Alle verschlagworteten Texte: Kaiser’s

Muppetshow für Lebensmittel: Amerika sucht den “Supermarket Superstar”

Weil viele Leute in der Ernährungskette nicht ganz so weit unten anfangen wollen und mit der Zeit merken, dass es alles andere als leicht ist, aus dem Nichts Reichtümer anzuhäufen, hat der amerikanische Traum – vom Tellerwäscher zum Millionär – in den vergangenen Jahren einen heimlichen Mittelschichts-Konkurrenten bekommen. Unterforderte Hausfrauen, gelangweilte Büroarbeiter und Leute, die genervt den alten Job an den Nagel gehängt haben, wollen nun Berühmtheit damit erlangen, ihre an Lebensmittelneuerungen völlig unterversorgten Mitmenschen mit cleveren Appetitmachern zu beglücken.

Der US-Kabelsender Lifetime, der sich nach eigener Auskunft insbesondere an “Frauen in gehobenen Positionen” richtet, hat jetzt eine Show draus gemacht.

Sie heißt “Supermarket Superstar” und funktioniert genau so, wie Sie sich das gerade vorstellen.

Die Moderatorin der Lifetime-Show "Supermarket Superstar" scheint selbst nur selten Lebensmittelläden aufzusuchen

In neun Folgen treten jeweils drei Kandidaten gegeneinander an, die behaupten, zuhause in ihrer Küche etwas Essbares zusammengerührt zu haben, das sie künftig im großen Stil verkaufen wollen. Eine mit Karikaturen besetzte Dreier-Jury bewertet, was am besten gefällt. Anschließend entscheidet der Einkäufer einer realen Supermarktkette, was tatsächlich produziert wird. Das klingt halbwegs nachvollziehbar, ist aber nur minimal weniger irre als eine durchschnittliche Muppetshow. (Und leider nicht ansatzweise so witzig.)

Weiterlesen

Was kommt heute auf den Tisch? Kaiser’s und Rewe im Kochduell

Einst sorgte der Mensch als Jäger und Sammler dafür, Tag für Tag satt zu werden. Das Jagen hat sich schon seit einer ganzen Weile erledigt (außer wenn wieder irgendwo Schlussverkauf ist). Und das Sammeln der zurechtportionierten Lebensmittel im Supermarkt ist auch ziemlich lästig geworden, seitdem ein Großteil der Bevölkerung bis spätabends im Büro bleibt, um noch schnell die Powerpoint-Präsentation für morgen fertig zu kriegen.

Vielleicht ist das “Kochhaus” mit seinem Konzept deshalb so erfolgreich.

Vor drei Jahren eröffnete in Berlin die erste Filiale, inzwischen gibt es deutschlandweit acht Läden (und einen Haufen Nachahmer, die das Prinzip zum Online-Versand umfunktioniert haben). Im Kochhaus sind sämtliche Zutaten nach Rezepttischen geordnet. Alles, was es für die – wöchentlich wechselnden – Gerichte braucht, gibt’s an ein und derselben Stelle. Das ist furchtbar praktisch, weil es einem nicht nur das Suchen im Supermarkt abnimmt, sondern gleich auch die Frage, was überhaupt gekocht werden soll.

Und es ist ein bisschen seltsam, weil Kunden dafür Lebensmittel mit saftigem Preisaufschlag einkaufen, von denen sich manche vorher schon schön im Schaufenster gesonnt haben. (Die Lebensmittel, nicht die Kunden.)

Die Supermärkte haben dieses Bedürfnis der Konsumenten lange verpennt. Dabei sitzen sie doch sozusagen an der Quelle. Es müsste eigentlich ein Kinderspiel sein, den Leuten nicht bloß eine aufgeräumte Gemüseabteilung und frischen Fisch an der Theke zu bieten, sondern gleich die Inspiration dazu, wie daraus ein leckeres Abendessen werden kann. Jetzt sind Kaiser’s und Rewe aufgewacht – und versuchen genau das. Mit überschaubarer Inspiration und zwei sehr unterschiedlichen Rezepten.

