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Tegut schreibt sich nicht mit M

Seit acht Monaten gehört Tegut, die Fast-Bioladenkette aus Fulda, nun schon zur Schweizer Migros, dem größten Lebensmittelhändler der Schweiz. Und langsam werden auch erste Veränderungen in den Läden sichtbar. Sehr langsam. Zumindest gibt es in den Filialen nun neue Schweizer Produkte zu kaufen, für die auch entsprechend geworben wird. Den Auftakt machen Kaffeekapseln unter dem Namen “Café Royal”, die mit Nespresso-Maschinen kompatibel sind und vom Unternehmen Delica hergestellt werden, das zu Migros gehört.

Am Regal wirbt Tegut auf kleinen Hinweisschildern mit der “Qualität aus der Schweiz”. In manchen Läden sind die Kapseln auch gut sichtbar in den Flurregalen platziert.

Sanfte Migros-Eigenmarken-Premiere: Schweizer Kaffeekapseln bei Tegut

“Wir wollen sukzessive neue Produkte ins Sortiment aufnehmen, die den Bedürfnissen unserer Kunden entsprechen. Viele Kunden haben auch schon ihre ganz persönlichen Wünsche dazu eingereicht”, sagt Tegut-Sprecherin Stella Maria Kircher auf Supermarktblog-Anfrage. Und:

“Wenn wir neue Produkte einführen, gilt das gleichzeitig für alle Läden.”

Also auch für die Schokolade unter der Marke Chocolat Frey, ebenfalls hergestellt in der Schweiz, vom gleichnamigen Unternehmen, das ebenfalls zu Migros gehört. Je nach Marktgörße (und entsprechendem Platz im Regal) wird es jedoch nicht alle 26 Sorten auch in jedem Tegut zu kaufen geben. Geplant ist der Schoko-Start für die kommenden beiden Wochen.

Die eigentliche Überraschung ist, dass Migros-Eigenmarken wohl nicht eins zu eins in die deutschen Tegut-Märkte kommen. Kircher erklärt:

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Migros-Chef Blunschi über Tegut: “Es wird neue Märkte in Baden-Württemberg geben”

Zentrale der Migros-Genossenschaft Zürich

Seit Anfang des Jahres gehört die hessische Supermarktkette Tegut zu Migros, dem größten Lebensmittelhändler der Schweiz (siehe dazu auch Supermarktblog vom Oktober 2012). Der will nach eigenen Auskünften einen zweistelligen Millionenbetrag in das Fuldaer Unternehmen investieren. Dort bleibt Thomas Gutberlet zwar Geschäftsführer, die Schweizer Eigenmarkenspezialisten bestimmen aber die grundlegende Ausrichtung von Tegut.

Das Supermarktblog hat sich mit Jörg Blunschi, dem Geschäftsleiter der Migros-Genossenschaft Zürich, darüber unterhalten, warum trotz der geplanten Expansion Läden geschlossen werden, wo neue Filialen eröffnen sollen und wie Migros dafür sorgen will, dass Tegut im Wettbewerb bestehen kann.

* * *

Supermarktblog: Herr Blunschi, im deutschen Lebensmittelhandel sind schon viele ausländische Unternehmen gescheitert. Warum sind Sie zuversichtlich, dass es Migros mit Tegut anders gehen wird?

Jörg Blunschi: Deutschland ist ein äußerst kompetitiver Markt. Deshalb ist es besonders schwer, sich als neuer Anbieter zu etablieren. Unter dem Namen Migros hätten wir einen solchen Schritt in diesem Umfang sicher nicht gewagt. Sie müssen aber unterscheiden zwischen einer Neugründung und der Fortführung einer sehr bekannten Kette. Genau deshalb sagen wir ja: Tegut wird Tegut bleiben. Wir wollen gemeinsam mit dem Management in Fulda das Profil schärfen, um zu wachsen. Die Werte, die Tegut seit Jahrzehnten vertritt, passen sehr gut zu Migros. Und im Schweizer Lebensmittelmarkt ist unser Marktanteil so hoch, dass es schwierig ist, noch Wachstum zu erzielen.

Sie wollen Tegut aus den roten Zahlen herausholen. Wo lagen aus Ihrer Sicht in den vergangenen Jahren die Schwachpunkte?

Blunschi: Für ein Unternehmen mit einer Größe wie Tegut ist es sicher schwierig, in einem so dynamischen Markt mitzuhalten, weil Sie Ihre knappen Ressourcen ständig aufteilen müssen. Tegut hat zuletzt stark in seine Produktionsbetriebe investiert. Der Rhythmus, in dem zugleich das Ladennetz hätte erneuert werden müssen, war deshalb zu langsam. Bei ihrer Weiterentwicklung haben Edeka und Rewe in den vergangenen Jahren ein extremes Tempo vorgelegt. Da konnte Tegut nicht mithalten.

Migros-Zürich-Geschäftsführer Jörg Blunschi

Migros hat angekündigt, das zu ändern. Sie haben, knapp zusammengefasst, gesagt: Raus aus Thüringen, rein in die Ballungsgebiete. Richtig?

Blunschi: Ich sage nicht, dass Tegut sich aus Thüringen zurückzieht! Bei den kleinen Läden wird es sicher eine Bereinigung geben. Das wird kein Kahlschlag, wir prüfen jedoch auslaufende Mietverträge sehr genau. Tegut soll wachsen. Dazu gehört es auch, sich von Märkten zu trennen, die nicht rentabel zu betreiben sind. Mein Eindruck ist, dass Tegut seine Stärken tatsächlich in den Ballungsgebieten, vor allem Richtung Süden, ausspielen, kann. Es wird ganz sicher neue Märkte in Baden-Württemberg geben. Wir wollen aber auch im bestehenden Wirtschaftsgebiet neue Mietverträge abschließen, wenn es Gelegenheiten gibt.

