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In britischen Supermärkten gehören sie zum Alltag wie die Schlange vor der SB-Kasse zum Lunch Break: „Meal Deals“. Ein Sandwich, ein Snack, ein Getränk – alles zusammen für einen festen Paketpreis von umgerechnet vier bis sechs Euro. Der Supermarkt-Klassiker ist dort so etabliert, dass Schätzungen von mehreren Millionen verkaufter Bundles pro Werktag ausgehen.
In Deutschland hat sich das Konzept so bislang nicht durchgesetzt – von vereinzelten Kombi-Angeboten an Tankstellen und in Convenience-Formaten wie Rewe to go mal abgesehen. Das könnte sich jetzt ändern.
Seit dieser Woche bietet Lidl in seiner Plus-App Coupons an, die nach einem ganz ähnlichen Prinzip funktionieren – auch wenn der Discounter den britischen Fixpreis durch einen prozentualen Rabatt ersetzt. Wer in der App vorgegebene Komponenten aus zwei bzw. drei Kategorien kombiniert, spart 30 Prozent auf den Gesamtpreis. Die Artikel müssen aktiv angeklickt werden, erst dann lässt sich der Coupon aktivieren. Bei den Produkten handelt es sich ausnahmslos um Lidl-Eigenmarken-Artikel.
Drei Deals, ein Prinzip
Die Coupons sind insgesamt vier Wochen lang gültig (bis 24. Mai) und mehrfach einlösbar, in allen Filialen bundesweit. Und sie decken unterschiedliche Anlässe ab:

„Gönn dir den Morgen“ kombiniert ein Getränk mit einem Artikel aus dem Backshop. Zur Wahl stehen: Buttermilch, Espresso Macchiato, Kefir, Milchdrink, Schokodrink, gekühltes Kaffeegetränk Latte Macchiato. Und aus dem Backshop: Apfeltasche, Schokodonut, Schinken-Käse-Croissant, Wienerle-Croissant, Brezel mit Käse, Laugeneck und Käselaugenstange.
Der „Mittags-Deal“ ist das Angebot, das dem britischen Vorbild am nächsten kommt: ein Hauptgang, ein Getränk, ein Dessert (aus dem Backshop oder als Riegel) – also drei Komponenten. Als Hauptgang dienen vor allem Chef-Select-Fertiggerichte (Fleischbällchen, Hähnchen süß-sauer, Schweinegulasch, Linguine alla Carbonara) sowie zwei Sushi-Sets. Dazu Freeway-Softdrinks, Saskia-Wasser, Kong-Strong-Energydrinks oder Solevita Aloe Vera. Zum Nachtisch: Backshop-Gebäck oder Proteinriegel.
„Grill-Genuss zum Spar-Preis“ richtet sich an Feierabendeinkäufer:innen und kombiniert einen Hauptgang (Bratwurst, Hähnchen-Spieße, vegane Steakalternative und vegane Würstchen von Vemondo), eine Beilage (verschiedene Salate von Chef Select, darunter Kartoffel-, Rohkost- und Blattsalat) und ein Getränk – wobei letzteres hier außer Softdrinks auch Pils, Riesling oder Spätburgunder umfasst.
Alkohol im Meal Deal ist in UK eher unüblich – dafür sind die Brit:innen aus dem Supermarkt eher „Dine-in-for-2“-Kombinationen aus höherwertigen Fertiggerichten gewohnt. Lidls Grill-Meal-Deal mit Bierchen ist quasi die eingedeutschte Variante davon.
Was am britischen Original anders ist
Es gibt weitere Unterschiede: In Großbritannien funktionieren Meal Deals in aller Regel über einen festen Paketpreis – der in seiner günstigsten Varianten inzwischen aber ebenfalls oft an die jeweiligen Kund:innenbindungsprogramme der Händler gekoppelt ist.