"Ideen-Regal" in einer Berliner Kaiser's-Filiale

Kaiser’s: “Ideen-Regal” in einfacher Rezeptmarinade

Die Zutaten: 1 schmales Regal, einige bunt bedruckte Rezeptkärtchen, Lebensmittel

Die Zubereitung: Das Regal in die Obst- und Gemüseabteilung geben, vorher das Plakat mit dem Rezept der Woche einhängen, z.B. Folienspargel mit Frühlingskräuterbutter und Pfannkuchen, gefüllte Blätterteigtaschen mit Champignons und buntem Salat oder Putensteaks mit Kartoffel-Saltimbocca-Spießen. (Dann fühlen sich die Kunden nicht unnötig überfordert.) Währenddessen die Rezeptkärtchen vorbereiten. Einmal in der Mitte falten und dann seitlich lochen, so lässt sich das Rezept nach der Mitnahme leichter abheften. Anschließend die für das jeweilige Gericht notwendigen Zutaten ins Regal füllen. Für eine Woche im normal temperierten Laden stehen lassen. Montags mit neuem Rezept wiederholen.

(Nicht vergessen, die “Idee der Woche” im Werbeprospekt anzukündigen.)

Kaiser's-Rezeptkärtchen fürs "Ideen-Regal"

Das Urteil: Anspruchsvolle Kunden werden sich vom Originalitätsgrad der Rezepte eher nicht überzeugen lassen. Der angegebene “Schwierigkeitsgrad” ist meistens: 1. Und in der “Getränkeempfehlung” auf den Kärtchen heißt es schon mal lapidar: “Dazu schmeckt: eine Apfelsaftschorle”.

Weiterlesen

Mr. Choc wohnt hier nicht mehr (oder: Was Sie über süßwarenfreie Kassen wissen müssen)

Süßwarenfrei und Spaß dabei: Kaiser's wirbt mit schokolosen Kassen, platziert Ü-Eier aber bestens in Kindersichtweite

1. Süßwarenfreie Kassen sind praktisch

Weil das Kind, wenn es im Einkaufswagen sitzt, während der Erziehungsberechtigte gerade den Wocheneinkauf aufs Kassenband hebt, keine Schreianfälle kriegt, wenn es nicht von verführerisch vor seiner Nase baumelnden Schokoriegeln und Gummibärchen hypnotisiert werden kann.

Aber das wussten Sie vielleicht schon.

2. Süßwarenfreie Kassen sind tückisch

Der Süßigkeitenschwund an der Kasse bedeutet jedoch längst nicht, dass der nächste Einkauf mit dem schokonachfüllbereiten Nachwuchs gesitteter ablaufen wird.

Beispiel gefällig? In einem Berliner Markt eröffnete Kaiser’s kürzlich eine süßwarenfreie Kasse (Bild oben). Nirgendwo sonst im Markt ist die Aussicht auf die in Kinderwagenhöhe platzierte Palette mit den Überraschungseiern an der Kasse gegenüber so gut wie dort.

Süßwarenfreie Kassen gehören bei Kaufland zum Standard

Noch ein Beispiel? Bei Kaufland gehören zwei süßwarenfreie Kassen zur Standardausstattung. So lässt sich das Kind entweder frühzeitig an die stattdessen dort platzierten Tabakwaren gewöhnen. Oder von dem Sammelsurium an bunten, schillernden, glänzenden Ersatzablenkungen zur Besitzankündigung inspirieren. Süßwarenfreie Kassen sind oft mit Gutscheinen, Telefonkarten, Batterien, Kabeln und anderem Kleinkram vollgestopft. Die schmecken vielleicht nicht so gut wie ein Duplo. Aber ein Grund zum langweilebedingten Brüllen an der Kasse sind sie allemal.

(Und praktischerweise meist teurer als Schokoriegel.)

Schmeckt nicht süß, ist aber trotzdem ein prima Brüllgrund: Kleinkram an der Kaufland-Kasse

Die einzige halbwegs sichere Möglichkeit, Schreianfälle zu vermeiden, wäre vermutlich, an Kassen ausschließlich Spinat, Rosenkohl und Wirsing anzubieten. (Wobei das vermutlich zu angstbedingten Unmutsbekundungen der jungen Supermarktbesucher führt.)

Weiterlesen

Strategieschwenk: Kaiser’s Tengelmann schrumpft A&P für “Jeden Tag”

Es gibt Firmen, die Markenprodukte herstellen. Und Supermärkte, die Produkte herstellen lassen, um ihren Namen draufzupappen. Aber haben Sie auch schon mal was von Unternehmen gehört, die Produkte herstellen, mit denen die Supermärkte dann so tun können als seien es ihre eigenen?

