Der Messereport: Transformers-Kassen übernehmen die Macht

Ende Februar trafen sich in Düsseldorf Hersteller und Profibenutzer von Supermarkttechnik, um sich darüber auszutauschen, was es für tolle neue Pfandflaschenautomaten, Kassenbelegdrucker und Bargeldverwaltungssysteme gibt. Die EuroCIS ist eine Art Mischung aus Star-Trek-Convention und Heizdeckenverkaufsveranstaltung, nur viel professioneller und mit langweiligeren Kostümen. In Gesprächen fallen dort sehr nerdige (und völlig ernst gemeinte) Sätze wie “Das SB-Wiegen im Handel erfährt gerade eine Renaissance”. Das meiste ist aber tatsächlich nur für Leute interessant, die auf der – von uns aus gesehen – falschen Seite der Kasse stehen (bzw. sitzen).

An manchen technischen Entwicklungen lässt sich allerdings prima ablesen, mit welchen Apparaturen Sie und ich künftig beim Einkaufen konfrontiert werden könnten. Deshalb folgt jetzt: der Supermarktblog-Messereport!

Preisschilder

Das Praktische an elektronischen Preisschildern ist, dass die Mitarbeiter im Markt nicht mehr ständig abgelaufene Papierpreise aus den Regalleisten rausfitzeln müssen, um die neuen reinzufitzeln, sondern alles schön am Computer geändert werden kann.

Das Unpraktische an elektronischen Preisschildern ist, dass sie völlig unlesbar sind.

Es sei denn, man stellt sich genau so davor, dass das Deckenlicht in einem ganz bestimmten Winkel gebrochen wird, auf die Plastikverpackung im Regal daneben reflektiert und von dort zurückgespiegelt wird, um einen kurzen Lesbarkeitsmoment zu erzeugen. Ein finnischer Hersteller hat nun das Unmögliche möglich gemacht: elektronische Preisschilder, die gleichzeitig lesbar sind und so dünn wie Papier (Bild 2). Nimm das, superneues Ipad!

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Berlin? Viel zu weit weg! Tegut erklärt seinen Expansionsradius

Wie qualifiziert man sich am besten für die Geschäftsführung eines Unternehmens, das in seinen Läden großen Wert auf Bio-Produkte legt und Eigenmarken ohne Geschmacksverstärker verkauft?

Thomas Gutberlet hat gedacht, es ist eine gute Idee, erstmal Dosen-Ravioli zu verkaufen.

Nicht im Kittel an der Kasse oder beim Regaleinräumen. (Das kannte er schon vom Ferienjobben während der Schulzeit in der örtlichen Tegut-Filiale.) Sondern nach dem Studium, als Gutberlet beim Nahrungsmittelriesen Nestlé anfing, erst im Vertrieb für Maggi-Fertiggerichte und später als Produktmanager. Wie passt so ein Job denn bitte schön zu Tegut, das seinen Kunden permanent die Vorteile von biologisch hergestellten Lebensmitteln erklärt und sie ständig zum Selberkochen auffordert? Kleiner Karriere-Irrtum?

Nein, sagt Gutberlet, im Gegenteil: “Ich hab in dieser Zeit sehr viel über Marketing gelernt und über die Art und Weise, wie man professionell Marken in Szene setzt. Von diesem Wissen hab ich profitiert, als wir die Tegut-Eigenmarke gegründet haben.”

2002 ist der heute 42-Jährige nach Fulda gekommen, um ins Unternehmen einzusteigen, das von seinem Großvater Theo gegründet (deshalb auch der Name: The-Gut, später Tegut) und zu dieser Zeit noch von seinem Vater geführt wurde.

“Dass ich irgendwann bei Tegut arbeiten wollte, war mir immer klar”, sagt Gutberlet. “Für mich war aber wichtig, dann die Qualifikation zu haben, tatsächlich eine verantwortungsvolle Position übernehmen zu können. Wenn man dasselbe macht wie der eigene Vater, stellt man sich auch dem Vergleich – und möchte dabei natürlich nicht zu schlecht abschneiden.” Deshalb der Ausflug in die Welt der Tüten und Dosen. Und das vorherige BA-Studium beim Drogerie-Unternehmen dm.

Bei Tegut startete der Enkel des Gründers dann passenderweise mit der Zuständigkeit für Sortiment und Marketing. Die Position war gerade frei geworden und der Einstiegszeitpunkt ideal, weil das dann nicht so aussah, als dränge sich der Junior in die Firma. Im September 2009 übergab ihm der Vater schließlich die Geschäftsführung, genau so wie es schon eine Generation zuvor gelaufen ist. Klingt fast nach einer klassischen Familienbetriebsgeschichte. Bloß dass es die heute eigentlich kaum mehr gibt. Thomas Gutberlet vermittelt aber nicht den Eindruck als habe man ihn breitschlagen müssen, um von Fulda aus den großen Handelsketten Konkurrenz zu machen.

