Alle Texte mit dem Schlagwort Netto

Netto (ohne Hund) macht Platz

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Kleiner Scherz zum Jahresanfang: Wieviele Leute passen gleichzeitig in eine Telefonzelle? Ist doch klar: Halb so viele wie in einen Netto-City-Markt. (Ohne Hund, natürlich.)

Nach der Plus-Übernahme gehörten dem Edeka-Discounter Netto (ohne Hund) vor ein paar Jahren auf einen Schlag massig Filialen, die zwar günstig gelegen waren: dort, wo in der Stadt täglich viele Leute einkaufen, weil sie um die Ecke wohnen. Für alle, die zu Platzangst neigen, waren die kleinen, engen, vollgestellten Läden jedoch ein Graus. Das versucht Netto (ohne Hund) jetzt zu ändern. Am Berliner Alexanderplatz, direkt hinter dem – ähm: Hofbräuhaus, hat vor im Dezember ein neuer Innenstadtladen eröffnet, der fast schon verschwenderisch Platz für Platz lässt.

Schauen Sie mal, da steht weit und breit keine Stolperpalette:

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Vor dem neuen Brötchenknast könnte sich demnächstauch die örtliche Yoga-Gruppe aus dem Wohnkomplex treffen, der obendrüber gerade fertiggebaut wird. (Ähnlich wie bei Rossmanns neuem Ladenytpen, der vor einem Jahr ebenfalls in Berlin Premiere hatte.)

Großzügigkeit ist nicht das einzige, das sich die Nummer 3 im deutschen Discount-Markt hat einfallen lassen, um es dem Konkurrenten Lidl bei seiner Supermarktwerdung etwas schwerer zu machen. Auch wenn manche Neuerung deutlich aus Neckarsulm inspiriert zu sein scheint: Nettos Brötchenknast (ohne Hund) …

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Discounterdämmerung – Drama in fünf Akten

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Vorwort

Im September war bei Penny „große Nachbarschaftswahl“: Anderthalb Wochen konnten die Kunden beeinflussen, wie „ihr“ Laden künftig heißen soll. Für jede Filiale gab es drei ortsbezogene Vorschläge zur Auswahl, über die mit Klebepunkten abgestimmt wurde. Seit Anfang Oktober hängen die finalen Namen aus, bevor sie demnächst im Internet und auf den Ladenschildern leuchten sollen.

Und der Sozialmedienbeauftragte der Berliner Schaubühne am Lehniner Platz twitterte nach einem Besuch im „Penny an der Schaubühne“ unentschieden-euphorisch:

Kurz darauf informierte die Schaubühne per Aushang (in der Schaubühne), ihren Namen ebenfalls geändert zu haben:

Zumindest in der Berliner Theaterszene ist die „Nachbar“-Aktion der Penny-Marketingabteilung demnach als Erfolg zu werten. Womöglich will das Ensemble der Schaubühne noch ein bisschen länger am Thema dranbleiben: Die aktuelle Discounterdämmerung, in deren Kontext die Penny-Kampagne zu sehen ist, eignet sich schließlich hervorragend, auf die Bühne gebracht zu werden. Als Drama, natürlich.

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Discounterdämmerung

Erarbeitet und herausgegeben von Supermarktblog, Berlin

Dramatis Discountae

ALBRECHT (ALDI), zwiegespaltener König
LIDL, machthungriger Modernisierer
NETTO (OHNE HUND), Tochter der Edeka
PENNY, Außenseiter
EDEKA, REWE et al., stille Beobachter

Kunden, Gefolge, eine Druckschrift

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Akt 1 (Zusammenf.)

Ein freies, billiges Land.

Seit über 50 Jahren kämpft Albrecht, König von Discountdeutschland, mit einer gespaltenen Persönlichkeit: Nord und Süd. Albrecht ist lahm, geizig und ignorant – aber das war es, was ihm über so viele Jahre die Herrschaft über sein treues Volks sicherte. Die Zeiten haben sich geändert. Die Kundschaft ist anspruchsvoller geworden. Albrecht, lange blind für den schleichenden Verlust seiner Macht, weiß, dass er seinen Thron an den Herausforderer Lidl verlieren könnte, sofern er nicht bereit ist, sich zu verändern. Veränderung aber ist nicht Albrechts Stärke.

