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Darf’s ein Röllchen mehr sein? Eat Happy macht frisches Sushi im Supermarkt

Sushi-Würfel in einem Kölner Rewe-Supermarkt: Vorne frisch, hinten gemacht

Wer schon immer bedauert hat, die im Supermarkt mühevoll selbst eingesammelten und durch die Kassenzone hindurchverteidigten Lebensmittel zuhause dann auch noch aus eigener Kraft in Mahlzeitform bringen zu müssen, kann aufatmen. Den letzten Schritt übernehmen künftig freundliche Herrschaften an quadratischen Theken, die sich sogar dabei zuschauen lassen, wie sie Vorspeisen und Abendessen herstellen und in eine transportable Form bringen.

Zumindest, wenn es sich dabei um Sushi-Menüs handelt.

“Eat Happy” heißen die würfelartigen Konstruktionen, die mitten im Supermarkt stehen (Foto oben) und so eine Art Frischetheke der nächsten Generation sind, weil in der gekühlten Auslage weder Emmentaler noch Schweinenackensteak liegen, sondern roher Fisch im Reismäntelchen mit Algenpapierüberwurf. Und weil direkt dahinter Sushi-Köche im Küchenquadrat stehen und den Fisch in sein Mäntelchen kleiden, um den, der vorne weggekauft wird, gleich wieder nachzulegen.

Ende des vergangenen Jahres hat das Unternehmen Eat Happy To Go die ersten Quadrattheken in Köln aufgebaut. Adrian Kress, der sich im Unternehmen u.a. um die Konstruktion der bemannten (bzw. befrauten) Würfel kümmert, erklärt:

“Wir haben das Projekt alleine entwickelt und sind anschließend auf selbstständige Kaufleute zugegangen, die flexibler entscheiden können, was bei ihnen im Markt ausprobiert wird. Inzwischen sind auch Läden dazu gekommen, die von den Supermarkt-Zentralen direkt betreut werden.”

20 Theken sind es bislang deutschlandweit, vor allem in den Metropolen, auf die das Konzept auch zugeschnitten sei, sagt Kress, weil dort eine größere Nachfrage nach Convenience-Produkten bestehe und es viele Single-Haushalte gebe. Inspirieren ließen sich die Gründer eigenen Angaben zufolge bei Konzepten im Ausland.

Und zwar nicht zu knapp: Unter anderem in Frankreich und den Niederlanden hat das Systemgastro-Unternehmen Kelly Deli das Sushi-Bar-Konzept schon vor vier Jahren vorgemacht. Bloß dass die Würfel dort schwarz statt weiß sind, wie hier in einer Filiale der niederländischen Supermarktkette Albert Heijn am Amsterdamer Museumsplein:

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Die dahinter steckende Idee klingt freilich länderunabhängig einleuchtend: “Die Kunden bekommen schnell ein frisches Produkt – genau wie man das vom Einkauf im Supermarkt erwartet”, sagt Kress. Rund 70 unterschiedliche Mahlzeiten sind derzeit bei Eat Happy im Angebot, knapp drei Viertel davon Sushi, das tatsächlich frisch im Laden zubereitet wird. (Es gibt auch Curries, asiatische Teigtaschen und Nudelgerichte zum Aufwärmen, die werden zugeliefert.)

Sushi wird im Laden zubereitet, andere Gerichte werden zugeliefert (damit der Supermarkt nicht nach Asiabistro riecht)

Christian Jürgens von Eat Happy erklärt:

“Im Moment geben wir noch relativ eng vor, was die Sushi-Köche produzieren sollen. Es ist aber unser Ziel, dass wir da flexibler werden. Wenn Sie in Ihrer Box keine Lachs-Maki haben möchten oder allergisch auf Sesam sind, produzieren die Köche schon jetzt Ihre spezielle Box, während Sie noch Milch und Cornflakes kaufen.”

(Klingt gut, dürfte aber seit kurzem ein deklarationstechnisches Abenteuer sein.)

