Alle Texte mit dem Schlagwort Edeka

Tescos Rekordverlust und die Wandlungsfähigkeit großer Supermarktketten

tesco150401

Die britische Supermarktkette Tesco hat heute bekannt gegeben, im vergangenen Geschäftsjahr 8,9 Milliarden Euro Miese gemacht zu haben – ja, Sie haben richtig gelesen: Milliarden. Das ist einer der größten Verluste, die jemals von einem britischen Unternehmen gemeldet wurden. (Platz 6, um genau zu sein.) In der britischen Presse wird bereits über das “Ende der Ära Tesco” geschrieben, zumal der Marktführer von den beiden stark expandierenden deutschen Discountern Aldi und Lidl zunehmend unter Druck gesetzt wird.

Außerdem hat Tesco in den vergangenen Monaten einen Skandal nach dem nächsten produziert. Der alte Geschäftsführer, Philip Clarke, wurde im Sommer rausgeschmissen, sein Nachfolger hat anschließend bekannt geben müssen, dass über Jahre die Bücher geschönt worden sind. Kürzlich wurde bekannt, dass 50 geplante Eröffnungen neuer Läden abgesagt, sehr viele Leute in der Zentrale entlassen und ein ganzer Schwung unrentabler Märkte geschlossen werden.

Tesco ist einfach zu schnell gewachsen, sagen die Experten. (“Over-Expansion” lautet der Ausdruck dafür, also quasi: Über-Expansion.)

Dabei liegt der jetzt gemeldete Rekordverlust vor allem daran, dass viele Immobilien, die Tesco besitzt, an Wert verloren haben. Trotz des Konkurrenzdrucks sind die Verkäufe gar nicht so schlecht gelaufen, urteilen Analysten und meinen, der neue Chef David Lewis hole jetzt einfach eine Leiche nach der nächsten aus dem Keller, damit das ganze Elend bekannt ist – und er dann mit dem Aufräumen beginnen kann, damit jeder noch so kleine Schritt als Erfolg gewertet werden kann.

Weiterlesen

Wie sich Kaufland und Rewe vor der Tengelmann-Übernahme verbiegen

Kaiser's in Berlin

In der zurückliegenden Woche hat das Bundeskartellamt einen Warnschuss an Edeka abgefeuert, dass die angemeldete Übernahme der 451 Supermärkte von Kaiser’s Tengelmann so nicht genehmigungsfähig sei, unter anderem, weil dies “zu einer Verdichtung der ohnehin stark konzentrierten Marktstrukturen insbesondere in Berlin, München und einzelnen größeren Städten in Nordrhein-Westfalen führen” würde. Die beiden Unternehmen können noch bis Mitte der Woche Stellung dazu nehmen, mit einer endgültigen Entscheidung wird Anfang März gerechnet – falls es nicht zu einer Fristverlängerung kommt.

Währenddessen haben sich die Wettbewerber schon in Position gebracht, um ihren Teil des Kada… – pardon: ihren Teil von Kaiser’s Tengelmann abzukriegen. Einige demonstrieren dabei eine ganz erstaunliche Biegungsfähigkeit.

Laut “Tagesspiegel” liebäugelt zum Beispiel auch Kaufland mit einer Teil-Übernahme. “Wir haben durchaus Interesse an einzelnen Kaiser’s- und Tengelmann-Filialen”, lautet das vollständige Sprecher-Zitat aus der Samstagsausgabe dazu. Auf eine Einschätzung, wie realistisch die eingeholte Information ist, verzichtet der “Tagesspiegel”. Dabei dürfte das Kaufland-Statement vor allem taktischer Natur sein.

Weiterlesen

Dieser Text ist (mit Absicht) ziemlich Banane

Wenn Sie die “Simpsons” nicht mögen, eine Abneigung gegen Käse haben und die Straßenseite wechseln, sobald Ihnen der Briefträger mit seinem Wägelchen entgegenruckelt, müssen wir uns heute mal vorzeitig voneinander verabschieden. (Tschüß!) Denn dann ist dieser Text ganz bestimmt nichts für Sie. Es geht darin nämlich um: Bananen. Die von Rewe zum Beispiel. Fällt Ihnen auf, was an dem folgenden Bild ungewöhnlich ist?

Bio-Bananen bei Rewe

Ganz genau: Die Bananen sind nicht (mehr) in Plastik verpackt! Dabei war das in vielen Supermärkten bis vor kurzem noch Standard, vor allem bei Bio-Ware. Dafür gibt es mindestens zwei Gründe.

1. In der EG-Ökoverordnung (bzw. den dazu gehörenden Durchführungs-Verordnungen) steht die Vorschrift, dass Unternehmen bei Herstellung, Transport und Lagerung Vorkehrungen treffen müssen, “um jedes mögliche Vermischen oder Vertauschen mit nichtökologischen/nichtbiologischen Erzeugnissen zu unterbinden” und deren Identifizierung eindeutig zu gewährleisten. Die Regelung soll verhindern, dass wir – absichtlich oder aus Versehen – beschummelt werden. Deshalb lassen viele Läden, in denen es außer konventionellem Obst und Gemüse auch nach Bio gibt, die Bio-Artikel in Plastik verpacken.

Was natürlich völliger Unsinn ist, wenn Kunden ein nachhaltig erzeugtes Produkt kaufen möchten, um zur Schonung des Planeten beizutragen, auf dem sie es zu verspeisen gedenken – und dabei gleichzeitig den Berg an unnötigem Plastikmüll vergrößern.

