Alle Texte mit dem Schlagwort Verpackungsdesign

Eigenartig eigenmarkig: Pennys Aufwärmmarke „heat & eat“ und Lidls erster Verpackungsroman

pennyheat02a

Ofen, 190°: 25-30 Min.; Microwelle, 700 W: 2 Min.; Microwelle: 600 W: 50 Sek.

So lauten die Warmmachanleitungen der neuen Penny-Eigenmarke „penny heat & eat“, die vorne auf der Verpackung in einem hellblauen Kasten mit weißer Schrift stehen und dem hungrigen Kochverweigerer von minimaler Aufenthaltsdauer in der heimischen Küche künden. Anderthalb Jahre ist es her, dass sich Penny neue Fantasienamen ins Kühlregal geholt hat, obwohl kurz zuvor noch ein ganzer Schwung entsorgt worden war. Die Eigenmarkenmauser sei „ein fortlaufender Prozess“, erklärte das Unternehmen damals (siehe Supermarktblog).

Jetzt hat der Rewe-Discounter schon wieder eine Neue! Sie heißt „penny heat & eat“, mag’s gerne kühl im Regal und ähnelt, nicht nur weil sie klein geschrieben wird, der großen Schwester „penny to go“.

Dabei hat der Rewe-Discounter nicht urplötzlich eine neue Leidenschaft für Fertigessen entdeckt: Die meisten Produkte gab’s auch vorher schon. Bloß unter anderen Namen. Neu sind (mal wieder) das Design und der auffällige Hinweis vorne auf der Packung, an welches Gerät der Inhalt zum Aufwärmen delegiert werden muss. Das ist an sich keine blöde Idee. Blöd ist nur, dass Penny damit weiter zur Kundenverwirrung beiträgt.

Weiterlesen

Des Käses neue Kleider: Rewe bekennt sich zu ja!

Neue ja!-Verpackung bei Rewe

Nach 30 Jahren kommt bei jeder Eigenmarke mal die Zeit, sich zu fragen, was sie bis zum Ablauf ihres Mindesthaltbarkeitsdatums noch alles erreichen möchte und welche bislang ungesehenen Ecken des Supermarkts es für sie noch zu ergründen gibt. Zum Beispiel die fernen oberen Regalreihen, die viele Discountmarken nur vom Hörensagen weit gereister Mittel- und Luxusmarken und aus Kundenschwätzchen kennen, aber nie selbst gesehen haben.

Rewes Billigmarke ja! lässt’s etwas langsamer angehen und hat sich erstmal für eine optische Veränderung entschieden.

Derzeit streifen die ja!-Produkte die farbigen Banderolen ab, die das schlichte weiße Design mit dem dunkelblauen Markenlogo bislang zierten. Die jeweilige Produktbezeichnung steht jetzt wieder frei, wie auf einer Art Tapetenrolle, an die diverse Servierhinweisbilder angedockt sind. (Achten Sie oben beim „Balkankäse“ mal auf die Tomate, die sich zwischen die Tapete und deren angedeutetem Schatten schiebt; ein kleines Meisterwerk der Irritation.)

Zum Vergleich hier nochmal das alte Design:

Alte ja!-Verpackung

Rewe erklärt auf Supermarktblog-Anfrage:

„Das prägnant-schlichte Verpackungsdesign gehört zur Marke, doch behutsame gestalterische Anpassungen gehören genauso zur Markenpflege.“

Weiterlesen

Eigenartig eigenmarkig (1): Mehr Design fürs Kühlthekenseparée

togopasta01

Meistens kommt’s im Leben ja doch auf die inneren Werte an, und beim Lebensmitteleinkauf im Supermarkt ist das nichts anderes. Ein Großteil der Deutschen war jedenfalls über viele Jahre hinweg bereit und in der Lage dazu, sämtliche Äußerlichkeiten zu ignorieren und darauf zu vertrauen, dass sich in den abscheulich aussehenden Eigenmarkenverpackungen tatsächlich etwas zum Verzehr Geeignetes befand. Diese Zeiten neigen sich dem Ende zu.

Inzwischen haben die Handelsketten erkannt, dass es helfen kann, wenn der Hausmeister nicht auch noch fürs Produktdesign zuständig ist, das Auge des Kunden kauft ja sozusagen mit.

Seit seinem Umbau zum Querreihenschönling gibt sich Penny besondere Mühe und hat nach seiner Eigenmarke „Penny“ vor wenigen Wochen bekanntlich die kleine Schwester „penny to go“ in die Läden gebracht, deren Snacks und Smoothies seitdem in einem – neuerdings mit lindgrünem Rahmen verziertem – Kühlthekenseparée am Rande der Obst- und Gemüse-Abteilung einquartiert sind, wo sie auf verzehrbereite Kundschaft warten. Jüngst sind ein paar Fertigfutter-Onkels dazu gestoßen, denen das (in manchen Filialen) vorne aber zuviel Chichi ist, weswegen sich die penny-to-go-Fertiggerichte ins normale Kühlregal eingezogen sind, noch dazu, weil sie etwas mehr Platz brauchen.