Bei Tesco zahlen Clubcard-Kund:innen umgerechnet rund 4,50 Euro für ein Sandwich, einen Snack und ein Getränk, unabhängig davon, welche Kombination sie wählen. Die Ersparnis entsteht dadurch, dass die teuersten zulässigen Einzelartikel im Bundle deutlich mehr kosten würden als der Fixpreis. Dazu gibt es längst mehrere Preisstufen, so wie bei Sainsbury’s: Wer statt des „Lunchtime Meal Deals“ die „Premium“-Variante wählt, kann sich für umgerechnet 1,80 Euro mehr ein besseres Sandwich oder eine Poké-Bowl aussuchen; der „Kitchen Deli Deal“ liegt dann noch eine Stufe drüber und kostet rund acht Euro.
Lidl geht bei seinem Test einen anderen Weg: 30 Prozent Rabatt auf die Summe der Einzelpreise. Das ist einfacher zu kalkulieren und flexibler in der Sortimentssteuerung – aber es fehlt der psychologische Anker eines runden Pauschalpreises, der in Großbritannien ein zentrales Element des Formats ist.
Dort heißt die Botschaft: „Alles für 3,50 Pfund.“ Bei Lidl heißt sie: „30 Prozent auf irgendwas.“ Das ist ein anderer Kaufimpuls.
Wer braucht schon Obst?
Ein großes Manko des Lidl-Deals ist außerdem: Es gibt – zumindest bei den von mir gesehenen Coupons – mittags keine einzige Salatschale, keine Bowl, kein frisches Obst zur Auswahl. Fast nichts, was sich als leichtere Lunch-Alternative eignen würde. Stattdessen: Fertiggerichte für die Mikrowelle, Energy Drinks und Schokodonuts. Das ist deshalb besonders ärgerlich, weil Lidl sein Convenience-Sortiment zuletzt gezielt ausgebaut hat: Fertigsalate, vorbereitete Bowls und Wraps stehen inzwischen in vielen Filialen im Kühlregal. Im Meal Deal fehlen sie trotzdem.
In Großbritannien gehören Salate, Obst und Joghurts derweil selbstverständlich zur Auswahl – bei Sainsbury’s machen allein die Snack-Optionen über 150 Produkte aus, darunter geschnittenes Obst und Gemüsesticks.
Beim Frühstücks-Deal ergibt sich ein ähnliches Bild: Backshop-Produkte mit hohem Zucker- und Fettanteil. Dabei hätte Lidl durchaus schlichtere Alternativen anzubieten (z.B. Mehrkornbrötchen, Brezeln ohne Käseschicht) – oder könnte die Gelegenheit nutzen, leichtere Varianten zu testen.
Ausgerechnet im Grill-Deal, der auf den ersten Blick am wenigsten gesundheitsverdächtig ist, sieht die Lage besser aus: Hier lassen sich immerhin Blattsalate als Beilage wählen – und mit den Vemondo-Produkten eine vegane Alternative beim Hauptgang.
Test mit strategischem Unterbau?
Dass Lidl die Coupons auf vier Wochen befristet und bislang (noch) nicht im Wochenprospekt bewirbt, spricht dafür, dass der Discounter zunächst testen will, wie groß die Nachfrage ist – und ob das Format ins deutsche Einkaufsverhalten passt.
Die strategische Logik dahinter ist offensichtlich: Meal Deals geben Lidl-Plus-Nutzer:innen einen wiederkehrenden Grund, die App vor jedem Einkauf zu öffnen. Wer den Coupon regelmäßig nutzt, kommt natürlich auch regelmäßiger in den Laden.
Im britischen Markt sind Meal Deals eines der wirksamsten Instrumente, um auf diesem Weg die Mittagsfrequenz zu steigern – wenn sonst eher wenige Leute ihren klassischen Einkauf erledigen wollen. Das dürfte auch für Lidl in Deutschland relevant sein. (Eine konkrete britische Blaupause aus dem eigenen Unternehmen scheint es dafür aktuell aber nicht zu geben.)
