Lidl baut seinen Einkaufswagen ein neues Zuhause

lidlkoeln02

Okay, so langsam wird’s unheimlich mit Lidls Verwandelung zum Supermarktdiscounter: Vor eine in Köln-Ehrenfeld wiedereröffnete Filiale hat das Unternehmen seinen Einkaufswagen ein eigenes Unterstellhüttchen auf den riesigen Parkplatz gebaut. Ganz sauber mit Poller davor, Mülli daneben und modernem Glasdach plus Seitenschutz, damit die kleinen Metallracker nicht nass werden, wenn sie gerade nicht in Gebrauch sind.

Die „Einkaufswagen mit Babysafe“ haben ein eigenes Plätzchen bekommen, weil die dazu neigen, etwas in die Breite zu gehen. Dass eine Bar fehlt, an der die Wagen nach einem anstrengenden Kundendienst gemeinsam ein Schmieröl kippen können, ist sicher bloß ein Versehen.

Das Hüttchen ist freilich notwendig geworden, weil Lidl sich neuerdings kleine Eingangspaläste vor die Filialen baut. Wenn nicht viel Platz ist, fallen die eher übersichtlich aus (siehe Supermarktblog).

In Ehrenfeld war Platz aber kein Problem:

lidlkoeln05

Auch die läppischen Ladenschilder, unter die notdürftig bedruckte Banner mit Öffnungszeiten geschnallt wurden, sind Lidl nicht mehr gut genug. Am Parkplatzrand der Umbaufiliale steht deshalb eine kerzengerade Anthrazit-Informationssäule, auf der sämtliche (aktuell) relevanten Ladeninformationen Platz finden:

„Lidl lohnt sich.“
„Wir backen mehrmals täglich für Sie.“
„Montag bis Samstag 8-21 Uhr.“
„Herzlich willkommen!“

Weiterlesen

Amazon als Getränkelieferant? So sieht das Berliner Stadtlager für „Prime Now“ aus

primenow01b

Die Zeit der Entbehrungen für gestresste Großstädter wird bald vorbei sein. Dann muss es niemanden, der das Büro wegen dieses superwichtigen Meetings nicht verlassen kann, um zum Supermarkt um die Ecke zu gehen, mehr hungern oder dürsten. Ein paar Klicks in der „Prime Now“-App reichen – und die notwendigen Meetingüberlebensmittel kommen nach zwei Stunden per Kurier an den Schreibtisch. Das neue Smartphone gleich dazu. Wer nett fragt, dem schmiert der Zusteller bestimmt auch noch ein Brot, bevor er weiterrauscht.

Ungefähr so kann man sich Amazons neusten Service für Online-Hektiker vorstellen, die immer alles sofort haben wollen. (Aber auch nur ungefähr.)

In den USA gibt es „Prime Now“ schon länger (siehe dazu Exciting Commerce), in London ist der Dienst vor wenigen Monaten gestartet. Das Versprechen ist überall dasselbe: Keiner soll bis zum nächsten Tag warten, wenn er seine Online-Bestellung auch gleich haben kann. Das gilt freilich nicht fürs gesamte Sortiment, zumal der kurzfristige Bedarf an Hollywoodschaukeln überschaubar bleiben dürfte. Aber immerhin für ein paar tausend Waren des alltäglichen Bedarfs, die Amazon in Stadtlagern stapelt, um sie möglichst schnell zu den Kunden katapultieren zu können.

Innenstädtischer geht’s kaum

Die Spekulationen zum Deutschland-Start von „Prime Now“ sind inzwischen relativ konkret, zum Beispiel in Berlin. „Welt“ und „Berliner Morgenpost“ meldeten im März zuerst, Amazon niste sich mit einem neuen Lager in einem Einkaufszentrum am Berliner Kudamm ein. (Ausführliche Infos dazu hatte kurz darauf auch der „Tagesspiegel“).

Die Fenster besagter Fläche sind akkurat zugeklebt (Foto ganz oben), und Amazon mag das, was inzwischen alle wissen, immer noch nicht bestätigen. Langsam wird die Geheimniskrämerei aber ein bisschen albern. Weil am seitlichen Lieferzugang schon ein Poster mit Sicherheitsanweisungen fürs Personal und dem „Prime Now“-Logo hängt. Der Start ist also nur noch eine Frage der Zeit.

