Alle Texte mit dem Schlagwort Bioprodukte

dm schafft Platz für sein Biedermeier-Bio

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Seit diesem Donnerstag sind in den 1600 Filialen der Drogeriemarktkette dm die ersten Produkte der neuen Bio-Eigenmarke (siehe Supermarktblog) zu haben. Was dm dazu sagt – und was wirklich gemeint ist:

“Die dm Bio-Produkte werden sich durch eine exzellente Qualität zu einem für die Produzenten und Kunden fairen Preis auszeichnen.” (dm-Pressemitteilung vom 15. April)

Der “faire Preis” ist exakt derselbe, zu dem bislang die Bio-Produkte des Partners Alnatura verkauft wurden. Denen gleichen die dm-Bio-Artikel so sehr, dass sie diese sofort ersetzen können. Die Verpackungen sind ähnlich, Inhaltsstoffe identisch, und die Hersteller in vielen Fällen vermutlich auch. (Weder Alnatura noch dm sind so transparent, ihren Kunden gegenüber offenzulegen, welcher Produzent für die Eigenmarken verantwortlich ist.) dm kann an Bio-Lebensmitteln aber künftig mehr verdienen, weil das Unternehmen höhere Margen erzielt, wenn es die Produkte selbst in Auftrag gibt und nicht mit Alnatura als Zwischenhändler verrechnen muss.

“Das Alnatura-Sortiment wird nicht massiv gekürzt.” (dm-Auskunft in der “Lebensmittelzeitung” vom 17. April)

Gut, es wird derzeit vielleicht nicht “massiv” gekürzt, wenn man 50 neue dm-Bio-Produkte mit bisher 600 Alnatura-Artikeln vergleicht, die dm im Sortiment zu haben angibt. Aber die werden auch nicht so aufwändig beworben, wie derzeit “dm Bio”. Und bei den jetzt erhältlichen Eigenmarken-Produkten handelt es sich auch nur um den ersten Schwung. Das Sortiment soll dm zufolge “zügig ausgebaut und weiterentwickelt” werden.

“Die Regale sind nicht beliebig erweiterbar, also wird es auch zu Substitutionen kommen.” (dm-Chef Erich Harsch im Krautreporter-Interview vom 27. März)

Gemeint ist: Alnatura-Artikel werden durch dm Bio ersetzt. In den größeren Filialen stehen die Sachen der neuen dm-Eigenmarke direkt neben denen von Alnatura, die jetzt deutlich weniger Platz haben.

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In den kleineren Filialen gibt es bereits keine Wahl mehr. Die Regale sind reserviert mit dm Bio, entsprechende Alnatura-Artikel, die übrig geblieben sind, wurden auf Tische aussortiert, um noch verkauft zu werden. (In der Filiale, die ich gesehen habe, ohne Preisabschlag.)

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“Alnatura bleibt im Sortiment. Und ich hoffe, dass wir auch in Zukunft gut zusammenarbeiten werden.” (Harsch im KR-Interview)

Alnatura scheint das anders zu sehen und bemüht sich um neue Kooperationen, meldet die LZ, die Edeka, Bünting und sogar Rossmann als Verhandlungspartner nennt. (Was merkwürdig ist, weil Rossmann mit “EnerBio” ja ein recht unfassendes eigenes Biolebensmittel-Sortiment aufgebaut hat.)

“Wir halten die bisherige Strategie nicht mehr für zeitgemäß, um den vielfältigen Anforderungen unserer Kunden gerecht zu werden.” (Harsch im KR-Interview)

Das, was dm da jetzt ins Regal gestellt hat, ist aber auch nicht gerade zeitgemäß, sondern eher bieder – zumindest, wenn man sich das Verpackungsdesign von dm Bio ansieht. Das Logo sieht aus als sei es in WordArt zusammengeschoben worden: eine Karte, die auf eine Art Schnur aufgefädelt ist, mit einem Schriftzug, dem Unkraut aus dem O wächst. Drunter steht noch: “aus biologischer Landwirtschaft”. Ziemlich überladen. Abgebildet sind Klassiker des Lebensmittelverpackungs-Designs – aus den 80er Jahren. Ein Apfel auf der Apfelschorle, Linsen auf den Linsen (die durch die durchsichtige Plastikverpackung sowieso sichtbar sind), ein frisch eingegossenes Glas Milch auf der H-Milch-Packung. Immerhin durfte die glückliche Weidekuh, die sonst gerne zum Einsatz kommt, zuhause bleiben.

