Der nächste Ladenschluss: Die another Dayli

Vor ziemlich genau einem Jahr kaufte der Investor Rudolf Haberleitner die österreichischen Läden der pleite gegangenen Drogeriekette Schlecker, gründete den Nachfolger Dayli (siehe Supermarktblog) und erklärte:

“Nach der Übernahme des Schlecker-Österreich-Geschäfts im Vorjahr ist es uns gelungen, den Fortbestand zu sichern und ein Nahversorgerkonzept zu entwickeln, das es so in Europa bisher nicht gegeben hat. Wir bieten den Kunden dermaßen viele Vorteile, dass der Wettbewerb den Rückstand kaum aufholen kann.”

(in der “Lebensmittelzeitung”, Januar 2013)

Auf die Frage, wie die Geschäfte in den österreichischen Läden liefen, meinte Haberleitner:

“Irrsinnig gut. In Pöggstall verzeichnen wir eine sechs- bis siebenfache Umsatzsteigerung, in Linz etwa eine Vervierfachung. Das Konzept scheint voll aufzugehen.”

(ebenfalls in der “Lebensmittelzeitung”, Januar 2013)

Zu seinen Plänen befragt meinte er ganz unbescheiden:

“3000 Filialen in 20 Ländern, von Süddeutschland bis Ex-Jugoslawien. Ich will den ganzen Balkan, so schaut’s aus.”

(in der “Kronen Zeitung”, August 2012)

Und als nach dem Kauf vor einem Jahr schon die ersten Zweifel an der Realisation des Konzepts aufkamen, meinte Haberleitners Anwalt Franz Guggenberger:

“Eine Insolvenz wird es nicht geben. Sonst hätten wir es nicht gekauft.”

(laut “FAZ” vom 1. August 2012)

Logo des gescheiterten Schlecker-Nachfolgers Dayli

Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt. Zur großen Deutschland-Expansion ist es nie gekommen. Ende Mai meldete Dayli stattdessen Insolvenz an. Haberleitner musste sich aus dem eigenen Unternehmen verabschieden. Seit heute steht fest: Es gibt keinen neuen Investor. Die Läden machen endgültig zu.

Foto: Dayli

Großbritannien braucht keinen EasyFoodstore, Mr. Haji-Ioannou!

Stelios Haji-Ioannou ist Milliardär geworden, indem er Unternehmensgruppe gegründet hat, die vorgibt, ihren Kunden das Leben ganz “Easy” zu machen. Eigentlich lockt sie ihre Kunden aber bloß mit günstigen Preisen, um ihnen dann mit Zusatzleistungen, die bei anderen Anbietern selbstverständlich und inklusive sind, das Geld aus der Tasche zu ziehen. Natürlich kann man mit EasyJet günstig um die Welt fliegen. Wenn man vorher den mit Kostenüberraschungen gespickten Online-Buchungsparcours fehlerfrei hinter sich gebracht hat. Und natürlich kann man im EasyHotel mitten in London günstig wohnen. Wenn man darauf verzichten kann, auf einen Raum mit Fenster zu bestehen.

Jetzt hat Haji-Ioannou angekündigt, eine Lebensmittel-Discountkette unter dem Namen EasyFoodstore gründen zu wollen.

Spart schon am Design: die neue Discount-Kette EasyFoodstore

Der erste Laden soll in einem Hochhaus in Croydon, südlich von London, eröffnen. In die Stockwerke drüber kommen Büros von EasyOffice, Räume von EasyHotel, ein EasyGym-Fitnessstudio – und wahrscheinlich kriegt Haji-Ioannou es auch noch irgendwie hin, mit EasyJet künftig auf dem Dach zu landen, um sich ein für alle Mal die Gebühren auf den bisher angesteuerten Billigflughäfen zu sparen.

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Oh, oh: 6 Proobleme, die Toom sofoort löösen muss

Toom-Markt in Hessen

Als die Rewe Group in den vergangenen Jahren ihr Supermarktgeschäft aufbrezelte, war das SB-Warenhaus Toom [Erklärlink] gerade draußen spielen und ist dort völlig vergessen worden. Jetzt glänzen die Rewe-Supermärkte im neuen Design, sogar Penny ist nach dem Umstyling nicht mehr das dreckige kleine Schmuddelkind, sondern halbwegs vorzeigbar. Bloß die gut 50 Tooms, die noch übrig sind, wissen nicht so recht, wie sie ins Familienkonzept passen sollen.

Die Antwort ist: wahrscheinlich gar nicht.

Im vergangenen Jahr hat Rewe bereits damit begonnen, einzelne Toom-Märkte als “Rewe Center” neu zu eröffnen (hier und hier zum Beispiel). Die verbleibenden Läden werden gerade von der Zentrale an die regionalen Rewe-Gesellschaften abgegeben. Womöglich verschwindet Toom (als Name) bald ganz aus dem Lebensmittelmarkt.

Dabei ist Rewe ja selbst Schuld an der Misere. Seit Jahren nutzt der Konzern seine Großflächen-Supermärkte vor allem als Rumpelkammer, in die ständig neues Zeug reingestellt wird. Kein Wunder, dass da nichts mehr zueinander passt. Es müsste dringend mal ausgemistet werden.

