Backtheken im Discounter: Lidl macht den eigenen Partnern Konkurrenz

Backtheken im Discounter: Lidl macht den eigenen Partnern Konkurrenz

Partner und Sponsoren:

Manfred Z. ist Besitzer einer Bäckerei in Bayern, heißt eigentlich gar nicht so, möchte aber seinen Namen lieber nicht im Internet lesen. Trotzdem ärgert er sich: Der Bäcker betreibt im Umkreis seines Ladens mehrere Filialen, drei davon in Anbauten von Lidl-Märkten, die er für fünf Jahre angemietet hat, um die Kunden des Discounters mit frischen Brötchen, Brot und Gebäck zu versorgen.

Im vergangenen Jahr hat Lidl damit begonnen, Backstationen in diese Filialen einzubauen – keine Automaten, wie sie Aldi nutzt, sondern Theken mit Auslageflächen, die von den Mitarbeitern der Märkte nach dem Aufbacken befüllt werden. Damit gelten die aufgebackenen Brote und Brötchen als SB-Ware, und die darf laut Vertrag mit den Bäckern jederzeit angeboten werden. Und zwar sehr viel günstiger als die Produkte, die Z. ein paar Meter daneben in seiner Filiale verkauft. Z. sagt:

„Wir haben Einbußen bis zu 35 Prozent, das ist ziemlich happig. Beim Discounter wird das Croissant für 29 Cent verkauft – so viel kostet bei uns eine einfache Semmel. Da ist’s ja logisch, dass der Kunde uns fragt: Was soll das?“

Und was sagt er seinen Kunden dann?


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„Ich sag, dass wir kalkulieren müssen. Wie Lidl das macht, weiß ich nicht.“

Wenn man Lidl-Sprecherin Petra Trabert fragt, wie das geht, sagt sie: „Wir bitten um Verständnis, dass wir uns zu Details des Konzeptes nicht äußern möchten und grundsätzlich zu Lieferanten- und Geschäftsbeziehungen keine Angaben machen.“

Anim Werner vom Zentralverband des deutschen Bäckerhandwerks kennt das Problem: „Der Einzelhandel will die Bäcker im Vorkassenbereich nur haben, um Kunden zu locken. Wenn sie ihre Schuldigkeit getan haben, werden sie vor die Tür gesetzt.“ Das Problem für Bäcker Z. – und viele andere selbstständige Bäcker, die sich in einem Lidl-Anbau eingemietet haben – ist, dass sie in jedem Fall verlieren: Wenn Sie vorzeitig aus dem Mietvertrag entlassen werden, bleiben sie auf ihren Investitionskosten für den Laden sitzen. Oder sie müssen ihren mehrjährigen Vertrag erfüllen und nehmen Monat für Monat Verluste hin.

Der Konzern habe ihn vor dem Umbau zwar informiert, sagt Z., und sei ihm auch mit einer niedrigeren Miete entgegen gekommen. Aber das reiche nicht, um die Verluste auszugleichen. „Alle Produkte, an denen wir verdient haben, hat Lidl übernommen: Brötchen, Brezeln und Brot. Mit Gebäck gibt’s keine Probleme – da hab ich Zuwächse. Aber da ist die Gewinnspanne nicht so groß“, sagt der Bäcker. Vielleicht hat sich auch das bald erledigt: Wie Lidl-Sprecherin Trabert bestätigt, baut der Konzern gerade neue Theken, an denen die Auswahl noch größer ist (etwa 30 Artikel statt zehn):

„Aufgrund des Erfolges wird ein erweitertes Sortiment an frischen Backwaren in ausgewählten Filialen getestet. Auf Grundlage der Testergebnisse wird zu einem späteren Zeitpunkt über die weitere Vorgehensweise entscheiden.“

Umbau in einem Berliner Markt: „Wir bauen für sie“ – und der Bäcker draußen wartet auf den Umsatzsturz.

Dazu, ob Lidl nicht (mehr) an einem dauerhaften Vertragsverhältnis mit den unabhängigen Bäckern interessiert ist, mag man sich in der Zentrale in Neckarsulm nicht äußern.

Zunächst einmal verdient Lidl ja auch an den selbstständigen Partnern: von bis zu 2000 Euro Miete im Monat ist die Rede. Im Vergleich zu den Backstationen, deren Einbau um die 100.000 Euro kosten soll, sind das natürlich Peanuts – aber die Höhe der Investitionen zeigt, wie ernst es der Discounter mit seinen Backtheken meint (wo die aufgebackenen Waren zwar relativ günstig verkauft werden, aber widerum teurer als die verpackten, auf die sich das Angebot bisher beschränkte). Gerade berichtete die „Lebensmittel-Zeitung“, Lidl plane außerdem den Bau einer eigenen Backwarenfabrik.

Dabei gibt es auch Bäcker, die davon berichten, in ihren Lidl-Anbaufilialen zwar Umsatzeinbußen registriert zu haben, nachdem die Backstationen eingebaut wurden – allerdings nur in geringem Maße. Dass eine Umstellung seines Angebots die Verluste auffangen könnte, hält Z. trotzdem nicht für realistisch:

„Was soll ich machen, wenn die Kunden nicht mehr in den Laden kommen? Die meisten wollen Geld sparen. Und wenn jemand eine Scheibe Brot mit drei Scheiben Wurst belegt, ist es auch egal, was er für ein Brot gekauft hat. Es gibt immer weniger Leute, die Wert darauf legen, bei einem ganz bestimmten Bäcker das Brot zu kaufen, das ihnen besonders gut schmeckt.“

Bis Ende 2012 laufen Z.s Verträge noch. Dann will er die Filialen in den Lidl-Anbauten aufgeben.

Fotos: Supermarktblog

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