Alle Texte mit dem Schlagwort Supermarkteröffnung

Netto (ohne Hund) macht Platz

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Kleiner Scherz zum Jahresanfang: Wieviele Leute passen gleichzeitig in eine Telefonzelle? Ist doch klar: Halb so viele wie in einen Netto-City-Markt. (Ohne Hund, natürlich.)

Nach der Plus-Übernahme gehörten dem Edeka-Discounter Netto (ohne Hund) vor ein paar Jahren auf einen Schlag massig Filialen, die zwar günstig gelegen waren: dort, wo in der Stadt täglich viele Leute einkaufen, weil sie um die Ecke wohnen. Für alle, die zu Platzangst neigen, waren die kleinen, engen, vollgestellten Läden jedoch ein Graus. Das versucht Netto (ohne Hund) jetzt zu ändern. Am Berliner Alexanderplatz, direkt hinter dem – ähm: Hofbräuhaus, hat vor im Dezember ein neuer Innenstadtladen eröffnet, der fast schon verschwenderisch Platz für Platz lässt.

Schauen Sie mal, da steht weit und breit keine Stolperpalette:

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Vor dem neuen Brötchenknast könnte sich demnächstauch die örtliche Yoga-Gruppe aus dem Wohnkomplex treffen, der obendrüber gerade fertiggebaut wird. (Ähnlich wie bei Rossmanns neuem Ladenytpen, der vor einem Jahr ebenfalls in Berlin Premiere hatte.)

Großzügigkeit ist nicht das einzige, das sich die Nummer 3 im deutschen Discount-Markt hat einfallen lassen, um es dem Konkurrenten Lidl bei seiner Supermarktwerdung etwas schwerer zu machen. Auch wenn manche Neuerung deutlich aus Neckarsulm inspiriert zu sein scheint: Nettos Brötchenknast (ohne Hund) …

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Der Weg ist das Ziel: Tegut macht sich schick für die Expansion

Der 2007 eröffnete Markt in Wiesbaden gehört bis 2010 Tengelmann und wurde dann von Tegut pbernommen

Zwei Wochen vor Ostern hat sich die hessisch-schweizerische Supermarktkette Tegut in der vergangenen Woche selbst ein Geschenk gemacht. Es liegt, passend zum Fest, etwas versteckt im Wiesbadener Stadtteil Sonnenberg, der nicht nur deshalb als gehobenes Wohnviertel gilt, weil man aus der Innenstadt ziemlich bergauf laufen muss, um hinzukommen. Sondern auch, weil dort die kaufkräftigsten Bewohner der auch sonst nicht gerade verarmten Landeshauptstadt ihre kantigen Neubauten errichten.

Mittendrin hat Tegut einen Markt neu eröffnet, der das Vorbild für alle zukünftigen Läden werden soll.

Sechs Wochen war für die Renovierungsarbeiten geschlossen, und dass dabei nicht bloß ein paar Regale verrückt und die Wände neu gestrichen wurden, lässt sich ohne Zweifel am zwischenzeitlichen Umbaustatus ablesen:

Für den Umbau wurde der Tegut-Markt komplett entkernt / Foto: (c) Tegut

Der Auftrag an die Konstrukteure war es, einen energiesparenden Laden zu entwerfen, der sich im Design deutlich von den aufgefrischten Discountern abhebt, in dem aber trotzdem ein schneller Einkauf möglich ist. Das Design sollte Transparenz vermitteln und trotz 12.000 Produkten im Sortiment übersichtlich sein. Der Laden musste auch für hungrige Mittagspäusler geeignet sein. Vor allem aber sollten stärker als bisher herausgestellt werden, dass Tegut auch günstige Lebensmittel im Sortiment hat. Michael Ball, der den Umbau als Projektleiter verantwortete, erklärt:

„Es ging uns nicht darum, einen Designladen zu bauen, wir wollten einen zeitgemäßen Auftritt schaffen, der sich auf andere Märkte übertragen lässt.“

Was ist neu?

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Rewes Ikea-Strategie: He Kunde, komm bummeln!

