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SB-Bezahlen bei Rewe und Tesco: Abkassiert im Kreisverkehr

Selbstbezahlen vor Holzoptik: SB-Kassen im neuen Rewe Richrath in den Kölner Opernpassagen

“Sie haben eine Frage? Dann sind unsere netten Mitarbeiter (…) sofort für Sie da!”, steht in dem Faltblatt über dem Foto einer lächelnden Mitarbeiterin im roten Rewe-Polohemd, auf dem gut sichtbar zu lesen ist:

“Express Kasse”

Und bevor demnächst die ersten Kunden frustriert ihre Einkäufe an verwunderten Rewe-Angestellten auf und ab schubbern, um auf den Scanner-Biep zu warten, will ich das Missverständnis an dieser Stelle aufklären: Die Mitarbeiter sind nicht die Kassen! Sondern bloß dafür abgestellt, Ihnen beim Selbstabkassieren zu helfen.

Mit der üblichen Verspätung (im Vergleich zum Ausland) kommt nun endlich auch bei uns Bewegung in den starren Abkassierprozess: Rewe freundet sich langsam mit dem Gedanken an, dass deutsche Kunden Gefallen daran finden könnten, sich mit ihren Mini-Einkäufe nicht in die Schlange mit Cent-Zählern und Artikelumtauschern zu stellen, sondern ratzfatz einfach die Kohle in einen sprechenden Automaten zu donnern, um etwas mehr ihrer Lebenszeit außerhalb von Supermärkten zu verbringen.

Seit einiger Zeit testet Rewe in der City-Filiale am Kölner Hohenzollernring, wie dort Selbstbedienkassen ankommen. Gleich ein ganzer Schwung der Touchscreen-Automaten ist eingebaut worden, vier an den vorderen Ausgang, und noch mal vier an den hinteren.

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Alnatura, dm und der Zoff um eine neue Bio-Marke

Jede Sekunde eröffnet in Deutschland eine neue dm-Filiale - da, schon wieder eine!

Wenige Tage nachdem die “Lebensmittelzeitung” den, ähm, Goldenen Zuckerhut an Alnatura-Gründer Götz Rehn verliehen hatte, meldete die Branchenzeitung in der vergangenen Woche, bei der stark expandierenden hessischen Biokette Alnatura sei man “irritiert” von den Plänen des stark expandierenden Drogeriemarktketten-Partners dm.

Dieser plane für das kommende Jahr eine eigene Bio-Marke, die den Alnatura-Produkten in den Regalen Konkurrenz machen könne. Schon länger gebe es “Spannungen” zwischen den Partnern.

Es ist eine kuriose Vorstellung, dass man bei Alnatura tatsächlich der Auffassung gewesen sein könnte, dm würde den Bio-Produkten des Partners auf ewig Konkurrenzschutz gewähren. Schließlich weiß Rehn selbst ganz gut, dass eine Expansion in dem Maße, wie dm sie seit der Schlecker-Pleite vorantreibt, nicht immer mit Rücksichtnahme zu vereinbaren ist.

Alnatura ist ja selbst stark am expandieren. Gerade hat das Unternehmen einen “Umsatzrekord” gemeldet.

Das dm-Konzept wiederum funktioniert nicht nur wegen des gewissensberuhigenden “Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein”-Zaubers so gut, sondern auch, weil die Kette Eigenmarken zu Niedrigpreisen im Regal stehen hat, an denen sich selbst Aldi messen muss. Dieses Prinzip auch für Lebensmittel durchzusetzen, liegt nahe.

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Aldi lässt die Schranke runter

Suchspiel! Auf diesem Bild hab ich eine Aldi-Filiale versteckt! Finden Sie sie?

Stilleben mit Discounter: Neu Aldi-Filiale in Köln, am Butzweiler Hof

Gut, war nicht so schwer. (Hinter dem Fahrrad, links vom Baukran.)

Das abgebildete Prachtexemplar eines Tarnaldis steht im Gewerbegebiet von Köln, genauer gesagt in der Nähe des ehemaligen Flughafens Butzweilerhof, und hat seit Anfang September geöffnet. Die beeindruckende Spiegelfassade glänzt aber vor allem durch Einseitigkeit: Die Seite zur Straße hin haben die Architekten klassisch verglast, sodass in der herabsinkenden Nachmittagssonne stets die Metalljalousien heruntergefahren werden müssen, damit Kunden und Mitarbeiter während des Kassierprozesses nicht erblinden oder gegrillt werden.

Drinnen im Dunkeln ist der Tarn- und Blendaldi, nicht nur bei geschlossenen Jalousien, bis auf wenige Häuche von Designelementen (über der langen Kühlwand steht keck “Kühl & frisch”; Obst & Gemüse wirkt aufgeräumter als in anderen Filialen) aber eher ein gewöhnliches Discount-Exemplar.

Deutlich origineller ist, was die Kunden hinter den Kassen kurz vorm Ausgang erwartet: ein Parkautomat.

