Knuspr in Berlin: Der lange Bringmeister-Schatten und die Lücken im Lieferkonzept

Knuspr in Berlin: Der lange Bringmeister-Schatten und die Lücken im Lieferkonzept

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Kuriose Schwerpunkte im Sortiment, schwankende Waren-Verfügbarkeit und eine teilweise schwer nachvollziehbare Preisstruktur: Zwei Monate nach dem Start zeigt sich der Liefer-Herausforderer Knuspr in der Hauptstadt noch nicht gerade in Top-Form.

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Die Tiefstapelei gehört nicht unbedingt zu den Kerntugenden der tschechischen Rohilk-Gruppe, die mit ihrem Lieferdienst Knuspr auch im deutschen Markt aktiv ist und nach längerer Verzögerung vor zwei Monaten in Berlin startete – (wieder) deutlich holpriger als man das im Jahr 2024 annehmen würde.

„Wir sind in Berlin geradezu überrannt worden“, erklärte Knuspr-CEO Mark Hübner anschließend u.a. dem „Manager Magazin“ (Abo-Text). Weil die Nachfrage „noch mal deutlich höher als erwartet“ gewesen sei, habe es am ersten Tag „massive Verspätungen“ und „operative Probleme“ gegeben, die man aber schnell in den Griff bekommen habe.

Auch Supermarktblog-Nutzer:innen berichten von deutlichen Lieferverzögerungen zum Start. Und schon den vorherigen Bringmeister-Ausverkauf mit zahlreichen rabattierten Artikeln aus dem bisherigen Sortiment hatte man nur schwer gestemmt bekommen: Per App meldete der scheidende Vorläufer eine „außergewöhnlich hohe Nachfrage“ und erklärte: „Derzeit sind alle Lieferfenster für Freitag und Samstag leider ausverkauft.“ (sic)

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Montags gab’s dann nochmal dasselbe Trauerspiel, bloß unterm Knuspr-Banner: „Hallo Berlin, wir sind zum Start von eurer Zuneigung überwältigt und heute fast ausverkauft. Bitte habt etwas Geduld, wir erhöhen die Kapazitäten um euch wieder schnelle Lieferzeitfenster zu bieten.“

Abgestellte Chat-Funktion

Die Chat-Funktion mit dem Kund:innenservice war über mehrere Tage ausgeschaltet, „um die Nachfrage zu bewältigen“ – von der sich erst noch weisen muss, ob sie vor allem vom anfänglichen Rabattversprechen getrieben war. Mit vollmundigen Versprechen sind bekanntlich alle neuen Liefer-Anbieter angetreten, um einen längst eroberungsbereiten Markt für sich zu reklamieren – bevor die allermeisten dann doch wieder verschwunden sind.

Knuspr verspricht, dass man gekommen sei, um zu bleiben.

Der deutsche Markt steht auf absehbare Zeit im Fokus der europäischen Expansion, die Pläne für Frankreich und Italien liegen auf Eis. Und Hübner erzählt, wie die Muttergesellschaft ihren Umsatz bis 2030 „auf 10 Milliarden Euro steigern“ wolle: „Das wird vor allem aus Deutschland kommen.“

Als Nächstes stehen Hamburg und Rhein-Ruhr auf der Startliste; 15 Städte sollen landesweit hinzukommen, hat Rohlik-Gründer Tomáš Čupr gegenüber Reuters gesagt.

Widersprüchliche Aussagen

Aus der bisherigen Erfahrung mit Ankündigungen aus Prag und München sollte man das zumindest mit Vorsicht genießen. (Zumal sich die Verantwortlichen schon jetzt widersprechen: „Wir sind in der komfortablen Situation, dass wir kein Geld aufnehmen müssen“, sagt Hübner; Čupr erklärte zuletzt: „From Hamburg on, we would need to raise money.“)

Das gilt umso mehr, weil das von Knuspr kolportierte Konzept bei genauerem Hinsehen zumindest in der Umsetzung deutlich wackeliger ist als bislang behauptet, und – was die als Stammkundschaft geeignete Zielgruppe angeht – noch so einige Fragen unbeantwortet sind. (Auch wenn davon in der regionalen Presse, die sich immerzu staunend durchs sicher beeindruckende Lager führen lässt, wenig zu lesen ist.)