Toom heißt jetzt Rewe Center - bulliger Eingang inklusive

Es gehört zu den Eigenarten der deutschen Sprache, dass Menschen, wenn sie einmal lange genug miteinander zu tun hatten, sich irgendwann das Du anzubieten, um die erarbeitete Vertrautheit zu besiegeln.

Und es gehört zu den Marketing-Tricks schwedischer Möbelhauskonzerne, diesen Prozess zu überspringen, um sich durch Sofortduzung an die Kundschaft ranzuwanzen. Im Rhein-Main-Gebiet probiert Rewe seit kurzem, ob das auch beim Lebensmitteleinkauf funktioniert.

„Greif zu!“, steht am Obsttresen im neuen Rewe Center in Egelsbach bei Frankfurt. „Stell Dir den Salat Deiner Wahl zusammen“, heißt es nebenan an der Salatbar. Im Wochenprospekt werden Kochtipps geliefert: „Das zauberst Du mit unseren frischen Zutaten.“ Der ganze Laden ist eine, nein: „Deine Reise zum neuen Genuss“. Und an den Kassen verabschiedet sich der Kumpelladen mit einem freundlichen „Tschüß, bis bald in Deinem Rewe Center“.

Rewe hat tief in die Ikea-Trickkiste gegriffen, um den südhessischen Markt, an dem bis vor wenigen Monaten noch das Toom-Logo prangte, neu herzurichten. Nicht nur, was die Ansprache der Kunden angeht. Der ganze Laden ist nach dem Ikea-Prinzip gestaltet. Bloß dass die Leute nicht Billy, Lack und Pax zur Kasse tragen, sondern Illy, Lätta und Twix.

Seit der Neueröffnung Ende November läuft damit einer der interessantesten Versuche im deutschen Lebensmittelhandel. Einerseits soll das SB-Warenhaus – in dem wirklich gar nichts mehr an das Verkaufshallenkonzept von früher erinnert – die Lösung bringen, was sich mit den verbliebenen Tooms anstellen lässt, die jetzt erstmal umbenannt werden (siehe Supermarktblog). Andererseits testet Rewe in Egelsbach, ob die Deutschen sich vorstellen können, nicht bloß in den Supermarkt zu fahren, um dort Lebensmittel einzukaufen. Sondern quasi auch zur Freizeitbeschäftigung.

So weit wie der britische Marktführer Tesco, der seinen Extra-Store in Watford zu einer Art Vergnügungs-Treffpunkt inklusive Restaurant und Yoga-Fläche umgebaut hat, gehen die Kölner nicht. Aber sie sind schon ziemlich nah dran.

Die Inspiration könnte tatsächlich von Ikea stammen. Ähnlich wie die Möbelhäuser mit ihren Caféterien und dem Rundweg durch die Ausstellungim ersten Stock ist das Rewe Center nämlich für unterschiedliche Kundengruppen und deren Bedürfnisse angelegt.

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Rettet Real in Essen das SB-Warenhaus – und sich selbst?

Neuer Real in Essen: Außen hui, innen - okay

Keine drei Monate ist es her, dass Real seinen neuen Markt in Essen-Altendorf eröffnet hat, aber die Lobhudeleien sind schon beachtlich:

„Das Ergebnis kann sich sehen lassen“
„ein Einkaufserlebnis der neuen Generation“
„setzt weit über Essen hinaus neue Standards“
„eine neue Zeitrechnung“
„die Zukunft des Einkaufens“

Schade halt, dass die Formulierungen alle von Real selbst stammen.

Nun ist es ja nicht so, dass der Metro-Tochter diese Selbsthypnose nicht zu gönnen wäre. Viel zu feiern gab es in letzter Zeit schließlich nicht. Die Umsätze enttäuschen, die Läden im Ausland sind verkauft, und anstatt die bekannten Eigenmarken zu verbessern, werden neue Billigartikel in die Regale gestellt. Wenn’s dann mal wieder nach vorne geht, dürfen ruhig auch mal die Korken knallen. Immerhin ist der umfassend belobigte Markt die erste Neueröffnung seit Jahren. (Wenn auch als Ersatz für einen veralteten Standort, der in der Nähe dicht gemacht wurde.)

