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Real Drive und die künstliche Selbstverknappung beim Lebensmittel-Liefern

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Künstliche Verknappung ist ein Spitzentrick, um uns die Auswahl beim Einkaufen zu erleichtern. (Warum, steht hier im Absatz “ Zuviel Auswahl macht blind“.) Aber dass ausgerechnet Real mit seinen SB-Warenhäusern auf diese Idee kommt, ist irgendwie kurios. „Bis zu 80.000 verschiedene Artikel“ sind in den Märkten erhältlich, schreibt die Metro-Tochter im Netz über ihr Riesensortiment. Online bleibt davon nur ein Bruchteil übrig.

Mit dem Spruch „Lebensmittel? Liefern wir!“ wirbt Real in Berlin seit einigen Wochen für seinen neuen Bringdienst, den es auch schon in Köln/Bonn und Hannover/Isernhagen gibt. Anders als im Laden können Kunden aber nur aus 5000 Produkten auswählen. Real-Sprecher Markus Jablonski erklärt:

„Es hat sich für uns im Laufe der Jahre herauskristallisiert, dass diese Sortimentsgröße völlig ausreichend im Online-Food-Business ist.“

Diese Erkenntnis ist erstaunlich. Weil man annehmen könnte, dass Real-Kunden im Netz vielleicht das gleiche einkaufen wollen wie im Laden. Bei Real Drive geht das nicht. 90 unterschiedliche Tiefkühlpizza- und Baguette-Sorten sind zwar kein Problem; aber Bio-Bananen und Bio-Zitronen, die im Markt eine Selbstverständlichkeit wären, kommen online nicht in die Tüte. Dabei werden sämtliche Lebensmittel für die Lieferung in einem ganz normalen Markt zusammengepackt, wären also vorrätig.

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Sieht so der Supermarkt der Zukunft aus: unsichtbar?

Der unsichtbare Supermarkt: Abholstation auf dem Parkplatz der U-Bahn Highgate in London

Weil vielerorts gar nicht genügend Industriegebiete zur Verfügung stehen, die sich zusätzlich verschandeln lassen, indem man einen grässlichen Hypermarkt mit Betonparkplatz hineinbaut, ist die britische Supermarktkette Asda (die zu Walmart gehört) vor anderthalb Jahren kreativ geworden.

Und lässt seitdem einfach vielerorts die Supermärkte vor den Betonparkplätzen weg, wenn sie ihre Lebensmittel verkauft.

So wie oben auf dem Bild, das die Asda-Filiale im Norden Londons Norden am Rande von Hampstead Heath zeigt, wo die Leute teuer und verhältnismäßig umgrünt wohnen, aber gerne trotzdem günstig einkaufen wollen (Asda verspricht: „Saving you money every day“). Von der U-Bahn-Station Highgate führt eine lange Treppe hinunter zum Parkplatz, der mit allerlei grünen Hinweistafeln und Plakaten zugetextet ist – um Pendlern, die dort ihr Auto geparkt haben, zu signalisieren, dass sie an Ort und Stelle ihre im Netz bestellten Einkäufe abholen können.

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Real beliefert Emmas Enkel: Billigdosenbier vom netten Nachbarschaftsladen?

Emmas Enkel

Beim „Einkaufskonzept der Zukunft“ gibt’s jetzt auch Dosenbier für 35 Cent pro halbem Liter, Zehnerpacks Topfschwämme für jeweils einen Euro, Gurkensticks (670 Gramm) für 80 Cent, zwei Kilo Geschirrreiniger für knapp über 3 Euro, päckchenweise Jodsalz für nur 20 Cent und extra günstige Sonnenblumen-Margarine. Seit kurzem ist im Online-Shop des Düsseldorfer Supermarkt-Start-ups Emmas Enkel der erste Schwung Discountartikel bestellbar: hässlich verpackt, niedrig im Preis und mit schwarze-weiß-blauem „Tip“-Logo – genau wie die Discountprodukte, die es sonst bei Real zu kaufen gibt.

Grund dafür ist, dass die Real-Muttergesellschaft Metro Ende des vergangenen Jahres 15 Prozent von Emmas Enkel übernommen hat. Metro-Vorstand Olaf Koch ließ sich damals mit den Worten zitieren:

„Wir freuen uns, gemeinsam mit Emmas Enkel in die Zukunft zu gehen. Das Konzept steht für die absolute Nähe zum Kunden, dafür stehen auch unsere Vertriebslinien.“

Das ist natürlich Quatsch. Real steht momentan eher für ein mühsames Nachholen verpasster Chancen. Mit großem Aufwand müssen alte Filialen renoviert werden, um noch halbwegs den Standards zu genügen, die in der Branche schon lange die anderen setzen. Metro war lange vor allem damit beschäftigt, seine Lebensmittelläden im Ausland loszuwerden (Real in Osteuropa und der Türkei, Makro in Großbritannien). Und in Deutschland ist Real so weit weg von den Kunden wie kaum ein anderer Lebensmittelhändler. Wer in den Läden einkaufen will, muss oftmals erst weit aus der Stadt raus fahren und sich in den Einkaufshangars dann alleine zurecht finden.

Insofern ist es aus der Perspektive des Konzerns verständlich, sich an einem kleinen sympathischen Projekt zu beteiligen, das überall gute Presse bekommt und das etwas hingekriegt hat, was im Metro-Konzern lange verpennt wurde: eine Einkaufsatmosphäre für Leute zu schaffen, die wieder bewusster und vor allem lokal einkaufen wollen.

Die Frage ist bloß: Ist der Deal auch ein Vorteil für Emmas Enkel?