Um wieviele Läden, die geschlossen werden könnten, geht es denn?

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Dayli! Migros! Walmart? Die Neuen kommen

Da hätte der alte Schlecker natürlich auch selbst drauf kommen können, dass sein Drogerieimperium im letzten Moment doch noch vor dem Komplettzusammenbruch zu retten gewesen wäre! Ist er aber nicht. Und deshalb macht’s jetzt Rudolf Haberleitner. Der ist von Beruf Öster-Reicher und versucht sich als Einzelhandelsvisionär, seit er im vergangenen Jahr mit seiner Investmentfirma über 1300 Schlecker-Läden in Österreich, Italien, Polen, Belgien und Luxemburg gekauft hat. Und zwar, um daraus Drogerien zu machen, die gleichzeitig Supermarkt, Reinigung, Stehcafé, Autoverleih und Reisebüro sein sollen. “Nahversorger” nennt Haberleitner sein Konzept, und dass da bisher sonst keiner drauf gekommen ist, liegt entweder an der Genialität Haberleitners – oder daran, dass die Idee, Shoppingcenter auf der Fläche einer Schlecker-Butze zu etablieren, nicht ganz ausgereift ist.

Dayli – so hat der österreichische Investor seine Kette getauft – soll trotzdem schon in diesem Jahr bis nach Deutschland wachsen, wo bereits über 500 ehemalige Schlecker-Läden angemietet wurden, vor allem in Bayern und Baden-Württemberg. Auch nach Berlin soll Dayli kommen. 20 Millionen will Haberleitner investieren.

Ganz so revolutionär ist die Idee freilich nicht: Die “Lädchen für alles” von Tegut funktionieren ähnlich, wenn auch mit abgespecktem Leistungsumfang. Und sind, wie Tegut-Chef Thomas Gutberlet an dieser Stelle verraten hat, nicht unbedingt ein schneller Gewinnbringer.

Apropos Tegut: Seit diesem Monat ist das ehemalige Fuldaer Familienunternehmen Teil der Schweizer Handelsgenossenschaft Migros, die bereits angekündigt hat, einen zweistelligen Millionenbetrag in die Renovierung der Läden und den Ausbau des Filialnetzes zu stecken. Die Schweizer sind vermutlich der spannendste Neuzugang im deutschen Lebensmittelhandel – über die fünf Filialchen in Süddeutschland, die Migros bisher unter eigenem Namen betreibt, sehen wir mal höflich hinweg, denn damit ließ sich im deutschen Markt nicht viel reißen. Mit 280 Tegut-Läden sieht das anders aus.

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Migros kauft Fuldaer Bio-Pionier: Wie geht’s weiter mit Tegut?

Bis Weihnachten ist es zwar noch ein bisschen hin, aber der Schweizer Handelskonzern Migros hat sich schon ein paar Wochen vorher einen großen Wunsch erfüllt – und die hessische Supermarktkette Tegut gekauft. Die ist künftig nicht mehr eigenständig, sondern gehört ab Januar komplett den Schweizern. Thomas Gutberlet, Sohn des Tegut-Gründers, soll als Chef mit an Bord bleiben.

Einerseits ist der Verkauf eine traurige Nachricht: Weil ein familiengeführtes Unternehmen mit überschaubarer Größe sich im deutschen Markt offensichtlich selbst dann nicht dauerhaft gegen die starke Konkurrenz behaupten kann, wenn es ein klar umrissenes Konzept hat. Und mit seiner Mischform aus Supermarkt und Bioladen trifft Tegut derzeit ziemlich gut den Nerv der Zeit.

Andererseits lässt sich durch die Migros-Übernahme womöglich Schlimmeres verhindern. Der “Lebensmittelzeitung” zufolge hatte auch Rewe Interesse an einem Einstieg. Da Rewe aber im Rhein-Main-Gebiet schon geradezu übermächtig ist, hätte das für viele Tegut-Filialen womöglich drastische Konsequenzen bedeutet.

Jetzt kommen also die Schweizer. Und bringen haufenweise Eigenmarken mit. Für die ist Migros in der Heimat nämlich bekannt, und der Konzern hat auf der Pressekonferenz am Donnerstagmorgen bereits angekündigt, einen ganzen Schwung davon in die Tegut-Filialen holen zu wollen. Obwohl die Läden weiter Tegut heißen sollen.

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Ferien am Radieschen River: Ein Reisebericht aus Schweizer Supermärkten

Hohe Berge, tiefe Täler, tanzende DJs – Touristen hat die Schweiz so einiges zu bieten. Leider weigert sich die Fremdenverkehrswerbung bis heute, die zahlreichen Sehenswürdigkeiten des Lebensmittelhandels in ihren Empfehlungskatalog aufzunehmen. Das Supermarktblog ist extra nach Zürich gereist, um Migros und Coop einen Besuch abzustatten und das Versäumnis nachzuholen. (Bevor Sie auch die Reiselust packt: bitte das Kleingedruckte lesen.*)

*Wechselkursbedingt eignet sich der Einkauf in Schweizer Supermärkten ausschließlich für mehrfache Lottogewinner, die gerade geerbt haben. Sollten Sie nicht zu dieser Gruppe gehören, seien Sie vorsichtig! Ihr Portemonnaie wird es Ihnen danken.

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