Papiersparen für Drogeriekunden: dm verzettelt sich ins Internet

Die Drogeriekette dm bietet seit kurzem an, beim Einkauf statt eines klassischen Kassenzettels einen so genannten “E-Bon” zugestellt zu bekommen, der gleichzeitig “innovativ” und “nachhaltig” sein soll, weil für den keine Thermopapierwälder abgeholzt werden müssen. Und weil dafür dieses brandneue elektronische Postsystem genutzt wird, na, wie heißt das noch gleich? Genau: Email. Die Teilnahme an der Aktion verbessert Ihr kosmisches Karma freilich nur dann, wenn Sie keinen Atomstrom benutzen, um den Rechner oder das Smartphone aufzuladen, mit dem Sie den “E-Bon” kurz nach dem Bezahlen im Posteingang abrufen können. (Was tatsächlich ziemlich gut klappt.)

Das digitale Zettelchen spart natürlich nicht nur Papier, sondern vor allem dm die Kosten für den Drucker. Aber da wollen wir mal nicht so sein, sondern eben: “innovativ” und “nachhaltig”.

Ist auch ganz einfach.

Um Papiersparer zu werden, benötigen Sie lediglich eine Payback-Karte. Haben Sie nicht? Dann müssten Sie sich erstmal bei Payback anmelden, um Bonuspunktesammler zu werden (und alle paar Wochen Papierprospektpost von dm zu kriegen). Mit Ihrer Payback-Nummer melden Sie sich dann im Internet für den “E-Bon” an. Kichern Sie nach dem Einkaufen an der Kasse nicht zu laut, wenn die Kassiererin automatisch zum Druckerschlitz greift und irritiert ist, weil da ja kein “E-Bon” rauskommt.

Kommt doch ein Zettelchen, haben Sie nicht bar bezahlt, denn das ist Voraussetzung für die “E-Bon”-Zustellung. Mit der EC-Karte gibt’s auch für angemeldete Nutzer einen Papierbeleg dazu (“aus rechtlichen Gründen”, sagt dm.) Papier gibt’s ebenfalls, wenn Sie Ihre Paybackkarte vergessen haben. Die braucht die dm-Kasse, um Sie als Papiersparer zu erkennen. Oder Sie haben eine Payback-Partnerkarte. Mit der geht’s auch nicht auf Anhieb. Oder Sie haben dienstagmorgens zu einer ungeraden Uhrzeit beza… – nein, das ist natürlich Quatsch.

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Die Brandnooz-“Coolbox”: Kommt sie heut’ nicht, kommt sie morgen

Wieviel Geduld würden Sie mitbringen, um einen in Honig-Dill-Fertigsoße ertränkten Lachs, “limitierte” Brotaufstriche mit Comic-Faultier auf der Packung und einen Frischkäse mit Erdbeergeschmack zu probieren? Hoffentlich eine ganze Menge.

Falls nicht, kommt ein Abo des Lebensmittelprobier-Diensts Brandnooz für Sie eher nicht in Frage. Vor einigen Monaten kündigten die beiden Gründer des Hamburger Start-ups an, im Herbst erstmals eine Box mit gekühlten Produkten verschicken zu wollen. In der vergangenen Woche war’s soweit. Dem Unternehmen zufolge wurden rund 5000 Haushalte beliefert. In der Pressemitteilung (pdf) heißt es:

“Damit führt Brandnooz die bisher größte einmalige Versandaktion mit konstanter Kühlkette in Deutschland durch.”

Und weil so eine Kühlkette einen gewissen Planungsvorlauf braucht, vor allem wenn sie vom Dumpingpaketdienst Hermes eingehalten werden soll, wurden die Abonnenten bereits Mitte Oktober dazu aufgefordert, sich einen Termin auszusuchen, an dem ihnen das Paket ganz sicher zugestellt werden kann. Denn:

“Da das Paket gekühlt ist und die Produkte direkt in den Kühlschrank müssen, kann Hermes diesmal nur einen Zustellversuch unternehmen. Bei Abwesenheit ist eine zweite Zustellung kostenpflichtig (9,99 Euro) und erfolgt nur auf Wunsch.”

“Termin” bedeutete in diesem Fall: ein Zeitfenster von 48 Stunden. Das Abonnement für einen Monat auszusetzen, um sich die Versandenttäuschung von vornherein zu ersparen, war nicht möglich. Die Box könne auch an einen Hermes-Shop geliefert werden, erklärte Brandnooz – aber nur “wenn die Box am selbigen Tag abgeholt wird”. Sollte das Paket zwei Tage nach Versand nicht angekommen und ausgepackt sein, müssten die Produkte weggeschmissen werden, weil die Kühlung dann nicht mehr ausreiche.

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Das Supermarktblog wird Nachbar von Exciting Commerce

Ich freu mich sehr, dass das Supermarktblog ab sofort mit Exciting Commerce kooperiert. Jochen Krisch und sein Team wissen stets, was im E-Commerce-Markt Neues passiert und bloggen dazu seit sieben Jahren ebenso regelmäßig wie kenntnisreich. Zum Verbund gehören weitere Blogs wie [x Politics], neunetz.com und neumusik.com sowie excitingtravel.de, die sich mit dem Einfluss des Internets auf unseren Alltag, auf Wirtschaft und Politik beschäftigen. Das Supermarktblog schließt sich dem Netzwerk an.