Ob daraus mehr wird als ein vierwöchiger App-Coupon, hängt vermutlich davon ab, ob Lidl bereit ist, seinen Test noch zu verfeinern: Zum Beispiel für eine Zielgruppe, die sich ihr Frühstück und Mittagessen nicht primär aus Zucker und Blätterteig kombinieren will. Und mit der Kommunikation eines festen Bundle-Preises, der erprobtermaßen als täglicher Kaufanlass funktioniert („Mittags für X Euro“).
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präsentiert


Manchmal verstehe ich nicht, wie man eine detaillierte und mega funktionierende Vorlage haben kann und es dann so versemmeln kann.
Wenn ich es richtig verstehe, muss ich einmal durch den kompletten Laden laufen und mir die Sachen zusammensuchen. In UK stehen die möglichen Kombinationen in entsprechender Nähe und sind eindeutig als „Meal Deal“-Option gekennzeichnet. Und hier in DE soll ich raten, ob ich wohl das richtige Produkt habe? Und ich weiß dann nichtmal, was mich das kosten wird?
In Zeiten, in denen ständig -60% Mondpreisrabattierungen beworben werden, sind -30% überhaupt kein verlockendes Angebot. Und nicht zu wissen, was es mich konkret kosten wird, ist eh ein no go. Was mache ich denn, wenn ich an der Kasse stehe und 9,72 bezahlen soll, was mir zuviel ist? Nochmal durch den Laden und alles zurücklegen oder alles unauffällig hinter die Selbstbeschäftigungskasse fallen lassen?
Ich würde schon wegen der App-Bindung nicht kaufen (habe mich entschieden, ein prinzipieller App-Verweigerer sein zu wollen), aber ein Mikrowellen-Fertiggericht oder diese dösigen Blätterteig-Aufbackteile plus Cola plus Donut wäre jetzt ohnehin 0,00% von dem, was ich mir antun wollte.
Ich bin mir sehr sicher, dass das ein Rohrkrepierer wird. Und das bei einem Konzept, dem auch ich als Tourist in UK noch nie widerstehen konnte (ok, auch da ist man recht schnell bedient, weil einem labberige Sandwiches irgendwann raushängen, aber das ist eher ein ich-Problem).
Es ist ein Testlauf. Dass dafür nicht die ganzen Märkte umgebaut werden, sondern über die App relativ unkompliziert gearbeitet wird, liegt doch nahe.
Was dazu gehört steht in der App, wie oben beschrieben – woher kommt dieses dramatische Szenario, dass man nicht weiß ob man die richtigen Artikel hat?
Sie mögen also weder die App-Nutzung noch die angebotenen Artikel, aber in UK finden Sie es ganz toll, auch wenn Sie dort die Sandwiches nicht mögen. Rundherum also nicht die Zielgruppe des Angebots, verstanden.
@sven Trotz einer etablierten Vorlage scheut man offensichtlich den Aufwand, diese umzusetzen. Was müsste getan werden? Ein paar Regale zur „Meal Deal“-Abteilung umfunktionieren und noch dem Kassensystem beibringen, dass es aus bestimmten Artikeln automatisch einen attraktiven festen Gesamtpreis macht. Das würde die Sache transparent und attraktiv machen und würde vermutlich auch hierzulande an vielen Standorten sehr gut angenommen. In UK bedurfte es in keinem Laden einer App, um einen Meal Deal zu kaufen, das kam mir natürlich sehr entgegen.
Ob der Kunde das Angebot dann annimmt oder die angebotenen Artikel mag, das ist ein eine individuelle Entscheidung. Ich ging davon aus, dass ein Unternehmen, das einen Test macht, möglichst viel Erfolg haben möchte. Und deshalb bezogen sich meine Kritik und Prognose auf den Aufbau des Tests.
Einen Teil der Kunden durch App-Bindung auszuschließen und mit einer „Such-den-Deal“-Anordnung der Ware im Laden plus mangelnder Preistransparenz es dem durchschnittlichen Kunden schwer zu machen, das System mal eben nebenbei zu verstehen, halte ich für kontraproduktiv. So entstehen jedenfalls bei mir keine instinktiven Kaufanreize.
Aber ich freue mich mit Ihnen, wenn das Angebot direkt auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Ich selbst kaufe nur sehr selten bei Lidl, ich werd’s also verkraften, dass ich keinen Meal Deal bekomme.
