Veganz stellt eigenen Online-Shop ein und holt sich 1,5 Millionen Euro Crowdinvestment für die Expansion

Veganz stellt eigenen Online-Shop ein und holt sich 1,5 Millionen Euro Crowdinvestment für die Expansion

Veganz erobert Europa – als Produktmarke.
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Beim Berliner Spezialisten für vegane Lebensmittel, Veganz, schien die Haltbarkeit der jeweils aktuellen Geschäftsstrategie in der Vergangenheit deutlich kürzer zu sein als die der verkauften Lebensmittel. Das soll sich jetzt ändern.

Partner und Sponsoren:

Beim Berliner Spezialisten für vegane Lebensmittel, Veganz, war die Haltbarkeit der jeweils aktuellen Geschäftsstrategie in der Vergangenheit oftmals deutlich kürzer als die der verkauften Lebensmittel.

Bis auf drei Berliner Läden (Friedrichshain, Prenzlauer Berg, Kreuzberg) ist von der ehemals ersten veganen Supermarktkette Europas inzwischen nicht mehr viel übrig. Nach Ausflügen in den Großhandel und die Gastronomie scheint sich das Unternehmen um Gründer Jan Bredack so langsam als Hersteller veganer Produkte einzupendeln. Tatsächlich stehen Veganz-Produkte inzwischen in beachtlich vielen Läden im Regal, „über 10.000 Verkaufsstellen weltweit“, heißt es bei den Berlinern

In Deutschland sind schon vor einiger Zeit nach Edeka, dm, Rossmann und Kaufland auch Rewe (Foto) und Karstadt hinzu gekommen – nur die klassischen Discounter sollen weiterhin außen vor bleiben, um Preisdrückerei zu vermeiden. Im Ausland sind u.a. Carrefour, Coop und Spar als Partner an Bord. Und seit kurzem sind ausgewählte Veganz-Produkte sogar in China erhältlich: auf der E-Commerce-Plattform Xiaohongshu.

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Wer trotzdem keinen Laden mit Veganz-Sortiment in der Nähe hatte, konnte die Produkte einfach bei den Berlinern direkt ordern – bis Ende Juli überraschend eine „Sommerpause“ für den eigenen Online-Shop angekündigt wurde, inklusive Rabatten auf Restbestände.

Kein eigener Online-Shop mehr

Seit Anfang September steht auch fest, warum: Der eigene Webshop ist eingestellt, Veganz-Artikel werden seitdem über den Oldenburger Vegan-Versender Vekoop verkauft.

„Mit vekoop haben wir einen Partner gefunden, der die gleichen Ziele für eine nachhaltigere Welt verfolgt und gleichzeitig ein Spezialist im Onlinehandel ist.“

Das passt zur Strategie, sich vollständig aus dem Handelsgeschäft zurückzuziehen, mit dem Veganz ursprünglich gestartet war, und auf die Entwicklung der Marke (mit mehr als 160 Produkten) zu konzentrieren.

Ende August hat das Unternehmen seine treuen Kunden gefragt, ob sie bei der Finanzierung der weiteren Expansion helfen – mit 250.000 Euro über die Finanzierungsplattform Kapilendo:

„Investiere in das, was du liebst.“

Die Mindestsumme war bereits kurz nach dem Kampagnenstart im Sack. Und vor Abschluss der 30-tägigen Frist hat Veganz am Freitag nur knapp die 1,5-Millionen-Marke verpasst. Insgesamt sind 1.479.100 Euro zusammengekommen. Damit soll nicht nur der Start in Spanien, Portugal, Skandinavien und Polen finanziert werden, auch eine Stärkung des Außendiensts ist geplant. Zudem gibt es Pläne für weitere neue Produkte, u.a. probiotisches Müsli und Porridge.

Treue Kunden und Investoren

Das Vertrauen der Vegan-Fans in Bredacks Vision scheint (trotz zahlreicher Strategiewechsel) nach wie vor groß zu sein. Allerdings erklärt der Gründer auf Kapilendo: „Die Altgesellschafter und Mitarbeiter investieren fast alle mit“ – ohne konkret zu werden, in welcher Höhe. „Altgesellschafter“ sind u.a. die Beteiligungsgesellschaft der Katjes-Gruppe, Katjesgreenfood, und Timo Hildebrand, ehemaliger Nationaltorwart.

Veganz will seinen Crowd-Investoren jährlich mindestens 7,5 Prozent Zinsen zahlen; abhängig von der Entwicklung des Nettoumsatzes sogar mehr. Ganz ohne Risiko ist das aber nicht: Die Investments der Crowd werden als Nachranganleihen geführt. Erreicht Veganz seine Ziele nicht und kriegt Probleme, haben die Ansprüche anderer gegenwärtiger und zukünftiger Gläubiger des Unternehmens Vorrang.

Anlässlich der Crowdfinanzierung hat Veganz noch ein paar interessante Details zu seinem Geschäft veröffentlicht:

  • 2017 wurden 33 neue Produkte gelauncht (ein Fünftel des aktuellen Sortimentumfangs).
  • 90,3 Prozent der Veganz-Kunden sind weiblich.
  • Im Zuge der Ausweitung des Großhandelsgeschäfts und der Belieferung etablierter Supermarktketten mit veganen Lebensmitteln sind die Umsätze in den Veganz-eigenen Filialen seit dem 2. Quartal 2015 zurückgegangen, 2016 um zirka 20 Prozent.

  • Die daraus resultierende Schließung der Filialen und die Aufgabe des Großhandelsgeschäfts hat (naturgemäß) zu stark sinkenden Umsätzen geführt. Für 2018 plant Veganz mit 22,8 Millionen Euro (2016 waren es noch rund 30 Mio.); erst 2019 soll das EBIT wieder positiv sein.
  • Mit den verbliebenen Berliner Läden erziele man „bei nur noch geringen Verlusten einen Umsatz von 2,4 Millionen Euro“, seit Mitte 2017 würden sich die Umsätze „wieder positiv“ entwickeln.

(Von den vor anderthalb Jahren in Aussicht gestellten Filialumbauten ist inzwischen keine Rede mehr.)

Fotos: Supermarktblog"

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