Auf den letzten Metern: Tegut testet eigenes Bio-Markt-Konzept

Auf den letzten Metern: Tegut testet eigenes Bio-Markt-Konzept

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Im Münchener Stadtteil Bogenhausen können frühere Kund:innen von Basic nach der Standort-Übernahme durch Tegut wieder 100% Bio einkaufen. Kurz nach der Ankündigung, dass die Handelskette verkauft werden soll, hat sie ihren Laden dort auf ein Bio-Fachmarktkonzept unter eigenem Namen umgestellt.

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Den konsequentesten Schritt in eine mögliche Zukunft hat der Fuldaer Lebensmittelhändler Tegut gemacht, kurz nachdem diese besiegelt war. Zwei Jahre nach der Umstellung des früheren Basic-Biomarkts in München-Bogenhausen auf Tegut hat das Unternehmen zum 1. April 2026 einen erneuten Formatwechsel vollzogen

Seitdem hängt dort unter dem bekannten Tegut-Logo in Orange der Zusatz „Bio-Markt“ in Weiß-Grün über dem Eingang. Auf Werbefahnen und im Schaufenster werden „100% Bio“ annonciert.

Aus einem Supermarkt mit Bio-Schwerpunkt ist wieder ein reiner Bio-Fachmarkt geworden – drei Wochen nachdem die Tegut-Mutter Migros Zürich den Verkauf der Handelskette an Edeka angekündigt hatte (siehe Supermarktblog).

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Auf Supermarktblog-Anfrage bestätigt Tegut das neue Format:

„Mit der Umstellung reagieren wir auf die Nachfrage der Kund:innen an diesem ehemaligen Basic-Standort nach einem noch tieferen und breiteren Bio-Sortiment. Der Standort dient dabei als Testmarkt für ein reines Bio-Konzept innerhalb unseres Filialnetzes.“

Starkes Bekenntnis am Regalende

Lebensmittel aus konventioneller Erzeugung gibt es am Standort nun nicht mehr zu kaufen. Tegut erklärt:

„Im Sortiment liegt der Schwerpunkt vorwiegend auf fachhandelstypischen Bio-Artikeln. Ergänzt wird das Angebot durch unsere Eigenmarken, deren Anteil im neuen Konzept bei rund 25 Prozent liegt. Damit möchten wir den Kund:innen eine attraktive Auswahl, verlässliche Bio-Qualität und ein klares Einkaufsprofil bieten.“

Zurück zu 100% Bio: Tegut versucht sich – einmalig – als Bio-Fachhändler. Foto: Chris W.

In den Regalen dominieren Produkte klassischer Bio-Fachmarken, auch im Kosmetikbereich. Dazu kommt eine große Auswahl an Produkten des Partners Alnatura, dem Tegut – im eigenen Interesse – ein starkes Bekenntnis am Regalende widmet:

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Auf Produkte, die zunehmend auch von konventionellen Herstellern in Bio-Qualität kommen, verzichtet man – der „Tegut Bio-Markt“ positioniert sich somit als vollwertiger Bio-Fachmarkt im Stil von Alnatura, Denns Biomarkt und Bio Company.

4.600 Bio-Artikel im Sortiment

Bei den Eigenmarken kann Tegut seine vollständige Bio-Kompetenz mit „Tegut Bio“ und „Tegut Bio zum kleinen Preis“ ausspielen, das ebenfalls an einem eigenen Gondelkopf inszeniert ist. Einzelne Produkte der „Tegut Feinstes“-Premiumlinie, die ebenfalls Bio-Qualität aufweisen, ergänzen das Angebot. Wo im Laden noch kleinere Lücken sind, weist Tegut clever mit Regalblöcken auf Sortimentsumfang und Preisversprechen hin:

„4.600 Mal Bio-Auswahl, die einzigartig ist.“
„Über 150 Bio-Artikel immer zum Discount-Preis.“

Außerdem wirbt der Händler aktiv für die Vorteile seines Tebonus-Programms zur Kund:innenbindung. Vor den Kassen gibt es einen Aufsteller, der auf die laufende Treueaktion mit Kitchenaid hinweist, die auch in den regulären Tegut-Filialen läuft. Außerdem gibt es ein kleines Zeitschriftenregal.

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Einfach besser? Schon Standard! So steigern Kaufleute ihre Umsätze mit Bio

Viele Produkt-Eigenschaften, die Verbraucherinnen und Verbraucher gerade beim Einkauf besonders wichtig sind, gehören bei Bio sowieso dazu. Für Kaufleute im LEH wird das zur Chance – nämlich wenn sie Bio-Produkte als Antwort auf Alltagsbedürfnisse im Regal positionieren. BioHandel zeigt, wie’s geht.

