Alle verschlagworteten Texte: Thomas Gutberlet

Der Weg ist das Ziel: Tegut macht sich schick für die Expansion

Der 2007 eröffnete Markt in Wiesbaden gehört bis 2010 Tengelmann und wurde dann von Tegut pbernommen

Zwei Wochen vor Ostern hat sich die hessisch-schweizerische Supermarktkette Tegut in der vergangenen Woche selbst ein Geschenk gemacht. Es liegt, passend zum Fest, etwas versteckt im Wiesbadener Stadtteil Sonnenberg, der nicht nur deshalb als gehobenes Wohnviertel gilt, weil man aus der Innenstadt ziemlich bergauf laufen muss, um hinzukommen. Sondern auch, weil dort die kaufkräftigsten Bewohner der auch sonst nicht gerade verarmten Landeshauptstadt ihre kantigen Neubauten errichten.

Mittendrin hat Tegut einen Markt neu eröffnet, der das Vorbild für alle zukünftigen Läden werden soll.

Sechs Wochen war für die Renovierungsarbeiten geschlossen, und dass dabei nicht bloß ein paar Regale verrückt und die Wände neu gestrichen wurden, lässt sich ohne Zweifel am zwischenzeitlichen Umbaustatus ablesen:

Für den Umbau wurde der Tegut-Markt komplett entkernt / Foto: (c) Tegut

Der Auftrag an die Konstrukteure war es, einen energiesparenden Laden zu entwerfen, der sich im Design deutlich von den aufgefrischten Discountern abhebt, in dem aber trotzdem ein schneller Einkauf möglich ist. Das Design sollte Transparenz vermitteln und trotz 12.000 Produkten im Sortiment übersichtlich sein. Der Laden musste auch für hungrige Mittagspäusler geeignet sein. Vor allem aber sollten stärker als bisher herausgestellt werden, dass Tegut auch günstige Lebensmittel im Sortiment hat. Michael Ball, der den Umbau als Projektleiter verantwortete, erklärt:

“Es ging uns nicht darum, einen Designladen zu bauen, wir wollten einen zeitgemäßen Auftritt schaffen, der sich auf andere Märkte übertragen lässt.”

Was ist neu?

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Migros-Chef Blunschi über Tegut: “Es wird neue Märkte in Baden-Württemberg geben”

Zentrale der Migros-Genossenschaft Zürich

Seit Anfang des Jahres gehört die hessische Supermarktkette Tegut zu Migros, dem größten Lebensmittelhändler der Schweiz (siehe dazu auch Supermarktblog vom Oktober 2012). Der will nach eigenen Auskünften einen zweistelligen Millionenbetrag in das Fuldaer Unternehmen investieren. Dort bleibt Thomas Gutberlet zwar Geschäftsführer, die Schweizer Eigenmarkenspezialisten bestimmen aber die grundlegende Ausrichtung von Tegut.

Das Supermarktblog hat sich mit Jörg Blunschi, dem Geschäftsleiter der Migros-Genossenschaft Zürich, darüber unterhalten, warum trotz der geplanten Expansion Läden geschlossen werden, wo neue Filialen eröffnen sollen und wie Migros dafür sorgen will, dass Tegut im Wettbewerb bestehen kann.

* * *

Supermarktblog: Herr Blunschi, im deutschen Lebensmittelhandel sind schon viele ausländische Unternehmen gescheitert. Warum sind Sie zuversichtlich, dass es Migros mit Tegut anders gehen wird?

Jörg Blunschi: Deutschland ist ein äußerst kompetitiver Markt. Deshalb ist es besonders schwer, sich als neuer Anbieter zu etablieren. Unter dem Namen Migros hätten wir einen solchen Schritt in diesem Umfang sicher nicht gewagt. Sie müssen aber unterscheiden zwischen einer Neugründung und der Fortführung einer sehr bekannten Kette. Genau deshalb sagen wir ja: Tegut wird Tegut bleiben. Wir wollen gemeinsam mit dem Management in Fulda das Profil schärfen, um zu wachsen. Die Werte, die Tegut seit Jahrzehnten vertritt, passen sehr gut zu Migros. Und im Schweizer Lebensmittelmarkt ist unser Marktanteil so hoch, dass es schwierig ist, noch Wachstum zu erzielen.

