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Doch kein Billig-Bio? dm-Chef Erich Harsch über die neue Biomarke und den geplanten Online-Shop

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Wenn am 16. April die ersten Produkte der neuen dm-Biomarke im Regal stehen, könnte das – anders als bislang vermutet – eher eine Enttäuschung für Schnäppchenkäufer werden. Eine Billig-Biomarke will dm wohl nicht etablieren. Für Krautreporter habe ich mich in Karlsruhe mit Geschäftsführer Erich Harsch unterhalten, der auf die Frage nach dem geplanten Preisniveau erklärte:

“Ich gehe nicht davon aus, dass unsere Bio-Produkte günstiger sein werden als die von Alnatura, weil die Rohstoffpreise gerade im Biobereich eher steigen. Bio soll ja auch seine Qualität haben. Es ist nicht unser Ziel, zu einer Erosion des Qualitäts- und Preisniveaus beizutragen.”

Als im vergangenen Jahr durchgesickert war, dass dm eine Biomarke unter eigenem Namen plane, zeigte sich der bisherige Partner Alnatura verärgert. Bislang verlässt sich dm bei Bio-Lebensmitteln komplett auf das Sortiment des Bio-Supermarkts, der einen erheblichen Anteil seines Umsatzes über dm macht. (Und laut “Lebensmittel Zeitung” jetzt nach weiteren Verkaufsmöglichkeiten u.a. bei Edeka und Rewe sucht.)

Harsch erklärt:

“Ich kann verstehen, wenn der Partner, der die Verkaufsfläche bisher für sich allein hatte, nicht erfreut ist. Es ändert aber nichts an meiner Einschätzung, dass dm bei Bio-Lebensmitteln eine eigene Kompetenz entwickeln muss.”

Das Logo für die neue Marke hat dm bereits schützen lassen:

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(Dank an Supermarktblog-Leser Michel H. für den Hinweis.)

Zunächst sollen 50 Artikel ins Regal geholt werden, einige davon wohl von Produzenten, die auch Alnatura beliefern. Einen Affront will Harsch darin nicht erkennen: Die meisten Produzenten seien ohnehin für mehrere Anbieter tätig. Außerdem könne man mit Herstellern “auch direkt über Innovationen sprechen” und habe “nicht einen Dritten als Filter dazwischen”.

In den Filialen und im Netz wirbt dm bereits für den Start Mitte April (“Bio liegt uns schon seit 30 Jahren am Herzen”). In Broschüren steht: “In dm Bio stecken nur die besten Zutaten, mit Liebe und Sorgfalt für Sie ausgewählt”, und zwar “zum günstigen Dauerpreis”.

Werbung für die neue dm-Biomarke

Die zweite große Neuerung, die in den kommenden Wochen ansteht, ist der deutsche Online-Shop von dm. Das Unternehmen war im Netz lange zurückhaltend und hatte eine Kooperation mit Amazon beendet.

Wer Artikel künftig geliefert bekommen will, muss sich darauf einstellen, Versandkosten zu zahlen. Man werde nicht alles, “was einen logistischen Mehraufwand bedeutet, kostenlos nachhause liefern, sondern entsprechend Gebühren verlangen”, sagt Harsch. Interessant wird auch, wie die Kunden auf die Preise reagieren – denn die können im Netz zum Teil höher sein als in manchen Läden. Das liegt an der Dauerpreisstrategie, die dm in seinen Filialen verfolgt: Es gibt keine Sonderangebote, sondern dauerhaft gültige Preise, die mindestens vier Monate am Stück gelten. Einzelne Filialen können davon abweichen – aber nur nach unten, zum Beispiel, weil die Konkurrenz an einem Standort besonders groß ist. Harsch sagt:

“Im Einzelfall kann es also durchaus sein, dass eine Filiale einen niedrigeren Preis für ein Produkt hat als der Onlineshop.”

