Zweiter Pilotmarkt in Darmstadt: Rewe und die Grenzen des neuen Center-Konzepts

Rewe Center in Darmstadt

“Mach Deinen Einkauf zum Erlebnis”, schrieb Marktleiter Klaus Schneider seinen Kunden Ende November im schicken neuen Werbeprospekt und versprach einen kleinen Reigen an Lebensoptimierungen, wenn man ihn mal in seinem wiedereröffneten Laden besuchen würde:

“Freu Dich darauf, Dein Leben bunter, frischer und geschmackvoller zu machen. Freu Dich auf neue Inspirationen. Freu Dich auf Deinen Einkauf!”

Er hätte noch weiter texten können: Freu dich auf ungewöhnliche Eindrücke! Auf Hindernisse, die Deinen Einkauf zum Abenteuer machen! Auf spannende Expeditionen nach Lebensmitteln, die wir für dich aufwändig eingekorbt und im Laden versteckt haben! Freu Dich auf die Wiederentdeckung deines Spürsinns!

Vor anderthalb Monaten hat Rewe seinen zweiten Center-Pilotmarkt eröffnet. Er steht in Darmstadt, war – wie der erste – früher mal ein Toom und ist vielleicht die Antwort darauf, was in Zukunft mit den ganz, ganz großen Flächen im Konzern passieren soll. Auf den ersten Blick sieht alles so aus wie im nur wenige Kilometer entfernten Egelsbach: Der umgebaute Markt leitet seine Kunden auf einem vorgegebenen Weg vom Bistro zu den Kassen, SB-Warenhaus-typische Produkte (Küchenutensilien, Elektronik, Klamotten) sind auf einer großen, separat gestalteten Fläche in der Marktmitte hervorgehoben und sind bis zum Schluss immer im Blickfeld. Das Center legt großen Wert auf Lebensmittel “aus eigener Herstellung”, und am Eingang hängen Porträts lokaler Landwirte, deren Ernten es im Laden zu kaufen gibt. (Mehr zum Thema steht hier im Supermarktblog.)

Plan des neuen Rewe-Center in Darmstadt

Das Center ist deutlich moderner als die übrigen Märkte, die Rewe standardmäßig in die Landschaft klotzt. Vor allem aber zeigt es schon jetzt eindrucksvoll, wo die Grenzen des neu entwickelten Konzepts liegen.

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Das Supermarktblog wünscht allen Lesern frohe Weihnachten und ein Happy End 2014!

Zwei Festtage in einem Produkt: Penny feiert Weihnachte und wünscht "Happy End" 2013

War das wieder ein Jahr! Mit interessanten Neueröffnungen, kuriosen Eigenmarken und jede Menge Gastro-Gehversuchen. Jetzt ist erstmal kurz Pause. Ich wünsche Ihnen ein frohes Fest und einen guten Start ins neue Jahr. Stehen Sie zwischen den Feiertagen nicht so lange an Kassen herum.

Eins noch: Ich freu mich wirklich sehr darüber, wie kenntnisreich, gesittet und lustig hier im Blog diskutiert wird. Es macht großen Spaß zu lesen, wie Sie einkaufen. Ich hoffe, Sie schicken auch im neuen Jahr weiter so tolle Themenvorschläge bzw. mich in Supermärkte quer durchs Land!

Anders gesagt: Vielen Dank fürs Mitlesen, Kommentieren und Teilen!

Foto: Supermarktblog

Darf’s ein Röllchen mehr sein? Eat Happy macht frisches Sushi im Supermarkt

Sushi-Würfel in einem Kölner Rewe-Supermarkt: Vorne frisch, hinten gemacht

Wer schon immer bedauert hat, die im Supermarkt mühevoll selbst eingesammelten und durch die Kassenzone hindurchverteidigten Lebensmittel zuhause dann auch noch aus eigener Kraft in Mahlzeitform bringen zu müssen, kann aufatmen. Den letzten Schritt übernehmen künftig freundliche Herrschaften an quadratischen Theken, die sich sogar dabei zuschauen lassen, wie sie Vorspeisen und Abendessen herstellen und in eine transportable Form bringen.

Zumindest, wenn es sich dabei um Sushi-Menüs handelt.

“Eat Happy” heißen die würfelartigen Konstruktionen, die mitten im Supermarkt stehen (Foto oben) und so eine Art Frischetheke der nächsten Generation sind, weil in der gekühlten Auslage weder Emmentaler noch Schweinenackensteak liegen, sondern roher Fisch im Reismäntelchen mit Algenpapierüberwurf. Und weil direkt dahinter Sushi-Köche im Küchenquadrat stehen und den Fisch in sein Mäntelchen kleiden, um den, der vorne weggekauft wird, gleich wieder nachzulegen.