Sie wollen Tegut aus den roten Zahlen herausholen. Wo lagen aus Ihrer Sicht in den vergangenen Jahren die Schwachpunkte?

Blunschi: Für ein Unternehmen mit einer Größe wie Tegut ist es sicher schwierig, in einem so dynamischen Markt mitzuhalten, weil Sie Ihre knappen Ressourcen ständig aufteilen müssen. Tegut hat zuletzt stark in seine Produktionsbetriebe investiert. Der Rhythmus, in dem zugleich das Ladennetz hätte erneuert werden müssen, war deshalb zu langsam. Bei ihrer Weiterentwicklung haben Edeka und Rewe in den vergangenen Jahren ein extremes Tempo vorgelegt. Da konnte Tegut nicht mithalten.

Migros-Zürich-Geschäftsführer Jörg Blunschi

Migros hat angekündigt, das zu ändern. Sie haben, knapp zusammengefasst, gesagt: Raus aus Thüringen, rein in die Ballungsgebiete. Richtig?

Blunschi: Ich sage nicht, dass Tegut sich aus Thüringen zurückzieht! Bei den kleinen Läden wird es sicher eine Bereinigung geben. Das wird kein Kahlschlag, wir prüfen jedoch auslaufende Mietverträge sehr genau. Tegut soll wachsen. Dazu gehört es auch, sich von Märkten zu trennen, die nicht rentabel zu betreiben sind. Mein Eindruck ist, dass Tegut seine Stärken tatsächlich in den Ballungsgebieten, vor allem Richtung Süden, ausspielen, kann. Es wird ganz sicher neue Märkte in Baden-Württemberg geben. Wir wollen aber auch im bestehenden Wirtschaftsgebiet neue Mietverträge abschließen, wenn es Gelegenheiten gibt.

Um wieviele Läden, die geschlossen werden könnten, geht es denn?

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Migros kauft Fuldaer Bio-Pionier: Wie geht’s weiter mit Tegut?

Bis Weihnachten ist es zwar noch ein bisschen hin, aber der Schweizer Handelskonzern Migros hat sich schon ein paar Wochen vorher einen großen Wunsch erfüllt – und die hessische Supermarktkette Tegut gekauft. Die ist künftig nicht mehr eigenständig, sondern gehört ab Januar komplett den Schweizern. Thomas Gutberlet, Sohn des Tegut-Gründers, soll als Chef mit an Bord bleiben.

Einerseits ist der Verkauf eine traurige Nachricht: Weil ein familiengeführtes Unternehmen mit überschaubarer Größe sich im deutschen Markt offensichtlich selbst dann nicht dauerhaft gegen die starke Konkurrenz behaupten kann, wenn es ein klar umrissenes Konzept hat. Und mit seiner Mischform aus Supermarkt und Bioladen trifft Tegut derzeit ziemlich gut den Nerv der Zeit.

Andererseits lässt sich durch die Migros-Übernahme womöglich Schlimmeres verhindern. Der “Lebensmittelzeitung” zufolge hatte auch Rewe Interesse an einem Einstieg. Da Rewe aber im Rhein-Main-Gebiet schon geradezu übermächtig ist, hätte das für viele Tegut-Filialen womöglich drastische Konsequenzen bedeutet.

Jetzt kommen also die Schweizer. Und bringen haufenweise Eigenmarken mit. Für die ist Migros in der Heimat nämlich bekannt, und der Konzern hat auf der Pressekonferenz am Donnerstagmorgen bereits angekündigt, einen ganzen Schwung davon in die Tegut-Filialen holen zu wollen. Obwohl die Läden weiter Tegut heißen sollen.

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Berlin? Viel zu weit weg! Tegut erklärt seinen Expansionsradius

Wie qualifiziert man sich am besten für die Geschäftsführung eines Unternehmens, das in seinen Läden großen Wert auf Bio-Produkte legt und Eigenmarken ohne Geschmacksverstärker verkauft?

Thomas Gutberlet hat gedacht, es ist eine gute Idee, erstmal Dosen-Ravioli zu verkaufen.

