Wie sich Kaufland und Rewe vor der Tengelmann-Übernahme verbiegen

Wie sich Kaufland und Rewe vor der Tengelmann-Übernahme verbiegen

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Weil das Kartellamt „wettbewerbliche Bedenken“ gegen den Deal zwischen Edeka und Kaiser’s Tengelmann hat, meldet die Konkurrenz Interesse an. Zum Teil mit abenteuerlichen Argumenten.

Partner und Sponsoren:

In der zurückliegenden Woche hat das Bundeskartellamt einen Warnschuss an Edeka abgefeuert, dass die angemeldete Übernahme der 451 Supermärkte von Kaiser’s Tengelmann so nicht genehmigungsfähig sei, unter anderem, weil dies „zu einer Verdichtung der ohnehin stark konzentrierten Marktstrukturen insbesondere in Berlin, München und einzelnen größeren Städten in Nordrhein-Westfalen führen“ würde. Die beiden Unternehmen können noch bis Mitte der Woche Stellung dazu nehmen, mit einer endgültigen Entscheidung wird Anfang März gerechnet – falls es nicht zu einer Fristverlängerung kommt.

Währenddessen haben sich die Wettbewerber schon in Position gebracht, um ihren Teil des Kada… – pardon: ihren Teil von Kaiser’s Tengelmann abzukriegen. Einige demonstrieren dabei eine ganz erstaunliche Biegungsfähigkeit.

Laut „Tagesspiegel“ liebäugelt zum Beispiel auch Kaufland mit einer Teil-Übernahme. „Wir haben durchaus Interesse an einzelnen Kaiser’s- und Tengelmann-Filialen“, lautet das vollständige Sprecher-Zitat aus der Samstagsausgabe dazu. Auf eine Einschätzung, wie realistisch die eingeholte Information ist, verzichtet der „Tagesspiegel“. Dabei dürfte das Kaufland-Statement vor allem taktischer Natur sein.

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In vielen Kaiser’s- oder Tengelmann-Filialen brächte der Riesendiscounter allenfalls seine Getränkeabteilung und das Salzbrezelsortiment unter, anders gesagt: Die Supermärkte sind viel zu klein für Kaufland. Nun ist die Kette zwar äußerst expansionshungrig und bereit, dafür zahlreiche Kompromisse einzugehen. Auf noch engerem Raum als bisher ist das Kaufland-Konzept in Innenstadtlagen (und um die geht es bei Kaiser’s Tengelmann mehrheitlich) aber wohl kaum sinnvoll umsetzbar. Es sei denn, man erfände dafür ein Kaufland-City-Konzept und riskiert, der Konzernschwester Lidl in die Quere zu kommen.

Nee, eher nicht.

Schon vor Monaten hat auch Rewe artig aufgezeigt, dass man auch noch da sei. Gerade signalisierte Rewe-Chef Alain Caparros nochmal, ebenfalls Interesse an den Märkten zu haben und, falls er den Zuschlag kriegte, sämtliche Arbeitsplätze erhalten zu wollen. Das ist freundlich. Wäre aber genauso problematisch wie eine Übernahme durch Edeka.

Einer der großen Kritikpunkte – auch von Rewe – ist es, dass Edeka z.B. in Berlin mit seinem Marktanteil uneinholbar vorne läge, wenn die Fusion durchkäme. Dabei hat Rewe in der Hauptstadt schon seit längerem ganz schön aufgeholt. 2008 wurden die Extra-Supermärkte von Metro übernommen und aufs eigene Konzept umgestellt; Schlag auf Schlag wurden zuletzt neue Filialen eröffnet oder alte weggerissen und komplett neugebaut.

Rewe-Neubau in Berlin

Mag sein, dass Edeka vor allem dank der Reichelt-Märkte in der Hauptstadt gut positioniert ist. In vielen Bezirken sind Edeka-Märkte allerdings hoffnungslos veraltet und heruntergekommen. In einigen Ost-Bezirken hat sich dafür Rewe als passabler Platzhirischstellvertreter von Kaiser’s durchgesetzt. Gingen die Kaiser’s-Märkte an Rewe, würde das die Situation für die Kunden genauso verschlechtern.

Außerdem traut sich Caparros, in Berlin vor einer Situation zu warnen, die ihm in einer anderen deutschen Großstadt sehr recht ist. In Frankfurt ist Rewe unangefochten die Nummer 1, so sehr, dass viele Frankfurter wegen der fehlenden Auswahlmöglichkeiten ziemlich genervt sind. Mit Schuld daran ist absurderweise auch das Kartellamt. Vor gerade einmal fünf Jahren gab Kaiser’s Tengelmann seine Rhein-Main-Läden an die Konkurrenz ab. Das Kartellamt stimmte ohne Auflagen zu. 65 Märkte gingen an Rewe, 20 an Tegut, das sich damals noch ohne die Schweizer Migros im Rücken aber übernommen hatte und nicht alle Märkte halten konnte.

Natürlich wäre es interessant zu sehen, wie Migros seinen Neuzugang Tegut mit einem Schlag bundesweit in großen Ballungsräumen etablieren könnte, wenn man sich um Kaiser’s Tengelmann bemühen würde. Weil zwei kleine Ketten zu einer mittelgroßen fusioniert noch einmal Bewegung in den Markt brächten. Die damit verbundenen Sorgen und Kosten werden sich die Schweizer aber gerade eher nicht ans Bein binden wollen.

Im Grunde ist das Problem mit Kaiser’s Tengelmann folgendes: Allen Kandidaten, die sich eine Übernahme leisten könnten (und derzeit zu Wort melden), müsste man diese eigentlich verwehren, weil sie die vom Bundeskartellamt in seiner Sektoruntersuchung kritisierte Situation weiter verschlechtern würden. Unternehmen, mit denen das nicht der Fall wäre, werden sich eine Übernahme aber nicht leisten können oder wollen. Kann sein, dass es am Ende auf eine Zersplitterung hinausläuft und mehrere große Ketten profitieren.

Im Moment sieht es so aus, als ließe sich eine weitere Konzentration dadurch nicht verhindern.

Fotos: Supermarktblog

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3 Kommentare
  • Schade, dass Tengelmann kein Bock auf Lebensmittelhandel hat. Die ehemaligen Plus-Filialen sind als Netto ja sehr erfolgreich, auch viele Kaisers-Filialen sind sehr profitabel. Aber statt die Probleme anzugehen bzw. einfach zu schließen, verkauft man lieber.
    Naja, sollen die halt mit Kik und ihrem Internetzeug untergehen.

  • war auch mal kaisersmitarbiterin ,weiss wie schwer die arbeit im handel ist.denkt irgendwer an die mitarbeiter,sie sitzen in der warteschleife und ihre zukunft ist unsicher .kaisers hat immer geprallt —-wir sind eine grosse familie—eine familie lässt keinen fallen.bin sehr enttäuscht

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