Ende des vergangenen Jahres hat das Unternehmen Eat Happy To Go die ersten Quadrattheken in Köln aufgebaut. Adrian Kress, der sich im Unternehmen u.a. um die Konstruktion der bemannten (bzw. befrauten) Würfel kümmert, erklärt:

“Wir haben das Projekt alleine entwickelt und sind anschließend auf selbstständige Kaufleute zugegangen, die flexibler entscheiden können, was bei ihnen im Markt ausprobiert wird. Inzwischen sind auch Läden dazu gekommen, die von den Supermarkt-Zentralen direkt betreut werden.”

20 Theken sind es bislang deutschlandweit, vor allem in den Metropolen, auf die das Konzept auch zugeschnitten sei, sagt Kress, weil dort eine größere Nachfrage nach Convenience-Produkten bestehe und es viele Single-Haushalte gebe. Inspirieren ließen sich die Gründer eigenen Angaben zufolge bei Konzepten im Ausland.

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SB-Bezahlen bei Rewe und Tesco: Abkassiert im Kreisverkehr

Selbstbezahlen vor Holzoptik: SB-Kassen im neuen Rewe Richrath in den Kölner Opernpassagen

“Sie haben eine Frage? Dann sind unsere netten Mitarbeiter (…) sofort für Sie da!”, steht in dem Faltblatt über dem Foto einer lächelnden Mitarbeiterin im roten Rewe-Polohemd, auf dem gut sichtbar zu lesen ist:

“Express Kasse”

Und bevor demnächst die ersten Kunden frustriert ihre Einkäufe an verwunderten Rewe-Angestellten auf und ab schubbern, um auf den Scanner-Biep zu warten, will ich das Missverständnis an dieser Stelle aufklären: Die Mitarbeiter sind nicht die Kassen! Sondern bloß dafür abgestellt, Ihnen beim Selbstabkassieren zu helfen.

Mit der üblichen Verspätung (im Vergleich zum Ausland) kommt nun endlich auch bei uns Bewegung in den starren Abkassierprozess: Rewe freundet sich langsam mit dem Gedanken an, dass deutsche Kunden Gefallen daran finden könnten, sich mit ihren Mini-Einkäufe nicht in die Schlange mit Cent-Zählern und Artikelumtauschern zu stellen, sondern ratzfatz einfach die Kohle in einen sprechenden Automaten zu donnern, um etwas mehr ihrer Lebenszeit außerhalb von Supermärkten zu verbringen.

Seit einiger Zeit testet Rewe in der City-Filiale am Kölner Hohenzollernring, wie dort Selbstbedienkassen ankommen. Gleich ein ganzer Schwung der Touchscreen-Automaten ist eingebaut worden, vier an den vorderen Ausgang, und noch mal vier an den hinteren.

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Neue Design-Filiale in Berlin: Rossmann schafft Platz

In voller Breite ließ sich die neue Rossmann-Filiale in Charlottenburg weihnachtsbudenbedingt leider nicht erfassen

Bei der Drogeriekette Rossmann ist das Ladendesign aus seinem mehrjährigen Sabbatical zurückgekommen und wäre fast in Ohnmacht gefallen, als es gesehen hat, was die anderen unternommen haben, um die Läden in seiner Abwesenheit halbwegs modern zu halten: nämlich nichts.

Da ist es ausgeflippt, das Ladendesign, und hat aus Trotz in der vergangenen Woche eine neue Filiale eröffnet, um seinen trutschigen Kumpels mal zu zeigen, wie es sich die Drogerie-Zukunft vorstellt: heller, großzügiger und viel weniger rot als bisher.

Viele der ganz alten Rossmann-Filialen unterscheiden sich wohlfühltechnisch gar nicht so sehr von denen des untergegangenen Schlecker-Imperiums: sie sind klein, die Flure eng, die Waren in hohe Regale gestopft. Bei Neueröffnungen achtet Rossmann zwar schon seit längerem darauf, deutlich mehr Platz zu haben – aber nur, um den dann augenblicklich mit Spiel- und anderem Zeug zuzustellen, weil sich damit mehr Geld verdienen lässt als mit Eigenmarkenflüssigseife. Drogerie-Marktführer wird man damit aber offensichtlich nicht.

Drogeriereich unterm roten Bogen: Rossmann in der Wilmersdorfer Straße

In Berlin-Charlottenburg versucht’s Rossmann deshalb noch mal anders: Das bisherige Ladendesign ist komplett auf den Kopf gestellt worden. Statt der billig aussehenden roten Grundfarbe sind Schilder und Hinweise nun – je nach Sortiment – in weiß (Reinigungsmittel), schwarz (Kosmetik) und Erdtönen gehalten (Körperpflege), das Regal mit Bio-Lebensmitteln ist in Holz eingerahmt. Vor allem aber ist der Laden so groß wie kein anderer in Deutschland.

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