„10% günstiger als zu Kaiser’s Zeiten“? Warum Edekas Preisversprechen nicht für alle Kunden ein guter Deal ist

„10% günstiger als zu Kaiser’s Zeiten“? Warum Edekas Preisversprechen nicht für alle Kunden ein guter Deal ist

Inhalt:

Seit der Übernahme der Kaiser’s-Märkte wirbt Edeka in Berlin mit großzügigen Preisreduktionen um Kunden. Wer genauer hinsieht, merkt aber auch, dass zahlreiche Produkte plötzlich zu höheren Preisen als vorher im Regal stehen.

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Seitdem Edeka zu Beginn des Jahres große Teile von Kaiser’s Tengelmann übernommen hat, kriegt sich die Handelskette kaum noch ein vor Begeisterung über die eigene Großzügigkeit. „Gloobste nich, aba so isses!“, berlinerte der neue Eigentümer seine Kundschaft im Frühjahr während der Umstellung der Kaiser’s-Filialen an und garantierte „über 2.000 Artikel discountbillig“: „Auf Dauer. Versprochen!“

Kaiser’s-Stammkunden wurden mit ganzseitigen Anzeigen in den Werbeprospekten auf den bevorstehenden Preissegen vorbereitet:

„Bei Kaiser’s bezahlten Sie für diesen Einkauf 100,34 € und bei Edeka nur 76,66 € – 23,68 € gespart! Noch wat unklar?“

In den frisch aufgebackenen Märkten platzierte die (in Berlin verantwortliche) Edeka-Regionalgesellschaft Minden-Hannover randvolle Einkaufswägen mit Produkten, die nun günstiger zu haben sind als beim früheren Wettbewerber, um den Kunden ein Gefühl für die Ersparnisse zu vermitteln.

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Die Einkaufswägen sind inzwischen wieder verschwunden, dafür wurden Handzettel und Läden mit einem neuen Versprechen tapeziert:

„Edeka: 10% günstiger als zu Kaiser’s Zeiten!“

Das ist nicht mehr ganz so beeindruckend wie die Beispieleinkäufe, aber immer noch eine klare Ansage.

Auf Supermarktblog-Anfrage erklärt Edeka Minden-Hannover, der Durchschnittswert beziehe sich aufs gesamte Sortiment, und zwar „auf alle Märkte nach der sukzessiven Umstellung auf EDEKA ab April 2017“. Es würden nur „direkt vergleichbare Sortimentsteile verglichen“, inklusive Eigenmarken.

Auf den ersten Blick bestätigt Edeka damit eine Prognose, die man im monatelangen Streit nach der Untersagung der Übernahme durch das Bundeskartellamt selbst abgegeben hatte.

Um Argumente der Kartellwächter zu entkräften (und die beantragte Ministererlaubnis zu erhalten), argumentierte Edeka damals,

  • dass Kaiser’s Tengelmann gegenüber den großen Supermarktketten schon lange keine „relevante wettbewerbliche Kraft“ mehr gewesen sei, weil das Unternehmen bei Herstellern sehr viel teurer einkaufen müsse als die Wettbewerber.
  • dass die Verkaufspreise von Kaiser’s deshalb immer höher seien als bei anderen Supermärkten. Deswegen verliere die Kette kontinuierlich Kunden und Umsätze an Konkurrenten.
  • dass Kaiser’s jede Preiserhöhung der anderen Supermärkte sofort in den eigenen Läden übernehme, also immer bloß Nachzügler sei (siehe dazu auch Supermarktblog).

Nach einer Übernahme durch Edeka bliebe einerseits „das qualitätsorientierte Angebot“ erhalten, und andererseits sänken die Verkaufspreise auf das Niveau der großen Supermarktketten ab. Dass es – wie vom Kartellamt befürchtet – zu einer Preiserhöhung oder Angebotsverschlechterung kommen könnte, sei hingegen „sowohl theoretisch wie auch praktisch ausgeschlossen“ (Quelle: Sondergutachten der MonopolkommissionPDF).

