmelden, um Bonuspunktesammler zu werden (und alle paar Wochen Papierprospektpost von dm zu kriegen). Mit Ihrer Payback-Nummer melden Sie sich dann im Internet für den “E-Bon” an. Kichern Sie nach dem Einkaufen an der Kasse nicht zu laut, wenn die Kassiererin automatisch zum Druckerschlitz greift und irritiert ist, weil da ja kein “E-Bon” rauskommt.

Kommt doch ein Zettelchen, haben Sie nicht bar bezahlt, denn das ist Voraussetzung für die “E-Bon”-Zustellung. Mit der EC-Karte gibt’s auch für angemeldete Nutzer einen Papierbeleg dazu (“aus rechtlichen Gründen”, sagt dm.) Papier gibt’s ebenfalls, wenn Sie Ihre Paybackkarte vergessen haben. Die braucht die dm-Kasse, um Sie als Papiersparer zu erkennen. Oder Sie haben eine Payback-Partnerkarte. Mit der geht’s auch nicht auf Anhieb. Oder Sie haben dienstagmorgens zu einer ungeraden Uhrzeit beza… – nein, das ist natürlich Quatsch.

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