Nicht im Kittel an der Kasse oder beim Regaleinräumen. (Das kannte er schon vom Ferienjobben während der Schulzeit in der örtlichen Tegut-Filiale.) Sondern nach dem Studium, als Gutberlet beim Nahrungsmittelriesen Nestlé anfing, erst im Vertrieb für Maggi-Fertiggerichte und später als Produktmanager. Wie passt so ein Job denn bitte schön zu Tegut, das seinen Kunden permanent die Vorteile von biologisch hergestellten Lebensmitteln erklärt und sie ständig zum Selberkochen auffordert? Kleiner Karriere-Irrtum?

Nein, sagt Gutberlet, im Gegenteil: “Ich hab in dieser Zeit sehr viel über Marketing gelernt und über die Art und Weise, wie man professionell Marken in Szene setzt. Von diesem Wissen hab ich profitiert, als wir die Tegut-Eigenmarke gegründet haben.”

2002 ist der heute 42-Jährige nach Fulda gekommen, um ins Unternehmen einzusteigen, das von seinem Großvater Theo gegründet (deshalb auch der Name: The-Gut, später Tegut) und zu dieser Zeit noch von seinem Vater geführt wurde.

“Dass ich irgendwann bei Tegut arbeiten wollte, war mir immer klar”, sagt Gutberlet. “Für mich war aber wichtig, dann die Qualifikation zu haben, tatsächlich eine verantwortungsvolle Position übernehmen zu können. Wenn man dasselbe macht wie der eigene Vater, stellt man sich auch dem Vergleich – und möchte dabei natürlich nicht zu schlecht abschneiden.” Deshalb der Ausflug in die Welt der Tüten und Dosen. Und das vorherige BA-Studium beim Drogerie-Unternehmen dm.

Bei Tegut startete der Enkel des Gründers dann passenderweise mit der Zuständigkeit für Sortiment und Marketing. Die Position war gerade frei geworden und der Einstiegszeitpunkt ideal, weil das dann nicht so aussah, als dränge sich der Junior in die Firma. Im September 2009 übergab ihm der Vater schließlich die Geschäftsführung, genau so wie es schon eine Generation zuvor gelaufen ist. Klingt fast nach einer klassischen Familienbetriebsgeschichte. Bloß dass es die heute eigentlich kaum mehr gibt. Thomas Gutberlet vermittelt aber nicht den Eindruck als habe man ihn breitschlagen müssen, um von Fulda aus den großen Handelsketten Konkurrenz zu machen.

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Tegut-Chef Thomas Gutberlet: “Im Mainstream können wir nur verlieren”

Der Bus vom Fuldaer Stadtschloss ins Industriegebiet fährt jede halbe Stunde, und nach ein paar Minuten steht man auf dem schmalen Gehweg der Kreisstraße an der Haltestelle. Auf der einen Seite lotsen Zufahrtsschilder für die LKWs zur firmeneigenen Großbäckerei und der Fleischproduktion. Gegenüber lässt sich über die Felder auf entfernte Hochhaussiedlungen schauen. Davor steht ein kleiner Bauernhof mit zugeschneiten Heurollen und einem Kreuzdenkmal. Ziemlich katholisch.

Von diesem beschaulichen Örtchen aus versucht Tegut also, den deutschen Lebensmittelhandel in eine neue Richtung zu schubsen. Die Straße weiter runter wehen die bunten Fahnen der Unternehmenszentrale. Im obersten Stock sitzt Geschäftsführer Thomas Gutberlet, 42 Jahre alt, am Ende des Großraumbüros, wo man ihn fast übersehen könnte, und hat Zeit für ein Gespräch übers Einkaufen. Macht man aber eh nicht mehr selbst, wenn man Chef einer eigenen Supermarktkette ist, oder?

Doch, doch, sagt Gutberlet: “Ich kann dabei nur nicht den professionellen Blick abschalten. Mit den Kindern im Einkaufswagen am Samstag in den Laden zu gehen – das ist die beste Marktforschung. Ich sehe dann sofort, was funktioniert und wo es hapert.”

Dann können wir ja loslegen.

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