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Rewe in Experimentierlaune: Bistro-Test in Köln, Temma eröffnet neue Läden

Mit seinen Läden für Sofortesser, den Rewe-to-Go-Testfilialen, hat Deutschlands zweitgrößte Supermarktkette bisher kein so glückliches Händchen gehabt: die Läden sind eher eine Mischung aus zapfsäulenloser Innenstadttankstelle und teurem Stadtsupermarkt, sehr enttäuschend. Jetzt wagt sich Rewe ans nächste Experiment: Bistros, die an die eigenen Supermärkte angeschlossen werden.

Die “Lebensmittelzeitung” meldete in der vergangenen Woche, Rewe werde Restaurantbetreiber – das ist aber nur zur Hälfte richtig. Auf Anfrage des Supermarktblogs konkretisiert ein Sprecher, das Projekt mit dem Titel “Made by Rewe” sei “keine Stand-alone-Lösung, kein Markt, keine Filiale, kein (Schnell-) Restaurant”. Vielmehr gehe es darum, geeignete Rewe-Märkte um einen Bereich zu ergänzen, “in dem es frisch zubereitete, zum Teil tageszeitlich variierende, gesunde, verzehrfertige Speisen gibt – zum Mitnehmen oder für den Vor-Ort-Verzehr”.

Sozusagen Rewe to Sit and Go. Oder eben etwas altmodischer: ein Bistro. Bei Rewe heißt es konkret:

“‘Made by Rewe’ ist ein ganztägiges, systemisches Gastro-Konzept auf wenigen Quadratmetern, das grundsätzlich als integrativer Bestandteil eines unserer Rewe-Märkte gedacht ist.”

Rewe-Supermarkt

Angebot und Gestaltung sollen “italienisch angehaucht” sein. Es gibt Pizza, Pasta, Suppen, Salate, frisch zubereitete Sandwiches, Wraps und auch ein Gläschen Wein. Das ist kein Zufall, immerhin hat Rewe für seinen Test Mark Korzilius als Geschäftsführer verpflichtet, der die Schnellnudelkette Vapiano erfunden hat.

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Gut verschachtelt ist halb verkauft: Die Supermarktblog-Verpackungskritik (1)

Ständig laufen wir im Supermarkt an Regalen vorbei, die mit den unterschiedlichsten Verpackungen vollgestopft sind. Manche erkennen wir schon aus der Ferne, weil wir sie immer wieder kaufen; andere überraschen mit neuen Designs und machen uns neugierig auf das, was drin ist; wieder andere würden wir niemals anrühren, bloß weil uns die Schrift oder die Farbe auf der Packung nicht gefallen.

Natürlich ist das erstmal eine Frage des persönlichen Geschmacks, ob man ein Design mag oder nicht. Aber es gibt auch ein paar Kriterien, an denen sich festmachen lässt, ob ein Produkt gut oder schlecht verpackt ist. Das Supermarktblog hat sich mit Jürgen Siebert – Design-Kolumnist, Fontblog-Autor, Twitterer und Vorstand bei Fontshop – zur Verpackungskritik getroffen. Dabei herausgekommen ist: Schelte für schlechte verschachtelte Bio-Kekse; lobende Worte für einen Billigmarken-Klassiker; und sehr unterschiedliche Reaktionen auf bunt bedruckten Dosenmais.

Wenn Sie mögen, widersprechen Sie uns unten in den Kommentaren – oder komplettieren die Liste mit besonders fiesen oder tollen Verpackungen, die sich Jürgen Siebert auch mal ansehen soll. (Wenn ich’s schaffe, ihn nochmal dazu zu überreden.)

* * *

Herr Siebert, ich hab ausschließlich Eigenmarken aus Supermärkten und Discountern mitgebracht. Wollen wir mit einem Klassiker anfangen? Mit Spaghetti – einmal in der ja!-Billigversion von Rewe, und einmal …

Jürgen Siebert: Das zweite sieht nach Luxus aus.

Das sehen Sie gleich?

Siebert: Ich seh das am Aufkleber, der ja fast die Anmutung eines Weinetiketts hat. Sowas drückt Wertigkeit aus.

Die Spaghetti stammen aus dem Biomarkt: von Temma, das ebenfalls zu Rewe gehört und als Pilotprojekt derzeit in Köln und Düsseldorf getestet wird. Die Eigenmarken-Produkte sehen alle sehr ähnlich aus, mit weißer Grundfläche und schwarzem Logo, sehr schlicht. Vielleicht so schlicht, dass man sie schnell mit Billigmarken verwechselt?

Siebert: Es kommt immer darauf an, wie wir gelernt haben, bestimmte Produkte wahrzunehmen. Wer aus dem Ausland kommt und sich in deutschen Supermärkten nicht auskennt, würde vielleicht der ja!-Packung eine höhere Wertigkeit beimessen, weil die komplett bedruckt ist und auf der anderen nur ein Etikett klebt. Ich finde, das Biosiegel auf der Temma-Verpackung ist sehr winzig geraten. Aber sonst ist das in Ordnung.

