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Das Bundeskartellamt hat die Übernahme von Tegut durch Edeka am Montag weitgehend freigegeben: 178 der ursprünglich angemeldeten 202 Tegut-Märkte darf Edeka künftig betreiben (PDF-Liste). Auf 24 Standorte muss der Händler für vier Jahre verzichten, und zwar die gesamte Gruppe samt Regionalgesellschaften und selbstständigen Kaufleuten. Auch neue Miet- oder Anschlussmietverträge sind tabu. Ohne diese Zusagen hätte der Zusammenschluss laut Kartellamt in 34 regionalen Märkten in Hessen, Thüringen, Nordbayern und Baden-Württemberg den Wettbewerb erheblich verschlechtert.
Wer die 24 Märkte künftig betreibt, legt die Behörde nicht fest. Über die Übernahme weiterer Tegut-Standorte durch Rewe soll bis Ende Oktober entschieden sein.
Frankfurt auf einen Schlag
In Frankfurt am Main gehen sämtliche 20 Tegut-Märkte an Edeka: von der Kaiserstraße und der Neuen Mainzer Straße in der Innenstadt über gleich drei Filialen an der Berger Straße bis zum Flughafen-Terminal. In einer Stadt, in der Rewe seit Jahren klar dominiert, hatte Tegut sein Netz zuletzt stetig ausgebaut (2025 war noch ein großer Supermarkt im neuen Schönhof-Viertel in Bockenheim dazu gekommen). Also genau das, was Edeka am Main lange versäumt hat und nun mit einem Schlag nachholen kann.
Es wäre nicht das erste Mal, dass Edeka auf diese Weise von der Vorarbeit eines Konkurrenten profitiert. Mit der Übernahme von Kaiser’s Tengelmann hat die Handelskette in Berlin und München stärker Fuß gefasst. Zur Discount-Größe ist sie erst durch Netto Marken-Discount geworden.
Neuer Anlauf für Naturkind?
Auf der Freigabeliste stehen außerdem die ehemaligen Basic-Märkte, die Tegut in Frankfurt und München noch betreibt. Tegut hatte sie 2023 nach der Insolvenz der Bio-Kette übernommen, zwei in Frankfurt und zwölf in München, und auf das eigene Supermarktformat umgestellt. Bei der früheren Stammkundschaft kam das vielerorts nicht gut an (siehe Supermarktblog).
Für die zum Teil kleinen Innenstadtflächen dürfte ein klassischer Edeka-Supermarkt kaum infrage kommen. Naheliegend wäre die Umstellung auf Netto Marken-Discount, die öffentlich bereits als Option genannt wurde.
In Frage kommt aber auch ein neuer Anlauf mit Naturkind, den Edeka zuletzt selbst ins Spiel gebracht hatte (siehe Supermarktblog für Mitglieder): Das dezidierte Bio-Fachmarktkonzept hatte sich in der Vergangenheit als eigenständiges Format nicht durchsetzen können und war zugunsten der Naturkind-Welten in regulären Edeka-Märkten eigentlich schon abgeschrieben. Für einen Neustart wären die Ex-Basic-Läden wie gemacht.
Zweiter Umbau in drei Jahren
Offen ist, ob sich damit die frühere Basic-Stammkundschaft zurückholen ließe, die sich nach der Umstellung auf das Tegut-Mischkonzept abgewandt hatte und zur Konkurrenz gewechselt ist.
So oder so bedeutet die Übernahme an den einstigen Standorten aber den zweiten Umbau innerhalb von drei Jahren – auf welches Konzept auch immer.
In München-Bogenhausen wäre es sogar schon der dritte: Edeka übernimmt laut Kartellamts-Liste auch den dortigen Ex-Basic-Markt. In dem hatte Tegut im April selbst noch ein reines Bio-Konzept unter eigenem Namen gestartet, mit rund 4.600 Bio-Artikeln und ohne konventionelles Sortiment (siehe Supermarktblog). Ein potenzieller Naturkind-Markt könnte nun direkt davon profitieren.