Weiterlesen

5 außergewöhnliche Supermärkte aus 5 Jahren Supermarktblog

Die wenigsten Reiseführer empfehlen ihren Lesern den Besuch interessanter Supermärkte am Urlaubsort. Hab ich noch nie verstanden. Wie kann man nur auf so wichtige Tipps verzichten? Zum 5. Geburtstag dieses Blogs wird es Zeit, das auszugleichen: mit fünf (plus zwei) außergewöhnlichen Supermärkten, die ich in den vergangenen Jahren besucht habe. Und die Sie sich auch anschauen sollten, wenn Sie mal in der Gegend sind.


Top 5: Real – Asda – Tesco Metro, Essen und London

Den fünften Platz teilen sich drei Läden, die ein bisschen anders sind als die meisten.

realessen13

Wie ein schlafender Drache aus Glas und Rasen sieht das Center aus, in dem Real 2013 sein modernstes SB-Warenhaus eröffnet hat. Man braucht bloß ein bisschen Fantasie. An der wuchtigen Kopfseite prangt gut sichtbar das Supermarkt-Logo, die Dachebenen sind begrünt, die Fenster riesengroß.

realessen12

Bloß das Reingehen können Sie sich sparen: Weil die Real-Designaufpäppelung zweieinhalb Jahre nach ihrer Erfindung längst wieder veraltet ist und mit der Drachenarchitektur draußen ganz und gar nicht mithalten kann.

Hinkommen: Haedenkampstraße 21, 45143 Essen; ÖPNV: S1, S3, S9 bis Essen-West, dann 600 m zu Fuß.
Mehr zum Thema lesen: Rettet Real in Essen das SB-Warenhaus – und sich selbst?

asda150410

Wer sagt eigentlich, dass Supermärkte Türen, Fenster und Regale brauchen? Beim britischen Walmart-Ableger Asda, der einen Pakt mit der Londoner Transportgesellschaft TfL geschlossen hat, reicht auch ein Parkplatz an einer Tube-Station. Auf dem holen Kunden, die vorher lässt online bestellt haben, ihre Einkäufe an kleinen Lieferwagen ab (wie hier an der Highgate Station). Außer man versäumt, ähem, zur richtigen Zeit da zu sein. (Auf dem Friedhof in der Nähe ist übrigens Karl Marx begraben, aber nicht deswegen.)

Hinkommen: Highgate Station Car Park, Archway Rd, London N6; ÖPNV: Northern Line oder Busse 43, 134, 263, dann die lange Treppe runtergehen.
Mehr zum Thema lesen: Sieht so der Supermarkt der Zukunft aus: unsichtbar?

tescotower01

Kein Mensch fährt gerne in den Keller, um einzukaufen. Es sei denn, dort hängen schwarze Melonen von der Decke und es duftet nach frisch gebackenem Brot. So wie bei Tesco Metro, gleich um die Ecke der Londoner Tower Bridge. Dort testen die Briten im Kleinen, wie ihre Läden mit der Zeit gehen können: mit schlanken SB-Kassen, Mittagessen-Kombis und einer Selberkochauswahl, die jeden Restaurant-Lieferdienst in Panik versetzen würde.

Hinkommen: 125 Tooley St, London SE1 2TH; ÖPNV: Busse 47, 343, 381 bis Abbots Lane, direkt vor der Tür.


Top 4: Tegut, Wiesbaden

tegutw02b
Foto: Tegut

Oben in Sonnenberg, über der Wiesbadener Altstadt, zeigt Tegut den Marktführern, wie moderne Nachbarschaftsmärkte aussehen müssen. Es gibt eine klare Kundenführung, geschwungene Regalen, offene Bedientheken. Mag sein, dass das neuen großzügige Laden-Design, das 2014 in der hessischen Landeshauptstadt gestartet ist, Verkaufsfläche verschenkt. Dafür verschenken die vollgequetschten Wettbewerber die Chance, ihren Kunden den Einkauf um die Ecke so angenehm zu machen wie man das unter Nachbarn eben schätzt.