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Nachbarschaftsladen Temma (2): Bio für Anfänger

Als die Menschen plötzlich anfingen, sich in kleinen Bioläden mit ökologisch hergestellten Lebensmitteln einzudecken, muss den Verantwortlichen der großen Lebensmittelhändler das Herz in die Hose gerutscht sein – weil sich da plötzlich eine Konkurrenz auftat, mit der sie nicht gerechnet hatten.

Zwar kann es keine der (meist mittelständischen) Bioketten heute auch nur annähernd mit den Großen aufnehmen. Aber die Konzerne haben reagiert: Bio-Produkte im Sortiment sind selbstverständlich geworden, Nachhaltigkeit und Regionalität spielen eine größere Rolle. Bei Rewe ging man aber noch einen Schritt weiter. 2005 eröffnete das Unternehmen seinen ersten Bioladen, Vierlinden in Düsseldorf – allerdings mit eher mäßigem Erfolg. Das lag zum einen am Misstrauen der Bio-Kunden gegenüber den großen Konzernen, das zum Beispiel die Biokette Basic zu spüren bekam als vor sechs Jahren plötzlich Lidl bei ihr einstieg, viele Kunden (und Lieferanten) mit Boykott reagierten und Basic in arge Schwierigkeiten brachten. Und zum anderen daran, dass Biomärkte vielen Kunden zu ökohaft waren.

Vierlinden konnte sich jedenfalls, trotz einiger Neueröffnungen, nie richtig etablieren. Christiane Speck, die als Geschäftsführerin der Rewe-Tochter Biokonzept für die Läden zuständig war, sagt:

“Wir haben die Erfahrung gemacht, dass so ein Markt eine viel breitere Zielgruppe braucht, um sich zu rentieren. Dafür muss man mehr bieten als ‘nur’ biologische Lebensmittel.”

Das war die Grundlage für die Idee zu Temma – einem Laden, in dem sich die Kunden wohlfühlen sollten und der automatisch Bio ist ohne dass es überall dick draufsteht.

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Nachbarschaftsladen Temma (1): Erst abbremsen, dann einkaufen

Stellen Sie sich vor, Sie könnten Ihren eigenen Supermarkt bauen. Wie würde der aussehen?

Nicht so vollgeramscht, dafür mit ganz viel Platz für die Produkte? Es gäbe keine langen Gänge, sondern bloß Inseln, auf denen alles in Körben, hübschen Holzkisten und auf niedrigen Regalen gelagert würde? Vorne im Markt könnte man erstmal ein Tässchen Kaffee trinken und ein Stück Quiche essen? Und drinnen würden einen die Mitarbeiter beim Einkauf beraten, wenn sie nicht gerade an den Bedientheken für Frischwaren aus der Region zu tun haben?

Lustig. Das ist genau der Markt, den sich Christiane Speck vor gut anderthalb Jahren ausgedacht hat. Mit dem kleinen Unterschied, dass sich darin tatsächlich schon einkaufen lässt.

Im November 2009 eröffnete im Kölner Stadtteil Bayenthal die erste Temma-Filiale, eine Mischung aus Bioladen, Marktstand, Bäckerei und Café, dessen Namen an die Tante-Emma-Läden von früher erinnern soll.

“Das erste halbe Jahr war ziemlich anstrengend und kräftezehrend”, sagt Speck. “Viele Kunden haben den Ansatz erst nicht verstanden und waren skeptisch, weil Temma nicht aussieht wie sie das von Supermärkten gewöhnt sind” – zum Beispiel wegen des Logos in der eher untypischen Farbe Schwarz-Olive. Aber nach ein paar Monaten hat sich das geändert, die Idee hat sich herumgesprochen und seit vergangenem Sommer läuft der Laden, der für deutsche Verhältnisse tatsächlich erstaunlich unsupermarktig geworden ist, ganz gut. Im Frühjahr haben zwei weitere Filialen in Köln und Düsseldorf aufgemacht.

Den Unterschied zu normalen Supermärkten sieht jeder sofort: Temma erinnert eher an eine kleine Markthalle. Auf knallbunte Poster wird komplett verzichtet, stattdessen sind Angebote handschriftlich auf schwarze Tafeln notiert. Obst und Gemüse gibt’s tatsächlich an Ständen, die aussehen wie auf dem Wochenmarkt. Die übrigen Produkte sind in ganz einfache Metallregale aus dem Baumarkt geräumt. Das hat Geld bei der Einrichtung gespart, das wiederum für die Gestaltung der Fleisch- und Käsetheken und das Bistro im Eingangsbereich ausgegeben werden konnte, das mit einer Bäckerei kombiniert ist (und offiziell “Deli” heißt).

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