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Nicht nur in Frankfurt, im gesamten urbanen Teil des Rhein-Main-Gebiets ist Edeka bislang wirklich exotisch und nur ganz vereinzelt durch ein paar tapfere Kaufleute vertreten. Wenn die bisherigen tegut-Märkte, die imho eher durch Rumpeligkeit und Reformhaus-Charme (nicht) auffielen, attraktiv vitalisiert werden, könnte das die Supermarktlandschaft hier sehr beleben. Wenn aber vor die Rumpeligkeit nur ein neues Türschild gehängt wird, könnte das schwer werden. Und dann geht ja noch mitten durch das Rhein-Main-Gebiet die Edeka-Regionalgrenze: Während die Stadt Frankfurt ja noch Teil des Offenburger Edeka-Südwest-Reiches ist, wo wahrscheinlich genug unterschiedliche Regiemarkt-Konzepte in der Schublade existieren, muss im Edeka-Hessenring-Gebiet Neuland betreten werden, wenn die Märkte als Regiemärkte integriert werden sollen. Meines Erachtens gibt es hier bisher keine solchen unterhalb der Herkules-SB-Warenhäuser, man pflegt hier noch sein sehr oldschooliges Auftreten als Einkaufsverband selbstständiger Kaufleute. Da bin ich besonders gespannt, wie der Kraftakt der (zeitgemäßen?) Integration so vieler Märkte auf einen Schlag gelingt. Und ob das Melsungen komplett selbst in die Hand nimmt oder das flächig an die Kaufleute weitergegeben wird.
Ich würde es ja heftig begrüßen, wenn Edeka aus der ehemaligen basic-Filiale auf der unteren Berger Straße einen Naturkind macht, zumal die für einen Vollsortimenter eh zu klein ist und das auch mit der Grund war, warum es nach der Umstellung auf tegut so schlecht lief (neben den nicht konkurrenzfähigen Preisen und der nicht lagegerechten Schließungszeit um 20 Uhr).
Beim zweiten ehemaligen basic-Standort im nördlichen Nordend (Eckenheimer Landstraße) steht laut Frankfurter Rundschau bereits fest, dass daraus ab Ende November ein Netto wird. Wie auch bei den teguts in der City West (Voltastraße), Alt-Sachsenhausen (Walter-Kolb-Straße), Fechenheim (Pfortenstraße) und Bergen-Enkheim (Triebstraße) – ebenfalls alles ziemlich bis sehr kleine Citylädchen. Beim ex-basic in der Eckenheimer wundert es mich zwar, weil es in Laufnähe bereits einen Aldi und einen Penny gibt – und null Parkplätze. Aber vielleicht verbucht man das als Ersatzstandort für den ehemaligen Plus, dann kurze Zeit Netto City und seit längerem Denn’s am Friedberger Platz.
Auf der anderen Seite übernimmt Edeka auch so Mini-Filiälchen wie den tegut Quartier am Schauspiel, die als Quartier gestartete Winzfiliale am Eschenheimer Tor oder frühere Schlecker-Standorte in Rödelheim (Radilostraße) und Bornheim Mitte – der einstige tegut-Pionierladen in Frankfurt auf einer Fläche von gut 200m².
Die sind allesamt nochmals deutlich kleiner als der Ex-Basic am Merianplatz und definitiv zu winzig für einen Netto – aber erst recht für einen Edeka. Als Naturkind-Standort würden sie sich aber eignen: genug Bio-affine und zahlungskräftige Kundschaft dürfte es da im Umfeld jeweils geben.
Wird dann jetzt dringend Zeit, mich noch einmal quer durch’s tegut-Bio-Eigenmarkensortiment zu kaufen, als Erinnerungsstücke an eine bessere Zeit!
traurig das viele Läden nicht wissen wie es weiter geht, zb Bad Zwesten, man sollte fair sein den menschen ob Kunde oder Angestellte , bescheid geben wie es weiter geht