Alle Texte mit dem Schlagwort Discounter

Lidls Flirt mit der Supermarkt-Strategie (2)

Einkaufswagen-Auswahl bei Lidl in Chemnitz

Lidl ist der erste Lebensmittelladen, der sich anstrengt, gleichzeitig Supermarkt zu werden und Discounter zu bleiben. In den Läden gibt es deshalb seit einiger Zeit mehr frische Lebensmittel, die Präsentation einiger Sortimente ist moderner geworden, nur an den Niedrigpreisen soll sich nichts ändern. Vom ursprünglichen Harddisocunt-Prinzip hat sich Lidl damit aber sichtbar entfernt. Das sieht man nicht nur im Laden, sondern auch: davor.

Supermarktblog-Leserin Julia twitterte kürzlich:

Seit wann, verrät Lidl nicht, erklärt aber immerhin warum:

“Unter Berücksichtigung des demographischen Wandels mit zunehmend mehr Singlehaushalten und unterschiedlicher Kundengruppen, aber auch in Innenstadtlagen mit geringerer Filialfläche, setzen wir bundesweit bereits in rund 1000 Filialen kleinere Einkaufswagen ein, die leichter zu handhaben und rückengerecht sind.”

Noch vor wenigen Jahren hätte einem jeder Discounter einen Vogel gezeigt, wäre man mit der Frage gekommen, ob “rückengerechtere” Einkaufswagen für die Kundschaft nicht eine dufte Idee wären. Weil lange Zeit die goldene Regel galt, dass Discount nur funktioniert, wenn er sich mit solchem Schnickschnack nicht aufhält. Einkaufsagen hatten gefälligst groß zu sein, damit möglichst viel hineinpasste. An Kunden, die nur ein paar Besorgungen erledigten, war das Interesse eher überschaubar.

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Kundemagazin statt Einkaufs-Innovationen: “Aldi inspiriert” nicht

Neues Kundenmagazin "Aldi inspiriert"

Die To-Do-Liste der Aldi-Süd-Manager in der Zentrale in Mülheim an der Ruhr sieht derzeit ungefähr so aus:

Freundlichere Läden ✔
Aufbackbrötchen ✔
Premium-Eigenmarken ✔
Klebebilder-Treueaktionen ✔
Kundenmagazin ✔

In den vergangenen Monaten lässt sich der deutsche Discount-Marktführer dabei zusehen, wie er sein Geschäftsmodell mühevoll dem der weniger modernitätsallergischen Konkurrenz annähert. Und jetzt? Alles abgehakt?

Seit Anfang der Woche liegt in den Süd-Filialen die erste Ausgabe des neuen Kundenmagazins, produziert vom Berliner Servicejournalismus-Resteverwerter Raufeld Medien. Für alle, die schon immer mal wissen wollten, wie man Spaghetti Bolognese zubereitet (mit Hackfleisch), wie man beim Wandstreichen Quadratmeter berechnet (“Wandlänge x Raumhöhe”) und was man am Valentinstag macht (“Schenken mit Herz”), ist das eine tolle Lektüre. Für alle anderen bloß eine gedruckte Kapitulation des Harddiscount-Prinzips (bzw. eine Reaktion auf Penny und Netto [ohne Hund], die ebenfalls eigene Magazine veröffentlichen).

Das “Handelsblatt” hat vor lauter Aufregung einen Marketingprofessor befragt und zitiert ihn mit den Worten, das werde “dem Image des Discounters deutlich helfen”. Was nicht nur angesichts des dürftigen Informationsgehalts eine steile These ist, sondern auch wegen der Austauschbarkeit des Hefts, in das sich problemlos jedes andere Discounter- oder Supermarktlogo drucken ließe, ohne dass es auffiele.

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Aldi lässt die Schranke runter

Suchspiel! Auf diesem Bild hab ich eine Aldi-Filiale versteckt! Finden Sie sie?

Stilleben mit Discounter: Neu Aldi-Filiale in Köln, am Butzweiler Hof

Gut, war nicht so schwer. (Hinter dem Fahrrad, links vom Baukran.)

Das abgebildete Prachtexemplar eines Tarnaldis steht im Gewerbegebiet von Köln, genauer gesagt in der Nähe des ehemaligen Flughafens Butzweilerhof, und hat seit Anfang September geöffnet. Die beeindruckende Spiegelfassade glänzt aber vor allem durch Einseitigkeit: Die Seite zur Straße hin haben die Architekten klassisch verglast, sodass in der herabsinkenden Nachmittagssonne stets die Metalljalousien heruntergefahren werden müssen, damit Kunden und Mitarbeiter während des Kassierprozesses nicht erblinden oder gegrillt werden.

Drinnen im Dunkeln ist der Tarn- und Blendaldi, nicht nur bei geschlossenen Jalousien, bis auf wenige Häuche von Designelementen (über der langen Kühlwand steht keck “Kühl & frisch”; Obst & Gemüse wirkt aufgeräumter als in anderen Filialen) aber eher ein gewöhnliches Discount-Exemplar.

Deutlich origineller ist, was die Kunden hinter den Kassen kurz vorm Ausgang erwartet: ein Parkautomat.