„Vergleichen Sie selbst …“

Und tatsächlich: Viele Markenprodukte sind bei Edeka inzwischen günstiger als früher bei Kaiser’s, zum Teil sogar erheblich. Edeka selbst wirbt in Berlin (abhängig von Bezirk und Markt) mit Dr. Oetker Pizza (2,69 € statt 2,99 €), Langnese Cremissimo (3,29 € statt 3,69 €), Beck’s-Sechserpacks (3,99 € statt 4,59 €), McCain 1-2-3-Kroketten (1,79 € statt 1,99 €), Iglo Buttergemüse (1,59 € statt 1,79 €), Persil (5,49 € statt 6,29 €), Bauer Joghurt (0,65 € statt 0,75 €), Langnese Blütenhonig (2,99 € statt 3,39 €), Red-Bull-Viererpacks (5,39 € statt 5,99 €) u.a.

Genauso interessant ist es jedoch, sich anzuschauen, welche Produkte seit der Umstellung teurer geworden sind. Wie gut, dass Edeka seine Kunden auf Plakaten höflich dazu auffordert:

„Vergleichen Sie selbst …“

Machen wir! Praktischerweise habe ich mir im vergangenen März, als Edeka in Berlin seine „Gloobste nich“-Werbung startete, einen Kaiser’s-Markt in Berlin-Mitte ausgesucht, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf Edeka umgestellt war und deshalb weiter die „alten“ Preise an den Regalen stehen hatte. Diese Preise habe ich rund fünf Monate später durch sämtliche Produktkategorien hindurch mit den neuen verglichen – und diejenigen notiert, die sich zu Ungunsten der Kunden verändert haben, also: heute höher sind als im März.

Und das sind gar nicht wenige.