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Neue Eigenmarke im Drogerie-Regal: Rêals „Today“ heißt „Sôi“

"Sôi" oder nicht "Sôi", das ist hier die Frage - für sein Drogerieregal hat Real sie nun beantwortet

Es gibt gute Nachrichten von Real! Die neueste Eigenmarkenerfindung hat, anders als die letzte, wieder einen Namen und ist nicht nur ein produktgewordener Werbegag!

Die schlechte Nachricht lautet: Sie heißt „Sôi“. Mit lustigem Dach-Akzent. Und das ist nicht das einzige Hindernis, das sich Real in seine neue Drogerie-Markenstrategie eingebaut hat, die auf den ersten Blick sehr an das erinnert, was Rewe seit anderthalb Jahren praktiziert: Seit dem vorvergangenen Jahr tauscht der Real-Konkurrent die Artikel seiner roten „Rewe“-Eigenmarke im Kosmetik-, Wasch- und Zahnputzregal gegen gleichartige Produkte aus, auf denen jetzt der (auch bei Penny wieder eingeführte) Eigenmarkenname „Today“ steht.

Das scheint der Real-Geschäftsführung gefallen zu haben. Also werden derzeit zahlreiche Drogerie-Produkte mit dem alten – und zugegebenermaßen: furchtbar scheußlichen – „Real Quality“-Eigenmarkendesign ausgelistet bzw. im untersten Drogerieregalboden verramscht. Damit Platz ist für „Sôi“.

150 Artikel soll die neue Eigenmarke für Damen und Herren umfassen. Gerade verteilt die SB-Warenhauskette übers Netz eifrig Kakao-Pflegeduschen und Bodycreme-Malve-&-Honig-Proben, um ein bisschen Wind für die offizielle Markeneinführung zu machen. Die könnte (zumindest nach dem aktuellen Stand in meinem Berliner Real) noch ein Weilchen dauern, weil die Produkte erst nach und nach ersetzt werden.

Um sich’s nach alter Real-Tradition selbst nicht zu einfach zu machen, bei den Kunden gut anzukommen, haben sich die „Sôi“-Produktentwickler einige Herausforderungen ausgedacht: Weiterlesen

Edekas „Selbermacher“: Angebot zur Lebensmittelkomplizenschaft

Es gibt wahrlich keinen Grund zur Enttäuschung für die 130.973 Nicht-Gewinner des „Multiquick Stabmixers“, den die Supermarktkette Edeka im vergangenen Jahr für die Plätze zwei bis zehn seiner „Selbermacher“-Aktion auslobte, jeweils für die Kategorien „Joghurt“, „Cookie“ und „Smoothie“. Immerhin standen die Einreicher mit ihren Vorschlägen auf diese Weise direkt „im Kundendialog“ mit ihrer Lieblingssupermarktkette. Und die drei vier erfolgreichsten Produkte gibt es jetzt im Laden zu kaufen.

Sie heißen „Choc, Nuts & Cherry Cookies“, „Banana Karamell Crunchy“, „Berry loves Cherry“ und „Fruchtstärke“ und sind im vergangenen Jahr von den nachnamenlosen Edeka-Einkaufsgutschein-Gewinnern Maximilian, Vanessa, Samantha und Holger im Netz erfunden worden: im „Selbermacher“-Lebensmittelgenerator, bei dem unterschiedliche Zutaten so kombiniert werden konnten, dass nachher etwas tatsächlich Essbares herauskommen sollte.

Eine, nun ja: „Fachjury“ unter Vorsitz des Geschmackspapsts Kaya Yanar bewertete im zurückliegenden September, welches die spannendsten Produkte mit den tollsten selbst erfundenen Namen waren, und seit ein paar Tagen stehen die im Regal „teilnehmender Edeka-Märkte“, wo sich die scheuen Lebensmittel nach einem mittelaufwändigen Produktsafari ausfindig machen lassen, um sie vor die Kamera zu kriegen.

Im Laden eher scheu, aber trotzdem vor der Supermarktblog-Kamera: Die Edeka-"Selbermacher"-Produkte (2 von aktuell 4)

Gekennzeichnet sind die „Selbermacher“-Artikel eher unauffällig mit einem dezenten Weiß-auf-Schwarz-Hinweis am Packungsrand (siehe Foto). Und zwei der Kreativnamen haben die Edeka-Massenproduktion nicht überstanden – obwohl das ja durchaus Charme gehabt hätte, einen Schoko-Cookie mit „Kirschzubereitung“ (Zutatenangabe auf der Packung) einfach mal, wie vorgeschlagen, „Der imperiale Keks“ zu nennen. (Oder den gewöhnlichen Bananenjoghurt mit Knusper drin „Crunchy-Karamella-Krokant“.)

Edeka-Sprecher Gernot Kasel erklärt dazu:

„Bei der Namensgebung für neue Eigenmarkenprodukte müssen wir uns auch rechtlich absichern. Ist ein Namensvorschlag zu nah an einer eingetragenen Marke/Bildmarke, suchen wir nach Alternativen. Dies war auch hier der Fall, in Abstimmung mit dem Vorschlagenden.“

(Nicht, dass das Imperium rechtlich zurückschlägt.) Viel wichtiger als die Produkte jetzt zu verkaufen, ist für Edeka aber ohnehin der Effekt, sich mit seiner „Selbermacher“-Aktion als Kundenversteher und Ideenermöglicher zu präsentieren. Immerhin gehört das Angebot zur Lebensmittelkomplizenschaft derzeit bei fast allen großen Handelsketten zu den wichtigsten Marketing-Mitteln.

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