5 gute Vorsätze, die sich Kaufland ganz bestimmt auch 2016 nicht vornehmen wird

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1. Kompromissbereitschaft

Seit 2004 versuchte die Stadt Frankfurt zu verhindern, dass Kaufland eine Filiale im Stadtteil Fechenheim eröffnet. Grund war die Befürchtung, der riesige Laden könnte den Geschäften in den umliegenden Ortskernen schaden. Als Kaufland eine Baugenehmigung beantragte, änderte die Verwaltung kurzerhand den Bebauungsplan für das betroffene Gewerbegebiet. Hat bloß nichts geholfen: Vor Gericht setzte sich Kaufland doch noch durch. Vor einem Monat eröffnete Kaufland der Markt im Frankfurter Norden Osten. Von Nachteilen für kleiner Läden ist keine Rede mehr. Im Gegenteil. Die „Frankfurter Rundschau“ schreibt:

„Die städtische Wirtschaftsförderung begrüßt die Ansiedlung Kauflands nicht nur wegen der entstehenden Parkplätze. Ihr Geschäftsführer Oliver Schwebel rechnet auch mit positiven Effekten für das Umfeld.“

2. Gelassenheit

Als Aldi im Laufe des Jahres zahlreiche Markenprodukte in sein Sortiment aufnahm, reagierte Kaufland (zusammen mit der Discount-Schwester Lidl) trotzig mit einem „Preissturz“ für bekannte Produkte, die „auf Dauer reduziert“ bleiben sollten.

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Weil das eine äußerst kostspielige Angelegenheit ist und Kaufland keine Lust hat, deshalb künftig kleinere Aufbackbrötchen anwärmen zu müssen, kosten manche Produkte inzwischen wieder „deutlich mehr“, berichtet die „Lebensmittel Zeitung“. Die Preise befänden sich in einigen Fällen „fast“ wieder auf demselben Niveau wie vor dem „Preissturz“.

(Am Regal ist von der Rückwärtslawine freilich nichts zu lesen.)

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3. Bescheidenheit

In Berlin eröffnet Kaufland im kommenden Jahr so mittig in der Stadt, dass es mittiger gar nicht geht: am Alexanderplatz, direkt gegenüber vom Fernsehturm.

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Dort wird an der Karl-Liebknecht-Straße gerade ein ehemaliges Einkaufscenter komplett umgebaut: das Berlin-Carré, in dem Kaufland „fast alle Flächen im Erd- und Obergeschoss“ gemietet hat, wie die „Berliner Woche“ schreibt.

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Neue Produkte im Supermarkt: Bleibt das da oder kann das weg?

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Während wir noch voll und ganz damit ausgelastet sind, das alte Jahr zu Ende zu bringen, denkt der frisch fusionierte Lebensmittelriese The Kraft Heinz Company schon hochkonzentriert ans nächste. In der ersten Januar-Woche bringt der Konzern in Deutschland unter seiner Marke Heinz erstmals Senf in den Handel. Der heißt natürlich nicht einfach „Senf“, sondern: „American Mustard – New York Deli Style“ in den Geschmacksrichtungen „Honey“, „Mild“ und „Chili“.

Nun ist es nicht so, als hätten deutsche Supermärkte bislang unter akuter Senfauswahlknappheit gelitten. Aber das ist den Markenherstellern, die ständig neue Produkte erfinden, die unseren Geschmack treffen sollen, natürlich schnuppe.

Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat vor einiger Zeit mal ausgerechnet, wieviele Produkte jährlich neu in den Supermarkt kommen. Im Beispieljahr 2012 war über ein Viertel aller verkauften Produkte der so genannten „Fast Moving Consumer Goods“ zwölf Monate zuvor noch nicht im Laden (26 Prozent).

Schnell wieder weggeputzt

Weil es sich dabei um den Durchschnittswert handelt, gibt es in den einzelnen Produktkategorien erhebliche Abweichungen. Erstaunlicherweise lag die Zahl der neuen Süßwaren-Produkte bei 21 Prozent niedriger als der Durchschnitt. (Der Aufstieg der Ex-Tafelschokoladenmarke Milka zum Keksimperium war da wohl noch nicht so weit fortgeschritten.) Auch das Getränkesortiment, in dem ja gefühlt alle zwei Wochen ein neues Wasser mit Geschmack bzw. eine neue Limo-Variante aufploppt, performte mit 23 Prozent eher unterdurchschnittlich.

