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Wie Edeka auf die Brötchenknast-Initiativen der Discounter reagiert

Im Wettbewerb um das schmuckreichste Backtheater liegen die Discounter derzeit eindeutig in Führung. Netto (ohne Hund) dichtete sich die “Backstube” an, Penny hat seine Aufbackware im Laden als “Bäckerkrönung” geadelt, woraufhin Lidl die Initiative “Unser Brot” startete. (Für die an den Filialen interessanterweise ohne Lidl-Logo geworben wird.)

Und was unternehmen die klassischen Supermärkte? Edeka hat zwei sehr verschiedene Wege aufgetan, um auf die neue Konkurrenz zu reagieren.

1. Die Ingolstadt-Methode

Ingolstädter E-Center in Bushaltestellenform (hinten)

Ins Ingolstädter Industriegebiet stellte die Edeka-Regionalgesellschaft Südbayern 2006 ein E-Center, das aussieht wie eine riesige Bushaltestelle für Lebensmittel. Grund dafür ist, dass der Markt unter seinem leicht überstehenden Flachdachaufsatz auf zwei Seiten komplett mit Fenstern bewandet ist, was beim Einkaufen dazu führen kann, dass man sonnenstandbedingt vorm Gemüseregal erleuchtet wird.

Von der hohen Decke strahlen zahlreiche Lichtpunkte. Ansonsten mag Edeka die Kundschaft nicht weiter mit Besonderheiten stören und erlaubt den unverstellten Blick durch den ganzen Markt.

Edeka in Ingolstadt: Erleuchtung am Gemüseregal und freier Blick in den Laden

In dessen Vorkassenzone verkauft die Edeka-eigene Backstube Wünsche Bergbauernbrot, Bierstangerl und Tropic-Joghurt-Taschen (“feinstes Plundergebäck mit saftiger Joghurt- und Pfirsich-Maracuja-Füllung”). Das Besondere daran ist, dass die mutige Plunderzutatenbefüllung komplett konkurrenzlos geschieht. Denn in besagtem E-Center verzichtet Edeka auf eine Backstation mit Aufbackbrötchen, wie sie sonst fast überall zur Standardeinrichtung gehören.

Bei der Eröffnung sei damals einfach keine Station eingeplant gewesen, erklärt ein Edeka-Südbayern-Sprecher und meint, das könne “aufgrund der Entwicklungen des Marktumfeldes und Nachfrage jederzeit neu bewertet werden”. Im Moment scheint die Kundschaft aber, ähm, keine Wünsche übrig zu haben, die eine Nachrüstung veranlassen würden.

In Südbayern ticken die Uhren offensichtlich noch anders. Zumal es aus Sicht von Edeka womöglich um eine Spitzen-Serviceleistung handelt, in der Ladenmitte noch mal ein paar Einkaufskörbe aufzustellen, deren Handhabung eigens erklärt werden muss:

“Bitte an der Kasse wieder abgeben.”

Einkaufskörbe in der Ladenmitte sind ein besonderer Edeka-Service

Vorher wollen Sie als Kunde vielleicht noch hier Platz nehmen, um nachher Ihren Bekannten berichten zu können, dass Sie schon mal in der traurigsten Verschnaufpausen-Kaffeeecke des deutschen Einzelhandels gesessen haben:

Stilvolles Kaffeepausieren auf Steinteppich: Im E-Center kein Problem

Die Ingolstadt-Methode geht so: Backstation-Aufrüstung der Discounter ignorieren!

2. Die Leipzig-Methode

Die Höfe am Brühl sind eigentlich ein großes Einkaufszentrum, sehen von außen aber fast nicht so aus

Nach Einkaufscenter sehen die Höfe am Brühl, die sich Leipzig an den Rand seiner Fußgängerzone hat würfeln lassen, auf den ersten Blick nicht aus, und das liegt am architektonisch ambitionierten Fassadenversteckspiel des riesigen Brockens, in dessen Bauch außer den üblichen Ladenketten im Untergeschoss auch ein Edeka (E Potrzebski) wohnt, der so ziemlich das Gegenteil von dem Center in Ingolstadt ist – nicht nur wegen der sehr unterschiedlichen Größenverhältnisse, sondern weil die Einrichtung des Leipziger Ladens auf das jeweilige Sortiment abgestimmt ist.

