Alle verschlagworteten Texte: Backautomaten

Aldi vs. Lidl: Wer ist der bessere Kundenversteher?

Schauen Sie sich diesen Koloss noch einmal ganz genau an. Vielleicht ist es das letzte Mal bevor er ins Discountmuseum kommt.

Aber jetzt erstmal zu einem völlig anderen Thema: Aldi muss kleinere Brötchen backen. Sozusagen. Der “Lebensmittelzeitung” zufolge verzeichnete Aldi Nord, der schrabbeligere der beiden Bruderdiscounter, im Geschäftsjahr 2011 einen Gewinnrückgang von 55 Millionen Euro. Mit dieser Zahl können Sie jetzt vielleicht nichts anfangen, aber das ging den Aldi-Nord-Managern mit dem Wort “Gewinnrückgang” vermutlich genauso. Die “LZ” schreibt vom schwächsten Ergebnis der vergangenen acht Jahre.

Das Geschäft mit Artikeln, die sich nicht aufessen lassen (Computer, Schlafanzüge, Schneeketten) soll 2011 nicht so gut gelaufen sein wie sonst. Und bei Lebensmitteln verliert Aldi in manchen Produktgruppen Marktanteile an die Konkurrenz.

Vor allem aber erklärt die Schwäche des Marktführers, warum nach jahrelanger Umbauverweigerung in diesem Jahr fast schon hektisch die Läden modernisiert werden und plötzlich lauter Markenartikel im Regal stehen: um zumindest diesen Nachteil gegenüber den Mitbewerbern, allen voran Lidl, auszugleichen.

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Evolution der Ketten-Bäcker: Riecht nicht nach Fritten, sieht aber so aus

Die Evolution hiesiger Bäckereien ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Das erste war das der kleinen Familienbetriebe, die dachten, die Leute würden bloß leckeres Brot essen wollen. Die Franchise-Bäcker bewiesen später, dass die Leute am liebsten überall dasselbe Brot essen wollen – und vererbten dieses Merkmal in der nächsten Generation an die Discountbäcker, die sich mit ihren Niedrigpreisen rasend schnell ausgebreitet haben.

Seit einige Zeit gibt es aber ein großes Problem, vor allem für Franchise- und Discountbäcker: die Backtheken, die in Supermärkten und Discountern aufgestellt werden.

Weil die Leute keinen Grund mehr haben, für aufgebackene Teiglinge extra zum Bäcker zu gehen, wenn sie ganz ähnliche aufgebackene Teiglinge auch gleich beim Einkaufen mitnehmen können. Das führt wiederum dazu, dass sich die Ketten auf die neue Situation einstellen und – mutieren. Das Supermarktblog stellt zwei der neuen Typen vor, die sich derzeit in den Städten breit machen.

1. Der Fast-Food-Bäcker

Was ist rot, riecht nicht nach Fritten, sieht aber so aus? Das neue Back-Factory-Café am Berliner Checkpoint Charlie! Das hat praktischerweise genau neben einer McDonald’s-Filiale eröffnet und funktioniert auch so ähnlich: als Schnellrestaurant.

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Lidl backt jetzt selbst: Besuchstag im Brötchenknast

So sieht sie also aus, die erste Backwarenvollzugsanstalt Deutschlands: Auf drei Stockwerken quetschen sich Brezeln, Kürbiskernbrötchen, Rosinenzöpfe und Krustenbrote in vergitterten Zellen nebeneinander – bis ein Kunde sie begnadigt, mit einem langen Eisenstab aus ihrer Gefangenschaft drischt und in die vorbereiteten Tüten packt. Was die Teiglinge in ihrem kurzen Tiefkühlleben verbrochen haben bevor sie aufgebacken wurden, entzieht sich der Kenntnis des Betrachters. Aber jetzt sie sind hier gelandet: im Lidl-Brötchenknast.

Zumindest ist das die erste Assoziation, die mir in den Sinn kam, als ich das erste Mal vor der neuen Backtheke stand, die Lidl gerade in einer seiner Berliner Filialen eingeweiht hat.