Um in Berlin schnellstmöglich starten zu können, hatte Knuspr im vergangenen Jahr den bisherigen Mitbewerber Bringmeister übernommen und versucht dessen Stammkund:innen nun seit Mitte April für den Nachfolger Knuspr zu begeistern.

Innerhalb des ersten Jahres soll Berlin nach München und Frankfurt nicht nur der dritte, sondern auch der größte deutsche Knuspr-Standort sein – und dank Lagerautomatisierung auch schnell profitabel. (Zumindest wenn’s nicht öfter, wie vergangene Woche, wieder einen „Technische Störung im Frischelager“ gibt.)

Bringmeister fährt weiter durch die Stadt

Acht Wochen nach dem Übergang scheint man bei Knuspr jedoch weiter stark mit der Bringmeister-Eingliederung beschäftigt zu sein: Außer den neuen weißen Kleintransportern (auf denen ein inhaberloser Arm eine Tüte mit Lebensmitteln aus einem Smartphone herausreicht – wer hat das denn verbrochen?) fahrenoft noch immer die bisherigen Bringmeister-Lieferwagen durch Berliner Straßen.

Manche sind im weißen Knuspr-Grunddesign neu beklebt, viele weiter stur im Bringmeister-Grün unterwegs, und Fahrer:innen in Knuspr-Westen steigen aus, um Kühlware in alte Bringmeister-Kisten umzusortieren.

Übrig gebliebener Eigenmarkenprodukte des bisherigen Lieferpartners Edeka wurden per „Goodie Bag“ an Vielbesteller:innen verschenkt (in die clevererweise auch gleich Knuspr-Eigenmarken zum Kennenlernen gepackt waren).

Goodie Bags mit Edeka-Restbeständen und Knuspr-Marken zum Kennenlernen; Foto: Smb

Davon abgesehen müht sich Knuspr sichtlich, sein Kernversprechen einzuhalten: Die Zustellung auch von größeren Einkäufen drei Stunden nach der Bestellung – was bei mir bislang tadellos geklappt hat, selbst zu Hauptverkehrszeiten.

Bis zu fünf Stunden vor der Lieferung können einem Einkauf angenehm problemlos weitere Produkte hinzugefügt werden. Und Reklamationen lassen sich traumhaft zügig abwickeln, Gutschriften gibt es per „Credits“ für den nächsten Einkauf.

Screenshot: knuspr.de / Smb

Eigentlich wären das – von diversen Technik-Glitches auf der Website mal abgesehen – ideale Voraussetzungen, um im Berliner Lebensmittel-Liefermarkt nachhaltig Marktanteile einzusammeln. Wenn der Neuling nicht drei ebenso entscheidende wie gravierende Probleme hätte.

1. Sortiment

Knuspr will „Das Beste aus Supermarkt & Hofladen auf einen Klick“ liefern. Aber das klappt trotz des riesigen Sortiments von 15.000 Artikeln (plus Apotheken-Produkte) nur sehr bedingt. Und zwar vor allem, weil der Lieferdienst ausgerechnet bei den Eigenmarken schwächelt, die bei deutschen Kund:innen so beliebt sind.

In einigen Kategorien sind zwar Produkte unter selbst ausgedachten Fantasienamen erhältlich, die in allen Rohlik-Ländern vertrieben werden – Yutto für Milchalternativen und Nüsse, Moddia für Hygienepaiere, Miil für Molkereiprodukte u.a. (Hinter manchen stecken auch Hersteller, die sonst Artikel für Wettbewerber wie Lidl und Rewe produzieren.)

Knuspr will die Zahl seiner Eigenmarkenprodukte erhöhen – und das ist auch dringend notwendig; Foto: Smb

In zahlreichen Kategorien stehen inzwischen auch günstige Produkte der Markant-Universalmarke Jeden Tag sowie solche aus dem Mittelpreissegement von Tegut zur Verfügung – aber das reicht lange noch nicht, um insbesondere für bisherige Bringmeister-Kund:innen den Verlust der riesigen Edeka-Eigenmarkenvielfalt auszugleichen. Dazu kommt, dass viele klassische Markenprodukte, die bei Bringmeister im Sortiment waren, bei Knuspr (noch) fehlen.

