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Was passiert, wenn Kaufland kommt?

"Discountbillig" und riesengroß: Kaufland drängt in immer mehr deutsche Städte und Regionen

“Für Sparfüchse. Für Vielfalt-Fans. Für Qualitätsbewusste. Für alle.”

Wer Kaufland nur aus der Werbung kennt, hat leicht das Gefühl, dass das Unternehmen knapp an der Anerkennung seiner Gemeinnützigkeit vorbeischrammt. Jeder, der einen der riesigen Märkte schon mal mit einem durchnummerierten Einkaufswagen durchlaufen hat, weiß, dass der Name nicht übertrieben ist. Und wer Kaufland zum Konkurrenten kriegt, hat ein Problem.

Weil Kaufland das “Für alle” aus der Werbung durchaus wörtlich zu nehmen scheint.

Überall dort, wo noch kein Riesendiscounter steht, soll einer hin. Vielleicht nicht in diesem Jahr, aber dann halt im nächsten.

Schon jetzt ist die Schwarz-Gruppe, zu der auch die Kaufland-Schwester Lidl gehört, das zweitgrößte Handelsunternehmen Europas. Analysten gehen davon aus, dass der erste Platz bloß eine Frage der Zeit ist. 30 Jahre nach der Eröffnung der ersten Filiale in Neckarsulm scheut sich Kaufland nicht, massiv in neue Standorte zu investieren. Vor allem weiß sich Kaufland, wenn gute Argumente nicht reichen, um die notwendigen Genehmigungen zu bekommen, anderweitig zu helfen.

In den vergangenen Wochen hab ich mich für Krautreporter intensiv damit beschäftigt, was in den Städten passiert, in denen das Unternehmen seine Bauschilder aufstellt, wie unterschiedlich die Kommunen auf Kaufland reagieren und welche Auswirkungen die Riesenmärkte auf die Innenstädte haben.

Der Text ist gerade erschienen. Hier.

Foto: Supermarktblog

Kaufland will nicht mehr rot werden

Das rote Logo bleibt - aber sonst will Kaufland ein bisschen moderner werden

Aldi Nord hat’s getan, um jüngere Kunden zurückzugewinnen; Penny ist immer noch dabei, um Fototapetenjugendsünden auszulöschen; die Supermärkte sind sowieso in einer Tour damit beschäftigt, um den Discountern voraus zu sein; und jetzt modernisiert auch Kaufland seine Märkte, um – ja, ähm: warum eigentlich?

Eigentlich scheint’s für die Lidl-Schwester auch so ganz gut zu laufen. Ständig baut Kaufland irgendwo einen neuen Großflächendiscounter hin oder schlüpft in ein umgebautes Ex-Citykaufhaus (siehe Supermarktblog). Die Kunden kommen quasi von alleine. Trotzdem wird jetzt umgebaut. Auf Facebook kündigte das Unternehmen an, seinen Fans und Followern häppchenweise “das neue Kaufland-Design” vorzustellen. Wir erledigen das hier mal in einem Schwung. Also:

Kaufland will nicht mehr rot werden.

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Kaufland verstehen – in nur 3 Minuten

Rollband bei Kaufland

Sag mal, dieses Kaufland – das ist die Schwester vom Lidl, hab ich das richtig kapiert?

Für Menschen, die sich die Erklärung von Handelskonzernstrukturen mit Familienzugehörigkeitsvergleichen angenehmer gestalten wollen: jawohl. Kaufland gehört wie Lidl zur Schwarz-Gruppe, die 1930 nach der Fusion zweier Unternehmen als Großhandlung “Lidl & Schwarz KG” entstand.

Dass die mit ihren Riesenläden inzwischen auch in der Stadt aufmachen, hab ich schon gelesen – aber Kauflands gibt’s doch trotzdem total oft draußen auf dem Land!

Schön, dass Sie so viel rumkommen. Und: Das eine widerspricht ja nicht dem anderen. Wo Platz ist, lässt sich so ein Riesenladen, wie Sie sagen, natürlich oft am einfachsten hinbauen. Dabei handelt es sich beim Konzept der Lidl-Schwes… – äh: von Kaufland eigentlich gar nicht um ein klassisches SB-Warenhaus [Erklärlink], wie Sie als regelmäßiger Blogleser es eventuell angenommen haben. Sondern eher um eine Art Zwitter aus SB-Warenhaus und Discounter. In manchen Märkten gibt es bis zu 60.0000 verschiedene Produkte (wie in SB-Warenhäusern) – aber die meisten zu Niedrigpreisen (wie im Discounter).

Ein SB-Warounter, sozusagen.

Einigen wir uns auf “Großflächendiscounter”. Bitte.

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Platz da für den Alleskönner: Kaufland erobert die Innenstädte

Nicht nur bei uns, sondern auch im europäischen Ausland tun sich viele SB-Warenhäuser [Erklärlink], also die richtig großen Supermärkte, derzeit schwer – weil die Kunden ihr Einkaufsverhalten ändern.

Eine Kette allerdings blieb von den Auswirkungen bisher weitgehend verschont: Kaufland.

Genau wie Lidl gehört Kaufland zur – websitelosen – Neckarsulmer Schwarz-Gruppe, die kurz davor steht, der Düsseldorfer Metro in der Liste der umsatzstärksten deutschen Lebensmittelhändler den dritten Platz streitig zu machen. In den aktuellen Top 30 der “Lebensmittelzeitung” (Pressemitteilung) liegen zwischen beiden gerade noch (geschätzte) 660 Millionen Euro – bei jeweils ungefähr 30 Milliarden Umsatz. (Ausschließlich auf die Lebensmittelsparten bezogen liegt Schwarz schon jetzt deutlich vor Metro.)