Preisvergleich: Kaiser’s vs Edeka

Kaiser’s-Preis
im März 2017
Edeka-Preis
im August 2017
Albi Apfelsaft klar 1l MW 1,49 1,89
Albi Orangensaft 1l MW 1,89 2,29
Arla Esrom Scheiben 175g 1,89 1,99
Arla Skyr sortiert 150g 0,69 0,79
Bärenmarke Schlagsahne 32% 500g 1,99 2,19
Barilla Vollkorn Penne/Pennete Rigate 500g 1,79 1,99
Bauer Cheestrings Twister 50g 2,19 2,29
Beck’s Pale Ale 4×0,33l 3,99 4,29
Berliner Pilsener 0,33l 0,65 0,79
Bonne Maman Gelee Rote Johannisbeere 370g 2,59 2,69
Bonne Maman Konfitüre Erdbeer, Aprikose 370g 2,59 2,69
Budweiser Budvar 6x 0,33l 4,69 4,79
Carlsberg 6×0,33l 4,79 4,99
Costa Tintenfischringe Knusper 400g 4,99 5,49
Darboven Eilles Gourmet Café 500g bzw. 2x250g 5,99 6,49
Dreamies Katzenssnacks Pute/Lachs/Lachs+Käse 60g 1,29 1,39
Dr. Oetker Bistro Mini Baguette Salami 240g 2,19 2,29
Erdal 1-2-3 Glanz schwarz 2,29 2,49
Erdal Schuhcreme Mittelbraun 75ml Tube 2,39 2,49
Erdal Schuhcreme schwarz 75ml Dose 1,89 2,29
Ferrero Hanuta Minis 200g 2,19 2,29
Ferrero Nutella 450g 2,65 2,79
Fritz Orangenlimo 0,33l 0,79 0,89
Frosch Aktiv Sauerstoff Fleckenzwerg 75ml 1,79 1,89
Frosta Bami Goreng 500g 3,49 3,59
Frosta Hähnchen Curry 500g 3,49 3,59
Frosta Paella 500g 3,49 3,59
Frosta Pappardelle Creme Spinaci 500g 3,29 3,49
Frosta Tortellini Tomate Sahne 500g 3,29 3,59
Hakle Sanft&Sicher Traumweich 4-lg. 8×130 Blatt 3,69 3,99
Harry Soft Bröd 500g 1,69 1,79
Heinrichsthaler Tilsiter Scheiben 150g 1,59 1,79
Hemme Fassbutter 200g 1,89 1,99
Hemme Joghurt Saison/Heidelb./Vanille/Bircher M. 200g 0,69 0,79
Hemme Vollmilch 3,7% 1l 1,09 1,19
Iglo Schlemmer-Filet Picante 380g 2,79 2,99
Jacobs Krönung Balance 500g 5,49 5,99 (D)*
Knack und Back 6 Croissants 250g 1,49 1,59
Knorr Bouillon für 5l 100g 1,09 1,19
Knorr Pasta Snack in Gulaschs./Käse-Sahne/Brokkoli-Sahne 0,99 1,19 (D)*
Kölln Hafersnack Cakes 200g 1,99 2,29
Kühne Cocktail Cornichons 180g 1,69 1,79
Landliebe Butter 250g 1,79 2,69
Lays Bugles Original/Paprika 100g 1,49 1,59
Maggi Rinderbrühe f. 6l od. Hühnerbrühe f. 4l 1,79 1,89
Meggle Alpenbutter 6×16,6g 1,29 1,59
Meggle Alpenbutter Süßrahm 250g 1,79 2,49
Milkana Sahne od. Käsevielfalt 8 Ecken 200g 1,99 2,19 (D)*
Milram Zaziki 200g 0,95 0,99
Mövenpick Der Himmlische Pads 112g 1,99 2,49
Onken Der Fettarme 1,5% 500g 0,99 1,19
Orbit Tropical 7er 0,55 0,59
Oryza Himalaya Basmati Reis 1kg 4,99 5,49
Oryza Ideal Reis 1kg 2,79 2,99
Oryza Natur&Wildreis 500g 2,99 3,29
Oryza Thai Reis Komposition 500g 2,99 3,29
Petri Petrella Schnittlauch 125g 1,49 1,59
Pickenpack MSC Alaska Seelachsfilet 800g 4,29 4,49
Président Meersalzbutter 250g 2,59 2,99
Reisfit Einfach lecker mediterran 250g 1,89 1,99
Rotkäppchen Camembert Original 125g 1,39 1,49
Rotkäppchen Landrahm Natur/Kräuter 150g 1,09 1,29
Rücker Alt Mecklenburger rahmig-kräftig 100g 1,59 1,69
Rügenwalder Veget. Frikadellen m. Paprika 165g 2,49 2,59
Sacla Arrabbiata/Napoletana 420g 2,29 2,79
Schwartau Erdbeere 4er Portion 0,99 1,29
Schwartau Extra Kirsche/Erdbeere/Aprikose 340g 2,09 2,19
Schwartau Extra Maxi Erdbeere 600g 2,99 3,19
Schwartau Pura Himbeere/Kirsche/Aprikose 200g 2,09 2,19
Schwartau Samt Maxi Erdbeere 465g 2,99 3,19
Schwartau Schoko Mac 400g 1,99 2,19
Schwartau Holsteiner Pflaumenmus 330g 1,99 2,19
SC Johnson Mr. Muscle Drano Power-Gel Rohrfrei 1l 2,99 3,29
Seitenbacher Düsis 250g 2,49 2,89
Seitenbacher Energy Müsli 750g 6,59 6,99
Seitenbacher Müsli Aktiv Mischung 750g 6,59 6,99
Seitenbacher Protein Müsli 454g 6,29 6,49
Seitenbacher Sonnenblumenkerne 500g 2,79 2,99
Sidol Universal-Kalklöser 500ml 2,99 3,29
Somat Maschinenpfleger 250ml 3,39 3,49
Spreewaldhof Cornichons Honig/Chili-Paprika 530g 1,99 2,29
Spreewaldhof Saure Gurken 650g 1,59 1,69
Storck Merci Petits Kaffee S./Chocolate Coll. 125g 1,59 1,79
Tempo Taschentücher 30×10 St. 2,79 2,89
Top Sea Tilapiafilets 400g 5,29 5,49
Wagner Piccolini Salami od. Schinken 270g 2,59 2,69 (D)*
Wasa Knäcke Rustikal/Mehrkorn 275g 1,39 1,49
Weihenstephan Frische Milch 3,5% 1l 1,09 1,39
Weihenstephan H-Milch 3,5% 1l 1,09 1,29
Weihenstephan Alpen Schlagrahm 32% 250g 1,35 1,49
Weihenstephan Tafelbutter 250g 1,99 2,49
Westland Old Amsterdam Scheiben 125g 2,39 2,69
Wrigley’s Extra Bubblemint 10er 0,69 0,79
Zetti Knusperflocken Vollmilch 140g 1,19 1,29
Zewa Ultra Soft 4-lg. 2×150 Blatt 1,75 1,89
*(D) = „Discountbillig“