Die runde Fischtheke leuchtet so blau, dass man jederzeit damit rechnen müsste, von Scotty einen riesigen Aal darauf gebeamt zu kriegen.

Die Weinabteilung ist als separater Raum im Laden gestaltet, leicht zurückgesetzt und mit hohen Holzregalen ausgestattet.

In den Gängen mit den versetzten Regalen hängen Lampen, die auch in eine Wohnzimmer-Lounge passen würden.

Und in der Ladenmitte kommt man beim Weg zur Kasse unweigerlich an der Backstation vorbei, die hier eher die Bezeichnung Aufbackpalast verdient hätte. Dabei hat sie ja schon einen separaten Namen: “Laib & Seele”. (Unter Bäckern ein beliebtes Standardwortspiel.)

Aufbackpalast mit eigenem Rufnamen: Edekas Brötchenknast-Konzept "Laib & Seele"

Statt einer simplen Theke mit gleichgroßen Fächern sind fünf unterschiedlich hohe Regalelemente übereck aneinandergestellt, unter anderem eine Brotrutsche, ein Korbstapler für Baguettes und die Hauptattraktion: ein großes Brötchenkarrussell, das den Kunden eine eigene Bedienungsanleitung zumutet:

Erst drehen Sie am Rad, und zwar die richtige Brötchensorte unters Rausbalancierfach, mit einem Metall-“Löffel” werden Sie anschließend “gewünschtes Brötchen nach hinten auswerfen”, ohne allerdings dabei den “Löffel” rauszuziehen oder die Plastikklappe zu heben. Verstanden?

Anleitung fürs Brötchenkarussell: "So einfach geht's"

Das klingt nicht nur furchtbar umständlich. Sondern ist es auch. Und zweifellos ist der Aufbackpalast derart überdimensioniert, dass notfalls auch noch der Aal darin landen könnte, wenn sich irgendwer an der Fischtheke verbeamt.

Aber es ist eine clevere Strategie von Edeka, um das Aufbacksortiment (das auch nicht so viel größer zu sein scheint als beim Brötchenknastspezialisten Lidl) besonders vielfältig und speziell aussehen zu lassen. Außerdem hat man sich als Kunde nach all der Metalllöffelei sein Laugengebäck ganz besonders hart verdient.

Die Leipzig-Methode geht so: Backstation-Aufrüstung der Discounter kontern – mit noch aufgerüsteteren Backstationen!

* * *

Hat Ihr Supermarkt auch so einen Aufbackpalast im Laden stehen? Oder kommt er ohne eigene Backstation aus? Schreiben Sie’s in die Kommentare!

Fotos: Supermarktblog

Penny in der Eigenmarkenmauser: “Elite” zurück, “Naturgut” wird neue Biomarke

Penny-Markt in Berlin

Sie kennen das vielleicht von entfernten Verwandten, die schon länger nicht mehr zu Besuch waren und beim Wiedersehen nach Jahren plötzlich trotz fortgeschrittenen Alters flippige Glitzerklamotten aus dem Designeroutlet tragen oder den alten Kombi gegen einem aufgemotzten Sportwagen eingetauscht haben. Ungefähr in dieser Phase steckt Penny gerade.

