Alle Texte mit dem Schlagwort Aldi

Kurzeinkauf: Der kleinste Supermarkt der Welt, Rewe übt Boxen, Aldi liefert Wein

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Der „kleinste Supermarkt im Kiez“ hat eine Tür, lässt aber keinen rein. Weil es sonst schon ab einem Kunden ein bisschen darin eng würde. Schließlich handelt es sich um einen Kühlschrank – genauer gesagt: um 26. Die hat das Berliner Start-up Home Eat Home über die ganze Stadt verteilt aufgestellt und befüllt sie wöchentlich mit Kochtaschen, die man sich vorher im Netz reservieren kann, um sie auf dem Nachhauseweg abzuholen. Zum Beispiel im Spätkauf, an S-Bahn-Stationen und im Fitnessstudio.

Wer die Kochtasche bei der Online-Reservierung bezahlt hat, braucht vor dem Kühlschrank bloß noch die dazu gehörende Nummer in die Smartphone-App einzugeben, dann öffnet sich die Tür automatisch und gibt eine Tasche frei. Mit gerade mal zwei Gerichten zum Selberkochen (und drei Aufwärmvarianten) hält sich die Auswahl allerdings in Grenzen.

Die größte Merkwürdigkeit ist allerdings, dass einige der selbst erklärten Mini-Supermärkte ausgerechnet in einem Maxi-Supermarkt Unterschlupf gefunden haben: Von 26 Kühlschränken stehen acht in einer Berliner Kaiser’s-Filiale (Foto oben). Sicher, die liegen an zentralen Orten und jeden Tag kommen dort ziemlich viele Leute vorbei. Aber es sind halt auch, ähm: Supermärkte. Wer dort eine 14 Euro teure Kochtasche (für ein 2-Personen-Gericht) abholt, anstatt die Zutaten für das online veröffentlichte Rezept an Ort und Stelle einfach selbst und sehr viel günstiger einzukaufen, muss es schon sehr, sehr, sehr eilig haben. Sehr, sehr eilig.

Mehr über die Kochboxen-Schwemme hab ich für Krautreporter aufgeschrieben.

Dort gibt’s dann auch diese famose Karottengrafik in voller Größe:

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Ein paar Quadratmeter größer ist der Kühlschrank, den sich Alexander Kersten auf den Parkplatz seines Rewe-Markts in Fürstenfeldbruck betoniert hat. Seit dieser Woche können Kunden ihre Online-Einkäufe zur Abholung dort in eine riesige Abholstation einstellen lassen und abholen, wann es ihnen gerade in den Kram passt. (In der Testphase erstmal nur in zwei Zeitfenstern.)

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Aldi, Lidl und der Knöllchenkampf gegen fremdparkende „Nicht-Kunden“

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Kunden sind eigentlich auch nichts anderes als EC-Karten bei sich tragende Zumutungen auf zwei Beinen. Sie wollen billig einkaufen, aber schön soll’s im Laden trotzdem sein – Aldi und Lidl passen sich an. Auch am späten Abend müssen noch frische Backwaren im Brötchenknast liegen – Aldi und Lidl stellen sich drauf ein. Ständig schleppt einer Produkte zum Umtausch zurück in den Laden, hat aber den verdammten Kassenzettel längst verschlampt – Aldi und Lidl sind großzügig, alles kein Problem. Ein Problem wird’s erst, wenn die Discounter in den Grundfesten ihres Geschäftsprinzips erschüttert werden: draußen, auf dem Parkplatz.

Da hört der Spaß ganz schnell auf.

Die zweibeinigen Zumutungen, die mit ihrem Auto den ganzen Tag einen Parkplatz blockieren, obwohl sie bloß Kleinkram eingekauft haben oder gar nicht erst im Laden waren, sind den Ketten ein Dorn im Auge. Weil kaum etwas schlechter fürs Geschäft ist als ein Parkplatz, der fast vollständig belegt aussieht. Weil neu ankommende Zumutungen sich womöglich in letzter Sekunde umentscheiden und ein paar Straßen weiter zur Konkurrenz fahren könnten, wo sie sich nicht dazwischen quetschen müssen. Viele Discount-Parkplätze sind vor allem deshalb so groß geraten, damit sie nie ganz voll werden.

„Fremdparker“, wie Aldi sie nennt, stören diesen Plan empfindlich. Aus diesem Grund gehen die Ketten inzwischen rigoros gegen sie vor – und riskieren sogar, brave Einstundenparker zu vergrätzen.

In Köln (und andernorts) hat Aldi Schranken vor seine Kundenparkplätze gebaut. An manchen Lidl-Filialen versperren große Eisentore die Zufahrt außerhalb der Öffnungszeiten. Zunehmender Beliebtheit erfreut sich jedoch vor allem die Straf-Parkplatzaufsicht.

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Aldis mieser Ruf ist ein echter Exportschlager

Kleine Rentiere klettern auf Lebkuchenhäuschen, Father Christmas genehmigt sich im Kamin erstmal ein Törtchen, Eisläuferinnen tanzen auf hübsch dekorierten Torten – so fantasievoll und herzig ist Weihnachten. Zumindest im neuen Werbespot von Aldi in Großbritannien:

Jährlich verpulvern britische Supermärkte und Kaufhäuser Millionen Pfund für ihre Weihnachts-Werbekampagnen und versuchen sich gegenseitig in Kitsch und Originalität zu übertrumpfen.

Das kann man sich hierzulande kaum vorstellen. Im aktuellen Edeka-Weihnachtsspot brüllt Kevin allein im Supermarkt den Weihnachtsmann an, weil der zuviel Roastbeef bestellt („Sonst passt du bei uns nie durch den Kamin!“). Und die kreativen Werbefuzzis von Scholz & Friends haben für den aktuellen Kaufhof-Spot einfach hundertmal den von John Lewis aus dem vergangenen Jahr geguckt, wie dem Branchendienst etailment auffiel.