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Bei einer Einschränkung allerdings bleibt es: Die zuvor bereits umgebaute Frischetheke für Käse, Fleisch und Wurst wurde nicht reaktiviert und bleibt wie an anderen Standorten (siehe Supermarktblog) als mäßig attraktive Selbstbedienung erhalten.

Beworben hat Tegut die Umstellung offensichtlich nur im direkten Umfeld des Markts: „durch einen Sonderhandzettel sowie Kommunikation am Point of Sale“, heißt es aus Fulda.

Ein schwieriges Eingeständnis

Die Idee, es mit einem eigenen Fachmarktkonzept für Bio-Lebensmittel und -Kosmetik unterm Tegut-Banner zu versuchen, ist dabei so naheliegend wie einleuchtend. Kein anderer konventioneller Händler in Deutschland hat eine vergleichbare Bio-Kompetenz. Die Umstellung ist aber zugleich das Eingeständnis, dass der ursprüngliche Plan, frühere Kund:innen von Basic zu Tegut zu konvertieren, ganz und gar nicht aufgegangen ist (siehe Supermarktblog).

Über verschiedene Kanäle im Netz hatten sich Ex-Basic-Stammkäufer:innen immer wieder darüber beschwert, dass ihnen nach der Wiedereröffnung als Tegut-Filiale die bisherige Tiefe des Fachmarktkonzepts fehlte – und angekündigt, entsprechende Konsequenzen für ihr Einkaufsverhalten daraus zu ziehen. Offensichtlich hat man sich in Fulda bei der Übernahme strategisch verkalkuliert.

Oder man ist bei Bio-Vielkäufer:innen schlicht mit der Erklärung gescheitert, warum Tegut als Bio-Fachmarkt-Ersatz mit einem „über die Naturwaren hinausreichenden Sortiment“ taugt.

Gleichzeitig ist es bedauerlich, dass der Strategieschwenk ausgerechnet zu einem Zeitpunkt erfolgt, an dem Migros Zürich bereits kommuniziert hat, der Marke Tegut in Deutschland keine Zukunft mehr lassen zu wollen.

Spagat zwischen zwei Einkaufswelten

Im Nachhinein lässt sich feststellen, dass es vermutlich der bessere Weg gewesen wäre, die von Basic übernommenen Standorte eben nicht aufs Tegut-Standardformat zu konvertieren – sondern die Chance zu nutzen, Tegut auch als Bio-Fachmarkthändler zu positionieren und die Marke auf diese Weise zu stärken. Mit einem von Kund:innen gewohnten Bio-Markenangebot und einer ebenso umfassenden wie glaubwürdigen Eigenmarkenauswahl in Bio-Qualität. Genau das also, woran sowohl Rewe (mit Temma) als auch Edeka (mit Naturkind) bislang krachend gescheitert sind.

Tegut hätte man diesen Spagat zwischen zwei Einkaufswelten am ehesten abgenommen – und vermutlich wäre er aussichtsreicher gewesen, als sich mit einem eigenen Convenience-Konzept wie „Tegut Quartier“ zu verzetteln.

Der Markt in Bogenhausen dürfte höchstwahrscheinlich der einzige bleiben, an dem sich in den kommenden Monaten zeigen wird, ob Tegut mit einem dezidierten Bio-Fachmarktkonzept erfolgreich hätte sein können. Auf Supermarktblog-Anfrage erklärt das Unternehmen:

„Weitere Umstellungen ehemaliger Basic-Märkte auf das Konzept ‚tegut… Bio-Markt‘ sind derzeit vor dem Hintergrund der aktuellen strategischen Unternehmensentwicklung nicht geplant.“

Bitter ist, dass nun ausgerechnet Edeka davon profitieren könnte. Dort überlegt man bereits, übernommene Tegut-Standorte in Bio-Fachmärkte umzuwandeln, um so das eigene Naturkind-Konzept doch noch zum Erfolg zu führen, das bisher eigenständig nicht funktioniert hat. (Mehr dazu steht in „Checkout“ – der aktuellen Kolumne für Supermarktblog-Mitglieder).

Großen Dank an Chris W. für den Hinweis, die Marktbegehung und die Fotos!

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1 Kommentar
  • So traurig einfach nur. Warum ist das denen nicht direkt nach Übernahme von basis eingefallen….
    Ich genieße einfach jede Woche in der ich noch das tegut Angebot mit den tollen Eigenmarken zur Verfügung habe und wenn das Ende nah ist wird nochmal gehamstert was das MHD hergibt.

    Verstehe trotzdem nicht, warum zB Edeka oder REWE nicht die komplette Kette übernehmen und wenigstens den Namen und das Konzept weiterführen und sich nur ihre EInkaufskonditionen auf die Preise niederschlagen.

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