Brandenburg liegt in Köln: Was im Supermarkt alles “regional” sein kann

Viele Leute wollen im Supermarkt am liebsten Lebensmittel aus der Region kaufen, weil die bestenfalls frischer sind und keine langen Transportwege hinter sich haben. Dabei gibt es keine übergreifende Definition, ab wann Obst und Gemüse als “regional” gelten darf. Viele Händler interpretieren die Regionalität deshalb so, wie sie ihnen am besten ins Regal passt.

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Lidl: “Heimat” ist überall
Unter dem wohlklingenden Namen “Ein gutes Stück Heimat” bietet der Discounter Produkte an, die sich mit ihren Versprechen förmlich überschlagen. Von “Nähe und Geborgenheit” ist die Rede, von einem “sicheren Gefühl bei Ihrem täglichen Einkauf” und “frischer Vielfalt”. “Ein gutes Stück Heimat”-Produkte kommen Lidl zufolge “ausschließlich aus Ihrer Region”, also zumindest: “bei einer Auswahl” der angebotenen Lebensmittel. Auf der Website sind sieben Kategorien gelistet. “Bayerische Bauernmilch” aus – nun ja: Bayern, Kartoffeln fürs Fertigpüree aus Mecklenburg, Äpfel “ausschließlich aus deutschem Anbau”, Gemüse im Glas aus Düren. Die “Heimat”, von der Lidl “ein gutes Stück” verkaufen will, ist der Definition des Discounters zufolge also schlicht und einfach – Deutschland.

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Ferien am Radieschen River: Ein Reisebericht aus Schweizer Supermärkten

Hohe Berge, tiefe Täler, tanzende DJs – Touristen hat die Schweiz so einiges zu bieten. Leider weigert sich die Fremdenverkehrswerbung bis heute, die zahlreichen Sehenswürdigkeiten des Lebensmittelhandels in ihren Empfehlungskatalog aufzunehmen. Das Supermarktblog ist extra nach Zürich gereist, um Migros und Coop einen Besuch abzustatten und das Versäumnis nachzuholen. (Bevor Sie auch die Reiselust packt: bitte das Kleingedruckte lesen.*)

*Wechselkursbedingt eignet sich der Einkauf in Schweizer Supermärkten ausschließlich für mehrfache Lottogewinner, die gerade geerbt haben. Sollten Sie nicht zu dieser Gruppe gehören, seien Sie vorsichtig! Ihr Portemonnaie wird es Ihnen danken.

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Lebensmittel online kaufen? Das wird nix, sagt der Tengelmann-Chef

Wenn der Chef eines Unternehmens nicht an die eigene Strategie glaubt, dann muss in seinem Laden irgendwas Grundlegendes falsch laufen. Aber wahrscheinlich war die “Süddeutsche Zeitung” in der vergangenen Woche zu beschäftigt damit, Karl-Erivan Haub zu seinen Laufrekorden, seinem Sozialengagment im Obdachlosencafé und seiner “Gospel-Leidenschaft” zu befragen, um zu bemerken, was der Tengelmann-Geschäftsführer da Kurioses ausplauderte. Auf die Frage, ob er dem Online-Handel mit Lebensmitteln in Deutschland eine Chance gebe, sagte Haub:

“Keine große jedenfalls.”

Das ist schon deshalb ein ganz beachtliches Zitat, weil Tengelmann seinen Lieferdienst erst vor zwei Monaten als “Die Bringmeister” aufgepeppt und auch nach Düsseldorf gebracht hat – offensichtlich aber ohne Haub Bescheid zu sagen. Der lieferte in der “SZ” auch gleich eine Erklärung dafür, warum das mit den Online-Lebensmitteln nicht klappt:

“Wir sind mit einem Lieferservice seit vielen Jahren in Berlin und München tätig. Das ist ein ganz schwieriges Geschäft. Joghurts, Milch, Butter – viele Produkte müssen gekühlt werden. Und was machen Sie damit, wenn der Besteller nicht zu Hause ist?”

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Rewe Drive vs. Kaiser’s Bringmeister (3): Warum kostet das im Laden weniger?

