Warum Kaffeeautomaten im Supermarkt meistens Quatsch sind

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Anfang des Monats meldete die „Wirtschaftswoche“, dass es bei Aldi Süd in neuen Filialen bald Kundentoiletten geben wird. Zahlreiche Medien machten aus der Pipi-News reflexartig eigene Klicktextchen, und „Bild“ hyperventilierte sich sogar zur „Discounter-Revolution“: weil sich Aldi einer Sprecherin zufolge auch vorstellen kann, „in Zukunft“ Kaffeeautomaten in den Läden aufzustellen. (Vermutlich, damit sich die Toiletten rentieren.)

In dieser vor kurzem eröffneten Aldi-Süd-Filiale hat „die Zukunft“ bereits begonnen, und – mit Verlaub – sie sieht scheiße aus. Wie eine Bushaltestelle mit Heißgetränkeanschluss:

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Dafür lässt sich an dem abgebildeten Ensemble mit dem affigen Namen „Coffee hoch3 (To Go)“ ganz gut erklären, warum Kaffeeautomaten im Supermärkten in den allermeisten Fällen Quatsch sind.

Sie stehen falsch

Der Automat auf dem Bild oben ist hinter den Kassen aufgestellt, kurz vor dem Ausgang. Das Heißgetränkeangebot richtet sich also an Kunden, die gerade schon bezahlt haben und gleich den Tiefkühlfisch nachhause schleppen müssen, damit der ihnen nicht in der Tasche wegtaut. Selbst wenn der Einkauf weniger temperaturempfindlich ist: Haben Sie schon mal versucht, Ihren Aldi-Großeinkauf in den Kofferraum zu wuchten und dabei einen schönen Cappucchino zu trinken?

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Was wir nach dem Verschwinden von Kaiser’s Tengelmann alles vermissen werden

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Edeka darf Kaiser’s Tengelmann doch noch übernehmen, hat Sigmar Gabriel entschieden (sofern sich der Marktführer an vorgegebene Auflagen hält [PDF], die freilich nicht verhindern, dass er noch marktführiger wird). Damit ist die traditionsreiche Supermarktkette demnächst Geschichte.

Weil sich die Menschen im Jahr 2116 aber sicher dafür interessieren, wie ihre Vorfahren hundert Jahre früher in Berlin, München und Nordrhein-Westfalen eingekauft haben, bevor ihnen die Lebensmitteltuben direkt in die Kühlschränke gebeamt wurden, erinnert dieser Blogeintrag an das, was wir nach dem Verschwinden von Kaiser’s Tengelmann vermissen werden. (Vielleicht.)


1. Die grundehrliche Kundenkommunikation

Kaum ein anderer Supermarkt hat seinen Kunden gegenüber so aufrichtig kommuniziert, was er von ihnen hält – per Eigentumsanzeige auf dem Einkaufskorb.

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(Gut, dachten sich die Kunden: Dann klauen wir halt stattdessen die Einkaufswagen.)

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2. Die Suchinseln

Das „erfolgreiche und innovative Filialkonzept“ mit dem verheißungsvollen Titel „Schwarz-Rot-Gold“ sollte Kaiser’s Tengelmann in den vergangenen Jahren wieder wettbewerbsfähig machen. Tatsächlich gelang es dem Unternehmen, die Verweildauer der Kunden in den Läden deutlich zu erhöhen: Aber nur, weil man seitdem eine halbe Ewigkeit braucht, die schulterhohen Regalinseln zu umlatschen, bis man dort den verdammten Reibekäse findet.

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Die denkwürdigsten Werbeunfälle aus Rewes eingestellter „Besser leben“-Werbung

„Alles, was wir tun, tun wir für dich. Weil wir erst dann glücklich sind, wenn du es bist“, verspricht Rewe seinen Kunden im ersten Werbespot n.B.l. (nach „Besser leben“), der seit diesem Samstag im Fernsehen läuft. Der alte Gruselauftritt ist Geschichte, ab sofort lautet Rewes neuer Werbespruch „Dein Markt“. Ob das was wird, wissen wir erst in ein paar Monaten, wenn ausreichend Zeit war, sich an das neue Design (Agentur: Loved) zu gewöhnen und die ersten Spots im Fernsehen gelaufen sind (Agentur: Thjnk, Hamburg).