In Großbritannien, wo das Experten-Ranking der besten Händler-Spots eine ernstzunehmende Angelegenheit in Fachmagazinen ist, wäre das kaum vorstellbar. Deshalb hat sich Aldi, das in Deutschland immer noch das Fernsehen meidet wie, ähm, ein Discounter das Weihwasser, angepasst. Um auf der Insel erfolgreich zu sein, haben sich die Deutschen – entgegen sonstiger Gewohnheiten – sehr genau angesehen, wie die Briten einkaufen und sich in vielerlei Hinsicht angepasst (siehe Supermarktblog). Dazu gehört auch die kitschige Weihnachtswerbung.

(Lidl steht dem Wettbewerber in nichts nach und hat dieses Jahr die – deutlich originellere – „School of Christmas“ eröffnet).

Hinter den Kulissen allerdings läuft alles so, wie das aus der Heimat bekannt ist, hat das britische Fernsehen gemerkt. Am gestrigen Montagabend widmete sich die Investigativ-Reihe „Dispatches“ von Channel 4 den „Aldi Supermarket Secrets“ und fragte: Wer zahlt den Preis für unsere Schnäppchen?

Einmal dürfen Sie raten.

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Discounterdämmerung – Drama in fünf Akten

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Vorwort

Im September war bei Penny „große Nachbarschaftswahl“: Anderthalb Wochen konnten die Kunden beeinflussen, wie „ihr“ Laden künftig heißen soll. Für jede Filiale gab es drei ortsbezogene Vorschläge zur Auswahl, über die mit Klebepunkten abgestimmt wurde. Seit Anfang Oktober hängen die finalen Namen aus, bevor sie demnächst im Internet und auf den Ladenschildern leuchten sollen.

Und der Sozialmedienbeauftragte der Berliner Schaubühne am Lehniner Platz twitterte nach einem Besuch im „Penny an der Schaubühne“ unentschieden-euphorisch:

Kurz darauf informierte die Schaubühne per Aushang (in der Schaubühne), ihren Namen ebenfalls geändert zu haben:

Zumindest in der Berliner Theaterszene ist die „Nachbar“-Aktion der Penny-Marketingabteilung demnach als Erfolg zu werten. Womöglich will das Ensemble der Schaubühne noch ein bisschen länger am Thema dranbleiben: Die aktuelle Discounterdämmerung, in deren Kontext die Penny-Kampagne zu sehen ist, eignet sich schließlich hervorragend, auf die Bühne gebracht zu werden. Als Drama, natürlich.

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Discounterdämmerung

Erarbeitet und herausgegeben von Supermarktblog, Berlin

Dramatis Discountae

ALBRECHT (ALDI), zwiegespaltener König
LIDL, machthungriger Modernisierer
NETTO (OHNE HUND), Tochter der Edeka
PENNY, Außenseiter
EDEKA, REWE et al., stille Beobachter

Kunden, Gefolge, eine Druckschrift

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Akt 1 (Zusammenf.)

Ein freies, billiges Land.

Seit über 50 Jahren kämpft Albrecht, König von Discountdeutschland, mit einer gespaltenen Persönlichkeit: Nord und Süd. Albrecht ist lahm, geizig und ignorant – aber das war es, was ihm über so viele Jahre die Herrschaft über sein treues Volks sicherte. Die Zeiten haben sich geändert. Die Kundschaft ist anspruchsvoller geworden. Albrecht, lange blind für den schleichenden Verlust seiner Macht, weiß, dass er seinen Thron an den Herausforderer Lidl verlieren könnte, sofern er nicht bereit ist, sich zu verändern. Veränderung aber ist nicht Albrechts Stärke.

Im Süden spricht der König deshalb erstmals zu seinem Volk und verkündet: „Einfach ist mehr“.

Aldi (Süd).
„Uns kommt es nicht darauf an, Ihnen die Entscheidung mit einem Überfluss an Auswahlmöglichkeiten zu erschweren; uns kommt es darauf an, Ihnen stets die besten Produkte und Angebote für Ihr Leben zu bieten.“

Geht ab.

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In Australien stellt sich Aldi selbst auf den Kopf

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Dass sich der Wasserstrudel in der Badewanne in Australien anders herum dreht als bei uns, ist ein Mythos. Weil die oft dafür verantwortlich gemachte Corioliskraft zwar auf Luftströme wirkt, aber in emaillierten Badezimmerarmaturen kaum was zu melden hat. Wieder anders verhält es sich mit deutschen Discountmärkten, die auf der nördlichen Halbkugel eher schlichtheitsgeprägt sind, während sie auf der südlichen in exakt die andere Richtung drehen.

Oder hätten Sie auf den ersten Blick erkannt, dass oben auf dem Foto ein australischer Aldi-Markt zu sehen ist?

Seit dem Jahr 2001 ist die Discountkette auf dem Kontinent aktiv, um den Wettbewerbern Coles und Woolworth (das dort eine Lebensmittelkette ist) das Geschäftsleben schwer zu machen. Damit das künftig noch ein bisschen besser gelingt, wurden in den vergangenen Monaten vier Testmärkte an der Ostküste eröffnet, die zum Teil deutlich schicker aussehen als die bisherigen Filialen und zugleich ein breiteres Sortiment anbieten.

Aldi Australia erklärt:

„Das neue Ladendesign verbessert die Führung durch den Laden und den Zugang zu frischen Produkten und konzentriert sich auf eine bessere Präsentation des Sortiments und die Wartezeiten an der Kasse.“

(Gemeint sind natürlich: kürzere Wartezeiten.)

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