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Penny in der Eigenmarkenmauser: “Elite” zurück, “Naturgut” wird neue Biomarke

Penny-Markt in Berlin

Sie kennen das vielleicht von entfernten Verwandten, die schon länger nicht mehr zu Besuch waren und beim Wiedersehen nach Jahren plötzlich trotz fortgeschrittenen Alters flippige Glitzerklamotten aus dem Designeroutlet tragen oder den alten Kombi gegen einem aufgemotzten Sportwagen eingetauscht haben. Ungefähr in dieser Phase steckt Penny gerade.

Vor zwei Jahren hat sich das Rewe-Sorgenkind neu erfunden und sieht seitdem erwachsener aus. Dieser Veränderung fielen zahlreiche Fantasie-Marken zum Opfer, die aus den Regalen verschwanden. (Allerdings längst nicht alle, wie ein Supermarktblog-Eintrag von vor zwei Jahren suggerierte: Puda und Happy End durften bleiben. Pardon für die frühzeitige Verabschiedung.) Sie wurden durch Produkte ersetzt, die für Discount-Verhältnisse geradezu originell verpackt waren. Drauf stand einfach “Penny”. “Mein Lieblingseinkauf heißt jetzt Penny”, warb das Unternehmen auf Plakaten. Und das Branchenblatt “Horizont” zitierte den Penny-Einkaufschef Jochen Baab:

“Die Vertriebs- und Handelsmarke über verschiedene Produktgruppen hinweg namentlich zusammenzufassen ist für Penny ein wichtiger Schritt, das Profil im Wettbewerb weiter zu schärfen.”

Nur den Kunden scheint das nicht so in den Kram gepasst zu haben. Deshalb steckt der kleinste unter den vier größten deutschen Discountern gerade wieder in der Eigenmarkenmauser.

Penny wirbt für den nächsten Eigenmarken-Strategieschwenk und "San Fabio"

Seit dieser Woche gibt’s bei Penny “unsere neue Italienmarke San Fabio” zu kaufen, unter der typisch italienische Produkte (bzw. das, was deutsche Discountkunden dafür halten) zusammengefasst sind – von frischen Nudeln über Pesto bis zur Fertigpizza aus der Kühltheke. Penny tritt als Absender nur noch hinten auf der Packung in Erscheinung, wie früher.

Tortelloni, Mozzarella, Steinofenpizza: San Fabio ist Penny neue Italienmarke

Die Produkte sind zwar modern verpackt, aber wieder deutlich näher dran am Discount als die “Penny”-Produkte. San Fabio soll dauerhaft im Sortiment bleiben, bestätigt Penny auf Nachfrage. In Aktionswochen word das Angebot vorübergehend erweitert.

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Lidls Asia-Lockruf: Discount-Eigenmarken gestern und heute (2)

Auf Plakaten und im ungewöhnlich durchdesignten Wochenprospekt bewirbt Lidl derzeit “unsere größte asiatische Woche”. Wobei das Bemerkenswerte daran gar nicht die unfassbare Zahl an Fertigessen-Quatschartikeln ist, die marktmittig in Gitterinseln aufgetürmt wurden und deren Inhaltsangaben reichlich böse Überraschungen für nussallergische Vegetarier bereithalten. (“Kann Spuren von Erdnüssen, Soja, Sesamsamen, Fisch und Krebstieren enthalten” steht z.B. auf der eigentlich rein gemüsigen Thai-Fertigsuppe.)

Bemerkenswert ist vielmehr das neue Design, das Lidl seiner Eigenmarke “Vitasia” verpasst hat. Es ist: sehr bunt.

In der Neckarsulmer Lidl-Zentrale sind ein paar Farbeimer explodiert: Neues "Vitasia"-Design

Bisher waren die Produkte, die ungefähr zweimal pro Jahr in Aktionswochen angeboten werden, unspektakulär schwarz verkleidet. Über den Produktabbildungen stand meist in weißer Schrift der Rufname des Fertigessens. Jetzt gibt es verschiedene Farb-Designs mit unterschiedlichen Schriften für sämtliche, ähem, “Spezialitäten” der Geschmacks- und Kompassrichtungen “China”, “Thai” und “India”. (Ich hab da mal was vorbereitet.)

Drin ist zwar mehrheitlich immer noch dasselbe, weil “asiatisches” Kochen aus Lidl-Sicht offensichtlich vor allem aus Aufbacken, Einrühren, Vollgießen und Dosenöffnen besteht (Abb. oben ist untypisch). Aber die Verpackungen sind jetzt so modern, dass das beim Prospektdurchblättern gar nicht auffällt.

Das aufgepeppte Design ist der neuste Lidl-Streich im Bemühen, sich ein Stück weit vom reinen Billig-Image zu entfernen. Die Botschaft an die – vornehmlich jüngeren – Kunden ist: Wir können nicht nur günstig, sondern auch schick. Zugleich ist es eine Abkehr vom bisherigen Prinzip, Discount-Eigenmarken möglichst genauso aussehen zu lassen wie ihre Markenvorbilder.

Lidl wirbt für seine "größte asiatische Woche"

Bei Lidls Aktionswochen stand schon bisher eher die Länderzugehörigkeit der Produkte im Vordergrund. Jetzt folgt nach und nach der vollständige Abschied vom spärlich-schlichten Design. “Vitasia” ist die zweite aufgehübscht Ländermarke; im vergangenen Jahr wurde bereits “Italiamo” verpackungsveredelt. Das scheint gut funktioniert zu haben.

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