Im Süden spricht der König deshalb erstmals zu seinem Volk und verkündet: „Einfach ist mehr“.

Aldi (Süd).
„Uns kommt es nicht darauf an, Ihnen die Entscheidung mit einem Überfluss an Auswahlmöglichkeiten zu erschweren; uns kommt es darauf an, Ihnen stets die besten Produkte und Angebote für Ihr Leben zu bieten.“

Geht ab.

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Veggie vom Discounter – passt das zusammen?

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Eine wachsende Zahl Deutscher findet es in Ordnung, nicht mehr jeden Tag ein Stück Fleisch auf dem Teller liegen zu haben. Viele verzichten gleich ganz darauf und ernähren sich komplett vegetarisch oder vegan und kaufen so genannte „Fleischersatzprodukte“. Die gehören inzwischen sogar zum Sortiment vieler Discounter.

Aber – lohnt sich das für Aldi, Penny & Co. überhaupt? Drei Erklärungsversuche (und ein Ratespiel).

1. Veggie-Käufer sind gar keine Vegetarier

Jedenfalls nicht mehrheitlich, hat die GfK ausgerechnet. In den vergangenen fünf Jahren haben sich die Umsätze mit vegetarischen Brotaufstrichen und „Fleischersatzprodukten“ – sagen wir doch einfach: Alternativschnitzel – fast verdoppelt, nämlich auf 213 Millionen Euro. Nielsen kommt sogar auf einen Jahresschnitt von 289 Millionen Euro (Februar 2014 bis Januar 2015). Die GfK vermutet, dass unter den rund 11 Millionen Veggie-Käufern zahlreiche „Flexitarier“ sind, also Leute, die ihren Fleischkonsum nicht ganz einstellen, aber zumindest reduzieren. Anders gesagt: Viele Veggie-Käufer sind gar keine Vegetarier. Sondern essen z.B. weniger Fleisch, weil sie Massentierhaltung satt haben oder die Umwelt schonen wollen.

Dabei werden ausgerechnet die Fleischkonzerne bald die größten Veggie-Produzenten sein: Vor einigen Monaten hat der Wurstproduzent Rügenwalder Mühle seine „Vegetarischen Schinken-Spicker“ in die Läden gebracht und erzielt damit schon 15 Prozent seines Gesamtumsatzes. Ab diesem Monat soll es „Vegetarische Mühlen-Schnitzel“ und „Mühlen-Nuggets“ geben, „unterstützt vom Vegetarierbund“.

Wiesenhof legt mit „Crispy Schnitzel“ und „Veggie-Sticks“ unter der Marke „Paul’s Veggie“ (mit echtem Deppenapopstroph) nach, Fleischproduzent Tönnies macht bald Tofu-Würstchen. (Mehr dazu hat FAZ.net aufgeschrieben.)

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Dieser Text ist (mit Absicht) ziemlich Banane

Wenn Sie die „Simpsons“ nicht mögen, eine Abneigung gegen Käse haben und die Straßenseite wechseln, sobald Ihnen der Briefträger mit seinem Wägelchen entgegenruckelt, müssen wir uns heute mal vorzeitig voneinander verabschieden. (Tschüß!) Denn dann ist dieser Text ganz bestimmt nichts für Sie. Es geht darin nämlich um: Bananen. Die von Rewe zum Beispiel. Fällt Ihnen auf, was an dem folgenden Bild ungewöhnlich ist?

Bio-Bananen bei Rewe

Ganz genau: Die Bananen sind nicht (mehr) in Plastik verpackt! Dabei war das in vielen Supermärkten bis vor kurzem noch Standard, vor allem bei Bio-Ware. Dafür gibt es mindestens zwei Gründe.

