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Machen Asda, Rewe und Kaufland Abholboxen für Lebensmittel zum Einkaufsstandard?

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Anfang März gaben Rewe und Aral bekannt, dass aus ihrem Tankstellen-Techtelmechtel eine ernstzunehmende Affäre wird: Zwei Jahre hatten die beiden Unternehmen getestet, wie Rewes Minimarktkonzept Rewe to Go (das auch in Innenstädten ziemlich tankstellenhaft aussieht) an zehn Aral-Standorten bei den Kunden ankommt. Offensichtich: ziemlich gut.

In diesem Jahr sollen deshalb 50 weitere Stationen Rewe to Go eingebaut kriegen, 2017 kommen 200 weitere dazu. Insgesamt sollen es bis zu 1000 werden.

Mit Tests und Partnerschaften hat sich die britische Walmart-Tochter Asda ein Jahr zuvor gar nicht erst aufhalten wollen. Und stattdessen 15 Tankstellen vom unabhängigen Betreiber Rontec gekauft, um ihr eigenes Logo dranzuhängen und kleine Supermärkte hinter den Zapfsäulen betreiben zu können.

Auftanken und einkaufen

In vielen Ländern betreiben große Supermarktketten in ihren Einkaufsparks ganz selbstverständlich Tankstellen unter eigenem Namen. Rewe hat im Zuge des Deals mit Aral vorgerechnet, weshalb das nicht nur Sinn ergibt, wenn man Kunden in riesige Einkaufshangars am Stadtrand locken will:

„Inzwischen werden durchschnittlich über 60 Prozent des Einkommens der Aral Tankstellenunternehmer im Shop erwirtschaftet. Die Autowäsche und der Verkauf von Kraft- und Schmierstoffen steuern jeweils einen Anteil von rund 15 Prozent zum Ertrag der Partner bei.“

Für Asda hat der Tankstellenerwerb aber noch einen anderen wichtigen Zweck erfüllt: Die britische Kette ist dadurch an Orten vertreten, wo keiner ihrer Superstores in der Nähe liegt, und kann neue Kunden dazu gewinnen: solche, die ihren kompletten Wocheneinkauf an der Tankstelle erledigen. Weil sie sich ihn in die Abholstationen bestellen, die Asda dort aufgestellt hat.

Supermarktblog-Leser kennen die Boxen bereits: Sie funktionieren wie Packstationen, können aber dank unterschiedlicher Temperaturzonen auch gekühlte oder tiefgefrorene Lebensmittel einlagern.

Und zwar richtig, richtig viele, wie dieses Modell des Herstellers ByBox an einer Asda-Tankstelle im Londoner Osten eindrucksvoll demonstriert:

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Rewes Plastiktüten-Coup: Herausforderung für Mehrwegbeutelvergesser

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Es ist ein Jubeltag für die müllbeutelproduzierende Industrie: Bis zu 140 Millionen Plastiksäcke kann sie künftig mehr verkaufen. Weil das ziemlich genau der Zahl an Plastiktüten entspricht, die sich Rewe künftig sparen will – pro Jahr. Mit sofortiger Wirkung lässt die Handelskette keine Einkaufstüten aus Plastik mehr herstellen, die Reste in den Supermärkten werden noch verkauft (weil es Quatsch wäre, sie ungenutzt wegzuwerfen), danach müssen sich die Kunden für eine Alternative entscheiden: Papiertüte, Stoffbeutel, Einkaufskarton, PET- oder Jute-Tasche.

In den sozialen Medien sind schon die ersten Motzwesire aus den Löchern gekrochen, um ihren sorgfältig unüberlegten Einkaufsboykott anzudrohen – weil, was tun, wenn man mal spontan mit der ganzen Familie an Regentagen den Wocheneinkauf erledigen will, aber zu geizig ist, einen neuen Baumwollbeutel für 1,79 Euro zu kaufen?

Naja, vielleicht: zur Hölle fahren?