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Mehr über das Wachstum von dm seit der Schlecker-Pleite, die Rabattaktionen bei Neueröffnungen und Kopien bekannter Markenprodukte steht im Interview bei Krautreporter und im Begleittext.

Fotos: Supermarktblog, Logo: dm

dm ersetzt Wegwerf-Plastiktüten durch Wegwerf-Infobroschüren

Gratis-Plastiktüten an der dm-Kasse

Sicher haben Sie auch bereits die “einschneidende Veränderung” mitbekommen, von der u.a. die WAZ berichtet: “Viele dm-Kunden müssen künftig auf die Gratis-Tüten verzichten.” (Eigentlich hätte der Satz natürlich lauten müssen: “Viele dm-Kunden müssen künftig auf die Gratis-Tüten verzichten!“)

Die Drogeriekette hat diversen Medien bestätigt, was zuvor diverse Medien berichtet hatten: Den Filialleitern ist es freigestellt, ob sie die billigen Plastikfetzen, die bislang das Ende des Kassentresens schmückten und zufällig in Tütenform gepresst waren, noch anbieten – oder nicht. In den Läden, die sich dagegen entschieden haben, hängt nun unter der Überschrift “Wo sind die kleinen Tüten hin?” der Hinweis:

“Lassen Sie uns der Umwelt zuliebe den Tütenverbrauch reduzieren. Sprechen Sie uns an und erfahren Sie mehr über unsere nachhaltigen Taschen.”

dm-Tütenersatzrätsel an der Kasse

Das kann man vorbildlich nennen. Oder einfach: überfällig.

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Verschleckert sich Netto (ohne Hund) mit seiner Drogerie-Strategie?

ver | schle | ckern, sich: zu viele Drogerieartikel auf zu engem Raum anbieten

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Im März hat Netto (ohne Hund) [Erklärlink] den Drogerieabteilungen in seinen Läden ein neues Design verpasst und wirbt jetzt damit, mehr als 1000 Artikel anzubieten – das sind so viele wie Aldi Nord bisher insgesamt im Laden stehen hatte. Verschleckert sich Netto (ohne Hund) etwa mit seiner Drogerie-Strategie? Suchen Sie sich eine Antwort raus!

Neue Drogerie-Abteilung in einem Netto-(ohne Hund)-Markt

Antwort 1: Ja, ganz bestimmt!

Der plötzliche Sortimentsschub verschärft ein Problem, dass Netto (ohne Hund) schon vorher hatte. Mit über 3000 unterschiedlichen Produkten im Sortiment bietet die Nummer drei im deutschen Discount-Markt viel mehr Artikel an als die beiden Marktführer Aldi und Lidl, die auf 1000 bis 1600 Produkte kommen. Das bedeutet einen enormen Aufwand. Ständig muss nachbestellt oder nachgeräumt werden, wenn die Kunden einen Artikel weggekauft haben. Und damit jetzt auch noch die vielen neuen Duschgels, Badesalze, Haargels und Naturkosmetiksachen ins Regal passen, müssen sie aus den Lieferkartons rausgenommen werden. Das kostet die Mitarbeiter mehr Zeit als ein einfacher Kartontausch. Mehr Zeit kostet wiederum mehr Geld. Und gegen unnötiges Geldausgeben sind Discounter von Natur aus hochallergisch.

Als Netto (ohne Hund) vor vier Jahren Plus übernahm, mussten zahlreiche kleine Innenstadtläden auf das neue Konzept umgestellt werden, obwohl sie von vornherein viel zu klein dafür waren. In viele Filialen geht das alles gar nicht rein, was Netto (ohne Hund) drinhaben will.

Der Edeka-Disocunt schafft sich sein eigenes Schlecker-Problem – und hat Ende des vergangenen Jahres auch noch einen früheren Schlecker-Manager zu sich geholt. Die neuen bunten Hinweisschilder an den Regalen (Foto oben) sehen jetzt auch noch aus als seien sie günstig aus dem Nachlass der Pleite-Kette erworben worden. Das kann ja nix werden!