Die Auswahl der Produkte erfolgte rein zufällig, sie ist naturgemäß unvollständig und gibt nur den Unterschied der Preise von Mitte März 2017 zu Mitte August 2017 wieder. Produkte, die in den beiden Vergleichszeiträumen im Angebot waren, habe ich bewusst außen vor gelassen; ebenso wie Produkte, die nun mit veränderter Füllmenge im Regal stehen.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Der Vergleich bezieht sich ausschließlich auf die Preissituation in dem von mir ausgesuchten Markt im Einkaufszentrum LP12 am Leipziger Platz in Berlin, der mir geeignet schien, weil er im März noch nicht in den Edeka-Listen der umgestellten Märkte auftauchte und im direkten Umfeld eine allenfalls moderate Supermarktkonkurrenz hat. Damit kann keinerlei Aussage über die Situation in anderen Neu-Edeka-Märkten getroffen werden.

Genauso wenig kann ich sagen, ob Preise womöglich auf Initiative des jeweiligen Herstellers erhöht wurden, z.B. wegen teurerer Rohstoffe. (Mit einer Ausnahme: Butter und Sahne sind seit März generell deutlich teurer geworden; das erklärt zumindest einen Teil des Preisanstiegs für die aufgeführten Molkerei-Markenprodukte.)

Dennoch relativiert der Vergleich einen entscheidenden Punkt des Edeka-Preisversprechens („10% günstiger als zu Kaiser’s Zeiten!“), das suggeriert, Preise seien womöglich für alle Produkte im Sortiment abgesenkt worden – mal mehr, mal weniger. Genau das ist aber im Beispielmarkt nicht der Fall.

Aus den Beobachtungen lassen sich einige Schlussfolgerungen ableiten:

  • Zweifellos hat Edeka zahlreiche Preise abgesenkt, offensichtlich aber vor allem für „Eckartikel“ bzw. „Ankerprodukte“: Artikel bekannter Marken, deren Preise viele Kunden in- und auswendig kennen, weil sie Marktführer in ihrer Kategorie sind, besonders intensiv beworben oder besonders häufig gekauft werden – und die deshalb für die generelle Preiswahrnehmung eines Ladens mit entscheidend sind. (Wenn ihr Lieblingsjoghurt in einem Markt günstig ist, neigen viele Kunden dazu, zu glauben, dass das auch für den Rest des Sortiments gilt.)
  • Für regelmäßige Käufer dieser Marken hat sich die Umstellung vermutlich gelohnt, weil sie ihr Produkt bei Edeka günstiger bekommen als früher bei Kaiser’s.
  • Zugleich sind Mittelmarken, Artikel weniger bekannter Hersteller und Produkte regionaler Hersteller teurer geworden: entweder geringfügig wie z.B. Rücker-Scheibenkäse Alt Mecklenburger (1,69 € statt 1,59 €) und Zetti Knusperflocken (1,29 € statt 1,19 €), oder deutlich wie Scala Tomatensaucen (2,79 € statt 2,29 €) oder Mövenpick Kaffeepads „Der Himmlische“ (2,49 € statt 1,99 €).
  • Dasselbe gilt für Produkte, die – obwohl vom selben bekannten Markenhersteller – in ihrer Kategorie als Alternative zum Standard positioniert sind: z.B. mit einer anderen Geschmacksrichtung, besonderen Zutaten oder in kleineren bzw. größeren Verpackungseinheiten. Der Oryza Himalaya Basmati-Reis kostet in der 1-Kilo-Packung 5,49 € statt 4,99 €, Wasa Knäcke in der Rustikal- bzw. Mehrkornvariante 1,49 € statt 1,39 €, die Zweier-Packung Zewa-Toilettenpapier Ultra Soft 1,89 € statt 1,75 €, Seitenbacher Energy Müsli 6,99 € statt 6,59 €.
  • Einzelne Produkte, die Edeka als „Discountbillig“ am Regal kennzeichnet, sind von Kaiser’s im März ebenfalls günstiger verkauft worden: Jacobs Krönung Balance (5,99 € statt 5,49 €), Knorr Pasta-Snacks (1,19 € statt 0,99 €), Milkana Käseecken (2,19 € statt 1,99), Wagner Piccolini (2,69 € statt 2,59 €),
  • Zugleich scheint Edeka die Auswahl an Mittelmarken reduziert zu haben, um mehr Platz für Eigenmarken zu schaffen. Zahlreiche Artikel kleinerer Markenhersteller finden sich nicht mehr im Regal.