Vor zwei Jahren hat sich das Rewe-Sorgenkind neu erfunden und sieht seitdem erwachsener aus. Dieser Veränderung fielen zahlreiche Fantasie-Marken zum Opfer, die aus den Regalen verschwanden. (Allerdings längst nicht alle, wie ein Supermarktblog-Eintrag von vor zwei Jahren suggerierte: Puda und Happy End durften bleiben. Pardon für die frühzeitige Verabschiedung.) Sie wurden durch Produkte ersetzt, die für Discount-Verhältnisse geradezu originell verpackt waren. Drauf stand einfach “Penny”. “Mein Lieblingseinkauf heißt jetzt Penny”, warb das Unternehmen auf Plakaten. Und das Branchenblatt “Horizont” zitierte den Penny-Einkaufschef Jochen Baab:

“Die Vertriebs- und Handelsmarke über verschiedene Produktgruppen hinweg namentlich zusammenzufassen ist für Penny ein wichtiger Schritt, das Profil im Wettbewerb weiter zu schärfen.”

Nur den Kunden scheint das nicht so in den Kram gepasst zu haben. Deshalb steckt der kleinste unter den vier größten deutschen Discountern gerade wieder in der Eigenmarkenmauser.

Penny wirbt für den nächsten Eigenmarken-Strategieschwenk und "San Fabio"

Seit dieser Woche gibt’s bei Penny “unsere neue Italienmarke San Fabio” zu kaufen, unter der typisch italienische Produkte (bzw. das, was deutsche Discountkunden dafür halten) zusammengefasst sind – von frischen Nudeln über Pesto bis zur Fertigpizza aus der Kühltheke. Penny tritt als Absender nur noch hinten auf der Packung in Erscheinung, wie früher.

Tortelloni, Mozzarella, Steinofenpizza: San Fabio ist Penny neue Italienmarke

Die Produkte sind zwar modern verpackt, aber wieder deutlich näher dran am Discount als die “Penny”-Produkte. San Fabio soll dauerhaft im Sortiment bleiben, bestätigt Penny auf Nachfrage. In Aktionswochen word das Angebot vorübergehend erweitert.

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Diska: Der Discounter, der keiner mehr sein will

Vorne günstig, hinten tut nur so: Diska-Filiale in Chemnitz

Zwischen all den Ramschdiscountern, den Riesendiscountern, den Designdiscountern und den Fast-nur-Eigenmarken-Discountern ist es hierzulande gar nicht so leicht, eine Nische zu finden, in der noch kein Konkurrent sitzt.

Deshalb scheint es auf den ersten Blick keine schlechte Idee von Diska zu sein, sich künftig als Kumpeldiscounter anzubieten.

Zwischen Würzburg und Görlitz hat sich die kleine Kette ausgebreitet, mit über 100 Filialen, die allesamt zur Edeka-Regionalgesellschaft Nordbayern-Sachsen-Thüringen gehören. Das ist nicht nur deshalb kurios, weil Edeka mit Netto (ohne Hund) [Erklärlink] ja schon seit Jahren eine eigene Discountkette besitzt, die sich im Land recht breit gemacht hat. Sondern auch, weil die Geschäftsführung der Regionalgesellschaft laut “Lebensmittelzeitung” vor Jahren schon mal sehr engagiert darüber nachdacht haben muss, Diska zu verkaufen oder zu schließen.

Dazu ist es nicht gekommen. Stattdessen werden sogar neue Läden eröffnet, so wie im Chemnitzer Stadtteil Kappel.

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Sandwiches, Gastro-Koop, Humor: Was Rewe alles von sich selbst (und Billa Corso) lernen kann

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Flagship-Store-Eröffnungen in Österreich gehören für Rewe offensichtlich zu den liebsten Hobbys. Prima! Da kann sich Konzernchef Alain Caparros gleich mal jede Menge für den deutschen Markt abschauen. Immerhin hat er neulich angedeutet, Rewe im Heimatland “auf Augenhöhe mit Edeka” bringen zu wollen.

Als kleinen Service fasst das Supermarktblog gerne zusammen, welche guten Ideen sich dafür noch von der Rewe-Tochter Billa übernehmen lassen. Die betreibt in Österreich nicht nur normale Supermärkte, sondern auch die schicken Spezialläden “Billa Corso”, zum Beispiel im Herrnhuterhaus am Wiener Neuen Markt (sowie weitere Filialen in Graz, Salzburg und Klagenfurt).