Dementsprechend groß ist der Unmut bei dieser Kund:innengruppe, der sich an zahlreichen Stellen im Netz (auch hier in den Blog-Kommentaren) entlädt.

250 Gramm Wildkräutermix für 18 Euro

Gleichzeitig macht es sich Knuspr schwer, Neukund:innen zu akquirieren, die darauf vertrauen, dass der Neue ein „umfassendes Vollsortiment“ für sie bereit hält. Denn das entpuppt sich schnell als Irrtum. Knuspr führt zwar ein wachsendes Angebot von Produkten regionaler Partner und bildet in einzelnen Kategorien eine Tiefe ab, die im deutschen Lebensmitteleinzelhandel ihresgleichen sucht. Vieles ist aber nicht konsequent zu Ende gedacht.

Junge Alternativmarken, die bei Edeka und Rewe längst selbstverständlich in den Regalen stehen, finden nur langsam Einzug ins Knuspr-Sortiment; dafür gibt es zahlreiche Kuriositäten und vermeintliche Premiumartikel winziger Manufakturen zu kurios hohen Preisen.

Wer einen Bio-Wildkräutermix kaufen möchte (vom Lieferpartner aus Baden-Württemberg, der in Berlin allerdings anders als behauptet nicht mehr „regional“ ist), kann bei Knuspr problemlos zuschlagen: 17,99 Euro (!) für die 250-Gramm-Schale und „das beste Grünzeug der Nation“ aus dem „Trendlabor für Kräuter und Gemüse der bundesdeutschen Kulinarik“ (sagt das Knuspr-eigene Magazin „Schmeck’s“).

Alle, die lieber ganz normalen Rucola in Bio-Qualität kaufen würden, gucken aber in die Röhre: gibt’s nicht. (Dafür landet „das beste Grünzeug der Nation“ regelmäßig preisreduziert in der Knuspr-Rubrik „Rette Lebensmittel“.)

Zu wenig Basis-Bio

Für einen Dienst, der eine Zielgruppe mit hoher Bio-Affinität ansprechen will, die trotzdem nicht auf liebgewonnene Artikel aus dem normalen Supermarkt verzichten möchte, ist Knuspr in Berlin derzeit erstaunlich schlecht aufgestellt: Im mittelpreisigen Bio-Sortiment klaffen enorme Lücken, bei den Eigenmarken gehört Bio noch zu den absoluten Ausnahmen. Von Tegut Bio zum kleinen Preis gibt es gerade mal ein Dutzend Artikel (währen z.B. Amazon Fresh in Berlin deutlich mehr davon spielt), Alnatura ist da – aber mit schwankenden Preisen. Und so langsam tauchen erste Biogreno-Produkte von Bartels-Langness (Famila, Markant) auf.

Wer sich daran gewöhnt hat, im regulären Supermarkt – oder Discounter – eine ansehnliche Zahl an Bio-Eigenmarkenartikeln, teilweise sogar in Verbandsqualität, zu finden, der wird bei Knuspr eher enttäuscht. Auch Produkte klassischer Bio-Marken gibt es bislang allenfalls in überschaubarer Auswahl, teilweise mit deutlichen Aufschlägen.

Kund:innen können zwar aus 85 verschiedenen Naturjoghurts auswählen – aber halt keine fettarme Bio-Variante im 500-Gramm-Becher, wie sie von Lidl bis Alnatura Standard ist.

Standardsatzbausteine per E-Mail

Blumenkohl gibt’s entweder in der Tiefkühl-Billigvariante von Jeden Tag zum Kilopreis für 2,19 Euro – oder in der frischen Wild-Variante von Keltenhof zu 9,99 Euro für 300 Gramm.

Dafür liefert der Dienst problemlos: Baumkuchen in Geschenkverpackung; 275 Gramm Olivenöl-frittierte Kartoffelchips aus Galizien für 25 Euro (kein Scherz); Tiefkühlpizza aus Neapel für 8,99 Euro; und natürlich Black Selection Caviar („Das schwarze Gold vom weißen Stör“).

Man darf halt nicht den Anspruch haben, über Knuspr jede Woche verlässlich Bio-Kartoffeln einkaufen zu wollen.