Nun ist Rewe nicht der erste Lebensmittelhändler, der Alternativen zur Plastiktüte testet, die die EU gerade im kompletten Handel kostenpflichtig macht, um einen Großteil davon loszuwerden. Selbstständige Händler experimentieren schon seit Jahren, und dm hat die kostenlosen Plastiktüten seit April von seinen Kassen verbannt.

3000 Läden auf einen Schlag

Allerdings bringt Rewe auf einen Schlag 3000 Läden in den Deal mit ein, der mit dem Nabu abgesprochen ist und vom Umweltministerium gutgeheißen wird. Das könnte tatsächlich dazu führen, dass die Kunden sich daran gewöhnen, ihr Verhalten zu ändern. Denn genau darum soll es gehen.

„Ich hoffe, dass diese Entscheidung von Rewe eine Sogwirkung hat“, erklärte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks auf der Rewe-Pressekonferenz am Mittwoch in Berlin. „Wenn ein großes Handelsunternehmen den Komplettausstieg anstrebt, dann ist das genau der Schwung, den wir brauchen.“

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Komplett ist der Ausstieg jedoch vorerst nur an den Kassen. Dort positioniert Rewe große Aufsteller, um die Kundschaft mit den Alternativen zum selbst mitgebrachten Wiederverwertbeutel bekannt zu machen:

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Amazon als Getränkelieferant? So sieht das Berliner Stadtlager für „Prime Now“ aus

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Die Zeit der Entbehrungen für gestresste Großstädter wird bald vorbei sein. Dann muss es niemanden, der das Büro wegen dieses superwichtigen Meetings nicht verlassen kann, um zum Supermarkt um die Ecke zu gehen, mehr hungern oder dürsten. Ein paar Klicks in der „Prime Now“-App reichen – und die notwendigen Meetingüberlebensmittel kommen nach zwei Stunden per Kurier an den Schreibtisch. Das neue Smartphone gleich dazu. Wer nett fragt, dem schmiert der Zusteller bestimmt auch noch ein Brot, bevor er weiterrauscht.

Ungefähr so kann man sich Amazons neusten Service für Online-Hektiker vorstellen, die immer alles sofort haben wollen. (Aber auch nur ungefähr.)

In den USA gibt es „Prime Now“ schon länger (siehe dazu Exciting Commerce), in London ist der Dienst vor wenigen Monaten gestartet. Das Versprechen ist überall dasselbe: Keiner soll bis zum nächsten Tag warten, wenn er seine Online-Bestellung auch gleich haben kann. Das gilt freilich nicht fürs gesamte Sortiment, zumal der kurzfristige Bedarf an Hollywoodschaukeln überschaubar bleiben dürfte. Aber immerhin für ein paar tausend Waren des alltäglichen Bedarfs, die Amazon in Stadtlagern stapelt, um sie möglichst schnell zu den Kunden katapultieren zu können.

Innenstädtischer geht’s kaum

Die Spekulationen zum Deutschland-Start von „Prime Now“ sind inzwischen relativ konkret, zum Beispiel in Berlin. „Welt“ und „Berliner Morgenpost“ meldeten im März zuerst, Amazon niste sich mit einem neuen Lager in einem Einkaufszentrum am Berliner Kudamm ein. (Ausführliche Infos dazu hatte kurz darauf auch der „Tagesspiegel“).

Die Fenster besagter Fläche sind akkurat zugeklebt (Foto ganz oben), und Amazon mag das, was inzwischen alle wissen, immer noch nicht bestätigen. Langsam wird die Geheimniskrämerei aber ein bisschen albern. Weil am seitlichen Lieferzugang schon ein Poster mit Sicherheitsanweisungen fürs Personal und dem „Prime Now“-Logo hängt. Der Start ist also nur noch eine Frage der Zeit.

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Ministererlaubnis für Edeka: Die Reaktionen auf einen Blick

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Nach über zehn Monaten Bedenkzeit hat Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel am 18. März Edeka die Ministererlaubnis erteilt, Kaiser’s Tengelmann übernehmen zu dürfen – gegen den Beschluss des Bundeskartellamts und gegen die Empfehlung der Monopolkommission. Gabriels einziges Argument dafür ist der vorübergehende Erhalt von Arbeitsplätzen – von denen gar nicht klar ist, wieviele langfristig erhalten bleiben werden.