Ich glaub nur bei einem der 3 Deals hatte ich bisher ne Zero Sugar Variante auswählbar. Da ich mir sicherlich nicht 50g Zucker (bzw. 150g, 1,5l Cola) als Softdrink reinquälen werde, funktionieren 2 von 3 Deals schon mal gar nicht.
Auch beim genauen Lesen der Bedingungen beim Abendessen ist völlig unklar, ob sich der Rabatt beim „Erfrischungsgetränk“ lediglich auf eine einzelne Flasche oder sogar auf ein Sechserpack bezieht.
Den Test werde ich jedenfalls nicht riskieren.
@BlueKO: Woraus ließe sich schließen, dass ein Gebinde gemeint sein könnte? Ich lese das klar als ein Getränk. Gebinde dürfte auch eine andere PLU sein.
Im übrigen lässt sich über Scan & Go schon während des Einkaufs kontrollieren, ob und welcher Rabatt abgerechnet wird. Ich weiß: Haben noch nicht alle Filialen. Aber Lidl arbeitet ja darauf hin.
Als Produktcode steht da die zweistellig Ziffer, die auch auf dem Griff des 6er-Packs steht.
Ich finde das zumindest verwirrend.
Ich werde es Bei der nächsten Gelegenheit auf jeden Fall versuchen Natürlich Wer nicht eine Mitarbeiterin oder Mitarbeiter ansprechen Wenn die mir helfen Dann bin ich mal gespannt
Was ich (ob mit oder ohne „Meal Deal“-Abklatsch) recht amüsant finde: Eigentlich sind die Heißgetränkeautomaten ja ein großer Pluspunkt des Händlers für die To-go-Zielgruppe. Dass sie meist im Vorraum stehen, ist soweit nachvollziehbar, um auch eigentliche Nichtkunden mitzunehmen. Sie aber nicht in den regulären Einkauf bzw. die App zu integrieren, ist schon verwunderlich. Stattdessen soll der geneigte Fastfood- und Softdrink-/Energy-/Alkkonsument z.B. mit gekühlten Milcherzeugnissen mit Kaffeearoma abgespeist werden, obwohl es kein Hexenwerk wäre, beispielsweise mit dem an der Kasse bezahlten App-Paket ein Guthaben (oder übergangsweise einen QR-Code o.ä.) für ein Heißgetränk der Wahl am Automaten auf der App auszuspielen, das direkt vor dem Verlassen des Etablissements heiß bezogen werden kann (den gekühlten Krempel kann man ja als Rückfallebene für heißgetränkefreie Standorte drinlassen). Und das in Zeiten, wo beispielsweise Packstationen schon länger kontaktlos aus relativer Entfernung per App/Bluetooth bedient werden können …
Wenn das noch zu innovativ erscheint, kann man es ja auch mal damit versuchen, für bisherige Nur-den-Kaffee-ziehen-und-schnell-wieder-weg-Kunden per App ein Upselling (z.B. Brötchenknastinsassen zum rabattierten Preis dazu oder ganz altmodisch mit digitalem „Käffchensammler plus 1“) einzuführen 😉
Das größte Problem ist in meinen Augen – neben der Fokussierung auf ungesunde Snacks- tatsächlich die EInbindung in die App. Ich hatte neulich 5€ Treuerabatt, diverse Aktionsrabatte, Lidl-Plus-Rabatte, Gratisartikel und Meal-Deal-Kombirabatte auf dem Einkaufszettel. Das ist wie Matheaufgaben lösen während des Einkaufs. Das einzig positive ist, dass die Rabatte tatsächlich addiert werden.
Toll hat nicht funktioniert, hab sogar die Artikelnummern vom Preisschild abgeglichen.
Zum Thema Lidl-Eigenmarken: Hör dir mal die SR-Radionachrichten von heute Abend 22:00 Uhr an. Falls du keine Möglichkeit hast, schick mir kurz eine Mail, dann gibt es einen Mitschnitt.