Bio im LEH – Mehr Umsatz und mehr Kunden
Anzeige. Der folgende Text stammt von BioHandel.
Als Rewe im Frühjahr ankündigte, seine veganen Eigenmarken unter neuem Namen zu führen, war das mehr als ein Marketing-Kniff: nämlich ein ziemlich klares Bekenntnis dazu, dass das Sortiment endgültig im Massenmarkt angekommen ist.
Die bisherigen Submarken „Rewe Beste Wahl vegan“ und „Rewe Bio+vegan“ sind damit abgelöst: In neuen, bunten Verpackungsdesigns bemühen sich nun „Rewe Beste Wahl Pflanzlich“ und „Rewe Bio Pflanzlich“ um die Aufmerksamkeit einer wachsenden Gruppe von Kundinnen und Kunden, die häufiger pflanzlich essen möchten. Ganz ohne Verzichtsgedanken. Dafür mit Fokus auf Genuss und Qualität.
Das stützt auch ein aktueller Report des Good Food Institute Europe. Demnach haben 31 Prozent der deutschen Haushalte 2025 mindestens einmal pflanzliches Fleisch gekauft, 38 Prozent waren es bei pflanzlicher Milch.
Die sechs Kernkategorien pflanzlicher Lebensmittel – Alternativen zu Fleisch, Fisch, Milch, Käse, Joghurt, Sahne – kamen im deutschen Einzelhandel auf 1,71 Milliarden Euro Umsatz, ein Plus von 3,1 Prozent. Die verkaufte Menge legte um 6,2 Prozent zu. Laut GFI Europe „ein anhaltendes moderates Wachstum“.
Pflanzenbasierte Lebensmittel sind damit keine Nische mehr für ein paar Überzeugte – sondern ein fester Teil des normalen Wocheneinkaufs von Millionen Menschen.

Pflanzlich ist Alltag – und wächst über den Preis
Getrieben wurde diese Entwicklung im klassischen LEH bislang allerdings vor allem vom günstigen Segment: Die Menge der pflanzenbasierten Eigenmarken stieg 2025 um 7,6 Prozent (nach 14,2 Prozent in 2024). Und etwa ein Drittel des Umsatzes mit Pflanzenmilch und pflanzlichem Fleisch entfällt inzwischen auf Discounter.
Für Vollsortimenter heißt das: Wer vornehmlich pflanzliche Standardware listet, konkurriert direkt mit denen, die das Sortiment zunehmend über die Menge und den günstigsten Preis prägen wollen.
Selbstständige profitieren zwar schon davon, dass ihre Handelszentralen einen Teil der Differenzierung mitgedacht haben: Nicht umsonst positioniert Rewe seine Mittelmarke „Beste Wahl Pflanzlich“ für moderne Produktideen in konventioneller Qualität, während das Pendant „Rewe Bio Pflanzlich“ ausdrücklich auf natürliche, unverarbeitete Zutaten ohne Gentechnik, Zusatzstoffe und künstliche Aromen setzt.
Aber Kaufleute sollten das vor allem als Signal begreifen, die damit angestoßene Differenzierung für ihr Sortiment weiterzudenken.
Bio als Qualitätsantwort
Wo die Potenziale liegen, zeigt ausgerechnet die älteste und größte pflanzliche Kategorie. Laut BÖLW-Branchenreport 2026 sind 66 Prozent der pflanzlichen Milchgetränke in Deutschland bereits bio. Das bedeutet: Dort, wo pflanzliche Produkte lange genug im Markt sind und ausreichend zur Verfügung stehen, greift die Kundschaft häufig zur Bio-Variante.
Das gilt es zu nutzen. Denn anders als beim Milchersatz ist Bio bei den stärker verarbeiteten Segmenten oft noch deutlich unterrepräsentiert. So lag etwa der Bio-Mengenanteil bei den pflanzlichen Fleischalternativen laut BÖLW-Branchenreport zuletzt (2024) bei rund einem Viertel.
Interessant dabei: Während pflanzliche Produkte, die Fleisch nachahmen, im vergangenen Jahr nicht wachsen konnten, stieg die Verkaufsmenge der traditionellen proteinreichen Lebensmittel und Bio-Klassiker Tofu, Tempeh und Seitan laut Good Food Institute Europe um 30 Prozent. Als einen Hauptgrund hierfür wird der im Vergleich zu pflanzlichem Fleisch deutlich niedrigere Preis von Tofu & Co. genannt.
Genau hier liegt der weiße Fleck, den ein Kaufmann besetzen kann, um mit einem tiefer kuratierten Sortiment regelmäßige Käuferinnen und Käufer pflanzlicher Lebensmittel für sich zu gewinnen.