Es bleibt aber soweit alles wie es ist: diese Seite, die Themen und der Schwerpunkt. Der ist, weil immer noch verhältnismäßig wenig Menschen ihre Lebensmittel im Netz kaufen: nach wie vor im Laden, bei Ihnen und bei mir um die Ecke. Was nicht bedeutet, dass es an dieser Stelle nicht auch künftig um spannende Online-Strategien gehen wird, ob nun von den großen stationären Händlern oder einer der zahlreichen Neugründungen.

Ist es bisher ja auch schon (hier zum Beispiel, hier, hier, hier und hier).

Was wollte ich noch noch gleich sagen? Ach ja: Ich freu mich. Nämlich darüber, dass dieses kleine Blog jetzt so nette Nachbarn hat.

Machen die Sonderangebote schlapp?

Geht ein Markenprodukt zum Arzt und sagt: Herr Doktor, ich fühle mich so billig. Sagt der Doktor: Das geht wieder vorbei.

Und damit herzlich willkommen zur jährlichen Gesundheitsprüfung der Supermarkt-Marken. Die Diagnosen stellt freundlicherweise die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zur Verfügung (pdf). Keine Sorge wegen des Datenschutzes: alle Ergebnisse sind zur Veröffentlichung freigegeben und weitgehend anonymisiert. Naja, zum Teil.

Die Discounter-Eigenmarken

Den Eigenmarken der Discounter geht’s blendend. Keine wesentlichen Preiserhöhungen in den vergangenen Monaten. Achten vielleicht nicht so sehr auf ihr Äußeres wie die Verwandtschaft. Auf jeden Fall kaufen die Kunden sie wieder massenhaft ein.

Die Supermarkt-Eigenmarken

Spit-zen-wer-te! Vor allem die Eigenmarken von Edeka und Rewe machen einen Top-Eindruck. Eine rege Reproduktionstätigkeit hat nämlich dazu geführt, dass es immer mehr Mittelmarken gibt. Die Supermärkte sind deswegen in der Gunst der Kunden gestiegen. Dr. Wolfgang Adlwarth von der GfK erklärt:

“Die Mehrwehrthandelsmarken wachsen ordentlich, gerade bei den Vollsortimentern sind die Zuwachsraten hoch. Das liegt auch daran, dass weniger gut profilierte B- und C-Marken aus den Regalen genommen werden und durch eine Eigenmarke von Edeka oder Rewe ersetzt. Die Kunden finden die Eigenmarken durchaus attraktiv.”

(Mehrwerthandelsmarken sind übrigens Mittelmarken; Vollsortimenter sind Supermärkte; und B- und C-Marken sind Markenprodukte, die nicht so bekannt sind wie sehr bekannte Markenprodukte.)

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Erfolgreich Selbst-Scanner werden: Die kleine Wissenschaft der SB-Kassen

Im April veröffentlichte das britische Marktforschungsunternehmen Him! eine Umfrage, der zufolge viele Supermarktkunden überhaupt keine Lust auf Selbstbedienungskassen (“Self-Checkout”) haben. Das Selbst-Scannen der Artikel spare kaum Zeit, ständig würde der sprechende Apparat Fehlermeldungen ausspucken und angenehmer werde das Einkaufen dadurch auch nicht.

Vier Monate später veröffentlichte das britische Fachmagazin “The Grocer” eine Umfrage, der zufolge viele Kunden Selbstbedienungskassen ganz großartig finden. Durch das Selbst-Scannen der Produkte gehe der Einkauf viel schneller, das Rumstehen in Kassenschlangen könne vermieden werden und an die Bedienung gewöhne man sich mit der Zeit ganz gut.

Vielleicht fragen wir besser noch mal jemanden, der sich von Berufswegen mit dem Thema auskennt.

* * *

“Mit Self-Checkout-Kassen geht das Bezahlen schneller”, sagt Stefan Clemens, und das muss er ja auch, schließlich arbeitet Clemens beim Kassenhersteller NCR als Area Industry Leader Retail & Hospitality. (Warten Sie nur, es wird gleich noch lustiger mit den englischen Fachbezeichnungen.) Geht aber weiter, das Zitat:

“Unseren Erfahrungen zufolge ist das aber gar nicht immer das entscheidende Argument. Ältere Kunden nutzen die Self-Checkouts zum Beispiel wegen des exakten Gegenteils: weil sie dort ihr Tempo selbst bestimmen können, nicht gehetzt werden und während des Bezahlens nicht hastig die Waren zurück in den Einkaufswagen sortieren müssen. Es geht also gar nicht immer nur um die schnellstmögliche Geschwindigkeit, sondern den subjektiv empfunden Komfort und Service.”

NCR gehört zu den größten Herstellern solcher Kassensysteme. (Und einem Haufen anderer Technik, die uns ständig im Alltag begegnet, vom Geldautomaten bis zum Check-In-Terminal am Flughafen.) Die Geräte stehen unter anderem in den italienischen Märkten der Supermarktkette Auchan, denen von Dansk Supermarked in Dänemark und in österreichischen Filialen von Spar, zum Beispiel am Salzburger Hauptbahnhof (Foto).

(Zum Vergrößern anklicken.)

In Deutschland testet Rewe die Schnellkassen in München und einem Hamburger Toom-Markt; Edeka lässt seine Kunden in Elmshorn bei Hamburg ebenfalls selbst abkassieren. (Und Real schon seit längerem mit Geräten unterschiedlicher Hersteller.) Flächendeckend hat sich die Kassenalternative in Deutschland aber noch nicht durchgesetzt.

Die Briten sind – wie so oft – schon einen Schritt weiter.

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