Falls nicht, hilft Kaiser’s Tengelmann gerne beim Kennenlernen. Dort werden die Regale seit einigen Wochen mit signalrot verpackten Drogerieartikeln vollgepackt, auf denen steht: “Jeden Tag”. Das Gerücht, Tengelmann habe dem Konkurrenten Rewe dessen gerade eingemotteten Werbespruch “Jeden Tag ein bisschen besser” zur Hälfte abgekauft, weil das Geld für den ganzen nicht gereicht hat, ist natürlich Quatsch. Vielmehr handelt es sich um ein komplett unabhängiges “Jeden Tag”. Die neue Eigenmarke von Kaiser’s Tengelmann ist genau genommen nicht mal eine Eigenmarke. Sondern sozusagen eine Kommunenmarke: Jeder darf sie haben. Jeder, der sich dem Einkaufsverbund Markant angeschlossen hat.

Das sind zum Beispiel Supermärkte, die nicht zu Edeka oder Rewe gehören. Wenn nämlich jeder kleine Markt für sich genommen Waren einkaufen müsste, wäre das nicht bloß mühsam, sondern teuer. Markant bündelt den Bedarf und sorgt dafür, dass die Masse der unterschiedlichen Händler bei den Lieferanten ordentliche Konditionen kriegt. Außerdem stellt Markant Eigenmarken zum Discount-Preis her, die dann von kleinen Händlern verkauft werden können, um mit den großen mitzuhalten (auch in Österreich).

Eine dieser Marken ist “Jeden Tag”. Von der gibt’s zwar auch Schokolade und Scheibenkäse. Kaiser’s Tengelmann verkauft aber (zunächst einmal) nur Drogerieartikel, derzeit ungefähr 35 verschiedene, “tendenziell weiter steigend”, heißt es aus der Zentrale.

Mit diesem Strategieschwenk killt Kaiser’s Tengelmann zum einen die bisherigen Drogerie-Eigenmarken “Royal Comfort” und “Riva”. (Was nicht weiter schlimm ist.) Zum anderen fallen durch “Jeden Tag” einige Produkte der Tengelmann-Eigenmarke A&P weg:

“Auch die Artikel der Marke ‘A&P’ werden gegen die Artikel der Marke ‘Jeden Tag’ im Near-Food- und Non-Food-Bereich sukzessive getauscht.”

(“Near Food” und “Non Food” sind, nun ja: Nichtlebensmittel.)

Weiterlesen

Papiersparen für Drogeriekunden: dm verzettelt sich ins Internet

Die Drogeriekette dm bietet seit kurzem an, beim Einkauf statt eines klassischen Kassenzettels einen so genannten “E-Bon” zugestellt zu bekommen, der gleichzeitig “innovativ” und “nachhaltig” sein soll, weil für den keine Thermopapierwälder abgeholzt werden müssen. Und weil dafür dieses brandneue elektronische Postsystem genutzt wird, na, wie heißt das noch gleich? Genau: Email. Die Teilnahme an der Aktion verbessert Ihr kosmisches Karma freilich nur dann, wenn Sie keinen Atomstrom benutzen, um den Rechner oder das Smartphone aufzuladen, mit dem Sie den “E-Bon” kurz nach dem Bezahlen im Posteingang abrufen können. (Was tatsächlich ziemlich gut klappt.)

Das digitale Zettelchen spart natürlich nicht nur Papier, sondern vor allem dm die Kosten für den Drucker. Aber da wollen wir mal nicht so sein, sondern eben: “innovativ” und “nachhaltig”.

Ist auch ganz einfach.

Um Papiersparer zu werden, benötigen Sie lediglich eine Payback-Karte. Haben Sie nicht? Dann müssten Sie sich erstmal bei Payback anmelden, um Bonuspunktesammler zu werden (und alle paar Wochen Papierprospektpost von dm zu kriegen). Mit Ihrer Payback-Nummer melden Sie sich dann im Internet für den “E-Bon” an. Kichern Sie nach dem Einkaufen an der Kasse nicht zu laut, wenn die Kassiererin automatisch zum Druckerschlitz greift und irritiert ist, weil da ja kein “E-Bon” rauskommt.

Kommt doch ein Zettelchen, haben Sie nicht bar bezahlt, denn das ist Voraussetzung für die “E-Bon”-Zustellung. Mit der EC-Karte gibt’s auch für angemeldete Nutzer einen Papierbeleg dazu (“aus rechtlichen Gründen”, sagt dm.) Papier gibt’s ebenfalls, wenn Sie Ihre Paybackkarte vergessen haben. Die braucht die dm-Kasse, um Sie als Papiersparer zu erkennen. Oder Sie haben eine Payback-Partnerkarte. Mit der geht’s auch nicht auf Anhieb. Oder Sie haben dienstagmorgens zu einer ungeraden Uhrzeit beza… – nein, das ist natürlich Quatsch.

Weiterlesen