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dm hätte die Gelegenheit nutzen können, ein modernes Markendesign für Bio-Produkte zu etablieren, sich stattdessen aber für die konservativste Lösung entschieden. Um ganz bestimmt kein Risiko einzugehen.

Von “Innovationen”, die sich Harsch von der direkten Zusammenarbeit mit den Herstellern verspricht, ist bislang noch nichts zu sehen. Alles, was die Drogeriemarktkette mit der Einführung ihrer 25. Eigenmarke bislang bekräftigt, ist die Ansage, Bio künftig auch alleine zu können. Im Zweifel sogar ganz alleine.

Fotos: Supermarktblog

Doch kein Billig-Bio? dm-Chef Erich Harsch über die neue Biomarke und den geplanten Online-Shop

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Wenn am 16. April die ersten Produkte der neuen dm-Biomarke im Regal stehen, könnte das – anders als bislang vermutet – eher eine Enttäuschung für Schnäppchenkäufer werden. Eine Billig-Biomarke will dm wohl nicht etablieren. Für Krautreporter habe ich mich in Karlsruhe mit Geschäftsführer Erich Harsch unterhalten, der auf die Frage nach dem geplanten Preisniveau erklärte:

“Ich gehe nicht davon aus, dass unsere Bio-Produkte günstiger sein werden als die von Alnatura, weil die Rohstoffpreise gerade im Biobereich eher steigen. Bio soll ja auch seine Qualität haben. Es ist nicht unser Ziel, zu einer Erosion des Qualitäts- und Preisniveaus beizutragen.”

Als im vergangenen Jahr durchgesickert war, dass dm eine Biomarke unter eigenem Namen plane, zeigte sich der bisherige Partner Alnatura verärgert. Bislang verlässt sich dm bei Bio-Lebensmitteln komplett auf das Sortiment des Bio-Supermarkts, der einen erheblichen Anteil seines Umsatzes über dm macht. (Und laut “Lebensmittel Zeitung” jetzt nach weiteren Verkaufsmöglichkeiten u.a. bei Edeka und Rewe sucht.)

Harsch erklärt:

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Helau! Alaaf! Lidl geht dieses Jahr als Edeka

Neue Ladendeko bei Lidl

Weite Teile Deutschlands sind in diesen Tagen lahmgelegt, weil sich Menschen auf öffentlichen Plätzen und in Kneipen treffen, um möglichst originell verunstaltet miteinander zu feiern und sich einer jährlichen Alkoholverträglichkeitsprüfung zu unterziehen. Als Discounter aus dem Volk will Lidl da natürlich nicht außen vor bleiben und zecht so richtig mit! Sogar eine originelle Verkleidung hat sich das Unternehmen zugelegt: Dieses Jahr geht Lidl als Edeka!

Der Supermarkt-Konkurrent ist, außer durch die verzweifelt wirkenden Anknüpfungsversuche an seinen “Supergeil”-Werbehit aus dem vergangenen Jahr, immer noch vor allem durch seinen biederen, aber prägnanten Spruch “Wir lieben Lebensmittel” und die dazugehörige schiefertafelige Sortimentsinszenierung bekannt. Genau das nimmt Lidl jetzt auf die Schippe.

Eigens für den Karneval 2015 werden in sämtlichen Lidl-Filialen schon seit Wochen Feelgood-Pappen aufgehängt, auf denen vor anthrazitfarbenem Hintergrund Sinnsprüche zu wichtigen Artikeln aus dem Sortiment stehen:

“Gutes Frühstück erkennt man an der Vielfalt.”
“Gutes Joghurt erkennt man am Geschmack. ”
“Gute Wurst erkennt man an der Herstellung.”
“Guten Käse erkennt man an der Reife.”
“Gutes Waschmittel erkennt man an der Reinheit.”

Vielfalt, Geschmack, Reinheit, Lidl. Gnihihi. Nicht schlecht.

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Alnatura, dm und der Zoff um eine neue Bio-Marke

Jede Sekunde eröffnet in Deutschland eine neue dm-Filiale - da, schon wieder eine!

Wenige Tage nachdem die “Lebensmittelzeitung” den, ähm, Goldenen Zuckerhut an Alnatura-Gründer Götz Rehn verliehen hatte, meldete die Branchenzeitung in der vergangenen Woche, bei der stark expandierenden hessischen Biokette Alnatura sei man “irritiert” von den Plänen des stark expandierenden Drogeriemarktketten-Partners dm.

