Schlecker-Pleite: Modern und fair – war das zuviel verlangt?

Schlecker-Pleite: Modern und fair – war das zuviel verlangt?

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Irgendwo in den Blumenbeeten vor dem Hauptsitz der Drogeriekette Schlecker in Ehingen an der Donau hat jemand einen Magneten vergraben, der Ärger anzieht. Und der hat in den vergangenen Monaten ganz hervorragend funktioniert – im Gegensatz zu dem Geschäft in den Filialen.

Erst gab es Berichte, Schlecker suche erstmals in seiner Firmengeschichte nach externen Investoren suchen. Es fand sich nur keiner. Dann wurde bekannt, dass das Familienunternehmen die Modernisierung seiner Filialen vorübergehend stoppen würde. Dazu kam der Ärger um einen Pressesprecher, der Schlecker-Kunden in einem öffentlich gewordenen Schreiben generell ein schlichtes Gemüt bescheinigte. Es folgten Meldungen über Regallücken, ausgerechnet im so wichtigen Vorweihnachtsgeschäft. Und gerade wurde bekannt, dass nach hunderten Filialen, die bereits geschlossen wurden, noch einmal mehrere hundert folgen würden.

Seit Freitagmittag ist es nun offiziell: Schlecker, einst mächtiges Drogerie-Imperium mit über 10.000 Läden in ganz Deutschland, ist insolvent (siehe faz.net).

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Und während die wirtschaftliche Analyse dieses Niedergangs kompliziert sein mag, ist sie aus Kundensicht relativ einfach: Zuletzt gab es nämlich nur noch einen einzigen Grund, überhaupt bei Schlecker einzukaufen. Nämlich: weil halt zufällig einer in der Nähe war und keine Zeit, zur Konkurrenz zu gehen.

Das sind nicht die besten Voraussetzungen für ein Unternehmen, das zuletzt mit aller Kraft daran arbeitete, sein Filialnetz zu verkleinern.

Schlecker hat versucht, diesen Nachteil mit einem Modernisierungsprogramm aufzufangen, das den Komplettumbau sämtlicher Läden zum Ziel hatte, und gleichzeitig den Ruf des Unternehmens korrigieren musste, der nach den Skandalen wegen des ausbeuterischen Umgangs mit Mitarbeitern arg gelitten hatte. Nur glaubwürdig war dieser Wandel nicht. Zwar zahlt Schlecker seinen Mitarbeitern inzwischen Tariflöhne. Und die neuen Filialen sehen wirklich freundlicher aus als die alten – wobei die Sortimentsvielfalt dran glauben musste, um mehr Platz in den Läden zu schaffen.

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Vor allem hat der Konzern aber zu keinem Zeitpunkt glaubhaft vermitteln können, dass Schlecker wirklich günstig ist. Auch nicht mit Rabattaktionen wie der aktuellen, bei der Babyartikel im Preis herabgesetzt sind („Alles für mein Baby, jede Woche günstiger“), die aber vor allem wegen ihrer unfreiwilligen Komik auffällt, weil aus der Ferne erstmal nur die Worte „Baby günstiger“ zu lesen sind.

Trotz Pleite sollen alle Läden geöffnet und die Arbeitsplätze erhalten bleiben, heißt es. Und natürlich ist das für jeden wünschenswert, der bei Schlecker sein Geld verdient.

Die Frage ist nur, welche Existenzberechtigung ein Geschäftsmodell hat, das dadurch die Pleite riskiert, dass es seine Mitarbeiter fair bezahlt, moderne Filialen betreibt und mit wettbewerbsadäquaten Preisen plant.

Foto: Supermarktblog

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