Marqt in Amsterdam: Bargeld? Führen wir nicht

Das Tor zum Supermarkthimmel und das zur Supermarkthölle sehen sich manchmal zum Verwechseln ähnlich. So zum Beispiel:

Marqt-Filiale in Amsterdam

Wo Sie landen, wenn Sie die Pforte durchschritten haben, kommt ganz auf Ihre Erwartungshaltung an.

Kunden, die sich jeden “Super-Samstag” bei Lidl im Kalender anstreichen, um günstige Lebensmittel fast kostenlos zu bekommen, die auch bei Edeka am liebsten “Gut und günstig” kaufen, aber auch Kunden, die ausschließlich Lebensmittel mit Bio-Garantie kaufen, kurz: für alle, die im deutschen Supermarktsystem (a)sozialisiert wurden, ist die niederländische Lebensmittelmarktkette Marqt der Horror. Weil darin fast keine der Regeln gilt, an die sich die Deutschen gewöhnt haben.

Keine Sonderangebotsbrüllerei: Das Design der Läden passt sich der jeweiligen Lokalität an, und nicht einer zentral designten Gleichförmigkeit. Platz für quietschbunte Sonderangebote oder Werbetafeln gibt es nicht. Dafür schlichte Metalltresen und -regale. Und jede Menge unperfekten Industriehallencharme.

Marqt-Filiale in Amsterdam

Keine Bio-Garantie: Marqt hat reichlich Bio-Lebensmittel im Sortiment, macht daraus aber kein Dogma. Oberste Regel ist stattdessen: Lebensmittel sollen möglichst frisch sein, möglichst regional und – wenn sie verarbeitet sind – möglichst wenig Zusatzstoffe haben.

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dm ersetzt Wegwerf-Plastiktüten durch Wegwerf-Infobroschüren

Gratis-Plastiktüten an der dm-Kasse

Sicher haben Sie auch bereits die “einschneidende Veränderung” mitbekommen, von der u.a. die WAZ berichtet: “Viele dm-Kunden müssen künftig auf die Gratis-Tüten verzichten.” (Eigentlich hätte der Satz natürlich lauten müssen: “Viele dm-Kunden müssen künftig auf die Gratis-Tüten verzichten!“)

Die Drogeriekette hat diversen Medien bestätigt, was zuvor diverse Medien berichtet hatten: Den Filialleitern ist es freigestellt, ob sie die billigen Plastikfetzen, die bislang das Ende des Kassentresens schmückten und zufällig in Tütenform gepresst waren, noch anbieten – oder nicht. In den Läden, die sich dagegen entschieden haben, hängt nun unter der Überschrift “Wo sind die kleinen Tüten hin?” der Hinweis:

“Lassen Sie uns der Umwelt zuliebe den Tütenverbrauch reduzieren. Sprechen Sie uns an und erfahren Sie mehr über unsere nachhaltigen Taschen.”

dm-Tütenersatzrätsel an der Kasse

Das kann man vorbildlich nennen. Oder einfach: überfällig.

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Wie sich Kaufland und Rewe vor der Tengelmann-Übernahme verbiegen

Kaiser's in Berlin

In der zurückliegenden Woche hat das Bundeskartellamt einen Warnschuss an Edeka abgefeuert, dass die angemeldete Übernahme der 451 Supermärkte von Kaiser’s Tengelmann so nicht genehmigungsfähig sei, unter anderem, weil dies “zu einer Verdichtung der ohnehin stark konzentrierten Marktstrukturen insbesondere in Berlin, München und einzelnen größeren Städten in Nordrhein-Westfalen führen” würde. Die beiden Unternehmen können noch bis Mitte der Woche Stellung dazu nehmen, mit einer endgültigen Entscheidung wird Anfang März gerechnet – falls es nicht zu einer Fristverlängerung kommt.

Währenddessen haben sich die Wettbewerber schon in Position gebracht, um ihren Teil des Kada… – pardon: ihren Teil von Kaiser’s Tengelmann abzukriegen. Einige demonstrieren dabei eine ganz erstaunliche Biegungsfähigkeit.