Schließlich sind Bananen von Natur aus schon ganz clever verpackt! Die Verpackung ist nicht nur leicht zu öffnen, sie zeigt sogar noch den Reifegrad an. Das soll ihr erstmal ein Verpackungsdesigner nachmachen. Trotzdem haben die Supermärkte lange nicht auf Plastik verzichtet:

2. Damit sie selbst nicht beschummelt werden. Weil an der Kasse die Gefahr bestünde, dass irrtümlicherweise der niedrigere Preis für die ebenfalls unverpackte konventionelle Ware berechnet wird.

Inzwischen scheint sich die Einsicht durchgesetzt zu haben, das auch auf anderem Weg erreichen zu können. Rewe erklärt auf Supermarktblog-Anfrage, man sei “der Auffassung, dass Plastikverpackungen zukünftig weiter reduziert werden müssen”:

Weiterlesen

Darf’s ein Röllchen mehr sein? Eat Happy macht frisches Sushi im Supermarkt

Sushi-Würfel in einem Kölner Rewe-Supermarkt: Vorne frisch, hinten gemacht

Wer schon immer bedauert hat, die im Supermarkt mühevoll selbst eingesammelten und durch die Kassenzone hindurchverteidigten Lebensmittel zuhause dann auch noch aus eigener Kraft in Mahlzeitform bringen zu müssen, kann aufatmen. Den letzten Schritt übernehmen künftig freundliche Herrschaften an quadratischen Theken, die sich sogar dabei zuschauen lassen, wie sie Vorspeisen und Abendessen herstellen und in eine transportable Form bringen.

Zumindest, wenn es sich dabei um Sushi-Menüs handelt.

“Eat Happy” heißen die würfelartigen Konstruktionen, die mitten im Supermarkt stehen (Foto oben) und so eine Art Frischetheke der nächsten Generation sind, weil in der gekühlten Auslage weder Emmentaler noch Schweinenackensteak liegen, sondern roher Fisch im Reismäntelchen mit Algenpapierüberwurf. Und weil direkt dahinter Sushi-Köche im Küchenquadrat stehen und den Fisch in sein Mäntelchen kleiden, um den, der vorne weggekauft wird, gleich wieder nachzulegen.

Ende des vergangenen Jahres hat das Unternehmen Eat Happy To Go die ersten Quadrattheken in Köln aufgebaut. Adrian Kress, der sich im Unternehmen u.a. um die Konstruktion der bemannten (bzw. befrauten) Würfel kümmert, erklärt:

“Wir haben das Projekt alleine entwickelt und sind anschließend auf selbstständige Kaufleute zugegangen, die flexibler entscheiden können, was bei ihnen im Markt ausprobiert wird. Inzwischen sind auch Läden dazu gekommen, die von den Supermarkt-Zentralen direkt betreut werden.”

20 Theken sind es bislang deutschlandweit, vor allem in den Metropolen, auf die das Konzept auch zugeschnitten sei, sagt Kress, weil dort eine größere Nachfrage nach Convenience-Produkten bestehe und es viele Single-Haushalte gebe. Inspirieren ließen sich die Gründer eigenen Angaben zufolge bei Konzepten im Ausland.

Weiterlesen

Blau-Gelb ist out: Hieber streicht das Edeka-E aus seinem Logo

So modern viele Läden auch aussehen: Typographisch ist Edeka irgendwo in den 80er Jahren stehen geblieben. Das ungelenk-steife E als Logo, noch dazu in der aufdringlichen Farbkombination Blau-Gelb, ist unelegant und klobig. Genau wie die Hausschrift, in der die Namen selbständiger Edeka-Händler über den Markteingängen hängen. Supermarktblog-Leser Lenny K. identifizierte die Typo neulich als Incised 901, mit dem schönen Kommentar:

“Sogar die CDU hat sich in den 90ern von der Incised 901 verabschiedet.”

Während viele Edeka-Eigenmarken deutlich zeitgemäßer gestaltet sind als es der biedere Gesamtauftritt von Deutschlands größter (und bald vielleicht noch größererer) Supermarktkette vermuten lässt, setzt sich bei den Händlern die Erkenntnis durch, dass es wenig clever ist, einerseits topmoderne Läden einzurichten, denen dann aber doch wieder die alte Piefigkeit überzustülpen.

Dieter Hieber, der zwischen Freiburg und der Schweizer Grenze zwölf Edeka-Märkte betreibt und damit zu den größten Händlern im Verbund gehört, hat sich deshalb für einen Schritt entschieden, der erstmal ziemlich radikal aussieht: Er hat das große E und die Incised 901 hochkant aus dem Schriftzug geworfen.

Statt wie bisher “Hiebers Frische Center” heißen die Läden künftig nur noch “Hieber” – mit dem Zusatz: “Mein Leben. Mein Laden”.

Neues Logo von Edeka-Kaufmann Dieter Hieber

Über bzw. vor dem Namen steht ein geschwungenes großes H mit einem roten Punkt, für den sich die beauftragte Agentur ausgedacht hat, dass er die Kirsche symbolisiert, die in der Region wächst. Aber auch ohne metaphorische Aufladung funktioniert das Logo gut: weil es viel näher an den Läden (siehe Supermarktblog) dran ist als der alte. Zumal die Design-Erneuerung auch für sämtliche Supermarkt-Utensilien mitgedacht ist.

Weiterlesen