Alle Texte mit dem Schlagwort Bioprodukte

Bei Penny kommt künftig auch Nichtnormgemüse in die Tüte

pennyhelden02
Foto: Penny

Jetzt ist’s offiziell: Discount-Nachzügler Penny scheint den Verlust der Fototapetenlandschaften in seinen Läden ganz gut weggesteckt zu haben. In der vergangenen Woche überraschte die Konzernmutter Rewe jedenfalls mit der Meldung, dass Penny nach der Neuerfindung erstmals wieder schwarze Zahlen schreibe – ein Jahr früher als ursprünglich geplant.

Allerdings holt die Konkurrenz in rasantem Tempo auf und steckt, wie Lidl, in der Dauermodernisierung. Um nicht sofort wieder ins Hintertreffen zu geraten, strengt sich Penny deshalb sei geraumer Zeit an, bei den Kunden vor allem mit Kreativität zu punkten. Das wirkt, wenn ständig neue Eigenmarken ins Regal kommen, mitunter chaotisch; und manche Initiativen dauern länger als gedacht. (Mehr zur stockenden Umbenennung der Nachbarschaftsläden steht am Ende dieses Beitrags.)

Immerhin hat Penny aber verstanden, dass es eine kontinuierliche Anstrengung braucht, um sich als moderner Discounter zu positionieren – genau das scheint Penny-Geschäftsführer Jan Kunath mut seinem Team gerade ganz gut hinzukriegen (siehe Supermarktblog).

Mehr Ernte in den Markt

Die neuste Idee kommt am 25. April ins Regal und ist im Discount tatsächlich ein Novum: Obst und Gemüse in Bio-Qualität verkauft Penny künftig mit „Bio-Helden“.

So nennt der Discounter kreativ-verwachsene Karotten, krumme Gurken, Kartoffeln und Äpfel mit Schalenfehlern sowie Tomaten mit kleinen vernarbten Rissen – kurz: Früchte, Knollen und Schattengewächse, die nicht makellos sind, aber genauso gut schmecken wie ihre kerzengeraden Kompagnons. Die Initiative soll Öko-Bauern ermöglichen, einen größeren Anteil ihrer Ernte in die Märkte zu bringen, weil nicht mehr alles perfekt gewachsen sein muss. (Was im Biolandbau schwer ist, weil keine Chemie eingesetzt wird.) Und sie verhindert im besten Fall, dass wertvolle Lebensmittel verschwendet werden, bloß weil sie nicht irgendeiner Quatschnorm entsprechen.

Weiterlesen

Mehr Bio, Superfoods und vegane Produkte: dm wird zum Alternativsupermarkt

dmbio06

Ein Jahr nach dem Start rückt dm die Produkte seiner ersten Bio-Eigenmarke im Regal ein bisschen enger zusammen, damit Platz ist für ein paar neue Kumpels: vegane Lebensmittel und Süßwaren, Säfte, Soßen und hippe Superfoods. In kleinen Faltblättern, die am Regal hängen und die Sortimentswerweiterung ankündigen, wirbt die Dogeriemarktkette derzeit mit dem Versprechen:

„Freuen Sie sich mit uns auf mehr Vielfalt im Bio-Sortiment.“

Im Mittelpunkt stehen vier neue Marken: Pflanzliche Drinks in Bio-Qualität von Provamel und vegane Schokoladen von ichoc sind in zahlreichen Läden bereits erhältlich. Mitte April sollen Selbermach-Smoothies von Lebepur und Produkte von Veganz dazukommen, die die vegane Supermarkkette seit einiger Zeit unter eigenem Namen herstellen lässt und vertreibt. Bislang gab’s die Veganz-Produkte schon in einigen Testfilialen; jetzt kommen die Sachen deutschlandweit in die dm-Läden. Bis Juni sollen es 40 Artikel sein.

dmbio08a

Und das sind nur die Marken, die dm derzeit explizit bewirbt. In einigen Filialen gibt es Lebensmittel weiterer Hersteller zu kaufen: Vegane Bio-Süppchen im Glas von Daily Soup (aus Brandenburg), Nusssoßen von Eisblümerl (aus Nürnberg), Säfte in der Glasflasche von Saftwerk/Elbtalaue Naturkostprodukte (aus Niedersachsen) und Porridge von N’Oats/Mymüsli, das auch mit klassischen Mischmüslis im Angebot vertreten ist.

dmbio10a

Dazu kommt eine zum Teil recht üppige Auswahl an Marken, die sich auf gluten- und laktosefreie Lebensmittel konzentrieren (und die es schon länger zu kaufen gibt).