Das Supermarktblog hilft gerne. Mit 6 Hinweisen auf die drängendsten Toom-Proobleme, die sofort gelööst werden müssen.

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“Mein Laden” in Bayern: Netto (ohne Hund) testet die schnäppchenfreie Einkaufszone

Galeria-haftes Logo von "Mein Laden" im bayerischen Amberg

Sie wissen ja: Im Ausland gibt’s spezielle Frische-Discounter, Discounter in symbiotischer Existenz mit Fastfood-Ketten – und hierzulande versucht’s Netto (ohne Hund) [Erklärlink] jetzt mit einem ganz speziellen Konzept: einem Discounter ohne Sonderangebote!

Das ist angesichts der Werbeschlacht, die sich die Ketten sonst wöchentlich liefern, ein bisschen so als würde plötzlich die Discount-Hölle zufrieren. Im oberpfälzischen 40.000-Einwohner-Ort Amberg, vermutlich nicht zufällig in der Nähe der Netto-(ohne Hund)-Zentrale in Maxhütte-Haidhof, steht allerdings der Beweis: geöffnet montags bis samstags von 8 bis 20 Uhr.

Mitten in der – parkplatzfreien – Fußgängerzone testet der Aldi-Herausforderer derzeit ein Alternative zum deutschlandweit etablierten Billigprinzip. Die Preise stehen zwar noch in der Netto-(ohne Hund)-Schrift auf den Schildern, Kassenzettel versprechen “Informationen unter netto-online.de” und Prepaidkarten gibt’s wie eh und je vom Fantasie-Provider Nettokom. Äußerlich allerdings sieht die Filiale eher so aus als hätte Galeria Kaufhof Lebensmittelmarktnachwuchs bekommen. Mitte Mai machte der alte Netto City für Umbauarbeiten dicht; Ende des Monats war Neueröffnung – unter dem Namen “Mein Laden”.

"Mein Laden" im bayerischen Amberg

Die auffälligste Veränderung ist: die Farbe. Nicht gelb und rot, sondern in hellen Grüntönen ist der Laden jetzt gestrichen. Die Regale sind niedriger als gewohnt, die Gänge breiter als in üblichen City-Filialen. Das deutet darauf hin, dass Netto (ohne Hund) das umfassende Sortiment, mit dem sich der Drittplatzierte sonst im Discount-Markt gegen Aldi und Lidl zur Wehr setzen will, bei “Mein Laden” deutlich verkleinert hat.

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Aldis Albtraum, Lidls Kumpel – und ein Discounter nur für Frisches

Für einen Blick in unsere Supermarktzukunft reicht es manchmal schon, sich anzusehen, was im Ausland passiert. Weil vieles anschließend von deutschen Handelsketten kopiert wird. Die folgenden Beispiele vielleicht ja auch.

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Wer sich während des Urlaubs im Ausland einmal bei Dia mit Lebensmitteln eingedeckt hat, der weiß: Das ist nur für Discount-Puristen ein Vergnügen. Viele Spanier haben wegen der Krise, in der ihr Land steckt, keine andere Wahl – und sorgen dafür, dass Dia Rekordumsätze erzielt. Gegen die alte Albrecht-Regel (Verdienen geht vor verändern) hat sich Dia trotzdem zu einer Auffrischung entschlossen. Anstatt die bisherigen Hutzelläden freundlicher zu gestalten, stampft das Unternehmen ein neues Konzept aus dem Boden: Dia Fresh.

Neues Dia-Fresh-Konzept in Frankreich und Spanien / Foto: Dia

In Spanien gibt es erste Fresh-Filialen bereits seit dem vergangenen Jahr, jetzt kriegen auch die Franzosen den neuen “Nachbarschafts-Discounter” zu Gesicht. Dort soll es auf gerade mal 200 Quadratmetern – wie der Name schon sagt – vor allem frische Sachen geben. Dia-Fresh-Filialen bestehen aus einer klassischen Obst- und Gemüse-Abteilung, einer für vorgepacktes Fleisch und Fisch, einer für Sofortessen (Sandwiches, Nudeln, geschnittenes Obst), einem “Hot spot” für Backwaren, einer Abteiilung für eingelegtes Gemüse und einem Regal zum “Last minute Shopping”. Für Leute, die beim Kochen auch gut riechen wollen, aber kein Deo mehr daheim haben. Nur auf eine Süßwarenabteilung mag Dia Fresh nicht verzichten. (Bilder hier ansehen.)

Die Läden sollen mitten in der Stadt liegen, von halb zehn morgens bis halb zehn abends geöffnet sein und jeden Tag mit neuer Ware beliefert werden.

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Kriegen Sie vom Einkaufen auch immer so Hunger? Kein Problem, im britischen Städtchen Cromer in Norfolk schafft Subway jetzt Abhilfe. Dort hat das Franchise-Unternehmen Ende Juni seine erste Sandwichbude in einem Lidl eröffnet. (Hier gibt’s ein Bild.) Wenn genug Kunden kommen, soll das keine Ausnahme bleiben. Dem britischen “Grocer” zufolge ist Subway verstärkt auf der Suche nach “nicht-traditionellen” Orten für neue Filialen, zum Beispiel in kleinen Supermärkten, Universitäten und Colleges.

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