Gericht entscheidet: Kaufland wiegt zu wenig

Also, liebe Kinder, hört dieses Märchen von der Kaufland-Magd, die sich am Gesetz versündigte und es mit dem gefürchteten Landesamt für Mess- und Eichwesen in Rheinland-Pfalz zu tun bekam.

Es begab sich zu der Zeit im Jahre 2008, dass die Magd ihre aufgebackenen Plunderteilchen in Tüten abpackte und bloß die Stückzahl draufschrieb, nicht das Gewicht! Daraufhin belegte das Amt die Magd mit einem Bußgeld, welches diese nicht kampflos hinnehmen wollte. Deshalb zog sie vor Gericht. Doch, ach weh! Niemand wollte der armen Magd Recht geben. Das Verwaltungsgericht nicht, das Oberverwaltungsgericht nicht, und jetzt auch noch das Bundesverwaltungsgericht nicht. Es sprach (pdf):

“Fertigpackungen mit Feinen Backwaren (hier: Aprikosen-, Apfel-, Kirschtaschen, Butter-, Plunderhörnchen, Schoko-Croissants, Mini-Berliner) in einer Füllmenge von mehr als 100 g dürfen gewerbsmäßig nur in den Verkehr gebracht werden, wenn die Füllmenge nach Gewicht gekennzeichnet ist.”

Jetzt muss die Magd auf alle ihre Plunderpackungen draufschreiben, wieviel sie wiegen. (Fotobeispiel von der Konkurrenz.)

War also doch kein Märchen. Wollen Sie auch die Begründung wissen? Also gut, aber auf eigene Gefahr.

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Aldi vs. Lidl: Wer ist der bessere Kundenversteher?

Schauen Sie sich diesen Koloss noch einmal ganz genau an. Vielleicht ist es das letzte Mal bevor er ins Discountmuseum kommt.

Aber jetzt erstmal zu einem völlig anderen Thema: Aldi muss kleinere Brötchen backen. Sozusagen. Der “Lebensmittelzeitung” zufolge verzeichnete Aldi Nord, der schrabbeligere der beiden Bruderdiscounter, im Geschäftsjahr 2011 einen Gewinnrückgang von 55 Millionen Euro. Mit dieser Zahl können Sie jetzt vielleicht nichts anfangen, aber das ging den Aldi-Nord-Managern mit dem Wort “Gewinnrückgang” vermutlich genauso. Die “LZ” schreibt vom schwächsten Ergebnis der vergangenen acht Jahre.

Das Geschäft mit Artikeln, die sich nicht aufessen lassen (Computer, Schlafanzüge, Schneeketten) soll 2011 nicht so gut gelaufen sein wie sonst. Und bei Lebensmitteln verliert Aldi in manchen Produktgruppen Marktanteile an die Konkurrenz.

Vor allem aber erklärt die Schwäche des Marktführers, warum nach jahrelanger Umbauverweigerung in diesem Jahr fast schon hektisch die Läden modernisiert werden und plötzlich lauter Markenartikel im Regal stehen: um zumindest diesen Nachteil gegenüber den Mitbewerbern, allen voran Lidl, auszugleichen.

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Warum Weihnachten im Supermarkt dreieinhalb Monate dauert

Bald ist es wieder soweit: Ein großes Fest steht vor der Tür! Freuen Sie sich auch schon so auf – Ostern 2013?

Während sich die meisten Deutschen noch mit der Weihnachtsgeschenke-Planung rumschlagen, sind Süßwarenhersteller und Supermärkte routinemäßig bereits im Hasenfieber. Seit drei Monaten können Lebensmittelhändler zum Beispiel bei Milka das komplette Ostersortiment vorbestellen, das dann in der zweiten Januarwoche 2013 ausgeliefert wird. Ist ja auch höchste Zeit: Zimtsterne, Marzipanbrot und “Schokolatius”-Gebäck liegen schließlich auch schon seit Anfang September in den Läden.

Alle Jahre wieder fragen sich die Kunden deshalb: Wieso dauert Weihnachten im Supermarkt eigentlich nicht drei Tage. Sondern dreieinhalb Monate?