1. In der EG-Ökoverordnung (bzw. den dazu gehörenden Durchführungs-Verordnungen) steht die Vorschrift, dass Unternehmen bei Herstellung, Transport und Lagerung Vorkehrungen treffen müssen, „um jedes mögliche Vermischen oder Vertauschen mit nichtökologischen/nichtbiologischen Erzeugnissen zu unterbinden“ und deren Identifizierung eindeutig zu gewährleisten. Die Regelung soll verhindern, dass wir – absichtlich oder aus Versehen – beschummelt werden. Deshalb lassen viele Läden, in denen es außer konventionellem Obst und Gemüse auch nach Bio gibt, die Bio-Artikel in Plastik verpacken.

Was natürlich völliger Unsinn ist, wenn Kunden ein nachhaltig erzeugtes Produkt kaufen möchten, um zur Schonung des Planeten beizutragen, auf dem sie es zu verspeisen gedenken – und dabei gleichzeitig den Berg an unnötigem Plastikmüll vergrößern.

Schließlich sind Bananen von Natur aus schon ganz clever verpackt! Die Verpackung ist nicht nur leicht zu öffnen, sie zeigt sogar noch den Reifegrad an. Das soll ihr erstmal ein Verpackungsdesigner nachmachen. Trotzdem haben die Supermärkte lange nicht auf Plastik verzichtet:

2. Damit sie selbst nicht beschummelt werden. Weil an der Kasse die Gefahr bestünde, dass irrtümlicherweise der niedrigere Preis für die ebenfalls unverpackte konventionelle Ware berechnet wird.

Inzwischen scheint sich die Einsicht durchgesetzt zu haben, das auch auf anderem Weg erreichen zu können. Rewe erklärt auf Supermarktblog-Anfrage, man sei „der Auffassung, dass Plastikverpackungen zukünftig weiter reduziert werden müssen“:

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Wer einkauft, liest nicht: Discount-Eigenmarken gestern und heute (1)

Fischen Sie aus dieser Discounttiefkühltruhe bitte schnell die Qualitäts-Fischstäbchen heraus. Zack, zack – eben war die Schlange an der Kasse noch nicht so lang. Zuhause wartet sicher schon die Familie mit einem Braunbärenhunger.

Abbildungsalternativarme Panierquader: "Iglo" und "Sea Gold" in der Tiefkühltruhe von Netto (ohne Hund)

Haben Sie?

Und was ist im Einkaufswagen gelandet – „Iglo“ oder „Sea Gold“? Bzw.: Haben Sie überhaupt bemerkt, dass da unterschiedliche Marken rumfrieren? Falls ja, liegt das sicher daran, dass Sie als regelmäßige Leser dieses Blogs quasi zu den Experten unter den Einkaufslaien gehören. Denn designt hat Netto (ohne Hund) seine Tiefkühlfisch-Eigenmarke natürlich so, dass dem eiligen Kunden der Unterschied zu Iglo kaum auffällt.

Sowohl die Fischstäbchen vom Markenhersteller als auch die von Nettos „Sea Gold“ stecken in der gleichen blauen Packung. Die Markenlogos stehen beide Male links in der Ecke, mit weißer Schrift auf (leicht unterschiedlich) geschwungenen Schippchen mit hellrotem Farbverlauf. Weil Fischstäbchenabbildungen generell eher alternativarm sind, sehen die Panierquader auf den zwei Packungen nahezu identisch aus. (Netto hat sich für eine zusätzliche Petersiliendeko entschieden.) Beide Marken tragen das MSC-Zertifikat für nachhaltige Fischerei. Netto (ohne Hund) hat zur zusätzlichen Unübersichtlichkeitsförderung das Pandalogo seines Kooperationpartners WWF hinzu gefügt, Iglo druckt ein „Forever Food“-Fantasielogo daneben. (Und natürlich fehlt Netto in diesem Fall nicht nur der Hund, sondern auch der Käpt’n.)

Kurz gesagt: Die „Sea Gold“-Packung sieht so aus wie sie aussieht, um mit der von „Iglo“ verwechselt zu werden.

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