Alle Texte mit dem Schlagwort Kaiser’s Tengelmann

Was wir nach dem Verschwinden von Kaiser’s Tengelmann alles vermissen werden

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Edeka darf Kaiser’s Tengelmann doch noch übernehmen, hat Sigmar Gabriel entschieden (sofern sich der Marktführer an vorgegebene Auflagen hält [PDF], die freilich nicht verhindern, dass er noch marktführiger wird). Damit ist die traditionsreiche Supermarktkette demnächst Geschichte.

Weil sich die Menschen im Jahr 2116 aber sicher dafür interessieren, wie ihre Vorfahren hundert Jahre früher in Berlin, München und Nordrhein-Westfalen eingekauft haben, bevor ihnen die Lebensmitteltuben direkt in die Kühlschränke gebeamt wurden, erinnert dieser Blogeintrag an das, was wir nach dem Verschwinden von Kaiser’s Tengelmann vermissen werden. (Vielleicht.)


1. Die grundehrliche Kundenkommunikation

Kaum ein anderer Supermarkt hat seinen Kunden gegenüber so aufrichtig kommuniziert, was er von ihnen hält – per Eigentumsanzeige auf dem Einkaufskorb.

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(Gut, dachten sich die Kunden: Dann klauen wir halt stattdessen die Einkaufswagen.)

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2. Die Suchinseln

Das „erfolgreiche und innovative Filialkonzept“ mit dem verheißungsvollen Titel „Schwarz-Rot-Gold“ sollte Kaiser’s Tengelmann in den vergangenen Jahren wieder wettbewerbsfähig machen. Tatsächlich gelang es dem Unternehmen, die Verweildauer der Kunden in den Läden deutlich zu erhöhen: Aber nur, weil man seitdem eine halbe Ewigkeit braucht, die schulterhohen Regalinseln zu umlatschen, bis man dort den verdammten Reibekäse findet.

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So argumentiert Edeka für die Fusion mit Kaiser’s Tengelmann

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Was bisher geschah:

  • Edeka will Kaiser’s Tengelmann kaufen, um den deutschen Lebensmittelhandel – vor allem in Berlin, München und Nordrhein – noch mehr zu dominieren.
  • Das Kartellamt hat die Fusion verboten, weil es negative Auswirkungen auf die Marktmacht befürchtet.
  • Die Monopolkommission, ein unabhängiges Beratungsgremium der Bundesregierung, hat sich ebenfalls gegen die Fusion ausgesprochen.
  • Zahlreiche Konkurrenten (Rewe, Tegut,Coop/Sky) haben Interesse an einer Übernahme von Kaiser’s-Tengelmann-Filialen angemeldet.
  • Edeka hat eine Sondergenehmigung beim Wirtschaftminister beantragt. Eines der Hauptargumente ist, dass zahlreiche Arbeitsplätze verloren gehen könnten, wenn Edeka die Übernahme verwehrt wird.

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Das ist neu:

In den vergangenen Wochen haben sich einzelne Bundesländer für eine Fusion ausgesprochen – gegen die Bedenken der Experten.

Die Bayerische Staatsregierung erklärt (pdf): „Der Zusammenschluss der Firmen KT und Edeka ist unter den möglichen Alternativen die Lösung, die den Gemeinwohlinteressen am besten gerecht wird.“ Edeka sei „in besonderer Weise geeignet, die Nahversorgung aufrecht zu erhalten“. (Bayern ist einer der drei Standorte von Kaiser’s Tengelmann.)

Im SPD-geführten Hamburg heißt es: „Nach Auffassung der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation bietet die geplante Übernahme der Tengelmann-Filialen durch Edeka eine realistische Chance für den Erhalt von möglichst vielen Arbeitsplätzen an den einzelnen Standorten.“ (In Hamburg sitzt Edeka mit seiner Zentrale; Kaiser’s-Tengelmann-Filialen gibt es dort keine.)

Und in NRW haben SPD und Grüne erklärt, „es sei zu prüfen, die Ministererlaubnis unter Bedingungen und Auflagen zu erteilen“ (pdf). Davon hatte die Monopolkommission zuvor bereits abgeraten. (NRW ist ebenfalls einer der Standorte von Kaiser’s Tengelmann.)

Die Statements sind auch ein beeindruckender Beleg dafür, welchen Einfluss eine Supermarktkette wie Edeka mit entsprechendem Lobbyismus auszuüben vermag – wenn es gelingt, größtmögliche Angst vor einem Verlust von Arbeitsplätzen zu schüren.

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So argumentiert Edeka:

Dabei sind die Argumente, die Edeka selbst für die Notwendigkeit der Fusion anführt, zum Teil kurios. Ausführlich dokumentiert sind sie im „Sondergutachten der Monopolkommission“ (pdf). Einige Auszüge:

Discounter sind für Edeka starke Konkurrenten – aber ein ganz schlechter Edeka-Ersatz

Das Kartellamt unterscheidet zwischen Discountern mit begrenztem Sortiment und Supermärkten mit umfassendem Sortiment und sieht darin unterschiedliche Märkte. Das lässt die Dominanz Edekas im Supermarkt-Bereich besonders groß erscheinen. Edeka hält das für falsch, die Sichtweise vernachlässige „die aktuelle und absehbare Entwicklung des ‚Uptrading‘ von Discountern hin zu ‚Sortiment-Discountern‘, deren Angebot sich künftig verstärkt durch Qualität und Frische sowie durch Herstellermarken auszeichnen werde.“ Ein wichtiger Punkt.

Gleichzeitig erklärt Edeka aber die Notwendigkeit einer Komplettübername von Kaiser’s Tengelmann aus, um „das qualitätsorientierte Angebot“ in der Nahversorgung zu erhalten.