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In den Märkten herrscht unter anderem striktes Enttäuschungsverbot für Sofortesser: Wenn sich bei Billa Corso ein Salat in (die) Schale wirft, dann macht er sich fein zurecht und sieht nicht so aus, als sei er gerade in der Gemüseküche durch den Häcksler gejagt worden; Wraps und Paninis verpacken sich standesgemäß, damit sofort auffällt, dass sie zur selben stolzen Familie gehören; und in den seltensten Fällen sagen sich in der Kühltruhe zwei langweilige Schinken-Sandwiches gute Nacht – weil sie vorher nämlich schon weggekauft und verschlungen worden sind.

Wer wirklich sehr wenig Zeit mitbringt oder notorisch entscheidungsunfreudig ist, krallt sich einfach eine Snacktüte mit belegtem Brot, Obst und Getränk.

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SuperBioMarkt in Münster: Wieviel sind uns gute Lebensmittel wert?

SuperBioMarkt-Filiale in den Münster-Arkaden / Logo: (c) SuperBioMarkt

Wer mit der Rolltreppe ins Erdgeschoss der Münster-Arkaden fährt, einem modernen Einkaufszentrum mitten in der westfälischen Studentenstadt, kann sich heute vermutlich nicht mehr vorstellen, was das damals für ein Schock gewesen sein muss, als Michael Radau vor 21 Jahren seinen ersten “SuperBioMarkt” eröffnete.

Es sei ihm darum gegangen, “die Unkompliziertheit des Einkaufens” auf Bio-Lebensmittel zu übertragen – und nebenbei dem Klischee vom stricksockentragenden Sandalenöko entgegenzuwirken.

Damit waren ein paar Stricksockenträger anfangs aber ganz und gar nicht einverstanden. “Manche Leute haben mit Supermärkten billige Produkte, schmuddelige Läden und fehlende Beratung assoziiert, und das sollte auf keinen Fall auf den Biobereich übertragen werden”, erinnert sich Radau, der für SuperBioMarkt zwei klassische Münsteraner Bioläden zusammengeführt hatte.

“Ich hab damals bitterböse Anrufe gekriegt. Der Untergang des abendländischen Naturkostreichs stand bevor.”

Zwanzig Jahre später erfreut sich das abendländische Naturkostreich glücklicherweise einer größeren Kundenzahl als je zuvor. Und Radau gibt sich immer noch Mühe, Bio klischeefrei ins Regal zu bringen.

SuperBioMarkt-Gründer Michael Radau / Foto: (c) SuperBioMarkt

Der 2005 eröffnete Vorzeigemarkt im Einkaufscenter ist hell und zeitgemäß eingerichtet, aber kleiner als klassische Supermärkte. Das Fleisch aus der Bedientheke ist nicht nur Bio, sondern richtet sich zu großen Teilen nach den strengeren Regeln der Anbauverbände. Brot und Brötchen aus der Backtheke am Eingang stammen vom lokalen Bio-Bäcker. Gegenüber gibt es mit “Bio to Go” ein Mini-Bistro mit Salaten, Smoothies und Suppen. Im Laden selbst werden ausschließlich Produkte unabhängiger Bio-Hersteller verkauft. Eigenmarken gibt es keine. Lediglich einzelne Kooperationen, zum Beispiel mit der örtlichen Kaffeerösterei oder einem Winzer, bei dem Radau selbst auf dem Weinberg mitgeerntet hat.

SuperBioMarkt in Dortmund: Sieht aus wie ein Supermarkt, ist aber Bio / Foto: (c) SuperBioMarkt

“Der Biomarkt wächst natürlich, aber auf überschaubarem Niveau. Daher muss es unsere Aufgabe sein, die Bekanntheit der existierenden Naturkostmarken bei den Kunden zu stärken”, erklärt Radau, warum er auf Eigenmarken verzichtet. (So richtig lohnen würde sich das bei derzeit  21 Läden vermutlich auch nicht.)

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