Langsam aber sicher entwickelt sich dm damit vom Drogeriemarkt mit Bio-Lebensmittelangebot zu einem ernstzunehmenden Alternativsupermarkt und tritt damit in direkte Konkurrenz zu den expandierenden Biomarktketten. Das trifft bei weitem nicht nur den bisherigen Partner Alnatura, mit dem dm vor Gericht immer noch über ein Mitspracherecht beim Vertrieb der Marke streitet. Sondern alle Händler, die sich über ein vielfältiges Sortiment an Lebensmitteln für alternative Ernährungsformen definieren (z.B. auch Reformhäuser).

Weiterlesen

Der Alnatura-Edeka-Deal – in Zahlen erklärt

alnatura08a

Ab Oktober gibt es Alnatura-Produkte deutschlandweit auch bei Edeka zu kaufen. Am Donnerstag haben die beiden Supermarktketten ihre Kooperation bekanntgegeben. Alnatura war auf der Suche nach einem neuen Partner, weil dm im April eine eigene Bio-Marke in die Regale genommen hatte und seitdem sukzessive Produkte von Alnatura ersetzt.

Was bedeutet der Deal?


200

So viele Alnatura-Produkte will dm mittelfristig aus dem Regal nehmen, hat Alnatura-Gründer Götz Rehn seine Handelspartner in einem Schreiben informiert. Derzeit sind schon etwa 80 gestrichen, erklärte Rehn gegenüber der „Lebensmittelzeitung“ (LZ). Bislang waren etwa 600 Alnatura-Produkte Teil des dm-Sortiments. Ein Drittel fällt also künftig weg.

400

Zunächst sollen Edeka-Chef Markus Mosa zufolge 200 Produkte bei Edeka ins Regal kommen, also so viele wie bei dm wegfallen. Das werde aber „Zug um Zug in Richtung 400 Produkte“ ausgebaut werden, sagte Mosa der LZ. Vorgesehen ist offensichtlich eine Blockplatzierung, das heißt: die Produkte werden nicht in den jeweiligen Kategorien zusätzlich ins Sortiment einsortiert, sondern in einem Regal angeboten. Dafür muss Edeka aber erstmal Platz schaffen. Und die Frage wird sein: Wo kommt der her bzw. welche Produkte müssen dafür Fläche abgeben? Der Deal wird es einzelnen Bio-Herstellern auf jeden Fall nicht leichter machen, künftig bei Edeka ins Angebot aufgenommen zu werden.

Weiterlesen

Biomarkt-Zukunft bei Ekoplaza (Amsterdam): Selbstabfüller shoppen schöner

Wenn Sie wissen wollen, wie’s aussehen wird, wenn Ihre Nachfahren auf Kepler-452b den Wocheneinkauf erledigen – vielleicht so:

ekoplaza01a

Gut, bisher hat die Nasa auf dem sehr erdähnlichen Planeten in 1400 Lichtjahren Entfernung weder Wasser noch Leben entdeckt. (Und wie teuer die Tickets dahin werden, ist auch noch nicht raus; geschweige denn von den Kosten für die Schockgefrierung.) Aber wenn’s soweit ist, steht die niederländische Biomarktkette Ekoplaza sicher jederzeit bereit, ihren „Concept Store“ in die neue Umgebung zu multiplizieren und dort Nahrungsmittel anzubieten, deren Erzeugung den neuen Planet nicht so schnell runterwirtschaftet wie den alten.

Selbst der Name der Kette hat was Futuristisches. Das allerdings ist eine eher neue Entwicklung. Ursprünglich als „The Nature Shop“ gestartet und zu „Biosfeer“ umgetauft, ist aus der Bio-Kette mit 70 niederländischen Läden vor einigen Jahren Ekoplaza geworden. (Was, nuschelig ausgesprochen, bei „Ghostbusters“-Fans für Irritationen sorgen könnte.)