SB-Theke in einem Berliner Lidl – samt Brotschneidemaschine und “Restebox” für heruntergefallene Ware

Die Kunden stehen noch etwas ratlos vor der monströsen Selbstbedienstation. Manche haben Mühe, an die gewünschten Backwaren heranzukommen: Brote und Zöpfe lassen sich zwar einfach so entnehmen, aber man muss wissen, wo die Plexiglasklappe der jeweiligen Box aufgeht (am Griff, natürlich!). Für Brötchen braucht man schon etwas mehr Geschick, weil die aus dem hinteren Teil der Box tatsächlich erst mit besagtem Stab nach vorne gerüttelt werden müssen, wo sie durch ein separates Auffanggitter fallen. Und zwar, damit nicht jeder Kunde erstmal alle Brötchen anfasst, bevor er sich für das schönste entscheidet. Wer auf der Kirmes schon immer gut darin war, Plüschtiere aus Greifarm-Maschinen zu ziehen, der ist an der Lidl-Backtheke automatisch Vollprofi.

Alle anderen üben besser noch ein bisschen. Vor allem, wenn sie es auf die seniorenfeindlichen Brötchen aus der unteren Reihe abgesehen haben, für die man in die Hocke gehen muss, um überhaupt dranzukommen.

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Backtheken im Discounter: Lidl macht den eigenen Partnern Konkurrenz

Manfred Z. ist Besitzer einer Bäckerei in Bayern, heißt eigentlich gar nicht so, möchte aber seinen Namen lieber nicht im Internet lesen. Trotzdem ärgert er sich: Der Bäcker betreibt im Umkreis seines Ladens mehrere Filialen, drei davon in Anbauten von Lidl-Märkten, die er für fünf Jahre angemietet hat, um die Kunden des Discounters mit frischen Brötchen, Brot und Gebäck zu versorgen.

Im vergangenen Jahr hat Lidl damit begonnen, Backstationen in diese Filialen einzubauen – keine Automaten, wie sie Aldi nutzt, sondern Theken mit Auslageflächen, die von den Mitarbeitern der Märkte nach dem Aufbacken befüllt werden. Damit gelten die aufgebackenen Brote und Brötchen als SB-Ware, und die darf laut Vertrag mit den Bäckern jederzeit angeboten werden. Und zwar sehr viel günstiger als die Produkte, die Z. ein paar Meter daneben in seiner Filiale verkauft. Z. sagt:

“Wir haben Einbußen bis zu 35 Prozent, das ist ziemlich happig. Beim Discounter wird das Croissant für 29 Cent verkauft – so viel kostet bei uns eine einfache Semmel. Da ist’s ja logisch, dass der Kunde uns fragt: Was soll das?”

Und was sagt er seinen Kunden dann?

“Ich sag, dass wir kalkulieren müssen. Wie Lidl das macht, weiß ich nicht.”

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Brötchen aus dem Automaten: Wie Aldi mit seinen “Backöfen” die Bäcker ärgert

Dass bei Aldi keineswegs nur die Leute einkaufen, die aufs Geld schauen müssen, sondern auch viele von denen, die das nicht zu tun bräuchten, ist bekannt. Aber dass Richter jetzt auch schon ihre Arbeit im Discounter erledigen – das ist neu.

Als sich vor einigen Wochen die Anwälte von Aldi Süd mit denen des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks vor dem Landgericht Duisburg trafen, um die Klage des Verbands gegen die neuen Backautomaten des Discounters zu erörtern, erklärte der zuständige Richter kurzerhand, die Beweisaufnahme in den nächstgelegenen Aldi-Markt verlagern zu wollen. Er habe das im Internet recherchiert. In einer halben Stunde treffe man sich dort.

Also stand der Richter nachher in der Aldi-Filiale in Duisburg-Neudorf und verlangte, die Teigprodukte sehen zu können, die von den Mitarbeitern in den Automaten geschoben werden. Aldi lehnte ab.


“Backofen”-Automat in einer Aldi-Süd-Filiale: sieht aus wie ein Fahrscheinautomat für Riesen

So erzählt es zumindest Amin Werner, Hauptgeschäftsführer des Bäckerhandwerkverbands in Berlin. Dieser will verhindern, dass Aldi die riesigen Backautomaten, die seit einiger Zeit in die Süd-Filialen des Konzerns eingebaut werden, weiterhin “Backofen” nennt. “Das setzt nämlich voraus, dass ein Backvorgang stattfindet. Das bezweifeln wir – und das kann auch in der Kürze der Zeit gar nicht passieren. Es geht um Sekunden, mitunter auch mal eine Minute. Um ein ordentliches Brot mit 750 Gramm zu backen, brauchen Sie aber anderthalb Stunden”, sagt Werner.

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