Praktisch: Die Lieferung kommt auf Wunsch in Mehrwegtaschen, für die Pfand erhoben wird; Foto: Smb

„Wir wollen Sortimente anbieten, die man beim Gang durch den Supermarkt gar nicht finden kann“, sagt Knuspr-CEO Hübner. Ja, prima – aber wäre es nicht schön, in ausreichendem Maße auch das zu haben, was es sonst bei jedem Discounter problemlos zu kaufen gibt?

Die Aufforderung, Wunschartikel zu melden, die man als Kund:in künftig gerne bei Knuspr kaufen möchte, wird per E-Mail in Windeseile mit Standardsatzbausteinen beantwortet („Sehr gerne […] aufgenommen und den zuständigen Kollegen weitergeleitet“, blablabla). Sache erledigt. Wer das als Kund:in einmal versucht hat, wird sich das künftig sparen.

2. Verfügbarkeit

Zugleich muss man als Knuspr-Stammkund:in eine gewisse Leidensfähigkeit mitbringen, wenn man seinen Haupteinkauf vom lustigen Croissant-Lieferdienst an die Tür gebracht kriegen will. Regelmäßig heißt es im Shop nämlich: „Leider hat die jemand dieses Produkte vor der Nase weggeschnappt“, „Anstelle eines Stücks ist nichts mehr übrig“, „Nicht verfügbar“ oder schlicht: „Ausverkauft :-(„. (Montags ist’s besonders schlimm.)

Screenshot: knuspr.de / Smb

Das System gibt zwar vor, zu wissen, wann neue Ware kommt und benachrichtigt auf Wunsch dann per E-Mail. Es macht die Einkaufsplanung aber auch nicht leichter, wenn die Bio-Bananen „Wsl. ab morgen wieder verfügbar“ sind, aber trotzdem kein Zeitfenster für den Einkauf festgezurrt werden kann – sondern erst dann, wenn die Ware tatsächlich wieder im Lager liegt.

In schöner Regelmäßigkeit meldet die Shop am Tag drauf aber ohnehin: Sorry, Bio-Bananen kommen doch wieder „wsl.“ erst am Dienstag.

Eine Verfügbarkeitsprognose, auf die in den meisten Fällen kein Verlass ist, kann man sich allerdings auch schenken.

„Wsl.“ wieder zu lange gewartet

Außerdem fehlt, wenn Ware da ist, auf die man gewartet hat, mit hoher Wahrscheinlichkeit was anderes. Karotten? „Wsl. ab am Mi wieder verfügbar“ – in zwei Tagen! Haferdrink? „Wsl. ab am Di wieder verfügbar“ – in vier Tagen! Selbst absolute Standards aus dem Frische-Sortiment – Bio-Aubergine, Bio-Banane, Bio-Chamignons, Bio-Brokkoli, Bio-Gurke – fehlten zuletzt teilweise tagelang. Und sind dann scheinbar in so geringen Mengen vorhanden, dass sie sofort wieder als „ausverkauft“ gekennzeichnet werden, wenn man sich beim Bestellen nicht beeilt.

Knuspr bietet ein riesiges Sortiment, in dem leider viel zu oft absolute Standardartikel fehlen; Foto: Smb

Manchmal kann man live dabei zusehen, wie Artikel im Stundentakt aus dem Einkaufswagen verschwinden, weil sie gerade nicht mehr lieferbar sind. Nicht auszudenken, wie hoch die Warenkörbe sein könnten, wenn Knuspr das, was man ins Schaufenster stellt, auch tatsächlich liefern könnte.

Die bittere Wahrheit dieses Flaschenpost-ähnlichen Zustands ist: Wenn regelmäßig drei bis fünf wichtige Standard-Artikel fehlen, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Knuspr die Bestellung für den Wocheneinkauf abkriegt, bei vielen potenziellen Kund:innen vermutlich rapide – weil sie dann sowieso nochmal woanders hin müssen, um ihren kompletten Bedarf zu decken. So wird man eher nicht zur Nummer eins im Liefermarkt, egal wie schnell man ist. (Derzeit ist Knuspr ohnehin noch Welten entfernt von den Umsätzen, die Picnic und der Rewe Lieferservice machen.)