So sieht der Auftakt aus:

Und egal, ob Sie das gelungen finden oder nicht: Schlimmer als vorher kann es eigentlich nicht werden (siehe Supermarktblog vom Januar 2013).

Damit nicht in Vergessenheit gerät, wie sehr sich eine der größten deutschen Supermarktketten in den vergangenen Jahren auf der Suche nach einer neuen Werbeidentität verirrt hat, hab ich zum Abschluss noch mal die denkwürdigsten Unfälle (Agentur: Heimat) aus dem Archiv gekramt.

1. Die Herzpaddelfrau und ihre Kumpels

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Im Befehlston hat sie uns einzubimsen versucht, dass wir gefälligst „nachhaltig“, sein sollen, „ausgewogen“ und „Bewusst leben“! Wie das geht, hat die unbekannte Dame auf dem Rewe-Plakat gleich mal vorgemacht: Indem man mit den Armen ein Herz ins Wasser paddelt. (Auf dem Foto rechts von den Picknickpärchen zu sehen, dass keine Lust auf Einkaufen hatte und sich ’ne Quiche in den Park geordert hat.)

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Netto (ohne Hund) macht Platz

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Kleiner Scherz zum Jahresanfang: Wieviele Leute passen gleichzeitig in eine Telefonzelle? Ist doch klar: Halb so viele wie in einen Netto-City-Markt. (Ohne Hund, natürlich.)

Nach der Plus-Übernahme gehörten dem Edeka-Discounter Netto (ohne Hund) vor ein paar Jahren auf einen Schlag massig Filialen, die zwar günstig gelegen waren: dort, wo in der Stadt täglich viele Leute einkaufen, weil sie um die Ecke wohnen. Für alle, die zu Platzangst neigen, waren die kleinen, engen, vollgestellten Läden jedoch ein Graus. Das versucht Netto (ohne Hund) jetzt zu ändern. Am Berliner Alexanderplatz, direkt hinter dem – ähm: Hofbräuhaus, hat vor im Dezember ein neuer Innenstadtladen eröffnet, der fast schon verschwenderisch Platz für Platz lässt.

Schauen Sie mal, da steht weit und breit keine Stolperpalette:

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Vor dem neuen Brötchenknast könnte sich demnächstauch die örtliche Yoga-Gruppe aus dem Wohnkomplex treffen, der obendrüber gerade fertiggebaut wird. (Ähnlich wie bei Rossmanns neuem Ladenytpen, der vor einem Jahr ebenfalls in Berlin Premiere hatte.)

Großzügigkeit ist nicht das einzige, das sich die Nummer 3 im deutschen Discount-Markt hat einfallen lassen, um es dem Konkurrenten Lidl bei seiner Supermarktwerdung etwas schwerer zu machen. Auch wenn manche Neuerung deutlich aus Neckarsulm inspiriert zu sein scheint: Nettos Brötchenknast (ohne Hund) …

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Das Supermarktblog wünscht allen Lesern frohe Weihnachten und ein duftes 2016!

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War das wieder für ein Supermarkt-Jahr! Mit interessanten Renovier-Strategien, Online-Offerten und umstrittenen Übernahme-Versuchen. Jetzt ist erstmal kurz Pause (sofern Edeka nicht noch eine Ministererlaubnis untern Baum gelegt kriegt).

Sie können sich derweil schon mal auf 2016 freuen: Dann wird nämlich nicht nur dieses kleine Blog fünf Jahre alt. In Großbritannien bringt der zu Kelloggs gehörende Chips-Hersteller Pringles außerdem fantastische Weihnachtskerzen raus – in den irren Duftrichtungen „Cheesy Cheese“ und „Texas BBQ Sauce“ bzw. für richtig Hartgesottene: „Pigs in Blankets“ (Würstchen im Schlafrock). 500 Briten dürfen über die Feiertage testriechen. Sollte die Mehrheit ihren Riechsinn behalten, kommt die Produktinnovation in den Handel.

Bis es soweit ist, wünsche Ihnen und Ihrer Familie ein frohes Fest und einen guten Start ins neue Jahr. Vielen Dank fürs Mitlesen und Kommentieren! Ich hoffe, Sie stehen Sie zwischen den Feiertagen nicht so lange an Kassen herum.

Foto: Imagewise