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Tegut-Chef Thomas Gutberlet: “Im Mainstream können wir nur verlieren”

Der Bus vom Fuldaer Stadtschloss ins Industriegebiet fährt jede halbe Stunde, und nach ein paar Minuten steht man auf dem schmalen Gehweg der Kreisstraße an der Haltestelle. Auf der einen Seite lotsen Zufahrtsschilder für die LKWs zur firmeneigenen Großbäckerei und der Fleischproduktion. Gegenüber lässt sich über die Felder auf entfernte Hochhaussiedlungen schauen. Davor steht ein kleiner Bauernhof mit zugeschneiten Heurollen und einem Kreuzdenkmal. Ziemlich katholisch.

Von diesem beschaulichen Örtchen aus versucht Tegut also, den deutschen Lebensmittelhandel in eine neue Richtung zu schubsen. Die Straße weiter runter wehen die bunten Fahnen der Unternehmenszentrale. Im obersten Stock sitzt Geschäftsführer Thomas Gutberlet, 42 Jahre alt, am Ende des Großraumbüros, wo man ihn fast übersehen könnte, und hat Zeit für ein Gespräch übers Einkaufen. Macht man aber eh nicht mehr selbst, wenn man Chef einer eigenen Supermarktkette ist, oder?

Doch, doch, sagt Gutberlet: “Ich kann dabei nur nicht den professionellen Blick abschalten. Mit den Kindern im Einkaufswagen am Samstag in den Laden zu gehen – das ist die beste Marktforschung. Ich sehe dann sofort, was funktioniert und wo es hapert.”

Dann können wir ja loslegen.

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Anderswo im Angebot – die Supermarktblog-Medienschau

Da sitzt Lars Schlecker “zum ersten Mal für ein Interview im deutschen Fernsehen” – und keiner merkt’s. Irre, oder? Für seine TV-Premiere hat sich der Sohn des Firmengründers, der seit einiger Zeit auch Mitglied der Geschäftsführung und (gemeinsam mit seiner Schwester) offizielles Maskottchen ist, kein geringeres Prestigemagazin ausgesucht als das ARD-”Moma”, freitagmorgens um 6.44 Uhr. (Wahrscheinlich waren bei “News & Stories” im Sat.1-Nachtprogramm schon alle Plätze belegt.)

Und tatsächlich wirkt es gleich viel sympathischer, wenn sich der Chef einer deutschlandweit in Verruf geratenen Drogeriekette kurz nach der Insolvenzankündigung mit einer lustig-modischen Brille in ein Studio setzt, um dann mal ganz locker darüber zu plaudern, warum bei Schlecker jetzt alles besser wird. (Interview bei Youtube ansehen.)

Dass die Mitarbeiter der Kette, die vor einiger Zeit wegen der Arbeitsbedingungen noch gegen Schlecker schimpften, sich jetzt für das Unternehmen engagieren (Spiegel Online hat nochmal an der Filialbasis nachgefragt: warum?), fand Lars Schlecker im Ersten “klasse”, “superklasse” und “total klasse”.

Er hat referiert, was falsch gelaufen ist: “Das mit der Zeitarbeit war ganz klar ein Fehler.” Und: “Wir haben vielleicht zu langsam reagiert.” Mit der Zeitungsinterview-Erfahrung der vergangenen Monate, konnte er fehlerfrei die Stichworte der Schlecker’schen Kehrtwende vortragen: “Kulturwandel im Unternehmen”, “Führungsgrundsätze”, “komplett andere Unternehmenskultur” – Sie wissen schon.

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“Ab 1. März ist Frische rot”: Penny kündigt den Neustart an

Seit einigen Wochen werden die ersten Läden umgebaut, Schilderaufhängtrupps montieren das neue Logo an die Parkplatzränder – und jetzt traut sich Penny in Berlin endlich auch, seinen Kunden mal zu erklären, was der ganze Spaß überhaupt soll.

Wer im Umkreis einer wiedereröffneten Filiale wohnt, weiß schon länger Bescheid, weil die wöchentlichen Postwurf-Angebote in einen Erklärprospekt eingehüllt sind, der Fotos aus den umgestalteten Märkten zeigt. Für bisherige Penny-Kunden muss das ein Riesenschock sein: Auf den Bildern sieht alles so aufgeräumt aus. Sogar die Regale sind alle gut gefüllt. In den Unterzeilen steht was von “entspanntem Einkaufserlebnis”, “6-Tage-Frische-Garantie” und täglicher Belieferung mit frischem Obst und Gemüse.

Von der Realität vieler Penny-Märkte war das bisher so weit entfernt wie Darth Vader von einem entspannten Verhältnis zu seinem Sohn.

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