Es lohnt sich aber genauso, die 9500 Quadratmeter auch noch mal etwas weniger sektlaunig zu betrachten. Immerhin hat Real-Geschäftsführer Didier Fleury angekündigt, Essen-Altendorf sei „Vorbild für die zukünftige Ausrichtung und Weiterentwicklung von Real“.

Hoffentlich gilt das vor allem für die Außengestaltung: Metro hat ihrem SB-Warenhaus (sowie ein paar Fachmärkten, die mit eingezogen sind) nämlich ein Center gebaut, das  sich sich unaufdringlich an den üblichen Großparkplatz schmiegt und aussieht, als sei es von positiv größenwahnsinnigen Hobbit-Architekten entworfen worden: mit sanftem Glasfassadenschwung, begrünten Dachflächen und lustigen Eingangshöhlen.

(Zum Vergrößern anklicken. Oder hier das Video ansehen.)

2013 eröffnetes Kronenberg Center in Essen (Zum Vergrößern anklicken.)

Auch bei Supermärkten zählen aber vor allem: die inneren Werte. Und die erzählen, dass die „Zukunft des Einkaufens“ aus Sicht von Real ziemlich nah an der Gegenwart liegt.

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„Emmas Enkel“ in Düsseldorf: Der Einkaufsladen-Kaffetrink-Abhol-Nachhauseliefermarkt

Das Internet ist eigentlich doch ein ganz freundlicher Ort: Keine 20 Quadratmeter groß. Rundherum grasgrün gestrichen. An der Seite kann man durch ein großes Schaufenster sehen, wie die Straßenbahn vorbeirauscht. Drinnen stehen gemütliche Sessel, in der Mitte hängt ein Kronleuchter von der Decke. Und wer sich darunter an den Esszimmertisch setzt, um zu überlegen, was er abends kochen will, kann dabei einen Kaffee trinken und selbstgebackene Waffeln naschen.

Zumindest ist das im Internet so, das sich Benjamin Brüser und Sebastian Diehl in ihren Düsseldorfer Laden gebaut haben.

Offiziell heißt die grüne Ecke „Gute Stube“ und ist eine Mischung aus großmütterlichem Wohnzimmer und Online-Shop. Weil die Leute dort ein Päuschen machen können, nebenbei an einem der Laden-Ipads ihre Einkaufsliste zusammenzustellen, sie abschicken und ein paar Minuten darauf warten, dass ihnen die Sachen im Raum dahinter zusammengepackt werden. Dann noch bezahlen. Und fertig ist der Einkauf.

Im vergangenen Oktober haben Brüser und Diehl „Emmas Enkel“ eröffnet, eine Art Tante-Emma-Übernext-Generation-Laden, der trotz der Möbel vom Flohmarkt in der „Guten Stube“ gar nicht altmodisch aussieht, nur ein bisschen klein. Dafür liegt er mitten in der Stadt (bei Google Street View steht er noch leer, weil die Aufnahmen älter sind), man kann reingehen und einkaufen fast wie in einem normalen Supermarkt. Oder man lässt sich die Sachen nachhause liefern. „Emmas Enkel“ ist ein Einkaufsladen-Kaffeetrink-Abhol-Nachhauseliefermarkt zum Selbstbedienen und Bedientwerden. Und die beiden Besitzer haben bei der Gründung so ziemlich alle Grundsätze verletzt, die sich Supermarktmanager in den vergangenen zwei, drei Jahrzehnten als goldene Erfolgsregeln in ihre Anzüge gestickt haben.

Die Regeln lauten:

Bloß keinen Innenstadtmarkt aufmachen, da ist’s viel zu eng!
Mitarbeiter werden nicht bezahlt, um Schwätzchen mit den Kunden zu halten!
Und Online-Lieferservices für Lebensmittel rentieren sich nicht!

„Emmas Enkel“ ist gerade auf dem besten Weg, jede dieser Regeln zu widerlegen.

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