Alle Texte mit dem Schlagwort Discounter

Lidl baut seinen Einkaufswagen ein neues Zuhause

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Okay, so langsam wird’s unheimlich mit Lidls Verwandelung zum Supermarktdiscounter: Vor eine in Köln-Ehrenfeld wiedereröffnete Filiale hat das Unternehmen seinen Einkaufswagen ein eigenes Unterstellhüttchen auf den riesigen Parkplatz gebaut. Ganz sauber mit Poller davor, Mülli daneben und modernem Glasdach plus Seitenschutz, damit die kleinen Metallracker nicht nass werden, wenn sie gerade nicht in Gebrauch sind.

Die „Einkaufswagen mit Babysafe“ haben ein eigenes Plätzchen bekommen, weil die dazu neigen, etwas in die Breite zu gehen. Dass eine Bar fehlt, an der die Wagen nach einem anstrengenden Kundendienst gemeinsam ein Schmieröl kippen können, ist sicher bloß ein Versehen.

Das Hüttchen ist freilich notwendig geworden, weil Lidl sich neuerdings kleine Eingangspaläste vor die Filialen baut. Wenn nicht viel Platz ist, fallen die eher übersichtlich aus (siehe Supermarktblog).

In Ehrenfeld war Platz aber kein Problem:

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Auch die läppischen Ladenschilder, unter die notdürftig bedruckte Banner mit Öffnungszeiten geschnallt wurden, sind Lidl nicht mehr gut genug. Am Parkplatzrand der Umbaufiliale steht deshalb eine kerzengerade Anthrazit-Informationssäule, auf der sämtliche (aktuell) relevanten Ladeninformationen Platz finden:

„Lidl lohnt sich.“
„Wir backen mehrmals täglich für Sie.“
„Montag bis Samstag 8-21 Uhr.“
„Herzlich willkommen!“

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Bei Penny kommt künftig auch Nichtnormgemüse in die Tüte

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Foto: Penny

Jetzt ist’s offiziell: Discount-Nachzügler Penny scheint den Verlust der Fototapetenlandschaften in seinen Läden ganz gut weggesteckt zu haben. In der vergangenen Woche überraschte die Konzernmutter Rewe jedenfalls mit der Meldung, dass Penny nach der Neuerfindung erstmals wieder schwarze Zahlen schreibe – ein Jahr früher als ursprünglich geplant.

Allerdings holt die Konkurrenz in rasantem Tempo auf und steckt, wie Lidl, in der Dauermodernisierung. Um nicht sofort wieder ins Hintertreffen zu geraten, strengt sich Penny deshalb sei geraumer Zeit an, bei den Kunden vor allem mit Kreativität zu punkten. Das wirkt, wenn ständig neue Eigenmarken ins Regal kommen, mitunter chaotisch; und manche Initiativen dauern länger als gedacht. (Mehr zur stockenden Umbenennung der Nachbarschaftsläden steht am Ende dieses Beitrags.)

Immerhin hat Penny aber verstanden, dass es eine kontinuierliche Anstrengung braucht, um sich als moderner Discounter zu positionieren – genau das scheint Penny-Geschäftsführer Jan Kunath mut seinem Team gerade ganz gut hinzukriegen (siehe Supermarktblog).

Mehr Ernte in den Markt

Die neuste Idee kommt am 25. April ins Regal und ist im Discount tatsächlich ein Novum: Obst und Gemüse in Bio-Qualität verkauft Penny künftig mit „Bio-Helden“.

So nennt der Discounter kreativ-verwachsene Karotten, krumme Gurken, Kartoffeln und Äpfel mit Schalenfehlern sowie Tomaten mit kleinen vernarbten Rissen – kurz: Früchte, Knollen und Schattengewächse, die nicht makellos sind, aber genauso gut schmecken wie ihre kerzengeraden Kompagnons. Die Initiative soll Öko-Bauern ermöglichen, einen größeren Anteil ihrer Ernte in die Märkte zu bringen, weil nicht mehr alles perfekt gewachsen sein muss. (Was im Biolandbau schwer ist, weil keine Chemie eingesetzt wird.) Und sie verhindert im besten Fall, dass wertvolle Lebensmittel verschwendet werden, bloß weil sie nicht irgendeiner Quatschnorm entsprechen.