Das Supermarktblog testet, welches Online-Supermarkt-Konzept die Nase vorn hat: Rewes Abholservice oder Kaiser’s Bringdienst. Im ersten Teil stand schon, wie die Lieferung geklappt hat, im zweiten Teil alles zum umständlichen Bestellprozess. Und gleich folgt das Fazit. Vorher kommen aber noch …

IV. Die Preise

Kaum ist die “Bringmeister”-Lieferung da, steht der nervige Kunde schon zum Preisvergleich in der nächsten Kaiser’s-Filiale und macht eine unschöne Entdeckung: Er hat für seinen Online-Einkauf ganz schön draufgezahlt. Fast alle bestellten Produkte sind in der Filiale günstiger – kurioserweise mit Ausnahme des frischen Gemüses. Meistens beträgt der Unterschied zum Ladenpreis zehn Cent. Bei Pudding, Toilettenpapier, Nutella und Abfallsäcken fällt der Aufschlag noch höher aus – jeweils bis zu 30 Cent. Das heißt: Wer bei Kaiser’s Lebensmittel im Netz bestellt, zahlt nicht nur für Kommissionierung und Lieferung (zur Erinnerung: immerhin schon mit bis zu 6 Euro), sondern auch für jedes weitere Produkt nochmal drauf. Der Kasten Mineralwasser ist im Laden im Angebot: 4,79 Euro statt 7,19 Euro online. Einen Hinweis auf die 2,40 Euro Preisunterschied gibt es im Netz nicht. Wer sich darüber nicht ärgert, der ruht schon sehr in sich selbst.

Ich hab bei den “Bringmeistern” auf Facebook nachgefragt, wie das sein kann, und folgende Antwort bekommen:

“Hi Peer, wir orientieren uns an den Filialpreisen. Genau wie die Preise von Filiale zu Filiale schwanken, bepreisen auch wir unsere Artikel unterschiedlich. Es kann also vorkommen, dass einige Produkte teurer sind als in deiner Filiale, aber genauso auch, dass einige Produkte günstiger sind. Wir hoffen, dass wir dir mit unserem Angebot einen tollen Service bieten können und freuen uns, dass du unser Kunde bist. Viele Grüße, Cindy”

(Hi Cindy, in meiner Bestellung war leider kein einziges Produkt günstiger als im Laden.) Über die Beschwerde direkt auf bringmeister.de kommt von “Frau Tömek” (genau so steht’s drunter) diese Antwort:

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Rewe Drive vs. Kaiser’s Bringmeister (2): Nix verstehen Suchanfrage

Das Supermarktblog testet, welches Online-Supermarkt-Konzept besser funktioniert: Rewes Abholservice oder Kaiser’s Bringdienst. Im ersten Teil stand schon, wie Bestellung und Lieferung geklappt haben. Jetzt geht’s weiter:

III. Der Online-Einkauf

“Lange Wartezeiten an der Kasse gehören der Vergangenheit an”, verspricht die Werbung für die Lebensmittelbestellung im Netz – und hat recht: statt ein paar Minuten in der Kassenschlange zu stehen, verbringt der Online-Kunde nämlich ein schönes Dreiviertelstündchen am Computer damit, sich in die Websites der Händler einzuarbeiten. Sowohl die Rewe-Bestellseite (die rewe-online.de heißt und nicht Drive, weil in manchen Regionen auch geliefert wird) als auch bringmeister.de sind eine Navigationskatastophe.

Bei beiden wird per Postleitzahleingabe geprüft, ob der Kunde den Dienst in seiner Stadt überhaupt nutzen kann. Kaiser’s liefert derzeit nur in Berlin, München und Düsseldorf. Rewe bietet die Abholung derzeit gerade mal in 11 deutschen Filialen an. (Und löscht den kompletten Warenkorb, wenn man während der Bestellung den Markt wechseln will, weil die Sortimente sich regional unterscheiden.) Zum Vergleich: Bei Tesco in Großbritannien gibt’s in 770 Läden Abholmöglichkeiten (und 45 “Drive-Thrus”), Saisnbury’s lässt in über 900 Läden abholen.

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