Von fusionierenden Riesen und cleveren Zwergen: Europas Supermärkte im Jahr 2025

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Vor kurzem publizierte die Beratungsgesellschaft Oliver Wyman ein Papier, das trotz des Titels „Endspiel im europäischen Lebensmittelhandel“ kein Bericht vom Fußballturnier befreundeter Supermarkt-Mannschaften war – sondern ein Blick in unsere Einkaufszukunft (pdf). In ihrer Analyse kommen die Autoren zu dem Schluss:

„Der europäische Markt für Lebensmittelmittel wird in zehn Jahren nicht signifikant größer sein als heute. Aber seine Zusammensetzung wird sich ändern.“

Der Berater gehen davon aus, dass es dann nicht mehr wie heute 25 Handelskonzerne geben wird, die Erlöse von jeweils über 10 Milliarden Euro im Jahr erzielen, sondern deutlich weniger:

„Wir erwarten, dass die Zahl der Konzerne bis 2025 auf die Hälfte gesunken sein wird – und die Übriggebliebenen sehr, sehr viel größer sein werden.“

In ihren Stammländern stoßen viele Handelskonzerne an Grenzen, weil die Behörden eine weitere Ausbreitung untersagen. Das beste Beispiel dafür ist die derzeitige Übernahmeschlacht um Kaiser’s Tengelmann, die Edeka immer noch für sich zu entscheiden versucht. (Was jedoch zunehmend unwahrscheinlicher wird.)

Die Autoren prognostizieren, dass sich die Konzerne deshalb bald im Ausland umschauen und mit Unternehmen aus benachbarten Ländern fusionieren, um noch mithalten zu können. Das ist keine besonders originelle Vorhersage, aber eine, die es eilig hat, wahr zu werden: Ende Juni haben der niederländische Marktführer Ahold (Albert Heijn) und die belgische Kette Delhaize ihre Fusion bis Mitte nächsten Jahres bekannt gegeben. Dadurch entsteht der viertgrößte Handelskonzern Europas, Ahold und Delhaize wollen zudem eine halbe Milliarde Euro Kosten sparen.

Schon heute arbeiten viele europäische Supermarktketten länderübergreifend in Einkaufskooperationen zusammen. Das sind ideale Voraussetzungen, um Gemeinsamkeiten auszuloten.

Der größte europäische Supermarkt-Konzern ist mit einem Umsatz von über 79 Milliarden Euro die deutsche Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland), die erst kürzlich Carrefour aus Frankreich von der Spitze verdrängt hat und nicht durch Übernahmen wächst, sondern durch Expansion der eigenen Formate im Ausland (und hierzulande u.a. durch die Lidl-Modernisierung).

Das heißt aber noch lange nicht, dass es bald nur noch Riesen geben wird. Die andere Möglichkeit, im Lebensmittelhandel des Jahres 2025 zu überleben, werden Kooperationen zwischen Riesen und Zwergen sein. Wie das funktionieren könnte, demonstrieren derzeit die beiden deutschen Ketten Alnatura und Veganz.

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3 Gadgets, die Sie unbedingt haben müssen (wenn Sie ein Discounter sind)

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1. Der To-Go-Truck

Wenn die Kunden nicht zum To-Go-Essen in den Laden kommen, muss das To-Go-Essen eben aus dem Laden zu den Kunden kommen. Muss sich Penny gedacht haben und hat seiner Sofortessen-Eigenmarke „penny to go“ einen kleinen Roadtrip spendiert. Der führte die ausführlich bezuckerten Knatschwaren auf den Vorplatz des Frankfurter Hauptbahnhofs, wo die Passanten das Mittagessen in dem mintgrünen Ausgabefahrzeug ausführlich ignorieren konnten.

Das mag auch daran gelegen haben, dass von den beworbenen „frischen Snacks für schnelle Genießer“ auf dem Aufsteller quasi nichts anderes zu sehen war als deren Verpackung – was ungefähr so clever ist, wie wenn eine beliebige Fastfood-Schleuder ihre pappigen Burger auf der Menükarte in der verschlossenen Pappschachtel abbilden würde. Immerhin besteht so die Chance, dass sich die Frankfurter erinnern, wenn sie demnächst bei Penny am To-Go-Regal vorbeilaufen: Hey, das sind doch die Verpackungen mit den Sachen, die ich neulich schon nicht gekauft habe!

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Danke an Supermarktblog-Leser S. für die Fotos!

2. Der begehbare Kühlschrank

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dm startet Online-Shop: Mehr als 140 Liter Windeln kosten extra

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An diesem Dienstag hat die Drogeriemarktkette dm eine umfassende Erziehungsmaßnahme für Internet-Besteller gestartet und sie als Online-Shop getarnt. In dem lassen sich nun von zuhause rund 9.000 Marken- und Eigenmarkenartikel einkaufen. Aber das kann man im Jahr 2015 kaum noch als Revolution bezeichnen. Interessanter ist, wie dm die Kosten weitergibt, die bei der Bestellung entstehen.

Es gibt einen Mindestbestellwert von 25 Euro. Dazu kostet die Lieferung in jedem Fall 4,95 Euro.