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Ist Aldis Zukunft tatsächlich die „Never-peinlich-Hose“?

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Ich weiß natürlich nicht, ob Sie Anfang der Woche das Glück hatten, noch ein Paar der „angenehmen Lounge-Pants“, „legere Cardigans“ oder sogar die „Never-peinlich-Hose“ abzubekommen, die Jette Joop für die „Blue Motion“-Textilkollektion von Aldi Süd designt hat – und die ratzfatz ausverkauft gewesen sein soll, wie Medien artig atemlos berichten.

Abgesehen davon, dass Aldi Süd durch entsprechende Verknappung hoffentlich dafür gesorgt hat, dass es so kommt, war es eine reichlich kuriose Inszenierung, die sich der Discounter da in den vergangenen beiden Wochen geleistet hat.

Modenschau im Supermarkt – geht’s noch?

Geht gut, findet Aldi Süd, das für 200 geladene Gäste eigens die Filiale an der Düsseldorfer Kö früher dichtmachte, um zwischen Tiefkühltruhe und Dosenbier einen Laufsteg aufbauen zu können, über den dann Models mit dem Joop’schen Funktionsschick staksen. („WDR 5 Profit“ war da; hier anhören.)

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Foto: Aldi Süd

Die Inszenierung hat, vor allem was das Medienecho angeht, hervorragend funktioniert. Vermutlich auch, weil es sich bei 100 Gästen um Aldi-Süd-Fans handelte, die laut „Horizont“ nicht nur „mehrheitlich weibliche Kandidaten“ waren, sondern auch „kommunikationsaffine digitale Influencer“. (Ich las erst „kommunikationsaffine digitale Influenza“, sozusagen eine Art Bloggergrippe.) Mit der Berichterstattung darf das Unternehmen jedenfalls zufrieden sein. Ob es sich mit der Aktion einen Gefallen getan hat, wird sich erst noch herausstellen. Mit dem Discount, den die beiden Gründer Karl und Theo Albrecht einst Anfang der 60er Jahre nach Deutschland holten, hat das alles jedenfalls nichts mehr zu tun.

Vielleicht ist das gut, weil sich das erfolgreiche Prinzip der Gründerjahre inzwischen überlebt hat; vielleicht sind die Anpassungen nicht nur notwendig, sondern längst überfällig gewesen. Der Strategieschwenk ist aber auch ein Risiko.

Die Gründe dafür hab ich nebenan bei Krautreporter aufgeschrieben. Es geht um die Änderungen in Nord und Süd, vor allem um die Konsequenzen der Entscheidung, immer neue Markenprodukte in die Regale zu holen.

Hier geht’s lang zum Text „Aldis final Discountdown“.

Foto oben: Supermarktblog (Aldi-Parkplatzschild in Köln)

Aldi vs. Aldi unter der Sonne Kaliforniens

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Symbolfiliale: Aldi US

Zur Sicherheit steht draußen noch mal dran, was drin ist: „Food Market“. Kennt ja sonst kein Mensch, dieses – Aldi. Nicht in Kalifornien jedenfalls, wo der deutsche Discounter am Donnerstag seine ersten Filialen eröffnet hat, unter anderem in Palm Springs und Moreno Valley (in der Nähe von Los Angeles). Der Preissegen scheint sich vorher aber rechtzeitig herumgesprochen zu haben. Auf den Bildern in den lokalen Medien wickeln sich jedenfalls lange Schlangen um den Block, und glückliche Kundinnen fischen riesige verpackte Schinken aus der Tiefkühltruhe.

