Eat 17 in London: Geradeaus durch zur Speck-Marmelade

Eat 17 in London: Geradeaus durch zur Speck-Marmelade

Inhalt:

Was machen junge Briten, wenn ihnen langweilig ist? Ganz genau: einen Mini-Supermarkt in einem alten Kino eröffnen, in dem möglichst viel Platz für Produkte aus der Umgebung ist, wo man lecker Burger essen und selbstgemachte „Bacon Jam“ kaufen kann. Genau so funktioniert „Eat 17 in London“. Ein Ladenrundgang.

Partner und Sponsoren:

Was machen junge Briten, wenn ihnen langweilig ist? Ganz genau: einen Mini-Supermarkt im Londoner Stadtteil Walthamstow eröffnen und ihn „Eat 17“ nennen (nach der Postleitzahl des Stadtteils „E 17“ für „East 17“; nicht nach der aufgelösten 90er-Boyband von Brian Harvey). Jedenfalls haben sich die Brüder Chris und Daniel O’Connor im Jahr 2007 so entschieden. Die Idee war: ein Laden, in dem möglichst viel Platz ist für Produkte, die aus der Umgebung kommen oder etwas Besonderes sind, das man in den großen Ketten nicht so selbstverständlich kriegt.

Gleichzeitig sollten Kunden dort ihren ganz normalen Einkauf erledigen können: Milch, Nudeln, Waschmittel. Und, wenn sie schon mal da sind, auch was Leckeres zu essen kriegen.

In Walthamstow hat das so gut funktioniert, dass es seit zwei Jahren in Hackney ein zweites Eat 17 gibt, eine Kombination aus Laden, Bistro und Restaurant im Obergeschoss, das bereits umfänglich beschwärmt worden ist (schauen Sie sich mal diese Einrichtung an!). Wir gucken stattdessen mal ins Erdgeschoss:

Vom Kino zum Nahversorger

Vor hundert Jahren standen hier die Leute Schlange, um im The Castle Electric Theatre Kinofilme zu sehen. Aus dem Kino wurde in den 60er Jahren eine Bingo-Halle, und später ein Snooker-Club, bevor schließlich Eat 17 in das Art-Deco-Gebäude einzog.

Über dem Markteingang in der Chatsworth Road (Bild oben) hängt ein großes Spar-Logo, weil die O’Connor-Brüder ihre Unabhängigkeit mit einer Allianz absichern: Spar liefert das Basissortiment für die Läden, das lässt den Eat-17-Inhabern Zeit, regionale Hersteller zu finden und sich um die Gastronomie zu kümmern. (Etwa 40 Prozent des Sortiments im Mini-Supermarkt stammen von lokalen Produzenten.)

Eine lange Rampe führt schnurstracks in den Verkaufsraum, der gerade einmal aus drei Längsfluren und zur Hälfte aus Kühlregalen besteht.

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Schnell was einkaufen?

Dann schließen Sie bitte kurz die Augen und tasten sich an der ersten Kühltruhe rechts in den Flur. Nach wenigen Schritten (Augen wieder auf!) stehen Sie dort, wo vor hundert Jahren die bewegten Bilder an die Wand geworfen wurden und heute Eier und Mehl aus dem Regal gezogen werden.

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Sie haben vergessen, die Augen zu schließen?

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Dann sind Sie sicher vorne an der Kuchentheke hängengeblieben, die niemanden passieren lässt, ohne ihn zum Süßwarenprüfer umschulen zu wollen.

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Erfunden wurde die „Bacon Jam-„Schweinerei beim Ausprobieren von Soßen für Burger, die in den ladeneigenen Bistros verkauft werden. Und sie hat seitdem eine beachtliche Karriere gemacht, bis in die Regale großer Supermarktketten Tesco und Waitrose hinein (wenn Sie mal probieren wollen: die Töpfchen gibt’s auch über Amazon).

Hallo … hören Sie noch zu, wo sind Sie denn?

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Direkt zum Mittagessen?

Wenn die Kuchentheke Sie so sehr begeistert, gibt’s vielleicht besser erst zum Mittagessen, man soll ja nicht mit leerem Magen einkaufen. Deshalb hat Eat 17 in Hackney das Bistro direkt neben die Eingangsrampe gesetzt. Mittags können sich Kunden von einem kleinen Buffet bedienen oder, wenn Sie’s eilig haben, was in einer Klappbox mit zur Arbeit nehmen. Dableiben geht natürlich auch. Sie müssen auch nicht die ganze Zeit rumstehen.

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Die Laden-Bistro-Kombination ist entstanden, weil O’Connors ihren Kunden kein pappiges Sofortessen anbieten wollten, das sich selbst soßenaufweicht, wenn es nicht rechtzeitig gekauft wird. Inzwischen hat Eat 17 aber entdeckt, dass es sich einfach auf die Pappigkeit verzichten lässt, wenn man fertig vorbereitetes Essen zum Mitnehmen anbieten will. Frisch gekocht und handgelöffelt in kleine Boxen mit Pappbanderole, zum Aufwärmen für daheim oder im Büro.

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Und das, was drin ist, sieht tatsächlich aus – wie echtes Essen:

Richtung Feierabendbier?

Satt? Zufrieden? Alles eingekauft? Dann sehen wir uns in einem Stündchen draußen wieder, wenn Sie wissen, welches Feierabendbier Sie trinken wollen. Kann nämlich sein, dass die Entscheidungsfindung etwas dauert. Fast eine komplette Wand reserviert Eat 17 in Hackney für „chilled beers and world wine“. Das kleine Craft-Beer-Paradies führt Hooky Gold, Old Speckeled Henn, Crat Stout, Newcastle Brown Ale, Brooklyn East IPA, Widdershins usw.

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Eat 17 wirbt mit dem Spruch „Not your average store“ für sich: Nicht der Laden, in dem Sie sonst einkaufen. Auf diesem Weg klappt’s offensichtlich auch ganz gut mit der Unabhängigkeit.

Fotos: Supermarktblog

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