Dafür liegt die Kategorie mit dem hübschen Überbegriff „Beauty and Household Care“ uneinholbar in Führung: 37 Prozent der 2012 davon verkauften Artikel existierte ein Jahr zuvor noch gar nicht. In der Kategorie „Waschen, Putzen, Reinigen“ gab’s ebenfalls starken Drang zur Produkterfindung (28 Prozent).

Wer in den vergangenen Jahren aber z.B. regelmäßig die Öko-Reiniger von Henkels Putzmarke „Terra“ benutzt hat, muss sich seit einiger Zeit umgewöhnen: Die Produkte wurden nicht oft genug verkauft, nach sechs Jahren hat der Konzern sie deshalb vom Markt genommen. (Das Handelsblatt kennt die Gründe.) Wenn man sich die Durchschnittszahlen der GfK ansieht, sind sechs Jahre Lebensdauer allerdings ein herausragender Wert. Die Marktforscher haben nämlich auch errechnet, wie lange die Neuerungen überhaupt im Laden stehen.

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Rewe lässt Lieferdienst-Kunden Ersatzartikel selbst aussuchen

Träumen Sie auch manchmal davon, dass Ihnen der Rewe Lieferservice einfach genau das bringt, was Sie vorher online bestellt haben – und nicht irgendeinen „Ersatzartikel“?

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Dann hab ich zum Jahresende eine gute Nachricht: Rewe arbeitet dran, dass aus dem Traum Wirklichkeit wird.

Kunden in Berlin, Frankfurt, München, Hamburg und Köln, die sich mit gefülltem Warenkorb einen Termin aussuchen, zu dem der Einkauf geliefert werden soll, kriegen seit kurzer Zeit einen Hinweis angezeigt:

„Diesen Termin buchen und Artikel-Verfügbarkeiten prüfen.“

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Es dauert ein paar Sekunden, und bevor das ausgewählte Zeitfenster vom System bestätigt wird, erscheint ein weiterer Hinweis – nämlich dann, wenn im Warenkorb was liegt, von dem Rewe schon weiß, dass der Fahrer es unmöglich mitbringen kann, weil es gerade gar nicht da ist:

„Folgende Artikel sind zum gewünschten Liefertermin leider nicht verfügbar. Sie haben hier die Möglichkeit aus unseren Vorschlägen auszuwählen.“

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Die Idee ist gut, die Umsetzung noch ein bisschen hakelig: Wenn der gewünschte Wein nicht da ist, schlägt das System zwar andere, vergleichbare Weine vor. Aber nur eine sehr begrenzte Auswahl – und ohne Zusatzinformationen, wie sie direkt auf den Artikelseiten zu finden sind. Macht nix, mit ein paar Klicks kann man das umgehen und den Warenkorb umstellen.

Immerhin hat Rewe erkannt, dass Lieferdienst-Kunden auf Dauer nur zufrieden sein werden, wenn sie zumindest halbwegs mitbestimmen können, was sie nachhause gebracht kriegen, falls der bestellte Artikel vorübergehend ausverkauft ist. Anstatt die Kunden Alternativartikel in ihren Profilen festlegen zu lassen, passiert die Auswahl künftig direkt bei der Bestellung.

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Österreichs Plus-Pendant Zielpunkt gibt auf

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In ein paar Jahren wird niemand mehr ahnen, dass die Unternehmensgruppe Tengelmann früher mal recht bekannte Supermärkte und Discounter betrieben hat. In Deutschland entscheidet der Wirtschaftsminister in Kürze, ob die vom Kartellamt untersagte und von der Monopolkommission nicht empfohlene Übernahme der Kaisers-Tengelmann-Märkte durch Edeka doch noch genehmigt wird (siehe Supermarktblog) und die Kette vom Markt verschwindet. Und in Österreich hat die frühere Tengelmann-Tochter Zielpunkt, die inzwischen zur Unternehmensgruppe Pfeiffer gehört, am Montagmorgen Insolvenz angemeldet.

Zielpunkt, das sieht man noch am Logo und an den Erkennungsfarben Orange und Blau, war das österreichische Plus-Pendant, 1967 als „Löwa“ gegründet und 1972 von Tengelmann übernommen.