Dabei will der Schock nach so einem Einkauf erstmal verkraftet sein:

  • Nein, bei Aldi packt einem an der Kasse kein freundlicher Mitarbeiter die Sachen in die Einkaufstüte!
  • Ja, dafür gibt’s lustiger „doppelganger versions“ von bekannten Markenprodukten, die direkt neben ihren Vorbildern stehen, aber nur die Hälfte kosten.
  • Ja, das ganze Zeug steht auf Paletten und wird in Boxen ins Regal geschoben, damit Aldi sich die aufwändige Einräumerei spart.
  • Und nein, den Einkaufswagen kann man nicht einfach an der Kasse stehen lassen, sondern muss ihn selbst zurückbringen, weil man sonst nämlich nicht seine 25 Cent zurückkriegt, die man vorher reingeschoben hat.

Das Einkaufswagen-Pfand scheint eine der größten Revolutionen zu sein, die der deutsche Discounter in den sonnigen Westen exportiert hat. Und eine der erklärungsbedürftigsten. Deshalb haben Mitarbeiter vor der Eröffnung prompt Münzen an die anstehenden Erstkunden verteilt, berichtet „The Orange County Register“ (mit Fotobeweis). Und liefert gleich die Bedienungsanleitung dazu:

„Sie stecken einen Vierteldollar in den Schlitz, um den Wagen freizugeben. Wenn Sie die eingekauften Lebensmittel rausgenommen haben, schieben Sie den Wagen zurück vor den Laden, um Ihren Vierteldollar wiederzukriegen. Dafür müssen Sie den Metallverschluss mit einem anderen Wagen verbinden. Klingt kompliziert?“

Ja, klingt kompliziert. Ist aber lernbar. (Zumal die Einkaufswagenchip-Industrie sicher bereits vielversprechende Exportmöglichkeiten für ihr Produkt wittert.)

Aus deutscher Sicht ist es etwas ärgerlich, dass sich Aldi in den USA deutlich mehr Mühe mit dem Design seiner Läden zu geben scheint. In Sachen Schlichtheit halten sich die Unterschiede zwar in Grenzen, zumindest bleibt Aldis Edel-Discount vorerst den Australiern vorbehalten. Aber vielleicht sind auch bloß die Palmen in der näheren Umgebung schuld, dass „Aldi Food Market“ in Palm Springs ein bisschen cooler aussieht als in „Aldi“ in Oer-Erkenschwick.

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Netto (ohne Hund) macht Platz

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Kleiner Scherz zum Jahresanfang: Wieviele Leute passen gleichzeitig in eine Telefonzelle? Ist doch klar: Halb so viele wie in einen Netto-City-Markt. (Ohne Hund, natürlich.)

Nach der Plus-Übernahme gehörten dem Edeka-Discounter Netto (ohne Hund) vor ein paar Jahren auf einen Schlag massig Filialen, die zwar günstig gelegen waren: dort, wo in der Stadt täglich viele Leute einkaufen, weil sie um die Ecke wohnen. Für alle, die zu Platzangst neigen, waren die kleinen, engen, vollgestellten Läden jedoch ein Graus. Das versucht Netto (ohne Hund) jetzt zu ändern. Am Berliner Alexanderplatz, direkt hinter dem – ähm: Hofbräuhaus, hat vor im Dezember ein neuer Innenstadtladen eröffnet, der fast schon verschwenderisch Platz für Platz lässt.

Schauen Sie mal, da steht weit und breit keine Stolperpalette:

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Vor dem neuen Brötchenknast könnte sich demnächstauch die örtliche Yoga-Gruppe aus dem Wohnkomplex treffen, der obendrüber gerade fertiggebaut wird. (Ähnlich wie bei Rossmanns neuem Ladenytpen, der vor einem Jahr ebenfalls in Berlin Premiere hatte.)

Großzügigkeit ist nicht das einzige, das sich die Nummer 3 im deutschen Discount-Markt hat einfallen lassen, um es dem Konkurrenten Lidl bei seiner Supermarktwerdung etwas schwerer zu machen. Auch wenn manche Neuerung deutlich aus Neckarsulm inspiriert zu sein scheint: Nettos Brötchenknast (ohne Hund) …

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