Dieser plane für das kommende Jahr eine eigene Bio-Marke, die den Alnatura-Produkten in den Regalen Konkurrenz machen könne. Schon länger gebe es “Spannungen” zwischen den Partnern.

Es ist eine kuriose Vorstellung, dass man bei Alnatura tatsächlich der Auffassung gewesen sein könnte, dm würde den Bio-Produkten des Partners auf ewig Konkurrenzschutz gewähren. Schließlich weiß Rehn selbst ganz gut, dass eine Expansion in dem Maße, wie dm sie seit der Schlecker-Pleite vorantreibt, nicht immer mit Rücksichtnahme zu vereinbaren ist.

Alnatura ist ja selbst stark am expandieren. Gerade hat das Unternehmen einen “Umsatzrekord” gemeldet.

Das dm-Konzept wiederum funktioniert nicht nur wegen des gewissensberuhigenden “Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein”-Zaubers so gut, sondern auch, weil die Kette Eigenmarken zu Niedrigpreisen im Regal stehen hat, an denen sich selbst Aldi messen muss. Dieses Prinzip auch für Lebensmittel durchzusetzen, liegt nahe.

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SuperBioMarkt in Münster: Wieviel sind uns gute Lebensmittel wert?

SuperBioMarkt-Filiale in den Münster-Arkaden / Logo: (c) SuperBioMarkt

Wer mit der Rolltreppe ins Erdgeschoss der Münster-Arkaden fährt, einem modernen Einkaufszentrum mitten in der westfälischen Studentenstadt, kann sich heute vermutlich nicht mehr vorstellen, was das damals für ein Schock gewesen sein muss, als Michael Radau vor 21 Jahren seinen ersten “SuperBioMarkt” eröffnete.

Es sei ihm darum gegangen, “die Unkompliziertheit des Einkaufens” auf Bio-Lebensmittel zu übertragen – und nebenbei dem Klischee vom stricksockentragenden Sandalenöko entgegenzuwirken.

Damit waren ein paar Stricksockenträger anfangs aber ganz und gar nicht einverstanden. “Manche Leute haben mit Supermärkten billige Produkte, schmuddelige Läden und fehlende Beratung assoziiert, und das sollte auf keinen Fall auf den Biobereich übertragen werden”, erinnert sich Radau, der für SuperBioMarkt zwei klassische Münsteraner Bioläden zusammengeführt hatte.

“Ich hab damals bitterböse Anrufe gekriegt. Der Untergang des abendländischen Naturkostreichs stand bevor.”

Zwanzig Jahre später erfreut sich das abendländische Naturkostreich glücklicherweise einer größeren Kundenzahl als je zuvor. Und Radau gibt sich immer noch Mühe, Bio klischeefrei ins Regal zu bringen.

SuperBioMarkt-Gründer Michael Radau / Foto: (c) SuperBioMarkt

Der 2005 eröffnete Vorzeigemarkt im Einkaufscenter ist hell und zeitgemäß eingerichtet, aber kleiner als klassische Supermärkte. Das Fleisch aus der Bedientheke ist nicht nur Bio, sondern richtet sich zu großen Teilen nach den strengeren Regeln der Anbauverbände. Brot und Brötchen aus der Backtheke am Eingang stammen vom lokalen Bio-Bäcker. Gegenüber gibt es mit “Bio to Go” ein Mini-Bistro mit Salaten, Smoothies und Suppen. Im Laden selbst werden ausschließlich Produkte unabhängiger Bio-Hersteller verkauft. Eigenmarken gibt es keine. Lediglich einzelne Kooperationen, zum Beispiel mit der örtlichen Kaffeerösterei oder einem Winzer, bei dem Radau selbst auf dem Weinberg mitgeerntet hat.

SuperBioMarkt in Dortmund: Sieht aus wie ein Supermarkt, ist aber Bio / Foto: (c) SuperBioMarkt

“Der Biomarkt wächst natürlich, aber auf überschaubarem Niveau. Daher muss es unsere Aufgabe sein, die Bekanntheit der existierenden Naturkostmarken bei den Kunden zu stärken”, erklärt Radau, warum er auf Eigenmarken verzichtet. (So richtig lohnen würde sich das bei derzeit  21 Läden vermutlich auch nicht.)

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