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Papiersparen für Drogeriekunden: dm verzettelt sich ins Internet

Die Drogeriekette dm bietet seit kurzem an, beim Einkauf statt eines klassischen Kassenzettels einen so genannten “E-Bon” zugestellt zu bekommen, der gleichzeitig “innovativ” und “nachhaltig” sein soll, weil für den keine Thermopapierwälder abgeholzt werden müssen. Und weil dafür dieses brandneue elektronische Postsystem genutzt wird, na, wie heißt das noch gleich? Genau: Email. Die Teilnahme an der Aktion verbessert Ihr kosmisches Karma freilich nur dann, wenn Sie keinen Atomstrom benutzen, um den Rechner oder das Smartphone aufzuladen, mit dem Sie den “E-Bon” kurz nach dem Bezahlen im Posteingang abrufen können. (Was tatsächlich ziemlich gut klappt.)

Das digitale Zettelchen spart natürlich nicht nur Papier, sondern vor allem dm die Kosten für den Drucker. Aber da wollen wir mal nicht so sein, sondern eben: “innovativ” und “nachhaltig”.

Ist auch ganz einfach.

Um Papiersparer zu werden, benötigen Sie lediglich eine Payback-Karte. Haben Sie nicht? Dann müssten Sie sich erstmal bei Payback anmelden, um Bonuspunktesammler zu werden (und alle paar Wochen Papierprospektpost von dm zu kriegen). Mit Ihrer Payback-Nummer melden Sie sich dann im Internet für den “E-Bon” an. Kichern Sie nach dem Einkaufen an der Kasse nicht zu laut, wenn die Kassiererin automatisch zum Druckerschlitz greift und irritiert ist, weil da ja kein “E-Bon” rauskommt.

Kommt doch ein Zettelchen, haben Sie nicht bar bezahlt, denn das ist Voraussetzung für die “E-Bon”-Zustellung. Mit der EC-Karte gibt’s auch für angemeldete Nutzer einen Papierbeleg dazu (“aus rechtlichen Gründen”, sagt dm.) Papier gibt’s ebenfalls, wenn Sie Ihre Paybackkarte vergessen haben. Die braucht die dm-Kasse, um Sie als Papiersparer zu erkennen. Oder Sie haben eine Payback-Partnerkarte. Mit der geht’s auch nicht auf Anhieb. Oder Sie haben dienstagmorgens zu einer ungeraden Uhrzeit beza… – nein, das ist natürlich Quatsch.

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Wer profitiert vom Aus für Schlecker?

Ein älterer Herr steht irritiert in einer dm-Filiale in Berlin-Wedding, hält eine Mitarbeiterin an, die gerade Ware in die Regale räumt, und fragt nach seinem Putzmittel. Das Putzmittel ist grün. Der Mann weiß genau, wie es aussieht. Nur nicht, wie es heißt. “Beim Schlecker hab ich immer gewusst, wo’s steht. Aber die haben jetzt zugemacht”, sagt er. Die Verkäuferin pampt genervt zurück: “Was Schlecker im Sortiment hatte, kann ich Ihnen aber nicht sagen.” Dann führt sie ihn zum meterlangen Putzmittelregal. Selbstbedienung, bitte.

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Am 29. Juni schließen die meisten Schlecker-Filialen, die noch übrig geblieben sind. Oder vorher, wenn sie schon leer sind. In der vergangenen Woche gab es “30 % auf alles, Einzelartikel bis 50 % reduziert”. Für die letzten roten Schilder im Schaufenster haben die Mitarbeiter in den Filialen, die noch nicht umgebaut wurden, die Aufkleber mit dem neuen Logo und “For You. Vor Ort” rausreißen müssen. Drinnen demonstrieren die Läden mit den leer gekauften Regalen noch einmal ihre ganze Traurigkeit.

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