Edeka ehelicht sich selbst – eine Hochzeitsrede

Liebes Brautpaar,
verwirrte Hochzeitsgäste,

wir sind heute hier zusammengekommen, um zwei Märkte zu feiern, die den Bund für einen gemeinsamen Lebensmittelhandel beschlossen haben, bis ans Ende ihrer Öffnungszeiten und so wahr ihnen die Genossenschaft helfe. Genauer gesagt hat diese “Hochzeit des Jahres”, wie wir sie ganz bescheiden nennen wollen, natürlich die Mutter Regionalgesellschaft entschieden. (Aber deswegen gleich von einer Zwangsheirat zu sprechen, ist papperlapapp und hat an einem solchen Jubeltag keinen Platz.)

Im ganzen Land, also: von Minden bis Hannover, ist die Ehe bereits bekannt – zumindest bei all denen, die verstanden haben, was ihnen die großen Plakate sagen wollen, mit denen das Paar die Botschaft verkünden ließ. Darauf steht:

“JaE – ich will…”

Einige von Ihnen, liebe Gäste, mögen sich zunächst die Augen gerieben haben: Was hat das zu bedeuten? Dabei ist es doch ganz einfach (und stand ja auch schon hier im Blog): Die wunderbar klimatisierte “E Neukauf” und der stets gut belieferte “E Aktiv Markt” sind künftig eins.

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Wer profitiert vom Aus für Schlecker?

Ein älterer Herr steht irritiert in einer dm-Filiale in Berlin-Wedding, hält eine Mitarbeiterin an, die gerade Ware in die Regale räumt, und fragt nach seinem Putzmittel. Das Putzmittel ist grün. Der Mann weiß genau, wie es aussieht. Nur nicht, wie es heißt. “Beim Schlecker hab ich immer gewusst, wo’s steht. Aber die haben jetzt zugemacht”, sagt er. Die Verkäuferin pampt genervt zurück: “Was Schlecker im Sortiment hatte, kann ich Ihnen aber nicht sagen.” Dann führt sie ihn zum meterlangen Putzmittelregal. Selbstbedienung, bitte.

* * *

Am 29. Juni schließen die meisten Schlecker-Filialen, die noch übrig geblieben sind. Oder vorher, wenn sie schon leer sind. In der vergangenen Woche gab es “30 % auf alles, Einzelartikel bis 50 % reduziert”. Für die letzten roten Schilder im Schaufenster haben die Mitarbeiter in den Filialen, die noch nicht umgebaut wurden, die Aufkleber mit dem neuen Logo und “For You. Vor Ort” rausreißen müssen. Drinnen demonstrieren die Läden mit den leer gekauften Regalen noch einmal ihre ganze Traurigkeit.

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Papp-Klose gegen Fußball-Schlumpf: Warum im Supermarkt so viel gesammelt wird

Geht’s Ihnen gut? Keine Beschwerden? Sie sind nicht ein bisschen nervös wegen Samstag? Dann gehören Sie vermutlich zu den wenigen Deutschen, die eine seltene Sammelimmunität besitzen. Oder zu denen, die ihr Album schon komplett haben.

Seit Mitte Mai verteilt Rewe an der Kasse wieder Spieler der deutschen Nationalmannschaft an seine Kunden. Natürlich nicht die echten. Die haben gerade anderes zu tun als im Supermarkt rumzuhängen. Aber den meisten Leuten reichen die Fußballer auch in der Pappversion* – als Sammelkarte zur Europameisterschaft. Für jeweils 10 Euro Einkaufswert gibt’s eine in Silberfolie eingeschweißte Spielerkarte, die in ein separat erhältliches Album geschoben werden kann, wo sie dann ihrer zukünftigen Vergilbung entgegenfristet.

An diesem Wochenende geht die Aktion zu Ende. Geschätzte 140 Millionen Karten wurden bis dahin verteilt. Facebook und Ebay sind vorübergehend zu Tauschbörsen umfunktioniert worden; es gab eigene Tauschtage, die deutschlandweit in Rewe-Märkten veranstaltet wurden; und haufenweise Leute können an nichts anderes mehr denken als ihren doppelten Gomez gegen den fehlenden Klose auszuwechseln einzutauschen.