Der Chef der Monopolkommission, Daniel Zimmer, ist kurz darauf aus Protest zurückgetreten. Gabriels Entscheidung sehe er als „unter Gemeinwohlgesichtspunkten als die schlechteste aller Lösungen“. Sie sei zum „Nachteil der Verbraucher, die künftig mit weniger Auswahl und höheren Preisen rechnen müssen“.

Rewe hat am 18. März beim Oberlandesgericht Düsseldorf Beschwerde gegen die Fusion eingelegt und eine „Anordnung der aufschiebenden Wirkung“ beantragt. Damit dürfte die Fusion trotz Ministererlaubnis erstmal nicht vollzogen werden. Rewe geht es wohl in erster Linie darum, die Fusion hinauszuzögern, wenn sie sich schon nicht mehr verhindern lässt.

Am 23. Oktober hat Reuters zufolge auch die Handelsgruppe Markant vor dem OLG Beschwerde eingereicht.

Nummer 1 – bald auch in Berlin und München

Laut Berechnungen von Trade Dimensions, die in Kooperation mit der „Lebensmittel Zeitung“ veröffentlicht wurden (Abo), erzielte Edeka 2015 als Nummer 1 im deutschen Markt einen Umsatz in Höhe von 48,3 Milliarden Euro mit Lebensmitteln, Rewe kommt als Nummer 2 auf fast 20 Milliarden weniger. (Andere Geschäftsfelder eingerechnet liegt der Unterschied bei 13,7 Milliarden.)

Mit Kaiser’s Tengelmann kauft sich Edeka quasi die Marktführerschaft in den Metropolen Berlin und München. Trade Dimensions und „Lebensmittel Zeitung“ haben ausgerechnet, dass Edeka und Rewe in der Hauptstadt bislang gleichauf liegen, was die Verkaufsfläche angeht (162.000 Quadratmeter für Edeka, 165.000 für Rewe). Mit Kaiser’s kann Edeka seine Fläche fast verdoppeln und kommt künftig auf rund 304.000 Quadratmeter. In München vergrößert sich Edeka (179.000 Quadratmeter) mit Tengelmann auf 295.000 Quadratmeter, Rewe bleibt mit 184.000 Quadratmetern deutlich zurück.

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Kooperationen (1): Rewe holt Tescos Modelabel F&F nach Deutschland

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Zwei Jahre ist es her, dass Rewe in Egelsbach bei Frankfurt ein ehemaliges Toom-SB-Warenhaus in ein durchdesigntes Rewe Center verwandelte (siehe Supermarktblog). Inzwischen wurden diverse Riesensupermärkte auf das neue Konzept umgestellt, zum Teil mit integriertem „Oh Angie!“-Restaurant. Und Rewe erklärt:

„Das neue Großflächenkonzept hat sich in den umgebauten Märkten bisher mehr als bewährt. Insofern wird auch in 2016 und 2017 bei anstehenden Umbauten das Großflächenkonzept umgesetzt und weiterentwickelt.“

Außerdem besteht die Möglichkeit, dass bestimmte Ideen aus dem Center-Konzept in weniger große Rewe-Supermärkte geholt werden: „Elemente des ‚Marktplatzes der Frische‘ können wir uns beispielsweise auch auf kleineren Flächen vorstellen.“

Ein wesentlicher Baustein der Center ist derweil die Kooperation mit „starken Partnern“, wie Rewe es selbst draußen an die Riesensupermärkte dranschreibt. Gemeint sind bekannte Marken, die einen eigenen Bereich im Laden reserviert kriegen und dort ihre Sortimente verkaufen können – ähnlich wie die großen Modeketten in Kaufhäusern.

Ausgerechnet in Sachen Mode setzt Rewe aber nicht auf Marken wie Esprit oder s.Oliver, sondern ein Label, dessen Name sich in Deutschland erst noch herumsprechen muss. Anders vielleicht als der des Konzerns, zu dem es gehört: Tesco.

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