Nach dem Verkauf der deutschen Plus-Discount-Filialen (an Edeka) wollte Tengelmann das Geschäft 2010 auch im Nachbarland loswerden. Damals stieg ein luxemburgischer Investmentfonds ein, später kaufte das Management das eigene Unternehmen, Pfeiffer beteiligte sich 2012 und übernahm die Kette schließlich ganz – erst im März 2014.

Dass die 229 Läden nur anderthalb Jahre danach bald ganz schließen sollen, begründet Pfeiffer mit „dramatische[n] Verschlechterungen der äußeren Rahmenbedingungen für Zielpunkt“. In einer Mitteilung (PDF) heißt es, man habe Zielpunkt „mit massivem Investitionsstau von den häufig wechselnden Voreigentümern“ übernommen und „nichts unversucht gelassen, die angeschlagene Kette zu retten“. Das ist, angesichts des sehr kurzen Zeitraums zwischen Komplettübernahme und angekündigter Insolvenz, zumindest merkwürdig – wie umfassend der „Investitionsstau“ gewesen ist, muss Pfeiffer als Miteigentümer ja mindestens seit 2012 geahnt haben.

Drei Ketten teilen sich 85 Prozent Marktanteil

Seit einigen Monaten seien die Umsätze jedoch stark zurück gegangen, was nicht mehr durch Kostensenkungen auffangbar gewesen sei. Auch die Suche nach Investoren verlief „nicht erfolgreich“. Noch einmal 60 Millionen Euro hätten investiert werden müssen, um Zielpunkt zu retten, erklärt Pfeiffer. Diese Summe könne man nicht aufbringen.

Die Insolvenz sei nötig, um „Verantwortung gegenüber den restlichen Mitarbeitern der Handelsgruppe“ zu übernehmen. Zu Pfeiffer gehört u.a. die Supermarktkette Unimarkt, die im Online-Handel mit Lebensmitteln experimentiert (siehe Supermarktblog; „Die Zukunft des Lebensmittel-Handels [wird] vermehrt online stattfinden“, heißt es in der Mitteilung).

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Aldi, Lidl und der Knöllchenkampf gegen fremdparkende „Nicht-Kunden“

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Kunden sind eigentlich auch nichts anderes als EC-Karten bei sich tragende Zumutungen auf zwei Beinen. Sie wollen billig einkaufen, aber schön soll’s im Laden trotzdem sein – Aldi und Lidl passen sich an. Auch am späten Abend müssen noch frische Backwaren im Brötchenknast liegen – Aldi und Lidl stellen sich drauf ein. Ständig schleppt einer Produkte zum Umtausch zurück in den Laden, hat aber den verdammten Kassenzettel längst verschlampt – Aldi und Lidl sind großzügig, alles kein Problem. Ein Problem wird’s erst, wenn die Discounter in den Grundfesten ihres Geschäftsprinzips erschüttert werden: draußen, auf dem Parkplatz.

Da hört der Spaß ganz schnell auf.

Die zweibeinigen Zumutungen, die mit ihrem Auto den ganzen Tag einen Parkplatz blockieren, obwohl sie bloß Kleinkram eingekauft haben oder gar nicht erst im Laden waren, sind den Ketten ein Dorn im Auge. Weil kaum etwas schlechter fürs Geschäft ist als ein Parkplatz, der fast vollständig belegt aussieht. Weil neu ankommende Zumutungen sich womöglich in letzter Sekunde umentscheiden und ein paar Straßen weiter zur Konkurrenz fahren könnten, wo sie sich nicht dazwischen quetschen müssen. Viele Discount-Parkplätze sind vor allem deshalb so groß geraten, damit sie nie ganz voll werden.

„Fremdparker“, wie Aldi sie nennt, stören diesen Plan empfindlich. Aus diesem Grund gehen die Ketten inzwischen rigoros gegen sie vor – und riskieren sogar, brave Einstundenparker zu vergrätzen.

In Köln (und andernorts) hat Aldi Schranken vor seine Kundenparkplätze gebaut. An manchen Lidl-Filialen versperren große Eisentore die Zufahrt außerhalb der Öffnungszeiten. Zunehmender Beliebtheit erfreut sich jedoch vor allem die Straf-Parkplatzaufsicht.

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