Bio kann dafür der Hebel sein – und liefert die Argumente direkt mit: Bei den Haferdrinks kommen viele Bio-Produkte mit einer Handvoll Zutaten aus (Hafer, Wasser, Öl, Salz), der Rohstoff stammt aus Europa oder Deutschland, und auf Stabilisatoren wird oft verzichtet. Bei den Joghurt- und Eisalternativen verbieten Bio-Verbände Aromen, Farbstoffe und teils auch Carrageen.
Und auch bei Herzhaftem hat die Branche überzeugende Produkte entwickelt: Streichwurst-Alternativen aus Linsen und Bohnen etwa, von Herstellern wie Hedi, Allos oder Zwergenwiese, ganz ohne die vielen in konventioneller Wurst erlaubten Zusatzstoffe.
Ein weiteres Argument, das für die Pflanzlichen spricht: Produkte aus Soja, Lupinen oder Getreide liefern reichlich Protein – bis zu 40 Prozent – und sind frei von Cholesterin. Und egal wie die pflanzlichen Alternativen produziert wurden: Ihre Klimabilanz ist immer deutlich besser als die von Fleisch.
Welchen Unterschied Bio bei pflanzlichen Lebensmitteln macht
Pflanzlich heißt nicht automatisch nachhaltig. Ein konventionelles pflanzliches Produkt kann Zusatzstoffe, Palmfett, Rohstoffe aus Monokultur oder Gentechnik im Anbau enthalten. Bio schließt diese Lücke – und liefert damit ein Argument, das nicht über den Preis läuft, sondern über die Qualität.
Dieses Qualitätsversprechen lässt sich über Siegel, Zutatenliste und Herkunft unmittelbar belegen. Die Kundschaft dafür ist längst breiter als die vegane Stammklientel: Flexitarier und qualitätsbewusste Omnivoren, die pflanzliche Produkte bei ihrem Einkauf ergänzend mitnehmen, ohne tierische Produkte komplett zu ersetzen.
In einer Käuferbefragung des Marktforschers epap gaben 45 Prozent an, weniger tierische Produkte konsumieren zu wollen.
Dazu kommt laut BÖLW: Alle tendenziell bio-affinen Käufergruppen würden über die Warengruppen hinweg sogar mehr Bio kaufen – finden es aber im Handel oft nicht.
Am Regal sichtbar machen: vier Ansätze
Wie so oft entscheidet sich deshalb am Regal, ob der Bio-Vorteil bei der Kundschaft für pflanzliche Lebensmittel ankommt. Kaufleute haben mehrere Möglichkeiten, das zu beeinflussen:
Direkte Kommunikation am POS. Ein Regalstopper in beliebten Warengruppen bringt die Bio-Differenz auf den Punkt, wo sie zählt: kurze Zutatenliste, kein Palmfett, Hafer aus Deutschland. Dafür braucht es keine separate Ecke – nur eine klare Botschaft dort, wo die Kaufentscheidung fällt.
Bio-pflanzlich im Mini-Probiermenü. Statt Einzelprodukte zu verkosten, direkt eine Auswahl zusammenstellen, die zeigt, was das Sortiment geschmacklich ausmacht: einen Bratling oder Aufstrich auf Linsenbasis, dazu ein Bio-Haferdrink, eine Joghurtalternative. Anlassbezogen funktioniert das noch besser (z.B. Frühstückstisch mit Bio-Drink, Müsli und Joghurtalternative, oder zur Grillsaison die passenden Produkte).
Der regionale Hebel. Regionale Bio-Hersteller, kurze Wege, eine Empfehlung der eigenen Mitarbeitenden am Regal – das ist ein Profil, das eine überregionale Standardlistung nicht abbilden kann. Hier liegt der Vorteil des selbstständigen Kaufmanns, der seine Sortimentsfreiheit nutzt.
Beratung als Differenzierung. Pflanzliche Lebensmittel sind Frageprodukte: Was unterscheidet die Sorten? Warum ist Bio etwas teurer? Wie steht es um Zucker oder Calcium? Personal, das darauf souverän antwortet, bindet Kundschaft stärker als jeder Preisnachlass.
Der rote Faden bleibt derselbe: Pflanzlich ist im Massenmarkt angekommen – aber es entscheidet sich gerade, ob vor allem als Mengenware oder auch als Qualitätssortiment. Bio und pflanzlich ist die Kombination, die im Regal (mit mancher Ausnahme) noch zu selten zusammenkommt.
Und sie ist die passgenaue Antwort auf eine Kundschaft, die öfter pflanzlich essen will. Aber deswegen nicht automatisch nur billig.
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