Das Sushi wird am Produktionstag und am Tag danach verkauft. Der große Vorteil der Produktion an Ort und Stelle sei, dass das Sortiment leicht an die Kundenvorlieben im jeweiligen Markt angepasst werden könne.

Und was haben die Supermärkte davon? Sie profitieren dadurch, dass sie außer klassischen Bedientheken einen zusätzlichen Hingucker im Laden stehen haben. Zu übersehen sind die weißen Theken nämlich nicht. Betrieben werden sie aber von Eat Happy selbst, das als Konzessionär die Fläche im Markt mietet. Derzeit läuft noch der Testbetrieb. Man wolle “besser werden und interessante Standorte hinzu bekommen”, sagt Kress.

Interessant daran ist, dass Eat Happy bislang nicht nur bei Rewe integriert ist, sondern auch von Edeka-Händlern (in Hamburg). Kress will sich nicht weiter dazu äußern, ob man einen Exklusiv-Deal mit einer Handelskette anstrebe. Auf Dauer wird es den beiden größten Supermarkt-Konkurrenten in Deutschland aber wohl kaum recht sein, ein solches Konzept miteinander zu teilen.

Voraussetzung ist sowieso, dass es dauerhaft funktioniert. Erstmal müssen die Sushi-Bars beweisen, dass sie mindestens denselben Umsatz wie die Produkte reinholen können, die vorher auf derselben Fläche verkauft wurden. Wenn genügend Platz ist, können am Würfel auch Zusatzartikel (Soyasauce, Sushisets etc.) angeboten werden.

Vor allem die Konstruktion der Arbeitstheken ist dabei nicht ganz trivial. Kress sagt:

“Wir sind natürlich an strenge Auflagen gebunden, wenn wir Nahrungsmittel produzieren in einem Raum, in dem sehr viel Publikumsverkehr herrscht. Hierauf sind unsere Stände technisch ausgelegt.”

Zum Beispiel mit einem speziellen Luftschleier, der für eine reine Produktionsumgebung sorgen soll. Nicht zuletzt müssen auch die Kosten fürs Personal in der Rechnung berücksichtigt werden. Auf die Sushi-Köche und die Produktion im Laden zu verzichten, kommt für Eat Happy aber nicht in Frage: “Dadurch, dass die Kunden unseren Mitarbeitern zusehen können, wie sie die Speisen zubereiten, hat das Produkt eine hohe Glaubwürdigkeit. Bei Sushi ist es ja ganz entscheidend, ob es frisch ist, damit es gekauft wird”, sagt Kress und ergänzt:

“Wir merken schon jetzt, wie wichtig Sushi-Köche sind, die auf die Kunden zugehen und eine Präsenz haben.”

Eat-Happy-Imbiss mit Sitzbar: Bei Rewe Richrath in Köln ist aus der Theke ein Imbiss geworden

Im Kölner Rewe Richrath in den Opernpassagen (siehe voriger Supermarktblog-Eintrag), der eine zusätzliche Gastro-Ecke außerhalb des Markts etabliert hat, ist Eat Happy auch vertreten, allerdings mit einem eher klassischen Asia-Imbiss, der auch warme Speisen zubereitet.

Warme Mahlzeiten gibt's bei Eat Happy bislang nur bei Rewe Richrath in der Kölner City

Der Schwerpunkt der Entwicklung liege jedoch auf den Bars in den Läden, erklärt Kress. Gerade ist in einem neuen Rewe in Frankfurt-Bockenheim eine hinzugekommen. Weitere sollen ab Februar bzw. März folgen.

Mit Dank an die Supermarktblog-Leser Ralf W. und Daniel M.