Das heißt zusammengefasst: Wer vor allem bekannte Markenprodukte großer Hersteller in der Standardvariante kauft und sonst mit Eigenmarken zufrieden ist („Gut & Günstig“, „Edeka“), der profitiert vermutlich von der Preisgestaltung des neuen Markteigentümers. Alle, die auch mal Alternativprodukte bevorzugen, zahlen im Zweifel drauf – weil sie plötzlich mehr ausgeben müssen als „zu Kaiser’s Zeiten“. (Wie gesagt: bezogen auf den Markt, den ich mir angesehen habe.) Und manche Kunden merken vielleicht gar keinen großen Effekt: Viele Preise sind einfach gleich geblieben.

Ich habe Edeka Minden-Hannover gefragt, ob das Unternehmen kommuniziert, bei wievielen Produkten im Sortiment (bzw. welchem Anteil) die Preise seit der Umstellung im Schnitt erhöht wurden. Die Antwort:

„Eine genaue Anzahl können wir nicht nennen, der Anteil ist aber gering.“

Auf die Frage, ob Edeka Minden-Hannover die vorgenommenen Preisreduktionen bekannter Ankerprodukte durch Preiserhöhungen für weniger bekannte Markenprodukte kompensiert, antwortet das Unternehmen:

„Nein.“

Weniger Ausweichmöglichkeiten

Und doch liegt diese Annahme nahe: Einerseits wirbt Edeka mit Preisreduktionen für bekannte Marken, um damit bei den Kunden zu punkten. Andererseits werden Preise für Produkte erhöht, bei denen es nicht ganz so vielen direkt auffallen wird, oder Käufer keine andere Wahl haben als zu zahlen, wenn sie sich nicht umgewöhnen wollen.

Ganz ähnlich hatte es das Bundeskartellamt in seiner Begründung des Übernahmeverbots prognostiziert – nicht nur für Edeka, auch für den direkten Wettbewerber Rewe (noch ohne das Wissen, dass der ebenfalls einen Teil der Märkte abstauben würde):

„Auf konzentrierten Märkten kann die Übernahme eines engen Wettbewerbers (…) zu negativen wettbewerblichen Wirkungen führen. Im Falle von Preiserhöhungen oder anderen Angebotsverschlechterungen müsste Edeka nach dem Zusammenschluss die Abwanderung von Kunden zum engen Wettbewerber KT nicht mehr befürchten.“

Blieben nach dem Zusammenschluss „nur noch wenige oder sogar nur ein“ enger Wettbewerber „mit einer signifikanten Marktstellung“ (also z.B.: Rewe), so steige auch bei diesem der Anreiz, sich den wegfallenden Wettbewerbsdruck zu Nutze zu machen und evtl. Preise anzuheben.

„Im Ergebnis ergibt sich im Markt insgesamt als Folge der (partiellen) Internalisierung eines entsprechenden Wettbewerbsdrucks eine größere Marktmacht und ein insgesamt höheres Preisniveau bzw. eine andere Angebotsverschlechterung.“

Rewe strengt sich allerdings mindestens genau so an wie Edeka, diesem Eindruck mit Werbemaßnahmen entgegen zu wirken (siehe Supermarktblog).