Was zur Hölle ist da los?

Am besten ist, man fragt Jörg Croseck, Geschäftsführer von The Continuity Company Düsseldorf (TCC), wo die Aktion für Rewe ausgedacht wurde. Croseck sagt:

“Unsere Kalkulation geht davon aus, dass der größte Teil der Familien, die teilnehmen, ihr Sammelalbum auch tatsächlich voll bekommen. Das Ziel ist es ja nicht, die Leute zu frustrieren – sondern im Gegenteil: die Kunden zu belohnen.”

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Schlecker bleibt sich bis zum Ende treu

“Wir senken die Preise für Sie! Ab sofort senken wir jede Woche 80 Artikel dauerhaft im Preis.”

So lautet die vorletzte Botschaft, die Schlecker in seinen verbliebenen Filialen mit weißer Schrift auf knallrotem Grund in die Schaufenster tapezieren ließ. Dabei hätte die Ankündigung natürlich noch weitergehen müssen:

“Wir senken die Preise für Sie! Ab sofort senken wir jede Woche 80 Artikel dauerhaft im Preis, damit wir endlich genauso günstig sind wie die Konkurrenz, wo Sie bisher schon viel günstiger hätten einkaufen können als bei uns.”

Selbstverständlich stand das da nicht. Und was soll man von einem Unternehmen, dessen größte Schwäche stets die Kommunikation war, auch anderes erwarten? Selbst dringend notwendige Anpassungen an die Realität im deutschen Drogeriemarkt wollte Schlecker seinen letzten Kunden noch als Leistungsversprechen verkaufen. Was für ein Hohn!

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Mehrgenerationen-Wohnen im Supermarktregal mit Großväterchen Günstig und Neffe Nutzwert

Wenn die Tochter Eigenmarke irgendwann zur Mutter Eigenmarke kommt und wissen will: “Du, Mama, wie war der Opa früher so?”, wird die Antwort höchstwahrscheinlich lauten: billig. Und das wäre gar nicht böse gemeint, sondern bloß wahr.

Selbst wenn es Ihnen beim Einkaufen nicht sofort auffällt: In den Supermarktregalen stehen tatsächlich Eigenmarken verschiedener Generationen. Manche sind noch an ihrem altmodischen Aussehen zu erkennen, bei anderen lässt sich ihr Alter wegen der vielen Facelifts kaum noch erahnen, und wieder andere fallen sofort als Frischlinge auf.

Erste Generation: Die Günstigen

Sie hatten ja damals nichts, die ersten eigenen Produkte der Supermärkte: keine besonders schöne Verpackung, keine fantasiereichen Namen, nicht mal einen ordentlichen Preis. Und zwar mit voller Absicht. Großväterchen Günstig wurde förmlich aus dem Nichts erschaffen, sozusagen unbefleckte Regalempfängnis. Dafür besaß die erste Eigenmarkengeneration einen eindeutigen Auftrag: die Verteidigung des Supermarktgeschäfts gegen die aggressiven Discounter mit sichtbar billigen Grundnahrungsmitteln wie Milch, Butter und Doppelkeksen.

Zweite Generation: Die Selbstverwirklicher

Mit ihren Eltern wollten die Eigenmarken der zweiten Generation nicht mehr so viel zu tun haben. Das Sparsamkeitsdiktat war ihnen suspekt, plötzlich zählten Werte wie Vielfalt und Geschmack. Einige Eigenmarken imitierten ihre Vorbilder, die Marken, indem sie deren Verpackungen nacheiferten. Im Laufe der Jahre gründete sich eine Öko-Bewegung, die strikt auf ihre biologische Herstellung besteht und geradezu fanatisch Zertifikate sammelt. In den vergangenen Jahren sind vereinzelt Neureiche hinzugekommen, die offen damit kokettieren, wie edel ihre Zutaten und wie modisch ihre Hüllen sind. (Eine gewisse Arroganz lässt sich bereits an der Selbstbezeichnung als “Premiummarke” ablesen.)

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