Fotos: Supermarktblog

SB-Bezahlen bei Rewe und Tesco: Abkassiert im Kreisverkehr

Selbstbezahlen vor Holzoptik: SB-Kassen im neuen Rewe Richrath in den Kölner Opernpassagen

“Sie haben eine Frage? Dann sind unsere netten Mitarbeiter (…) sofort für Sie da!”, steht in dem Faltblatt über dem Foto einer lächelnden Mitarbeiterin im roten Rewe-Polohemd, auf dem gut sichtbar zu lesen ist:

“Express Kasse”

Und bevor demnächst die ersten Kunden frustriert ihre Einkäufe an verwunderten Rewe-Angestellten auf und ab schubbern, um auf den Scanner-Biep zu warten, will ich das Missverständnis an dieser Stelle aufklären: Die Mitarbeiter sind nicht die Kassen! Sondern bloß dafür abgestellt, Ihnen beim Selbstabkassieren zu helfen.

Mit der üblichen Verspätung (im Vergleich zum Ausland) kommt nun endlich auch bei uns Bewegung in den starren Abkassierprozess: Rewe freundet sich langsam mit dem Gedanken an, dass deutsche Kunden Gefallen daran finden könnten, sich mit ihren Mini-Einkäufe nicht in die Schlange mit Cent-Zählern und Artikelumtauschern zu stellen, sondern ratzfatz einfach die Kohle in einen sprechenden Automaten zu donnern, um etwas mehr ihrer Lebenszeit außerhalb von Supermärkten zu verbringen.

Seit einiger Zeit testet Rewe in der City-Filiale am Kölner Hohenzollernring, wie dort Selbstbedienkassen ankommen. Gleich ein ganzer Schwung der Touchscreen-Automaten ist eingebaut worden, vier an den vorderen Ausgang, und noch mal vier an den hinteren.

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Österreich legt vor: Rewe lässt Billa Lebensmittel per Lockbox liefern

Wer nicht selbst einkaufen will, kann sich in Österreich von Billa beliefern lassen

An Ideen, die uns die Lieferung von Lebensmitteln erleichtern könnten, mangelt es in Deutschland derzeit nicht. Umso erstaunlicher ist es, dass viele erstmal nach Österreich exportiert werden (müssen), damit die Umsetzung irgendwann auch hierzulande klappt.

Aus München stammt EmmasBox (siehe Supermarktblog vom Dezember 2013), eine Art Packstation für Lebensmittel, wie sie so ähnlich auch in Großbritannien von großen Supermarktketten ausprobiert wird. Vor wenigen Wochen haben die EmmasBox-Gründer bekannt gegeben, dass sie 2015 vor allem in Wien und Linz zahlreiche Märkte der Pfeiffer-Gruppe (Unimarkt und Zielpunkt) mit ihren Draußenkühlschränken ausstatten wollen.

EmmasBox: Abholstation für Lebensmittel

Ebenfalls im neuen Jahr startet die Rewe-Tochter Billa, Österreichs größte Supermarktkette, eine Kooperation mit dem Berliner Alternativzustell-System Lockbox. Bei dem erhalten Kunden ihre Bestellungen in blauen Kisten direkt nachhause an die Tür geliefert – selbst wenn sie gar nicht zuhause sind. Möglich macht das ein Metall-“Anker”, der in die verschlossene Haustür geklemmt und an dem die Box vom Zusteller mit einem Stahlseil befestigt wird. (Mehr dazu hab ich kürzlich für Krautreporter aufgeschrieben.)

Nun meldet Lockbox, Billa werde Lockbox als Versandoption im Online-Shop anbieten, um Lebensmittel, die morgens bestellt werden, noch am selben Tag zuzustellen (“Same-Day Delivery”). Bislang passierte das abends zwischen 18 und 21 Uhr, künftig werden die Zusteller deutlich flexibler sein – und die Kunden müssen nicht nachhause hetzen.

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Supermarkt-Umbauten: Bleibt das so oder kommt das wieder weg?

Passt, wackelt, hat Luft: In Berlin hat Rewe einen provisorischen Markt in einer Stahlhalle eröffnet

Wenn ISS-Astronaut Alexander Gerst von seinem derzeitigen Arbeitsplatz Richtung Erde sieht, bevor er in ein paar Tagen wieder runter muss, kann er seinen Kollegen zeigen, wo die Menschen in der Hauptstadt seiner Heimat so einkaufen. Zumindest wenn sie im lustigen Zwischenland der Berliner Bezirke Friedrichshain und Prenzlauer Berg wohnen. Die sehr, sehr, sehr großen Buchstaben, mit denen sich Rewe dort auf einer grauen Halle verewigt hat, müssten jedenfalls problemlos aus dem All zu erkennen sein.

