Mit Uber Eats, Lieferando, Wolt: Rewe plant nationale Präsenz im Quick Commerce

Mit Uber Eats, Lieferando, Wolt: Rewe plant nationale Präsenz im Quick Commerce

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In Köln will man die schnelle Lebensmittel-Lieferung aus regulären Supermärkten als zusätzlichen Kanal neben dem eigenen Abhol- und Lieferservice etablieren. Regie-Filialen sollen davon genauso profitieren wie die Märkte selbstständiger Kaufleute. Und zwar – nach dem Start in drei neuen Städten – perspektivisch landesweit.

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Nach ersten Tests, wie die Lieferung per App bestellter Lebensmittel aus regulären Supermärkten funktionieren kann (siehe Supermarktblog vom August), erweitert Rewe seine Quick-Commerce-Initiative deutlich: auf alle großen Plattform-Anbieter, die derzeit in Deutschland aktiv sind. Ab sofort wird der Service in drei neuen Städten aufgeschaltet: in Hamburg (via Lieferando), Köln (via Wolt) sowie Frankfurt am Main (via Uber Eats, das neu hinzukommt).

In diesen Städten erhalten Nutzer:innen der App des jeweiligen Partners die Möglichkeit, Lebensmitteleinkäufe bei Rewe direkt zu tätigen, die dann in stationären Filialen kommissioniert und über die Logistik des Partners zeitnah nachhause gebracht werden.

Zuletzt hatte es einen entsprechenden Test mit Lieferando und Wolt in Jena und München gegeben, an dem selbstständige Kaufleute beteiligt sind. (Auch in Stuttgart und Köln testen Rewe-Kaufleute via Wolt.)

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Nun schaltet Rewe zusätzlich Regiemärkte – also selbst betriebene Filialen – auf, und zwar mit dem erklärten Ziel, das Modell landesweit auszurollen. Clemens Bauer, Director REWE E-Commerce, erklärt gegenüber Supermarktblog.com:

„Wir werden zusammen mit Lieferando, Wolt und Uber Eats das Thema Quick Commerce aus unseren Märkten heraus sehr bewusst und sehr intensiv vorantreiben – und sehr schnell eine nationale Abdeckung in diesem Service erreichen.“

Ein Markt, mehrere Plattformen

Pro Stadt gehen zunächst fünf bis zehn Märkte live. Das Liefergebiet für die „REWE Sofort-Lieferung“ umfasst jeweils rund drei Kilometer Umkreis. Zuerst wird geprüft, ob die Systeme unter Druck standhalten und die Abrechnung funktioniert. Danach kommen die selbstständigen Kaufleute breiter dazu.

Perspektivisch will Rewe eine nationale Abdeckung erreichen. Einen genauen Zeitplan dafür nennt Bauer nicht.

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Es gehe bei der Initiative nicht darum, einen künftigen Exklusiv-Partner auszuwählen. Stattdessen hält man sich alle Optionen offen. Denkbar sei, dass Märkte künftig auf mehreren Plattformen gleichzeitig vertreten sind – etwa, wenn Kaufleute Kapazitäten aufgebaut hätten, um ihr tägliches Bestellvolumen aktiv zu steigern.

Ob das funktioniert, dürfte von mehreren Faktoren abhängen: in erster Linie von der Nachfrage der Kund:innen am jeweiligen Standort und der Personalsituation im betroffenen Markt. Gleichzeitig müssen aber auch die Partner unter Beweis stellen, dass ihre Prozesse stabil laufen und sie ihre Logistik für das Angebot skaliert kriegen.

Wechsel zwischen zwei Kanälen

Für die Kommissionierung der Einkäufe in den Märkten plant Rewe, zusätzliches Personal zu beschäftigen. Denn im Quick Commerce kommt es darauf an, dass die eingegangenen Bestellungen so schnell wie möglich fertig sind, um sie in die Zustellung zu geben.

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Bauer sagt, Rewe habe die Kommissionierfähigkeit in seinen Märkten ja längst erfolgreich aufgebaut – im Zuge des eigenen Abholservice, der bereits an über 2.000 Standorten verfügbar ist. Für den neuen Dienst können nun zusätzliche Picker:innen eingestellt werden, die ihre Arbeitszeit flexibel zwischen den Kanälen aufteilen, zumal beide Dienste über dieselbe IT laufen. Bauer rechnet mit ein bis zwei zusätzlichen Kräften pro Markt, weil der ganze Tag abgedeckt werden muss.

Getrieben ist das Vorhaben auch vom Erfolg des Abholservice, der sich aus Rewe-Sicht sehr gut entwickelt – und demonstriert hat, dass sich stationäre Märkte in die kanalübergreifende E-Commerce-Strategie des Händlers (siehe Supermarktblog) integrieren lassen.