Damit setzt sich die Drogeriekette von den zahlreichen Online-Shops ab, die Kostenloslieferungen als Muss betrachten, um im Wettbewerb mithalten zu können. Man wolle Versandkosten nicht in höheren Preisen verstecken, erklärt dm (bzw. natürlich nicht draufzahlen) und verspricht, dass die Sachen dasselbe wie im Markt kosten. (Was aber in Einzelfällen nicht eingehalten werden könnte, weil dm-Dauerniedrigpreise in Filialen mit starkem Konkurrenzumfeld unterschritten werden dürfen.)

„Wer sich vorwiegend Großes und Schweres liefern lässt, zahlt auch mehr Versandkosten“, hatte Geschäftsführer Erich Harsch mir schon im April in einem Gespräch gesagt (siehe auch Supermarktblog). Jetzt ist klar, wie das funktioniert:

Die Versandkosten in Höhe von 4,95 Euro gelten pro Paket.

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Mit allen Mitteln: Edeka, Rewe und die Schlammschlacht um Kaiser’s Tengelmann

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Edeka will die Supermärkte von Kaiser’s Tengelmann in Berlin, München und Rhein-Ruhr übernehmen. Immer noch. Obwohl das Kartellamt längst gesagt hat: geht nicht. An diesem Donnerstag hat die Rewe Group mit einer seitenfüllenden Anzeige in deutschen Tageszeitungen ein Gegenangebot für eine Komplettübernahme gemacht. Mit Zusagen, die weiter gehen als die von Edeka.

Dass die Unternehmen sich öffentlich derart direkt angehen, ist ungewöhnlich. Das Supermarktblog erklärt die Hintergründe der Schlammschlacht.

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Woran hängt’s denn jetzt?

Am ehemaligen Eisbärenpatenschafts-Beauftragten und jetzigen SPD-Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Bei dem ist eine Ministererlaubnis beantragt, mit der Edeka und Tengelmann das Verbot des Kartellamts aushebeln und die Übernahme doch noch durchsetzen könnten.

Damit die Arbeitsplätze gerettet werden können, weil Kaiser’s Tengelmann sonst dicht macht?

Sagt zumindest Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub. Glaubt ihm aber keiner. Aus zwei Gründen:

1. Warum sollte Haub die Supermärkte abwickeln, wenn er dafür noch ein hübsches Sümmchen bekommen könnte – falls nicht von Edeka, dann eben von einem anderen Unternehmen, für das viele Märkte hochinteressant wären? Schon weil sie oft mitten in den Innenstädten liegen, wo es schwer geworden ist, noch neue Flächen für eine Expansion aus eigener Kraft zu bekommen.

2. Es gibt einen merkwürdigen „Offenen Brief“ der Mitarbeiter von Kaiser’s Tengelmann, über den diverse Medien berichtet haben, und in dem sich die Belegschaft um den Erhalt der Arbeitsplätze sorgt – und zwar für den Fall, dass Edeka die Märkte übernehmen dürfe. Begründet wird das damit, dass nicht zugesagt worden sei, alle Supermärkte tatsächlich zu erhalten bzw. Mitarbeiter in Zukunft nach Tarif zu bezahlen. (Wenn Edeka Läden an selbstständige Kaufleute weitergibt, sind die bislang nicht automatisch tarifgebunden.) Deshalb sollten Verhandlungen mit anderen Unternehmen geführt werden.

Und jetzt schaltet Rewe prompt Anzeigen in „Bild“, „Süddeutsche Zeitung“, FAZ und „Welt“, um genau das anzubieten?

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Warum Waitrose seine Kunden Sonderangebote selbst bestimmen lässt

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Sind schon wieder Matjeshappen, Brechbohnen und extrascharfer Senf im Angebot – und Sie fühlen sich sonderangebotsausgeschlossen, weil nichts davon Ihre Geschmacksnerven kitzelt? Da haben’s Kunden der britischen Supermarktkette Waitrose besser.

Waitrose kennen regelmäßige Leser dieses Blog bereits als Erfinder des Kostenloskaffees für Bonuskartenbesitzer. Seit Mitte Juni nehmen die Briten auch auf Koffein-Verweigerer Rücksicht und haben dafür die Aktion „Pick your own offers“ gestartet.

Wer im Besitz einer registrierten myWaitrose-Bonuskarte ist, kann sich online zehn Produkte heraussuchen, die er regelmäßig einkauft, und kriegt darauf bei jedem Waitrose-Einkauf – egal, ob im Laden oder online – 20 Prozent Rabatt. Nicht einmal, nicht zweimal, sondern jedes Mal. „Wir glauben, die beste Person, um Angebote für Sie auszusuchen, sind Sie selbst“, wirbt Waitrose für die Aktion. Und falls Sie nebenbei gerade Ihre Teilumsiedlung nach Großbritannien planen, um eine günstige Nutella-Quelle zu erschließen, warten Sie noch ein Momentchen: Die Sache hat natürlich einen kleinen Haken.

Zum einen ist die Aktion zunächst bis September begrenzt; zum anderen grenzt Waitrose ein, für welche Artikel der Deal gilt. Vorerst können Kunden aus 950 unterschiedlichen Produkten auswählen, die Hälfte davon sind Markenartikel, die andere Hälfte Waitrose-Eigenmarken, viele frische Produkte, die zur Saison passen sollen, berichtet der Guardian.

Genau das ist der entscheidende Kniff: Weil alles, was frisch gekauft wird, auch oft gekauft wird.

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