Kaufland ist daran nicht ganz unschuldig. In den vergangenen Jahren kamen pro Jahr mehrere neue Riesenmärkte hinzu, erst in letzter Zeit ist das Tempo der Neueröffnungen wieder zurückgegangen. Derzeit gibt es knapp 630 Kaufland-Häuser in Deutschland.

Mit 13,5 Milliarden Euro ist Kaufland deutlich größer als direkte Mitbewerber wie Real (9,5 Mrd.) und Globus (4,4 Mrd.). Aber Sie wollen sich ja nicht von Zahlen langweilen lassen, sondern wissen: warum? Was macht Kaufland anders als die anderen?

Um das rauszukriegen, machen wir einen Spaziergang ins Ruhrgebiet.

Gerade mal sieben S-Bahn-Minuten liegt der Essener Stadtteil Borbeck vom Hauptbahnhof entfernt. Und die Sehenswürdigkeiten würden vielleicht sogar für einen eigenen Text im “Überall ist es besser”-Reiseblog nebenan reichen. Aber wer nach 20 Uhr dort ankommt, wird nur noch von ein paar Jugendlichen mit pink gefärbten Haaren begrüßt, die auf ihrem Handy “Troublemaker” laufen lassen und laut dazu mitsingen.

Die Fußgängerzone direkt hinterm Bahnhof ist bereits abendbrotevakuiert. Im “Café Augenblick” zur Rechten wird gesaugt. Der Bestatter gegenüber hat offensichtlich einen ruhigen Abend erwischt. Die Läden sind alle zu. Wer hier noch Vergnügen sucht, muss sich für eine der beiden Spielhallen entscheiden, die sich zwischen den CDU-Ortsverein und den Optiker gequetscht haben. Oder ein paar Schritte weiter laufen. Am Platz mit dem zehngeschossigen Wohnblock, einer Art Steinplattenbalkon gewordener Ortsmitte, steht ein Neubau, in dem noch Licht brennt. Kaufland hat noch bis 22 Uhr geöffnet.

Kaufland-Markt in Essen-Borbeck

Als die größte Fläche in der Borbecker Fußgängerzone noch aus einem Geisterkaufhaus bestand, war das anders. Im Frühjahr 2009 meldete Hertie erst Insolvenz an und dann seine unrentablen Kaufhäuser aus den Innenstädten ab. In Borbeck zog zwar ein (bei Google Maps noch zu besichtigender) Drogeriemarkt als Zwischenmieter ein. Eine langfristige Lösung für den Betonbrocken war das aber nicht.

Bis Kaufland kam.

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Mr. Choc wohnt hier nicht mehr (oder: Was Sie über süßwarenfreie Kassen wissen müssen)

Süßwarenfrei und Spaß dabei: Kaiser's wirbt mit schokolosen Kassen, platziert Ü-Eier aber bestens in Kindersichtweite

1. Süßwarenfreie Kassen sind praktisch

Weil das Kind, wenn es im Einkaufswagen sitzt, während der Erziehungsberechtigte gerade den Wocheneinkauf aufs Kassenband hebt, keine Schreianfälle kriegt, wenn es nicht von verführerisch vor seiner Nase baumelnden Schokoriegeln und Gummibärchen hypnotisiert werden kann.

Aber das wussten Sie vielleicht schon.

2. Süßwarenfreie Kassen sind tückisch

Der Süßigkeitenschwund an der Kasse bedeutet jedoch längst nicht, dass der nächste Einkauf mit dem schokonachfüllbereiten Nachwuchs gesitteter ablaufen wird.

Beispiel gefällig? In einem Berliner Markt eröffnete Kaiser’s kürzlich eine süßwarenfreie Kasse (Bild oben). Nirgendwo sonst im Markt ist die Aussicht auf die in Kinderwagenhöhe platzierte Palette mit den Überraschungseiern an der Kasse gegenüber so gut wie dort.

Süßwarenfreie Kassen gehören bei Kaufland zum Standard

Noch ein Beispiel? Bei Kaufland gehören zwei süßwarenfreie Kassen zur Standardausstattung. So lässt sich das Kind entweder frühzeitig an die stattdessen dort platzierten Tabakwaren gewöhnen. Oder von dem Sammelsurium an bunten, schillernden, glänzenden Ersatzablenkungen zur Besitzankündigung inspirieren. Süßwarenfreie Kassen sind oft mit Gutscheinen, Telefonkarten, Batterien, Kabeln und anderem Kleinkram vollgestopft. Die schmecken vielleicht nicht so gut wie ein Duplo. Aber ein Grund zum langweilebedingten Brüllen an der Kasse sind sie allemal.

(Und praktischerweise meist teurer als Schokoriegel.)

Schmeckt nicht süß, ist aber trotzdem ein prima Brüllgrund: Kleinkram an der Kaufland-Kasse

Die einzige halbwegs sichere Möglichkeit, Schreianfälle zu vermeiden, wäre vermutlich, an Kassen ausschließlich Spinat, Rosenkohl und Wirsing anzubieten. (Wobei das vermutlich zu angstbedingten Unmutsbekundungen der jungen Supermarktbesucher führt.)

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