Die Kaufleute sollen mitprofitieren

Zugleich bestätigt Bauer, dass man über die Partnerschaften im Quick Commerce den rund 1.600 selbstständigen Rewe-Kaufleuten ein funktionierendes Modell an die Hand geben wolle, damit diese vom wachsenden Online-Geschäft mitprofitieren können:

„Unser Ziel ist, die Standorte fit dafür zu machen, dass sich die Lieferung aus dem Markt kostengünstig umsetzen lässt.“

Dass man dabei mit mehreren Plattformen kooperiert, ist konsequent – denn die einzelnen Anbieter haben unterschiedliche Stärken. Während sich der Erfolg von Wolt eher auf die großen Städte konzentriert, ist Lieferando stark in der Fläche vertreten. Uber Eats sortiert sich aktuell dazwischen (und dürfte vom Rewe-Deal am meisten profitieren, weil man hierzulande bisher noch kein nennenswertes Lebensmittel-Geschäft mit einem bekannten Händler aufbauen konnte).

Die Rewe-Initiative hat aber auch das Potenzial, einem bisherigen Partner in die Quere zu kommen: Flink.

Konkurrenz für Flink – vom eigenen Partner

Der Quick-Commerce-Spezialist ist deutschlandweit in 60 Städten mit einem eigenen Angebot vertreten, via Lieferando sogar unter dem (zusätzlichen) Namen „Rewe express“. Es wird interessant zu beobachten sein, wie sich die Angebote künftig zueinander verhalten – und wo bzw. ob der Rewe-eigene Service auf Lieferando tatsächlich direkt mit Rewe express konkurrieren wird.

Flink ist auf Lieferando unter dem Namen „Rewe express“ unterwegs. Foto [M]: Screenshot Lieferando/Smb

In zahlreichen Städten dürften Rewe und Flink künftig jedenfalls parallel zueinander auf den Plattformen der Partner stehen – und damit auch um dieselben Kund:innen werben.

Das könnte noch interessant werden. Es muss auch nicht zwangsläufig auf eine Rewe-Abkehr von Flink hinauslaufen, wo die Kölner:innen ja nicht nur investiert sind, sondern auch als Hauptlieferant im Warengeschäft auftreten. Das selbst steuerbare Plattformgeschäft wäre aber in jedem Fall eine Absicherung – für den Fall, dass sich Flink anders entwickelt als erhofft. Unter einem möglichen neuen Mehrheitseigentümer etwa. Oder falls dem Start-up irgendwann die benötigten Finanzmittel ausgingen.

Über alle Kanäle hinweg

Rewe-E-Commerce-Director Bauer ist in jedem Fall optimistisch, Quick Commerce als zusätzlichen Umsatzbringer für die Genossenschaft erschließen zu können.

„Wir sehen in den Testmärkten in Jena nahezu keine Kannibalisierung zwischen Abholservice und Quick Commerce – beide sind im Testzeitraum gewachsen.“

Es ist aber gut möglich, dass sich das auf nationaler Ebene noch einmal anders sortiert. (Denn wer als Kund:in Lebensmittel für sofort ordert, muss sie natürlich nicht mehr am Markt abholen.)

Genau wie beim Zusammenspiel von stationärem Einkauf, Abholservice und eigenem Lieferservice schaut man in Köln vor allem darauf, ob die Umsätze, die Kund:innen über sämtliche Kanäle hinweg bei Rewe tätigen, wachsen (Bauer: „die einzige logische KPI“).

Die Auswirkungen des Modells auf den Rewe Lieferservice – bei dem Kund:innen ihren kompletten Wocheneinkauf ordern – hält Bauer eher für vernachlässigbar. Dazu würden sich die Dienste zu sehr unterscheiden.

Ein eigener Platz für Schnelldreher?

Die Befürchtung, dass die Märkte mit der Vielzahl der zu bedienenden Kanäle künftig überfordert sein könnten, scheint man in Köln auch nicht zu haben – und denkt schon für die Zukunft mit. Für den Fall, dass die digitalen Bestellungen stetig zunehmen, hat man sich mehrere Modelle angesehen; etwa das von Migros in der Türkei, wo erfolgreich mit Mini-Darkstores gearbeitet wird, die direkt an die regulären Läden angeschlossen sind. Bauer:

„Was die Kollegen in Istanbul machen, ist sensationell: 3.000, 4.000 Artikel auf 200 Quadratmetern hinter dem Markt – und man kann trotzdem 8.000 Artikel anbieten, weil man den anderen Teil aus dem Markt kommissioniert.“

Eines zeichnet sich in Köln auf jeden Fall ab: Quick Commerce wird als dauerhafter eigener Kanal betrachtet, nicht als vorübergehende Ergänzung. Weil Menschen unterschiedliche Einkaufsbedürfnisse haben und dafür unterschiedliche Dienste nutzen werden.

Oder wie es Bauer formuliert:

„Bei jedem von uns gibt es zwischendurch Situationen, in denen man denkt: ‚Jetzt habe ich die Eiswürfel vergessen – und ich kann heute einfach nicht mehr weg.‘ Das Leben ist einfach oft nicht planbar. Und der Kühlschrank kennt keine Öffnungszeiten.“

Was die Rewe-Initiative für Händler wie Edeka und Kaufland, aber auch für selbstständige Kaufleute bedeutet, steht in einer zusätzlichen Einordnung für Supermarktblog-Mitglieder.

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