3. Preise

Knuspr verspricht vollmundig „Preise wie im Supermarkt“, die täglich mit denen der Wettbewerber abgeglichen würden – und bei vielen klassischen Markenprodukten mag das auch zutreffen. (Gerne in die Kommentare notieren, ob das für Ihr Lieblingsmarkenprodukt korrekt ist.)

Darüber hinaus ist es natürlich ganz unbedingt begrüßenswert, dass Knuspr (automatisch) Transparenz herstellt, sobald Preise sich ändern. Liegen die betroffenen Produkte schon im virtuellen Einkaufswagen, steht das direkt darunter:

  • „Gibt es nicht mehr zum Sonderpreis. Jetzt kostet es 3,99 € statt 4,19 €“
  • oder „In der Zwischenzeit haben wir den Preis gesenkt. Jetzt kostet es 2,37 € statt 2,97 €“
  • oder „In der Zwischenzeit haben wir den Preis erhöht. Jetzt kostet es 2,99 € statt 2,39 €“.

Die Preise mancher Artikel ändern sich allerdings so oft, dass man noch mal checken sollte, was man morgens in den Warenkorb gelegt hat, bevor man mittags die Bestellung absendet – um nicht deutlich mehr dafür zu bezahlen. Dazu kommt, dass es für manche Artikel so enorme Preisschwankungen gibt, dass sich vor diesem Hintergrund nur schwer ein grundsätzliches Preisvertrauen herstellen lässt.

Schrecken für die Stammkundschaft

Warum steigen die Bergkäse-Ravioli von Tegut plötzlich bis zu 20 Prozent im Preis? Wieso kosten die Alnatura Gemüsesticks, die regulär für 2,99 Euro angeboten werden, manchmal das Doppelte (5,99 €!)? Und wie kann es sein, dass der Kasten Lichtenauer Mineralwasser in der PET-Flasche, der auch schon bei der Konkurrenz nicht ganz günstig ist (Flaschenpost: 8,99 Euro), von Knuspr für absurde 12,99 Euro angeboten wird?

Diese Ausreißer mögen die Ausnahme sein. Aber wenn man einmal einen solchen wahrgenommen hat, gibt der einem das Gefühl, sehr gut aufpassen zu müssen, beim Knuspr-Bestellen nicht aus Versehen über den Tisch gezogen zu werden.

Keine gute Voraussetzung, um eine Stammkundschaft aufzubauen.

Mit den genannten Schwächen bei Sortiment, Warenverfügbarkeit und Preisgestaltung könnte das ein ernsthaftes Problem für Knuspr werden – weil die Defizite ein sonst äußerst angenehmes Einkausferlebnis unnötig überschatten. Konkurrent Oda aus Norwegen, das vor einem Jahr für wenige Wochen in Berlin verfügbar war, hatte das nach dem Anlauf teilweise deutlich besser im Griff. (Das frühzeitige Aus ist nach wie vor ein herber Verlust für den deutschen Liefermarkt.)

Mehr Verlässlichkeit

Das heißt nicht, dass Knuspr nicht noch die Kurve kriegen kann. Zumal die Tschech:innen zumindest in Berlin bislang unterwegs sind, ohne ein einziges Mal klassische Werbung in der Stadt geschaltet zu haben – vermutlich, weil der Bringmeister-Transfer noch nicht endgültig als abgeschlossen gilt. (Kund:innen des Vorläufers wurden per E-Mail informiert, dass eine „Übertragung Ihrer Kundendaten von Bringmeister zu Knuspr“ bis 28. Juni erfolgen soll, sofern nicht aktiv widersprochen wird.)

Bevor man dazu übergeht, wäre es ratsam, nicht nur Zielgruppen ansprechen zu können, die für regionale Ware bedingungslos jeden Preis zu zahlen bereit sind oder kuriose Produkt-Raritäten entdecken wollen, die es sonst allenfalls beim Feinkost-Spezialisten zu kaufen gibt.

Sondern auch Haushalte, die verlässlich jede Woche den Großteil ihres Lebensmittel-Einkaufs bestellen wollen, sich auch mal was Besonderes gönnen, vor allem aber den Gang in den Super- und Biomarkt sparen, ohne massiv draufzuzahlen.