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Mit allen Mitteln: Edeka, Rewe und die Schlammschlacht um Kaiser’s Tengelmann

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Edeka will die Supermärkte von Kaiser’s Tengelmann in Berlin, München und Rhein-Ruhr übernehmen. Immer noch. Obwohl das Kartellamt längst gesagt hat: geht nicht. An diesem Donnerstag hat die Rewe Group mit einer seitenfüllenden Anzeige in deutschen Tageszeitungen ein Gegenangebot für eine Komplettübernahme gemacht. Mit Zusagen, die weiter gehen als die von Edeka.

Dass die Unternehmen sich öffentlich derart direkt angehen, ist ungewöhnlich. Das Supermarktblog erklärt die Hintergründe der Schlammschlacht.

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Woran hängt’s denn jetzt?

Am ehemaligen Eisbärenpatenschafts-Beauftragten und jetzigen SPD-Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Bei dem ist eine Ministererlaubnis beantragt, mit der Edeka und Tengelmann das Verbot des Kartellamts aushebeln und die Übernahme doch noch durchsetzen könnten.

Damit die Arbeitsplätze gerettet werden können, weil Kaiser’s Tengelmann sonst dicht macht?

Sagt zumindest Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub. Glaubt ihm aber keiner. Aus zwei Gründen:

1. Warum sollte Haub die Supermärkte abwickeln, wenn er dafür noch ein hübsches Sümmchen bekommen könnte – falls nicht von Edeka, dann eben von einem anderen Unternehmen, für das viele Märkte hochinteressant wären? Schon weil sie oft mitten in den Innenstädten liegen, wo es schwer geworden ist, noch neue Flächen für eine Expansion aus eigener Kraft zu bekommen.

2. Es gibt einen merkwürdigen „Offenen Brief“ der Mitarbeiter von Kaiser’s Tengelmann, über den diverse Medien berichtet haben, und in dem sich die Belegschaft um den Erhalt der Arbeitsplätze sorgt – und zwar für den Fall, dass Edeka die Märkte übernehmen dürfe. Begründet wird das damit, dass nicht zugesagt worden sei, alle Supermärkte tatsächlich zu erhalten bzw. Mitarbeiter in Zukunft nach Tarif zu bezahlen. (Wenn Edeka Läden an selbstständige Kaufleute weitergibt, sind die bislang nicht automatisch tarifgebunden.) Deshalb sollten Verhandlungen mit anderen Unternehmen geführt werden.

Und jetzt schaltet Rewe prompt Anzeigen in „Bild“, „Süddeutsche Zeitung“, FAZ und „Welt“, um genau das anzubieten?

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Kaiser’s Tengelmann stellt seine Discountmarke A&P endgültig ein

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Der von Tengelmann geplante Verkauf seiner Supermärkte hat ein erstes prominentes Opfer gefunden: die Kaiser’s-Tengelmann-Discountmarke A&P. „Attraktiv & preiswert“ wollte die seit jeher sein, um den Läden ein Billig-Gegengewicht zu den starken Discountern zu liefern, und kurzzeitig war sie sogar mal Bestandteil des Supermarktnamens. Jetzt ist endgültig Schluss.

Seit einiger Zeit verschwinden die Produkte, deren Markenzeichen das rot-gelbe Logo und die weiße Verpackung waren, sukzessive aus den Regalen. (Supermarktblog-Leserin lene hat in den Kommentaren zu diesem Beitrag bereits darauf hingewiesen. Danke!)

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Vor zweieinhalb Jahren ersetzte Kaiser’s Tengelmann A&P bereits in der Drogerieabteilung durch gleichwertige Produkte der Billigmarke „Jeden Tag“, die kleinere Supermarktketten vom Einkaufsverbund Markant beziehen können (dessen Mitglied Kaiser’s Tengelmann weiterhin ist). Damals war ein Komplettaustausch noch kein Thema. Jetzt allerdings bestätigt eine Tengelmann-Sprecherin auf Supermarktblog-Anfrage:

„Nach Auslaufen der A&P-Verpackungen werden die Produkte bei gleichem Inhalt auf ‚Jeden Tag‘ umgestellt.“

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Wie sich Kaufland und Rewe vor der Tengelmann-Übernahme verbiegen

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In der zurückliegenden Woche hat das Bundeskartellamt einen Warnschuss an Edeka abgefeuert, dass die angemeldete Übernahme der 451 Supermärkte von Kaiser’s Tengelmann so nicht genehmigungsfähig sei, unter anderem, weil dies „zu einer Verdichtung der ohnehin stark konzentrierten Marktstrukturen insbesondere in Berlin, München und einzelnen größeren Städten in Nordrhein-Westfalen führen“ würde. Die beiden Unternehmen können noch bis Mitte der Woche Stellung dazu nehmen, mit einer endgültigen Entscheidung wird Anfang März gerechnet – falls es nicht zu einer Fristverlängerung kommt.

Währenddessen haben sich die Wettbewerber schon in Position gebracht, um ihren Teil des Kada… – pardon: ihren Teil von Kaiser’s Tengelmann abzukriegen. Einige demonstrieren dabei eine ganz erstaunliche Biegungsfähigkeit.

Laut „Tagesspiegel“ liebäugelt zum Beispiel auch Kaufland mit einer Teil-Übernahme. „Wir haben durchaus Interesse an einzelnen Kaiser’s- und Tengelmann-Filialen“, lautet das vollständige Sprecher-Zitat aus der Samstagsausgabe dazu. Auf eine Einschätzung, wie realistisch die eingeholte Information ist, verzichtet der „Tagesspiegel“. Dabei dürfte das Kaufland-Statement vor allem taktischer Natur sein.

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