Das Kartellamt schlussfolgerte,

„dass der angemeldete Zusammenschluss negative Auswirkungen nicht nur auf die Auswahlmöglichkeiten der Kunden bei herstellermarkengesteuerten Vertriebsformaten sondern auch einen spürbaren Einfluss auf die Einzelhandelspreise in Berlin haben wird.“

„Kein Anreiz, die Preise anzuheben“

Höchstwahrscheinlich ist diese Prognose nicht für alle Berliner Kunden in gleichem Maße eingetroffen. (Viele dürften wie gesagt von der neuen Preisgestaltung profitieren.) Aber zur Erinnerung: Edeka hatte im Vorfeld der Ministererlaubnis erklärt, „Effekte, die zu einer Preiserhöhung oder Angebotsverschlechterung führen könnten, seien (…) sowohl theoretisch wie auch praktisch ausgeschlossen“. Die geplante Übernahme „verursache weder bei Edeka noch bei Rewe einen Anreiz, die Preise anzuheben (…).“

(Vielleicht erwähnen Sie das demnächst genau so an der Kasse, wenn ihr Lieblingsartikel plötzlich mehr kosten soll als vor einem halben Jahr: dass Sie das für „sowohl theoretisch wie auch praktisch ausgeschlossen“ halten.)

Das hat sich als falsch erwiesen:

  • Durch den Wegfall von Artikeln kleinerer Hersteller aus dem Kaiser’s-Sortiment ist es für manche Kunden sehr wohl zu einer „Angebotsverschlechterung“ gekommen – genau wie für die jeweiligen Lieferanten. („Vor dem Hintergrund ihrer ohnehin aktuell sehr begrenzten Ausweichalternativen“ sei das Aus von Kaiser’s Tengelmann der „Wegfall einer wichtigen Ausweichalternative bei dem Absatz ihrer Waren“, hatte das Kartellamt argumentiert.) In welchem Umfang Artikel aus dem Angebot genommen wurden, sagt Edeka Minden-Hannover auf Anfrage nicht, erklärt lediglich allgemein:

„Im Zuge einer Sortimentsanpassung hinsichtlich Qualität und Nachfrage kam es zu einzelnen Auslistungen von Lieferanten. Vorrangig wurden die Kaiser’s-Eigenmarken (wie ‚Jeden Tag’ oder ‚Star Marke‘) durch EDEKA-Eigenmarken ersetzt. ‚Szeneartikel‘/Kiez-Artikel und beliebte Produkte blieben im Sortiment erhalten. Grundsätzlich wurden dabei Kundenwünsche berücksichtigt.“

  • Und dass Kaiser’s Tengelmann preislich angeblich nie mit Edeka und Rewe mithalten konnte, scheint wohl vor allem eine kalkulierte Diskreditierung gewesen zu sein, um die Ministererlaubnis zu erhalten.

Unterschiedliche Preisstrategien

Richtig ist, dass viele Produkte in Kaiser’s-Märkten kontinuierlich teurer waren als bei der Konkurrenz. Vor allem was Drogerieartikel und Wasch-/Putzmittel angeht, hat das Unternehmen ganz offensichtlich zu schlechteren Konditionen eingekauft als heute Edeka; auch bei alkoholischen Getränken gibt es auffällige Unterschiede. In vielen Sortimenten scheinen Preisdifferenzen aber daran gelegen zu haben, dass Kaiser’s Reduktionen für bekannte Markenprodukte nicht durch höhere Preise für weniger bekannte ausgeglichen hat. Die Handelskette verfolgte wohl lediglich eine andere (im Zweifel weniger schlau kommunizierte) Preisstrategie.

Wie Edeka jetzt in Berlin demonstriert, ist es deswegen aber wohl nicht so, dass Kaiser’s Tengelmann gegenüber den großen Supermarktketten keine „relevante wettbewerbliche Kraft“ gewesen wäre.

Bloß halt eine, die Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub nicht mehr ins Firmenportfolio gepasst hat, deren vermeintliche „Rettung“ dem damaligen Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel aber umso besser als vorgezogenes Wahlgeschenk an die Stammwählerschaft seiner Partei (siehe Supermarktblog). Die von Kritikern benannten Nachteile für die Allgemeinheit hielt Gabriel für vernachlässigenswert. Und die Unternehmen, die davon profitieren, geben sich derzeit große Mühe, möglichst effektiv davon abzulenken.

In der vergangenen Woche hat das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf derweil eine Klage von Edeka und Tengelmann gegen die Untersagung der Übernahme durch das Bundeskartellamt zurückgewiesen. Diese sei rechtmäßig gewesen.