Im Gegensatz zu vielen anderen Neubauten hat der Supermarkt, der dort in den vergangenen Monaten neben ein trauriges Volleyballfeld und eine verlassene “Beach Bar” auf eine Wiese gebaut wurde, nämlich keine Fenster, dafür aber haufenweise Wände.

Das liegt daran, dass er in zwei Jahren wieder wegkommt.

Nicht zu übersehen: Rewe hat sich auf seinem Markt-Provisorium in Riesenbuchstaben verewigt

Nun hat Rewe keineswegs den Einwegsupermarkt erfunden, der sich nach einer gewissen Zeit einfach selbst kompostiert – obwohl das sicher ein interessantes Patent wäre.

Die graue Halle ist bloß ein vorübergehender Ersatz für den Laden, der bislang in dem angrenzenden Wohngebiet stand – und schließen musste, weil dort, wie überall in Berlin, gerade ein neues Mehrfamilienhaus gebaut wird. Sobald das fertig ist, darf Rewe unten wieder einziehen. Da das aber eine Weile dauern wird, hat die Supermarktkette den Standort nicht einfach aufgeben wollen, vom Bezirk besagte Wiese angemietet und einen provisorischen Markt draufgestellt, bei dem sich so mancher schrabbelige Innenstadt-Discounter mit festem Mauerwerk noch was abschauen könnte.

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Die Zukunft von Karstadt liegt (auch) im Keller

In Freiburg machen Karstadt und Rewe Center gemeinsame Sache

Wie Sie den meisten Medien entnehmen können, ist die Stimmung bei Karstadt derzeit ganz schön im Keller. Die Spekulationen, dass mehr als ein Viertel aller Häuser geschlossen werden könnten, sind noch nicht vom Tisch; und was der neue Eigentümer René Benko mit den übrigen vorhat, ist ungeklärt.

Wie Sie diesem Blogeintrag entnehmen können, ist aber nicht nur die Stimmung bei Karstadt im Keller. Sondern vielleicht auch die Zukunft.

Genauer gesagt: im Untergeschoss. Dort wohnt in 43 Filialen seit ein paar Jahren die Lebensmittelkette Perfetto, für die sich Karstadt mit einem alten Bekannten zusammengetan hat: Rewe. In der Gesellschaft “Karstadt Feinkost” hält der große Partner 74,1 Prozent der Anteile und liefert den Platz, der kleine hält den Rest und liefert die Lebensmittel.

Fast zehn Jahre ist es her, dass in der Wiesbadener Filiale der Warenhauskette der erste Perfetto eröffnete, als “Genuss-Reich” und “Gourmet-Treff” mit großer Fischabteilung, Vinothek und lauter Schnickschnack. In den darauffolgenden Jahren wurde das Konzept zum Untergeschoss-Standard vieler Karstadts.

Die Millionenverluste aus den Anfangsjahren scheinen Geschichte zu sein. Im Jahr 2012 wurden 253 Millionen Euro umgesetzt, wie die “Lebensmittelzeitung” kürzlich berichtete. Und der Deal zwischen den Partnern ist laut LZ bis zum Jahr 2019 verlängert – obwohl die Partner durchaus unterschiedliche Ziele haben: Perfetto würde gerne auch außerhalb der Karstadt-Warenhäuser neue Filialen eröffnen; Rewe hingegen hat kein Interesse, mit sich selbst um den Platz in den Städten zu konkurrieren.

Viel akuter ist jedoch das Problem, dass Perfetto inzwischen so gut zu Karstadt passt wie der die Bezeichnung “Hoffnungsträger” zum früheren Krisenausdehner Nicolas Berggruen.

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