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Albert Heijn to Go und das deutsche Supermarkt-Snack-Elend

Es folgt ein Memo an deutsche Supermärkte, die sich daran versuchen, ihren Kunden Sofortessen für den Unterwegsappetit anzubieten:

  • Pressschinken mit Käse, der zwischen zwei Brotscheiben mit Remoulade verklebt wird und anderthalb Wochen haltbar sein soll, ist kein frisches Sandwich.
  • Ein durch den Häcksler gezogener Mischsalat, auf dem zwei dürre Tomatenscheiben und drei Mini-Mozzarella-Kugeln liegen, ist keine “Salatschale Manhattan”.
  • Bloß weil morgens ein Mitarbeiter zwei Dosen Kidneybohnen und Mais aufmacht und deren Inhalt auf ein bisschen Grünzeug kippt, kommt dabei kein “Mexiko-Salat” heraus.

Anders formuliert: Was hiesige Supermärkte ihren Kunden zur schnellen Hungerbekämpfung anbieten, ist oftmals eine Zumutung. Einfallslos kombiniert, traurig angerichtet, mit Klebeetiketten aus dem Thermodrucker zugepappt.

Insofern können die Ketten froh sein, dass der niederländische Konzern Ahold seine Albert-Heijn-to-Go-Filialen aus logistischen Gründen zunächst bloß in Nordrhein-Westfalen eröffnet. (Die nächste übrigens am 5. Dezember 2012 in Düsseldorf, Graf-Adolf-Platz 6.) Weil sonst gleich das ganze Land für ihr langweiliges Kühltruhenessen verloren wäre.

Das liegt weniger daran, dass die Niederländer tausend neue Ideen mitgebracht haben. Mit dem Sortiment in den bisher eröffneten Läden bilden sie lediglich den Standard ab, der für Supermärkte in anderen europäischen Ländern seit Jahren selbstverständlich ist. Und dem sich die deutschen Läden bisher beharrlich verweigern. Ungewöhnliche Salatkombinationen, Gemüse-Snacks und Sandwichs, die nicht immer mit denselben drei Zutaten belegt sind, gehören in deutschen Supermärkten zu den Ausnahmen. Bei Albert Heijn to Go sind sie das Konzept.

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“Die Marktlücke ist da”: Albert Heijn to Go exportiert sein Snackkonzept nach NRW

Vor anderthalb Jahren eröffnete Rewe in Köln seine erste Filiale speziell für Snacks – mit Sandwiches, geschnittenem Obst, Getränken und Fertigmahlzeiten. “Convenience” heißt das in der Supermarktbranchensprache. Oder, wie hier im Blog: Sofortessen. Inzwischen sind drei weitere Rewe-to-Go-Filialen hinzugekommen, zuletzt am Kölner Hauptbahnhof. Vor allem gibt es einen neuen Konkurrenten: Im September holte der niederländische Konzern Ahold sein Ladenkonzept “Albert Heijn to Go” nach Deutschland. Los ging’s in Aachen. In dieser Woche öffnete im Ruhrgebiet die zweite Filiale ihre Türen.

Das Supermarktblog hat sich vorm Sandwichregal mit Deutschland-Chef Jürgen Hotz unterhalten – über unterschiedliche Snackkulturen, nächtliche Eigenmarkenlieferungen und die Konkurrenz durch Backketten und Schnellrestaurants.

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Herr Hotz, hier in Essen hat gerade die zweite deutsche Filiale von Albert Heijn to Go eröffnet. Schauen Sie sich jetzt erstmal an, ob die Deutschen Ihre Sandwiches mögen – oder geht’s gleich weiter?

Jürgen Hotz: Wir haben uns fürs erste Jahr insgesamt etwa zehn bis zwölf Filialeröffnungen vorgenommen. Das schaffen wir auch. Ich gehe davon aus, dass in jedem Monat eine neue Filiale hinzukommt. In zwei Wochen ist Düsseldorf dran, Anfang 2013 folgt Laden Nummer vier. Wir haben festgelegt, zunächst in Nordrhein-Westfalen zu bleiben. Daran halten wir uns auch.

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