Supermarktgründung „Veganz“ in Berlin: Grüner wird’s nicht

Supermarktgründung „Veganz“ in Berlin: Grüner wird’s nicht

Partner und Sponsoren:

Es gibt Leute, die eröffnen ihren eigenen Supermarkt, weil sie genug haben von der Marktmacht der großen Handelsketten. Und es gibt Leute, die eröffnen ihren eigenen Supermarkt, weil sie keine Lust mehr haben, ständig zu suchen.

Beides ist halsbrecherisch.

Aber Jan Bredack hat das Suchen definitiv satt gehabt. Genauso wie das Entziffern von Zutatenlisten, das Laufen von einem Markt zum nächsten, die vielen Unbequemlichkeiten, die sich aus der Entscheidung ergeben, vegan zu leben und auf tierische Produkte zu verzichten: auf Fleisch, Milch, Käse und sämtliche tierischen Stoffe, die bei der Herstellung von pflanzlichen Produkten verwendet werden. Bredack hat sich für die komplizierte Lösung entschieden, um dieses Problem zu lösen. Im Juli hat er im Norden Berlins seinen ersten eigenen Laden eröffnet, in dem ausschließlich vegane Produkte im Regal stehen, weil er selbst bestimmen kann, wo sie herkommen.

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Veganz sieht aus wie ein Supermarkt, funktioniert so ähnlich wie ein Supermarkt – und liegt direkt neben einem Supermarkt. In der Nachbarschaft gibt es einen mittelgroßen Rewe, den Bredack aber nicht als Konkurrenten fürchtet. „Ich sehe öfter, dass die Leute erst zu Rewe gehen und dann noch einmal zu uns kommen, um ein paar besondere Lebensmittel einzukaufen“, sagt er. „Der Vorteil ist: Die Leute sind über Jahre daran gewöhnt, hier in der Straße einzukaufen. Und unser Sortiment überschneidet sich so gut wie gar nicht mit dem von Rewe.“ Außer vielleicht bei Sojamilch und Gemüse.

Bei Bredack im Laden gibt es Joghurt und Käse – nur eben ohne Milch; es gibt Brotaufstriche, Aufschnitt und Schnitzel aus Tofu oder Weizeneiweiß, aber auch Fertiggerichte; und Kosmetik ohne Tierversuche. Geöffnet ist an sieben Tagen die Woche, zumindest das Bistro mit Kuchen und Snacks am Eingang.

Am ehesten konkurriert Veganz mit den zahlreichen Biomärkten in der Umgebung. Die Kaufkraft im Bezirk Prenzlauer Berg ist hoch. Aber Aldi? Lidl? Edeka? „Was die Konventionellen machen, interessiert uns gar nicht“, sagt Bredack. Die großen Supermärkte (und erst recht die Discounter) interessieren sich bisher ja auch kaum für die Kundschaft, die Veganz anspricht, weil vegane Ernährung als Massenmarkt nicht funktioniert.

Ausschließlich mit Veganern als Kunden würde es allerdings auch Bredack schwer haben, der vorher als Vertreibsdirektor für Mercedes-Benz in Russland gearbeitet und seinen Job für den Supermarkt aufgegeben hat. „Der Laden sollte sich von Anfang an auch Leute richten, die sich generell gesund ernähren wollen oder Allergiker sind“, sagt er. Auf den Preisschildern im Laden ist deshalb angegeben, welche Produkte allergietechnisch unbedenklich sind. „Es gibt auf jeden Fall Leute, die für eine solche Ernährung offen sind“, erklärt Bredack optimistisch.

Hoffentlich gibt es auch genügend Leute, die für die Preise offen sind. Denn die sind bei Veganz happig. Das mag daran liegen, dass wir gewöhnt sind, nur noch Cent-Preise für unser Essen ausgeben zu müssen. Die Frage ist aber auch, wievielen Kunden die Ersatzprodukte tatsächlich das Doppelte oder Dreifache der – sagen wir: Originale wert sind. „Ich kenne die Kritik, wenn die Leute sagen: ‚Bei euch kostet die Tiefkühlpizza acht Euro‘ – aber nebendran steht auch eine für fünf“, erklärt Bredack. Und natürlich die für zwölf. „Das ist dann die Glutein-freie, für Leute, die in ihrem Leben noch nie Pizza gegessen haben.“

Als Zielgruppe sind Leute mit Tiefkühlpizzasehnsucht womöglich etwas klein, um am Ende des Tages die Ladenmiete bezahlen zu können.

Aber das ist gar nicht das einzige Problem. Denn so wunderbar die Idee eines unabhängigen Supermarkts auch ist: Einen wesentlichen Teil seiner Ersparnisse in die Bevorratung von Tiefkühlpizzen zu investieren, muss man sich auch als Geschäftsmann erstmal trauen.

Mehr zum Thema steht morgen im Supermarktblog.

Fotos: Veganz/M. Gräser

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