Genau die wird Knuspr nämlich brauchen, um Deutschland zu dem Erfolg zu machen, den man benötigt, um die Mutter Rohlik wie angekündigt an die Börse zu schicken.

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10 Kommentare
  • „Wsl“ – Bis heute weiß ich nicht, was das bedeutet.
    Und ja, knuspr ist so weit okay, aber ich bin kein Fan von Nur-Alnatura. Manches finde ich auch unverschämt in der Preisgestaltung.

    • Lustig, das war eigentlich ein Seitenhieb gegen den „Berliner Zeitung“-Artikel – aber passt vermutlich beide Male.

  • „Innerhalb des ersten Jahres soll Berlin nach München und Berlin nicht nur der dritte…“ Zählt Berlin hier also doppelt? 😉

  • Exzellenter Kundenservice, 2-3h ultrafrische „Backstation“ Backwaren u. viele besondere Delikatessen sind definitiv Knusprs Top 3 Stärken. Macht Bock und verleitet zum Wiederbestellen. Schrecklich hingegen ist diese 7h Frischelüge für Obst und Gemüse (der Spargel lag zb. gerne mal ne Woche im Zentrallager herum oder Harry Brot 12 Tage, die Frischegarantie wird manipulativ an und aus geknipst unter den Artikelinfos, ist also praktisch wertlos), dazu die vielen Lücken im Basis-Sortiment und es kränkelt auffällig oft im Prozess. Die App läuft z. B. voll und ruckelt / Timeouts trotz nem Pixel 8 Pro mit 12GB Arbeitsspeicher. Die Roboter im Zentrallager packen z. B. veganen Erdbeer-Joghurt statt Wiener Würstchen ein und für die Fahrer gibt es wohl kein anständiges Transportsystem, stattdessen nutzt man weiter diese grünen Bringmeister Trageboxen, quetscht da einfach 8 Tüten rein (immer schön mit 20kg Anpressdruck, uns doch egal dass der Kunde per Fahrstuhl und Sackkarre erreichbar ist) und pulverisiert sämtliche Milchbecher, Beeren usw. absolut routinemäßig. Noch nie hatte ich so oft beschädigte Lieferungen wie bei Knuspr, das ist absoluter Weltrekord! (wie krass gut doch das Boxen-System bei Oda war)

  • Uns hat die beschriebene Nichtverfügbarkeit von Artikeln sowie das Fehlen von bestimmten Marken zur Konkurrenz (Rewe) getrieben.
    Für unseren regelmäßigen Wocheneinkauf (~60-70 Produkte) für uns 5 war uns das alles zu unsicher, was am Ende wirklich ankommt.
    Ob wir nochmal zurückwechseln ist fraglich- Rewe macht vieles sehr gut.

  • Knuspr ist teuer. Brauner für die deutsche Standard-Arme-Leute-Küche. Aber nicht für alles. Immerhin hat Knuspr die regionalen Standards der französischen Küche, teilweise sogar von der Hausmarke für Regionales von Intermarché. Und die zu zwar für Frankreich und BeNeLux unverschämten, aber für Deutschland sehr konkurrenzfähigen Preisen.
    Wer also ein bisschen mehr Geld hat kann jetzt endlich wie ein normaler kleiner Angestellter in zivilisierten Ländern essen.

  • Außerhalb von Rewe und Edeka, sehe ich für keinen der Lieferdienste in Deutschland eine (rosige) Zukunft. Hohe Kosten, überschaubare Anzahl an Kunden und Liefergebieten, in Sachen Verfügbarkeit und Preise unzuverlässig.

    Oda war für mich noch so was wie ein Aushängeschild der Branche. Nur hat das Unternehmen noch kurz vor knapp festgestellt, das die guten Handelstugenden inicht ausreichen, um in Deutschland kostendeckend zu wirtschaften. Von Gewinn will ich noch nicht mal sprechen.

    Bei Picnic bleibt noch noch abzuwarten, was daraus wird. Unterm dem Strich werden aber auch die probleme haben, die Kosten wieder einzuspielen. So üppige Margen gibt es im LEH nun mal nicht. Und wenn man nicht selbst einkauft, sondern an Edeka und Rewe hängt, bleibt ja noch weniger übrig.

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