Alle verschlagworteten Texte: Mindesthaltbarkeitsdatum

Ilse Aigner erklärt das Mindesthaltbarkeitsdatum zu Tode

Eins kann der Journalist und Filmemacher Valentin Thurn schon mal von sich behaupten: seine Arbeit zeigt Wirkung. Zumindest ist es ihm gelungen, mit seinem Film “Taste the Waste”, der im vergangenen Jahr ins Kino kam (Trailer ansehen), bei vielen Leuten ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass (nicht nur) in Deutschland zu viele Lebensmittel weggeschmissen werden, obwohl sie noch verwertet werden könnten.

Die Resonanzen waren so gewaltig, dass sie sogar zur Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz durchgedrungen sind. Um sich nicht nachsagen zu lassen, sie sei untätig geblieben, hat Ilse Aigner in dieser Woche eine “Informationskampagne” unter dem Motto “Teller oder Tonne?” gestartet.

Aigner hat bei der Uni Stuttgart eine Studie in Auftrag gegeben, um rauszukriegen, wieviele Lebensmittel in Deutschland tatsächlich weggeworfen werden. (Hat aber nicht viel gebracht, weil die Forscher nur bisher existente Ergebnisse ausgewertet und Supermarktblog gelesen haben.)

Sie hat Forsa meinungsumfragen lassen, dass viele Leute von dem Problem schon gehört und ihre Einkaufsgewohnheiten angepasst hätten.

Sie hat den Supermärkten das unglaubliche Opfer abgerungen, Infobroschüren in den Läden auszulegen.

Sie hat sich bei einem Presstermin mit eingeschweißtem Hack vor einem offenen Kühlschrank fotografieren lassen und dazu gelächelt.

Und sie hat dafür gesorgt, dass die Website ihres Ministeriums mit Erklärsätzen, schlechten Wortspielen (“Jedes Mahl wertvoll”) und Gute-Laune-Verbrauchertipps geflutet wird, obwohl sie am Ende doch eigentlich nur eines kommunizieren möchte: Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Wegwerfdatum – bevor man zuhause was wegwirft, sollte man mal nachsehen, ob es nicht noch in Ordnung ist.

Und Thurn ist immer noch nicht zufrieden. Wie kommt das?

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Der “Lidl-Check” geht in die Verlängerung

In seinem “Lidl-Check” findet das Erste am Montagabend ein paar ganz erstaunliche Dinge heraus.

Erstens: Wenn man 40 ganz normale Leute in ein Labor einlädt, um sie bei einer Blindverköstigung die Unterschiede zwischen Orangensäften aus dem Supermarkt und aus dem Discounter herausschmecken zu lassen, sagen nachher viele, dass ihnen die 100%-Saft-Säfte alle “zu wässrig” seien. (Auch der von Lidl.) Damit ist der endgültige Beweis dafür erbracht, dass – Probanden von Labortests Orangensaft nicht schmeckt.

Zweitens: Wenn man am Rechner eine virtuelle Lidl-Filiale baut und diese in ein Studio projiziert, um darin einen Experten zu befragen, sieht das lustig aus, hat aber exakt gar keinen Nutzen.

Drittens: Wenn man neun Paare in neun deutschen Städten mit der Stoppuhr an die Kasse schickt, jeweils zu Aldi und zu Lidl, und die Zeiten nachher zusammenrechnet – dann hat man mit einem absurden Drehaufwand eine lustige Quatschzahl errechnet, aber noch lange keine verlässliche Aussage über den “Stressfaktor” eines Discounter-Einkaufs.

Um aber nicht ungerecht zu sein: Der 45-minütige “Lidl-Check” hat trotz der teilweise seltsamen Experimente auch seine guten Momente. Und dass im deutschen Fernsehen direkt nach der “Tagesschau” übers Einkaufen berichtet wird, kommt ja sonst eher selten vor. (Aber schauen Sie sich’s doch einfach selbst an. Der Film müsste am Dienstag auch in der Mediathek aufschlagen und wird dann hier verlinkt.)

Das Ergebnis des “Checks” (in dem Backstationen, “Super-Samstage” und Mietwohnungen übrigens keinerlei Rolle spielten) ist jedenfalls folgendes:

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Gute Supermarkt-Vorsätze für 2012

Traditionell denken sich die Menschen zu Silvester aus, was sie in ihrem Leben im nächsten Jahr besser machen wollen. Aber nirgendwo geschrieben, dass sich nicht auch Supermärkte was vornehmen dürfen. Im letzten Blogeintrag für dieses Jahr überlegen sechs Läden, was 2012 – vielleicht – anders werden soll.

Die Märkte möchten gerne anonym bleiben. Sie wissen ja: gute Vorsätze sind so leicht wieder gebrochen. Und das wird dann schnell peinlich.