Im vergangenen Jahr hat sich Ekoplaza außerdem ein völlig neues Ladendesign verpasst, das nun im Markt in der Amsterdamer Stadhouderskade zu besichtigen ist. Das war, wenn man sich das alte Logo und die bisherigen Läden ansieht, aber auch dringend notwendig, zumal die Kundschaft vom Mitbewerber Marqt (den Supermarktblog-Leser schon kennengelernt haben) bereits recht designverwöhnt sind.

Obwohl’s auf dem Foto oben den Anschein hat, dass die spinnenartige schwarze Stahlkonstruktion unter ein Zeltdach gespannt ist, belegt der Markt das Erdgeschoss eines ganz normalen Wohnhauses im Zentrum Amsterdams und gleicht seinen Futurismus mit reichlich Retro-Schick und Holz aus.

Auf der Ähnlichkeitsskala mit deutschen Bio-Ketten steht Ekoplaza als Spezial-Supermarkt mit seinem Konzept ziemlich weit oben und will Bioladen für alle sein. In den Amsterdamer Prototypen haben die Ekoplaza-Designer außerdem ein großes Café am Ladeneingang integriert, wie das in zahlreichen Stadtmärkten inzwischen zum guten Ton gehört.

ekoplaza04a

Am auffälligsten ist außer dem Design die Zahl der Stationen, an denen sich Kunden selbst bedienen können. Bio-Öl steht in metallisch-glänzenden Fässern zur Verfügung und kann in bereitstehende Glasflaschen gefüllt werden.

ekoplaza02a

Die Nüsse kommen aus dem Plastiktrichter als Nussbutter ins Gläschen [korrigiert].

ekoplaza03a

Und dass Kaffeebohnen eigenabgefüllt werden, versteht sich ja wohl von selbst (siehe Video unten).

Wahrscheinlich kann die Kundschaft froh sein, nicht auch noch barfuß in die Kelter steigen zu müssen, bevor sie ein Fläschchen Wein mitnehmen darf.

Die Selbstabfüllung hilft zwar theoretisch auch Verpackung sparen. Das scheint bei der Einrichtung aber (angesichts des Plastikinfernos in den regulären Regalen) nicht oberste Priorität gewesen zu sein. Eher schon das Gefühl, mit selbst portionierten Lebensmitteln noch frischer und individueller einkaufen zu können als das im normalen Laden möglich ist. Nicht nur über ihr Sortiment, sondern auch über das Einkaufserlebnis, das sie Kunden versprechen, können sich Spezial-Supermärkte von der Masse abheben. Darf halt nicht anstrengend werden.

Oder: nur so anstrengend, dass man sich wie in Amsterdam hinter der Kasse erstmal bei einer schönen Tasse Kaffee von der erschöpfenden Nussportionierung erholen kann.

Dieser Text gehört zur Mini-Serie über Spezial-Supermärkte im europäischen Ausland. Hier steht die Einleitung. Zuletzt haben wir bei As Nature Intended in London reingeschaut. Im dritten Teil geht’s nochmal nach Großbritannien.

Fotos: Supermarktblog

Ich glaub, ich kauf im Wald: As Nature Intended, der Laden für Nischen-Kombinierer (London)

asnature02a

83 Meter trennen die alte Supermarkt-Welt in der Londoner Commercial Street von der neuen. So weit ist es die Tesco-Filiale mit stapelweise Knabberkram in den engen Regalen und Mayonnaise-getunkten „Meal Deal“-Sandwiches vom Herausforderer As Nature Intended entfernt. Schräg gegenüber vom tollen, aber Touristen-überlaufenen Old Spitalfields Market und mitten im ein bisschen anstrengend hipsterisierten Stadtteil Shoreditch hat die kleine Kette im vergangenen Jahr ihren fünften Laden aufgemacht.

Im Vorbeigehen könnte man ihn glatt für einen der Szene-Klamottenshops halten, die nebenan wohnen. Anders gesagt: Vom zweckmäßigen Tesco-Design mit Lebensmittel-Symbolfotos in den Scheiben ist der Supermarkt weit entfernt.

asnature03a

Die Basis für das Konzept ist ein klassischer Bioladen: 80 Prozent der verkauften Produkte sind nach eigener Auskunft „organic“, anders als die deutschen Ketten Alnatura und Denn’s macht As Nature Intended Bio aber nicht zur Bedingung.