Weiterlesen

Mehrgenerationen-Wohnen im Supermarktregal mit Großväterchen Günstig und Neffe Nutzwert

Wenn die Tochter Eigenmarke irgendwann zur Mutter Eigenmarke kommt und wissen will: „Du, Mama, wie war der Opa früher so?“, wird die Antwort höchstwahrscheinlich lauten: billig. Und das wäre gar nicht böse gemeint, sondern bloß wahr.

Selbst wenn es Ihnen beim Einkaufen nicht sofort auffällt: In den Supermarktregalen stehen tatsächlich Eigenmarken verschiedener Generationen. Manche sind noch an ihrem altmodischen Aussehen zu erkennen, bei anderen lässt sich ihr Alter wegen der vielen Facelifts kaum noch erahnen, und wieder andere fallen sofort als Frischlinge auf.

Erste Generation: Die Günstigen

Sie hatten ja damals nichts, die ersten eigenen Produkte der Supermärkte: keine besonders schöne Verpackung, keine fantasiereichen Namen, nicht mal einen ordentlichen Preis. Und zwar mit voller Absicht. Großväterchen Günstig wurde förmlich aus dem Nichts erschaffen, sozusagen unbefleckte Regalempfängnis. Dafür besaß die erste Eigenmarkengeneration einen eindeutigen Auftrag: die Verteidigung des Supermarktgeschäfts gegen die aggressiven Discounter mit sichtbar billigen Grundnahrungsmitteln wie Milch, Butter und Doppelkeksen.

Zweite Generation: Die Selbstverwirklicher

Mit ihren Eltern wollten die Eigenmarken der zweiten Generation nicht mehr so viel zu tun haben. Das Sparsamkeitsdiktat war ihnen suspekt, plötzlich zählten Werte wie Vielfalt und Geschmack. Einige Eigenmarken imitierten ihre Vorbilder, die Marken, indem sie deren Verpackungen nacheiferten. Im Laufe der Jahre gründete sich eine Öko-Bewegung, die strikt auf ihre biologische Herstellung besteht und geradezu fanatisch Zertifikate sammelt. In den vergangenen Jahren sind vereinzelt Neureiche hinzugekommen, die offen damit kokettieren, wie edel ihre Zutaten und wie modisch ihre Hüllen sind. (Eine gewisse Arroganz lässt sich bereits an der Selbstbezeichnung als „Premiummarke“ ablesen.)

Weiterlesen

Wie das Design für Rewes „Feine Welt“ entstand

Äpfel und Birnen werden auf Hochglanz poliert, bevor sie ins Regal kommen. Bananen müssen immer schön gelb sein. Wenn am Salat ein paar welke Blätter dran sind, lassen wir ihn im Supermarkt lieber liegen. Und Kartoffeln werden glatt geputzt, bis kein Gramm Erde mehr zu sehen ist. Aber alles, was die Natur uns nicht freundlicherweise vorverpackt hat, sondern von der Lebensmittelindustrie in bunt bedruckte Scheußlichkeiten gestopft wurde, legen wir widerstandslos in den Einkaufswagen.

Warum ist das so? Weil wir’s nicht anders kennen.

In der Supermarktblog-Verpackungskritik (Teil 1 und Teil 2 nachlesen) gab es neulich außer den vielen Negativbeispielen auch eine Ausnahme. Dies ist die Geschichte dazu.

* * *

„Die Deutschen sind es gewöhnt, im Supermarkt alles sehr genau erklärt zu kriegen“, sagt Katrin Niesen. „Auf der Verpackung steht deshalb immer, warum dieses oder jenes Waschmittel besser wäscht. Und auf fast jedem Joghurt muss der Löffel drauf sein, damit man merkt, dass man’s löffeln muss.“ Vor drei Jahren hat Niesen glücklicherweise ein weitgehendes Löffelabbildungsverbot durchsetzen können: bei der Präsentation für die Verpackungen der neuesten Rewe-Eigenmarke.

Als Ergänzung zu den „Ja!“-Discountprodukten, der „Rewe“-Mittelmarke und den „Rewe Bio“-Sachen sollte es künftig auch Lebensmittel geben, die zwar nicht unbedingt fürs tägliche Sattwerden benötigt werden. Aber dafür als Glücksanreger: eine besondere Schokolade, ein exotischer Saft, ein außergewöhnlicher Honig.

Die Vorgabe von Rewe war: Entwerft uns Verpackungen, an denen man im Supermarkt nicht einfach so vorbeigehen kann, sondern neugierig wird – darauf, wie das schmeckt, was drin steckt. „Wir wollten ein Design für Premium-Produkte entwickeln, die die Leute jeden Tag kaufen können, und vor allem auch als Geschenk mitbringen würden, wenn sie bei Freunden eingeladen sind“, sagt Niesen, Creative Director bei der Peter Schmidt Group, die sich auf Logo- und Produktdesign spezialisiert hat. Von den Hamburgern kommt das Design für die neue Apollinaris-Flasche, die Verpackung für Persil, der Beck’s-Relaunch. Und das Design für „Rewe Feine Welt“.

Das Ergebnis sieht so aus:

Weiterlesen