„Noch wat unklar?“, hat Edeka zu Beginn seiner Preiskampagne in Berlin gefragt.

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Fotos: Supermarktblog"


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3 Kommentare
  • Sehr interessanter Artikel. Ich selbst wohne in einem Gebiet welches durch die Übernahme der Kaiser´s Märkte durch Rewe nun eindeutig zum „REWE Sektor“ , bzw. „REWE Zone“ mutiert ist.
    Was Edeka in letzer Zeit anspornt in „Kampflaune“ zu fallen. Beginnend durch Werbezettel als Beilage in regionele Zeitungen und Prospektwerbung durch die Post am Samstag. Weiter in den drang die ehemaligen Plus Märkte auf den neuen Netto (ohne Hund) Markt Typ umzubauen. Dies aber sich nur durch den austausch der Piktogramme, verrücken der Regale und neue Kassen mit Fingerabdruck Scan beschrenkt.

  • G&G ist preislich kein Argument für Edeka (falls das so gemeint war). Preiseinstieg war auch bei Tengelmann schon sehr lang ziemlich durchgängig auf Discounterniveau (mit der Folge, dass zu Zeiten der 2. Preisschiene Tengelmann teils wesentlich billiger war als Plus) und in jüngerer Zeit war auch fast das ganze Standarddiscountersortiment abgedeckt. Ansonsten von dem aus der Liste, wo ich relativ sicher Discounterpreisveränderungen aus Preiszeigerdaten rekonstruieren kann:

    Arla Skyr wie Netto, Bonne Maman bei Penny stärker erhöht (auf 2.79), Costa wie Penny, Dreamies bei Penny unverändert (billigere 1.25), Frosta Bami Goreng bei Netto von 3.19 auf 3.29 (Penny ähnliche unverändert 3.49), Krönung bei Netto und Penny schon im Januar auf 5.99 gestiegen, Pasta Snack wie Netto und Lidl, Maggi Brühe bei Netto und Penny schon über 1 Jahr 1.89, Milkana wie Netto, Lidl und Penny, Milram bei Netto am 28. Februar und bei Penny am 3. März erhöht, Schwartau Extra 340g bei Penny/Netto schon seit November/Januar teurer, Schoko Mac bei Penny wie Extra, Piccolini wie Netto und Penny.

    Man muss auch immer damit rechnen, dass Preisschilder falsch sind und nach Komplettaustausch erstmal alle richtig (bei Eröffnungen ist aber regelmäßig falsch, was kurz davor teurer geworden ist).

  • Interessant ist übrigens, dass Edeka jede Woche in jedem Berliner Bezirk zusätzlich zum normalen Prospekt regionale Aktionen fährt. Die darin beworbenen Produkt sind in allen Bezirken gleich teuer (oft wird z. B. Kiez-Bier beworben), für Deutschlandcard-Kunden gibt es aber unterschiedliche Angebote. Während in einem Bezirk in einer Woche 500 Punkte für die Neuanmeldung drin sind, gibt es in einem anderen Bezirk einen 5-fach-Coupon und im nächsten Bezirk Extra-Punkte ab einem gewissen Einkaufswert. Eine Woche später ziehen die Aktionen dann in den Bezirken weiter.

    Zur Zeit wird übrigens berlinweit in den Ex-Kaiser’s-Märkten mit 250 Deutschlandcard-Punkten geworben, wenn man die Punkte seiner Kaiser’s-Extrakarte auf eine Deutschlandcard am Servicepunkt überträgt. Geht interessanterweise auch mit leeren Extrakarten (aber nur einmal, danach kommt die Meldung, die Punkte wurden schon übertragen), dann werden 250 Punkte auf der Deutschlandcard gutgeschrieben.

    Zum Thema Preise: Nicht nur bei Edeka, sondern auch bei Rewe, Rossmann, Dm, Aldi usw. fällt mir auf, dass Preise innerhalb einer Kette schwanken. Bei Aldi z. B. kosten die Bananen dauerhaft in einer Filliale 6 Cent pro kg weniger als in anderen Fillialen. Man paßt sich also wohl der lokalen Konkurrenz an.

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