Hinkommen: Richard-Wagner-Straße 86,65193 Wiesbaden; ÖPNV: keine Verbindung. Ab Kurhaus Wiesbaden 1,4 km zu Fuß (bergauf).
Mehr zum Thema lesen: Tegut macht sich schick für die Expansion.

Und damit sind wir auch schon bei den Top 3:

Weiterlesen

Das Supermarktblog wird 5!

5jahre03

Heute vor fünf Jahren erschien der erste Eintrag im Supermarktblog. Und gleich in der Premierenwoche hab ich drei entscheidende Dinge gelernt: 1. Dass man niemals, wirklich niemals pünktlich zu Supermarktneueröffnungen kommt, weil man morgens um 7 Uhr sonst alleine mit dem Hausfotografen dasteht; 2. dass man von anderen Leuten ziemlich dämlich angeschaut wird, wenn man Fotos von Supermärkten macht; 3. und dass dieses Blog ein ziemlich großer Spaß werden könnte.

Punkt 1 vermeide ich inzwischen, mit Punkt 2 haben sich mein Umfeld und ich arrangiert, und dass Punkt 3 tatsächlich wahr geworden ist, hab ich Ihnen zu verdanken: Weil Sie hier mitlesen, mir Mails oder Tweets mit wertvollen Hinweisen schicken und lehrreiche, launische, lustige Kommentare unter die Einträge schreiben.

(Und natürlich, weil Sie im Herbst 2012 hier mit in meine eigene Blogbutze gezogen sind.)

Weiterlesen

Bei Penny kommt künftig auch Nichtnormgemüse in die Tüte

pennyhelden02
Foto: Penny

Jetzt ist’s offiziell: Discount-Nachzügler Penny scheint den Verlust der Fototapetenlandschaften in seinen Läden ganz gut weggesteckt zu haben. In der vergangenen Woche überraschte die Konzernmutter Rewe jedenfalls mit der Meldung, dass Penny nach der Neuerfindung erstmals wieder schwarze Zahlen schreibe – ein Jahr früher als ursprünglich geplant.

Allerdings holt die Konkurrenz in rasantem Tempo auf und steckt, wie Lidl, in der Dauermodernisierung. Um nicht sofort wieder ins Hintertreffen zu geraten, strengt sich Penny deshalb sei geraumer Zeit an, bei den Kunden vor allem mit Kreativität zu punkten. Das wirkt, wenn ständig neue Eigenmarken ins Regal kommen, mitunter chaotisch; und manche Initiativen dauern länger als gedacht. (Mehr zur stockenden Umbenennung der Nachbarschaftsläden steht am Ende dieses Beitrags.)

Immerhin hat Penny aber verstanden, dass es eine kontinuierliche Anstrengung braucht, um sich als moderner Discounter zu positionieren – genau das scheint Penny-Geschäftsführer Jan Kunath mut seinem Team gerade ganz gut hinzukriegen (siehe Supermarktblog).

Mehr Ernte in den Markt

Die neuste Idee kommt am 25. April ins Regal und ist im Discount tatsächlich ein Novum: Obst und Gemüse in Bio-Qualität verkauft Penny künftig mit „Bio-Helden“.

So nennt der Discounter kreativ-verwachsene Karotten, krumme Gurken, Kartoffeln und Äpfel mit Schalenfehlern sowie Tomaten mit kleinen vernarbten Rissen – kurz: Früchte, Knollen und Schattengewächse, die nicht makellos sind, aber genauso gut schmecken wie ihre kerzengeraden Kompagnons. Die Initiative soll Öko-Bauern ermöglichen, einen größeren Anteil ihrer Ernte in die Märkte zu bringen, weil nicht mehr alles perfekt gewachsen sein muss. (Was im Biolandbau schwer ist, weil keine Chemie eingesetzt wird.) Und sie verhindert im besten Fall, dass wertvolle Lebensmittel verschwendet werden, bloß weil sie nicht irgendeiner Quatschnorm entsprechen.

Weiterlesen