Edeka ehelicht sich selbst – eine Hochzeitsrede

Edeka ehelicht sich selbst – eine Hochzeitsrede

Partner und Sponsoren:

Liebes Brautpaar,
verwirrte Hochzeitsgäste,

wir sind heute hier zusammengekommen, um zwei Märkte zu feiern, die den Bund für einen gemeinsamen Lebensmittelhandel beschlossen haben, bis ans Ende ihrer Öffnungszeiten und so wahr ihnen die Genossenschaft helfe. Genauer gesagt hat diese „Hochzeit des Jahres“, wie wir sie ganz bescheiden nennen wollen, natürlich die Mutter Regionalgesellschaft entschieden. (Aber deswegen gleich von einer Zwangsheirat zu sprechen, ist papperlapapp und hat an einem solchen Jubeltag keinen Platz.)

Im ganzen Land, also: von Minden bis Hannover, ist die Ehe bereits bekannt – zumindest bei all denen, die verstanden haben, was ihnen die großen Plakate sagen wollen, mit denen das Paar die Botschaft verkünden ließ. Darauf steht:


„JaE – ich will…“

Einige von Ihnen, liebe Gäste, mögen sich zunächst die Augen gerieben haben: Was hat das zu bedeuten? Dabei ist es doch ganz einfach (und stand ja auch schon hier im Blog): Die wunderbar klimatisierte „E Neukauf“ und der stets gut belieferte „E Aktiv Markt“ sind künftig eins.

Nun kommen ja schon die Menschen auf die kuriosesten Ideen, wenn sie heiraten: Sie kaufen sich teure Verkleidungen, die sie danach nie wieder anziehen; sie entführen ihre Bräute und lassen nach ihnen suchen; sie setzen kleine Miniaturabbilder von sich auf zuckrige Kalorienbomben und verspeisen diese dann vor dem Abendessen. Viele schrecken nicht einmal davor zurück, zur gemeinsamen Feier entfernte Verwandte einzuladen. Wenn sich Supermärkte einander versprechen, setzen sie aber noch eins drauf: Denn „E Neukauf“ und „E Aktiv Markt“ geben beide ihre bisherigen Namen auf. Und heißen künftig nur noch – „E“ (mit dem Namen des jeweiligen Einzelhändlers als Zusatz).

Das ist ungewöhnlich – und auch ein bisschen unpraktisch, wenn es gar nicht auf den großformatigen Einladungspostern draufsteht, sondern bloß: „JaE – ich will…“ Weiß dann natürlich kein Mensch, was er davon halten soll. Und mal ehrlich: Es schreibt sich doch auch niemand die Internetadresse untendrunter ab, um zuhause nachzusehen und auf der Website die dort gut versteckte Botschaft zu finden.

Aber die Regionalgesellschaft hat sich entschlossen, und die Entscheidungen der Regionalgesellschaft sind nicht in Frage zu stellen. (Auch wenn ihr vorher besser jemand erklärt hätte, dass es genau genommen gar keine echte Ehe ist, wenn zwei, die sowieso schon zur selben Familie gehören, heiraten wollen – sondern: illegal. Vielleicht leistet sich die Regionalgesellschaft beizeiten eine vernünftige Werbeagentur, die sowas ordentlich prüft anstatt rührige Abschiedsanzeigen zu schalten, wenn sie vor die Tür gesetzt wird, weil sie ihre eigene Kampgange gründlich verhunzt hat.)

Verehrtes Brautpaar, wir wollen dennoch darauf anstoßen, dass es eine obst- und gemüsereiche Umbenennung wird, und euch beiden die Frische bis ins hohe Alter erhalten bleibt.

Buffet wird leider keins eröffnet, das müssten Sie schon selbst bezahlen. Aber die hungrigen Gäste sind herzlich dazu eingeladen, irgendein Traumhaus oder einen Geschenkekorb zu gewinnen.

Und: Kann jetzt bitte endlich jemand die peinlichen Plakate wieder abhängen? Danke.

Fotos: Supermarktblog

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