Laut “Tagesspiegel” liebäugelt zum Beispiel auch Kaufland mit einer Teil-Übernahme. “Wir haben durchaus Interesse an einzelnen Kaiser’s- und Tengelmann-Filialen”, lautet das vollständige Sprecher-Zitat aus der Samstagsausgabe dazu. Auf eine Einschätzung, wie realistisch die eingeholte Information ist, verzichtet der “Tagesspiegel”. Dabei dürfte das Kaufland-Statement vor allem taktischer Natur sein.

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Helau! Alaaf! Lidl geht dieses Jahr als Edeka

Neue Ladendeko bei Lidl

Weite Teile Deutschlands sind in diesen Tagen lahmgelegt, weil sich Menschen auf öffentlichen Plätzen und in Kneipen treffen, um möglichst originell verunstaltet miteinander zu feiern und sich einer jährlichen Alkoholverträglichkeitsprüfung zu unterziehen. Als Discounter aus dem Volk will Lidl da natürlich nicht außen vor bleiben und zecht so richtig mit! Sogar eine originelle Verkleidung hat sich das Unternehmen zugelegt: Dieses Jahr geht Lidl als Edeka!

Der Supermarkt-Konkurrent ist, außer durch die verzweifelt wirkenden Anknüpfungsversuche an seinen “Supergeil”-Werbehit aus dem vergangenen Jahr, immer noch vor allem durch seinen biederen, aber prägnanten Spruch “Wir lieben Lebensmittel” und die dazugehörige schiefertafelige Sortimentsinszenierung bekannt. Genau das nimmt Lidl jetzt auf die Schippe.

Eigens für den Karneval 2015 werden in sämtlichen Lidl-Filialen schon seit Wochen Feelgood-Pappen aufgehängt, auf denen vor anthrazitfarbenem Hintergrund Sinnsprüche zu wichtigen Artikeln aus dem Sortiment stehen:

“Gutes Frühstück erkennt man an der Vielfalt.”
“Gutes Joghurt erkennt man am Geschmack. ”
“Gute Wurst erkennt man an der Herstellung.”
“Guten Käse erkennt man an der Reife.”
“Gutes Waschmittel erkennt man an der Reinheit.”

Vielfalt, Geschmack, Reinheit, Lidl. Gnihihi. Nicht schlecht.

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Warum Kitschkulissen im Supermarkt bloß Bauernfängerei sind

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Die modernsten Supermärkte bauen in Deutschland oft nicht die großen Ketten, sondern deren selbstständige Kaufleute.

Vor knapp zwei Jahren eröffnete zum Beispiel der Edeka Niemerszein in der Langen Reihe (Foto oben), nicht weit vom Hamburger Hauptbahnhof. Obwohl er im Erdgeschoss eines Neubaus liegt, fällt Tageslicht in den Laden; große Lichtflächen und Spots sorgen zusätzlich für Antigrottenatmosphäre; Regale, Käsetheken und sogar Gefriertruhen haben sich Echtholz übergeworfen, um sich für die Kundschaft schick zu machen; und in der Ladenmitte stehen Zierpflanzen im Steinbett. Elektronische Preisetiketten gehörten bei Edeka Niemerszein schon vor zwei Jahren zum Standard (siehe Supermarktblog). Das ist alles ganz schön vornehm. (Außer von außen.)

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Mit ihrem Rewe-Markt in den Kölner Opern-Passagen (siehe Supermarktblog) haben die Gebrüder Richrath im vergangenen Herbst noch einen draufgesetzt. Mitten in der Fußgängerzone wurden 1600 Quadratmeter, die vorher zur Rewe-Elektronikkette Pro Markt gehörten, umgebaut. Jetzt gibt’s dort auf zwei Etagen Lebensmittel, mitten in der Stadt. Die Gänge sind breit und erfreulich stapelfrei, und die Fläche vor der Getränkeabteilung im Untergeschoss ließe sich problemlos an eine örtliche Tanzgruppe vermieten, ohne dass deren Proben für die nächste Aufführung den Einkauf stören würden.

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