Gesündere Ernährung

“Mir ist schon klar, dass das auf Dauer nicht so weiter gehen kann. Mit all den Schokoriegeln, den fettigen Chips und den Microwellen-Fertiggerichten, die ich im Regal stehen habe. Das Fett und der Zucker sind vielleicht gut fürs Geschäft. Ein ausgewogenes Sofortessen für zwischendurch sieht aber natürlich anders aus. Wenn nächstes Jahr der Nachwuchs in Düsseldorf dazu kommt, wird es wirklich höchste Zeit, ein bisschen mehr auf die Gesundheit zu achten. Bei der Verwandtschaft in Großbritannien klappt es schließlich auch. Leckere Salate und Sandwiches, auf die nicht meterdick Mayonnaise geschmiert wurde – das schaff ich auch. Versprochen: nächstes Jahr wird alles frischer! Ich freu mich schon richtig drauf.”

2011 hat in der Kölner Schildergasse der erste “Rewe to Go” als Imbissalternative eröffnet (siehe Supermarktblog vom April). 2012 kommt eine zweite Filiale in der Düsseldorf Innenstadt dazu.

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Kompott statt Kompost: So lassen sich Lebensmittel vor der Tonne retten

Um sein neues Projekt zu finanzieren, lud der britische Koch Arthur Potts Dawson im vergangenen Jahr Freunde und Unterstützer in London zu einem Fundraising-Dinner ein, für das jeder Gast 150 Pfund zahlen sollte. Zusammengenommen reichte das prima als Startkapital. Am Abend waren die Tische hübsch gedeckt, die Leute ebenso hungrig wie gut gelaunt – bis Dawson ankündigte, es gebe noch ein winziges Detail, das er ihnen beichten müsse. Sämtliche Zutaten für das Menü habe er den Tag über aus den Mülltonnen der großen Supermärkte gefischt. Keine verdorbene Ware, sondern ausschließlich frische Sachen.

Ein paar Gäste haben ziemlich verdutzt geguckt. Aber keiner ist aufgestanden und wollte sein Geld zurückhaben, wie es Dawson angeboten hatte. Den meisten hat es geschmeckt.

Dabei ging es dem Koch gar nicht darum, Geld beim Einkaufen zu sparen (das war eher ein Nebeneffekt). Sondern darum, zu zeigen, dass irgendwas mit unseren Supermärkten nicht stimmen kann, wenn so viel Essbares in der Tonne landet, um daraus noch ein Fünf-Gänge-Menü für 60 Leute zubereiten zu können. Nach dem erfolgreichen Dinner hatte Dawson sein Startkapital tatsächlich zusammen und eröffnete “The People’s Supermarket” in London, einen Laden, der von seinen eigenen Kunden verwaltet und organisiert wird, um unabhängig von den großen Ketten zu sein. Im angeschlossenen Bistro wird auch Gemüse, das sonst liegen geblieben wäre, verwertet. (Wenn Sie mehr wissen wollen: hier entlang.)

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Ein Missverständnis namens Mindesthaltbarkeitsdatum

Nach den fantastischen Erklärerfolgen der Unterschiede zwischen “Hier” und “Da” sowie dem Klassiker “Langsam” und “Schnell” wird es allerhöchste Zeit für eine Sesamstraßen-Kampagne, die den heranwachsenden Supermarktkunden von morgen erklärt, was eigentlich “mindestens” von “höchstens” unterscheidet. Damit die das anschließend gleich ihren Eltern erklären können. Denn die wissen’s ja meistens auch nicht.

Die Konsequenzen dieser Unkenntnis wiegen allein in Deutschland ungefähr 20 Millionen Tonnen pro Jahr und landen in großen Eimern oder Containern, um entsorgt zu werden.

Es geht, Sie ahnen es, um Lebensmittel. Über deren ungeheure Verschwendung hat der Filmautor Valentin Thurn eine äußerst sehenswerte Dokumentation gedreht, die gerade in den Kinos läuft (und in einer kürzeren Ursprungsversion bereits im vergangenen Jahr während der Themenwoche “Essen ist leben” im Ersten gezeigt wurde).

Die Bilder, die Thurn in “Taste the Waste” zeigt, sind ein Schock: haufenweise Gemüse, Brot, Fisch und tadellos verpackte andere Lebensmittel, die keiner mehr haben will. Und die Gründe dafür sind vielfältig. Manches entspricht von Anfang an nicht den Normen, die sich der Handel ausgedacht hat. Gurken werden sofort nach der Produktion entsorgt, weil sie zu krumm sind, um ordentlich in die Transportkisten zu passen. Tomaten müssen ein spezielles Rot haben, sonst werden sie erst gar nicht verladen. Weil viele Kunden im Markt absolute Makellosigkeit erwarten. (Im NDR lief neulich dazu ein ebenfalls sehenswerter Beitrag über Standards bei Äpfeln.)

Andere Lebensmittel werden erst noch tausende Kilometer weit transportiert, bevor sie weggeworfen werden. Weil wir sie nicht rechtzeitig gekauft haben.

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