Im großen Schaufenster hängt stattdessen eine breiter gefächerte Ansage, was die Kunden erwarten dürfen: „Organic“ ist genauso wichtig wie „Free-From“ (Produkte für Allergie-Geplagte), „Locally Sourced“ (regionale Herkunft) und „Fair Trade“.

asnature05a

Wer sich im Laden selbst umsieht, kann die Liste schnell erweitern: Superfoods wie Goji-Beeren und Manuka-Honig gehören ebenso zum Sortiment wie spezielle Naturheilmittel gegen Akne, Bluthochdruck und Reizdarmsyndrom. (Was man sich halt so einfängt, wenn man sich zu lange mit Industriefutter von der Mainstream-Konkurrenz vollstopft.)

Frühstücks-Müsli oder Haferflocken rieseln aus Rüsselautomaten; Oliven werden an einer kleinen Selbstbedienungs-Bar in Töpfchen aus biologisch abbaubarem Material gefüllt.

asnature04a

Damit unterscheidet sich As Nature Intended im Prinzip gar nicht so sehr von den deutschen Supermarkt-Spezialisten, zum Beispiel den großen Bio-Ketten oder Läden wie dem Berliner Minimarkt Original Unverpackt. Die Briten unternehmen allerdings den Versuch, die zersplitterten Spezial-Interessen in ein und demselben Ladenkonzept zu kombinieren. Damit erreicht As Nature Intended im besten Fall die Schnittemenge der Leute, die nicht mehr im Mainstream einkaufen, sich aber auch nicht dogmatisch dafür entschieden haben, all ihre Lebensmittel verpackungsfrei, in Bio-Qualität oder regional zu erwerben. Aber die halt Wert darauf legen, verantwortungsbewusst und ein bisschen öko einzukaufen.

Nicht ein spezieller Nutzen oder ein klar definierter Vorteil steht im Vordergrund. (Und gewiss nicht der Preis.) Das Versprechen der Betreiber lautet:

„We passionately care about what we put into and onto our bodies so we only sell products with the highest quality ingredients.“

Vermutlich hat Karl August Heynen ziemlich genau dasselbe gesagt, als er vor 115 Jahren in Barmen (Wuppertal) das erste „Reformhaus“ eröffnete. Es folgte eine ganze Reihe von Reformhäusern, die sich als Fachgeschäfte für umweltschonend und natürlich hergestellte Produkte verstanden, und die im Prinzip vieles mit Läden wie As Nature gemein hatten (und haben). Nur die Übersetzung ins 21. Jahrhundert ist gründlich daneben gegangen.

As Nature Intended positioniert sich hingegen schon mit seinem Ladendesign als moderne Alternative zum Supermarkt. In Shoreditch fühlt man sich beim Einkaufen ein bisschen, als seien Regale und Kühltheke in einen Wald hineingeschlagen worden, soviel Baum wie für die Einrichtung verwendet wurde; die linke Ladenseite mit der Theke schmückt außerdem ein beeindruckendes Holzgerippe, das aber endgültig dafür sorgt, den Laden eher nach Modebutze aussehen zu lassen. Öko ist modern geworden, also müssen’s die Läden, in denen die Kunden ihre Produkte kaufen, auch sein.

asnature01a

As Nature Intended gibt es erst seit dem Jahr 2000. Erfunden hat den Laden ausgerechnet Malcolm Walker, der – sagen wir: sehr offenherzige Chef der britischen Frozen-Food-Kette Iceland, einer Art Tiefkühl-Aldi (und in vielerlei Hinsicht das exakte Gegenteil eines Trend-Supermarkts). Aber erst jetzt scheint die Expansion richtig loszugehen: Der dritte Laden eröffnete 2011, der in Shoreditch 2014, für diesen Herbst ist der sechste angekündigt: in der Nähe der Oxford Street.

Dieser Text gehört zur Mini-Serie über Spezial-Supermärkte im europäischen Ausland. Hier steht die Einleitung. Im zweiten Teil geht’s nach Amsterdam.

Fotos: Supermarktblog