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Das große Preisschießen: Netto (ohne Hund) und die “Gold-Coupons”

Netto-(ohne Hund)-Filiale in Berlin

Damit wir beim Einkaufen Angebote schneller erkennen können, haben Schilder mit Aktionspreisen in vielen Supermärkten und Discountern besondere Farben. Bei Netto (ohne Hund) [Erklärlink] sind sie gelb. Außerdem steht neben dem Produktnamen über dem Preis: “Aktion”.

Also so.

Weil gerade Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien ist, ist auf den Schildern derzeit auch “WM-Aktion” zu lesen, zur speziellen Kennzeichnung brasilianischer Spezialitäten wie – tiefgefrorener “Dorade”. (Die eigentlich aus dem Mittelmeer kommt.) Abgesehen davon hängt Netto (ohne Hund) auch Schilder auf, die mit einer “Preissenkung!” werben, ebenfalls gelb sind und zusätzlich zum Grundpreis (links in der Ecke) auch den durchgestrichenen vorherigen Preis aufgedruckt haben. Damit hat der Edeka-Discounter sein Preisschildbenamungsreservoir aber noch lange nicht ausgeschöpft. Es gibt auch gelbe Preisschilder, auf denen steht “Nur für kurze Zeit”. Oder: “Auf Dauer billig!”.

Eines aber haben alle gemeinsam: Als Kunde soll man sofort wissen, dass es sich um ein besonderes Angebot handelt.

Nun gibt Netto (ohne Hund) seit einer Weile auch ein eigenes Kundenmagazin heraus. Es heißt “gold – das Star-Magazin” und ist eine eigentümliche Mischung aus Promi-Klatsch, Rezepttipps, als Text verkleideter Produktwerbung und Rabattcoupons.

"gold - Das Star-Magazin" kostet bei Netto (ohne Hund) 66 Cent

Wer ebendiese “Gold-Coupons” aus der Heftmitte trennt und an der Kasse vorzeigt, erhält eine wechselnde Auswahl von Produkten zu besonderen Konditionen.

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Die neuen Treuepunkte kleben nicht mehr

Da sag noch mal einer, Kinder würden kein Gemüse mögen. Stimmt doch gar nicht! Das Gemüse muss bloß drollige Kulleraugen haben und auf Namen wie Karla Karotte, Bruno Brokkoli und Karl Knoblauch hören. Einen ganzen Rutsch solcher “Knuddel-Vitamine” hat der Rewe-Discounter Penny im vergangenen Herbst an seine Kunden verteilt. Beziehungsweise an dessen Nachwuchs, der die erwachsenen Geldbörsenverwalter vorher regelmäßig zu Penny gejagt hat, bis genügend Punkte an der Kasse ersammelt waren.

(Ab 50 Punkten gab’s für 99 Cent Zuzahlung ein Plüschobst oder -gemüse nach Wahl.)

 Karla Karotte, Bruno Brokkoli und Karl Knoblauch aus der "Goodness Gang" haben auch zahlreiche Obstfreunde

Im Original heißen die Vitaminchen “Goodness Gang” und haben eine Mission: Sie sollen ihre kleinen Besitzer an gesunde Lebensmittel gewöhnen. (Obwohl es vielleicht zu Missverständnissen führen könnte, wenn Kinder es für normal halten, Freunde zu essen.)

Erfunden worden ist die Bande vom Unternehmen The Continuity Company (TCC), das sich Kundenbindungsprogramme für Supermärkte und Tankstellen ausdenkt – in über 30 Ländern, von Deutschland bis Japan. In der vergangenen Woche demonstrierte TCC seinen internationalen Partnern in Berlin, mit was sich Kunden alles belohnen lassen: die kleinen mit Sammelstickern, Ice-Age-Knuddelmammuts, Angry-Birds-Spielen, Disney-Charakteren; und die großen mit Messern, Bettwäsche, Reisetaschen, Modeschmuck. Ganze Kinderzimmer und Haushalte ließen sich mit den Prämien einrichten, die TCC über solche Treueprogramme verkauft, meistens im Verbund mit Lizenzpartnern und bekannten Marken.

Supermärkte bieten die Aktionen an, weil sie wollen, dass die Kunden möglichst oft wiederkommen und seltener zur Konkurrenz gehen (siehe Supermarktblog). Dass sich die Treueversprechen mit Bonusprogrammen wie Payback beißen könnte, die ja auch Belohnungen in Aussicht stellen, glaubt TCC-Deutschland-Geschäftsführer Jörg Crosack (natürlich) nicht:

“Die Systeme ergänzen sich eher. Kundenkarten sind der Versuch, langfristig Loyalität aufzubauen. Unsere Programme zielen eher darauf ab, zu einem bestimmten Zeitpunkt im Jahr die Frequenz im Laden zu erhöhen.”

Wobei die Supermärkte längst dazu übergegangen sind, kurz nach dem Ende einer Treueaktion schon wieder die nächste zu starten. Derzeit sei Deutschland in Europa der größte Markt für diese Art der “Customer Loyalty”, sagt Croseck. Kein Wunder, inzwischen steigen selbst die Discounter auf den Trend ein.

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